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Die Saison 2022/23 war mit Rang 18 in der Slalomwertung die schwächste seit acht Jahren. Wohl auch deswegen liess sie sich vor dem Saisonstart 2023/24 in die Speed-Gruppe einteilen, wollte jedoch weiterhin in allen Disziplinen an den Start gehen, hauptsächlich, weil es ihr Spass macht. Aus Schweizer Sicht muss man sagen: Gott sei Dank hat sich die 30-Jährige dazu entschieden, denn nach der Verletzung von Wendy Holdener sprang sie eindrücklich in die Bresche. Rang 4 am Ende des Winters, neun Top-10-Ergebnisse, darunter zwei Podestplätze. Solche Ergebnisse darf man eigentlich nicht erneut erwarten, hoffen, dass sie weiterhin derart Spass hat, darf man aber trotzdem.
Auch der Walliserin konnte in Abwesenheit von Top-Shot Wendy Holdener einen grossen Schritt nach vorne machen. Hatte sie in ihrer noch nicht so langen Karriere bisher immer wieder einmal starke Ausreisser nach oben, wurden Topresultate in der vergangenen Saison zur Gewohnheit. Mit dem Wechsel zurück auf HEAD hat sie im vergangenen Sommer alles richtig gemacht und schnupperte gleich mehrfach an einem Podestplatz. Nach dem Jahreswechsel verpasste sie als 12. in Åre nur einmal die Top-10, die Slalom-Wertung beendete sie schlussendlich auf Rang 9. Mit dem Ehrgeiz, welchen sie zu haben scheint, ist es eine Frage der Zeit, bis sie vom Podest oder gar von ganz oben strahlen darf.
Mit der 26-Jährigen kommen wir zu der Fahrerin, welche das starke "Holdener-Kompensations-Trio" komplettiert. Bei ihr war es schlussendlich Rang 14, sie konnte jedoch bereits beim ersten Slalom der Saison, also als Holdener noch fit war, mit dem siebten Rang ein Ausrufezeichen setzen. Anschliessend war sie konstant unterwegs, konnte mit dem fünften Platz in Jasna erneut ein Ausrufezeichen setzen. Was bei Meillard noch viel erfreulicher als die Resultate war, war aber die Tatsache, dass sie nach vielen Verletzungen das Vertrauen wieder gewonnen zu haben scheint. Ein weiterer Schritt nach vorne ist ihr durchaus zuzutrauen, ihr Potenzial ist ohnehin bekannt.
Bereits früh in der Saison wurde die Schwyzerin aus der Bahn geschmissen, konnte nur drei Slalomrennen absolvieren. In Levi schien sie dabei mit den Rängen 8 und 12 noch Mühe zu haben, in Killington schlug sie dann mit dem dritten Rang zurück. Tatsächlich wäre sie nach diesen drei Rennen bereits für das Weltcupfinale qualifiziert gewesen, konnte schlussendlich dort aber nicht antreten. Nun ist die 31-Jährige wieder fit und konnte schon in Sölden beim Riesenslalom zeigen, dass sie wieder da ist. Noch wird sie wohl nicht bei 100% sein, im Laufe der Saison dürfte sie aber wieder dorthin fahren, wo sie hingehört. Es wäre ihr zu gönnen, hatte sie doch nebst der Verletzung im letzten Winter mit dem Tod ihres Bruders Kevin einen noch schwereren Schicksalsschlag zu verkraften.
Jahrelang war von einem Nachwuchsproblem im technischen Bereich von Swiss-Ski die Rede. Nun, wirklich jung ist Nicole Good mit 26 Jahren nicht mehr, doch irgendwie hat man das Gefühl, ihre Entwicklung hat erst begonnen. Ihre Resultate in der vergangenen Saison waren erfreulich, sechsmal fuhr sie in die Punkte und konnte in Lienz mit Rang 9 ihr Karrierebestresultat realisieren. Schlussendlich verpasste sie als 27. der Slalomwertung das Weltcupfinale nur um sieben Punkte. Was beinahe noch beeindruckender ist: Good fuhr auch regelmässig im Europacup, konnte sich dort mit Rang 2 in dieser Disziplin einen Fixplatz sichern. Aufgeboten würde sie wohl aber sowieso werden. Mit noch mehr Konzentration auf den Weltcup dürfte auch sie in Sun Valley beim Weltcupfinale im März dabei sein.
Die sechste und letzte Fahrerin, welche in der vergangenen Saison Slalompunkte einfahren konnte, ist die Frau aus Unterbäch. Dreimal schaffte sie den Sprung unter die besten 30, mit Rang 16 in Courchevel kratzte sie an ihrem Karrierebestresultat (14.). Auch sie fuhr neben dem Weltcup auch in den Europacuprennen und schloss dort die Saison als Disziplinensechste ab. Diesen starken Rang hat sie vor allem ihren Ergebnissen zum Saisonende zu verdanken, als sie in Norwegen ebenfalls ein Rennen gewann. Es stellt sich die Frage, ob die 28-Jährige diesen Schwung über den Sommer hinaus in die neue Saison mitnehmen kann und nun - man ist fast gewollt, "endlich" zu sagen - sich auch im Weltcup endgültig etablieren kann.
23 Jahre alt ist die Bündnerin mittlerweile, womit sie durchaus noch als Talent bezeichnet werden kann. Egloff hat grosses Potenzial, das ist unbestritten. Allerdings konnte sie dieses Potenzial bisher nicht auf Weltcup-Niveau zeigen. In fünf Weltcupstarts klassierte sie sich nie unter den besten 30, war in der vergangenen Saison mit Rang 45 in Levi und Rang 44 in Courchevel auch weit davon entfernt. Sie kam in der vergangenen Saison aus einer einjährigen Pause zurück und konnte immerhin zu Beginn der Saison im Europacup zeigen, dass sie weiterhin auf der Höhe sein kann. Sie dürfte in dieser Saison wieder zu einigen Einsätzen auf höchster Stufe kommen, womöglich liegen dann auch Punkte drin für sie.
Erst 19 Jahre alt ist Janine Mächler und trotzdem hat sie schon vier Weltcupstarts hinter sich. Ihr erster Auftritt war im Januar 2023 in Flachau, die nächsten drei dann in der vergangenen Saison. Bei ihrem ersten Auftritt war mit über acht Zehntel der Abstand auf die ersten 30 zwar zeitmässig gross, rangmässig allerdings war sie mit dem 37. Platz einigermassen nahe dran und liess beispielsweise Chiara Poigneaux, die mittlerweile regelmässig viele Punkte einfährt, hinter sich. Im Europacup holte sie zwar nicht sehr viele Punkte, konnte aber andeuten, dass ihr Weg noch weit gehen kann. Dies tat sie auch schon 2023 an der Junioren-WM mit Silber, im vergangenen Winter konnte sie gemeinsam mit Stefanie Grob Bronze in der Team-Kombi holen.
Ein Rennen mehr im Weltcup absolviert als Mächler hat bisher Aline Höpli. Auch sie war schon nahe an einer Qualifikation für den zweiten Durchgang, gereicht hat es der 23-Jährigen allerdings noch nie. Im Europacup konnte sie drei Top-10-Ergebnisse vorweisen und schloss die Wertung dort direkt hinter Selina Egloff auf Rang 17 ab. Aufgrund des nicht enorm breiten Slalom-Teams dürfte sie auch in diesem Jahr zu ihren Chancen kommen, erste Weltcuppunkte sind durchaus realistisch.
Ein Blick auf ihre Rennbilanz ist ein Blick des Schreckens. Nicht etwa aufgrund ihrer Resultate, sondern viel mehr aufgrund der Tatsache, dass sie nach der Saison 2018/19 bis zur Saison 2022/23 kaum noch fahren konnte. Nach vielen Verletzungen fuhr sie dann hauptsächlich in FIS-Rennen immer wieder in die vordersten Regionen und konnte auch im Europacup regelmässig punkten. Dafür wurde sie dann im vergangenen Dezember mit ihrem ersten Weltcup-Rennen belohnt. Auf lädierter Piste chancenlos und doch um eine wertvolle Erfahrung reicher nach ihrer Verletzungsgeschichte, dürfte sie auch in dieser Saison das ein oder andere Mal starten dürfen.
In den FIS-Rennen regelmässig zuoberst, im Europacup immerhin immer wieder in den Punkten. Bei ihren beiden Weltcup-Starts schied sie einmal aus und hatte einmal zwei Sekunden Rückstand auf die Punkte. Besser lief es ihr im Januar und Februar aber an der Junioren-WM. Gold in der Team-Kombi mit Malorie Blanc, drei Tage später liess sie im Spezialslalom die Silbermedaille folgen. Geschlagen wurde sie dabei einzig von Dzenifera Germane, letzte Saison dreifache Top-10-Fahrerin im Weltcup. Mit 21 Jahren gehört sie nicht mehr zu den jüngsten Talenten, hat aber immer noch mehr als genug Zeit, ihr Potenzial zu entfalten.
Für einen Start in einem Slalom-Weltcuprennen reichte es der 22-Jährigen bisher noch nie, dafür aber in einem Parallelslalom, wo sie 2021 auf den 44. Rang fuhr. 2022 war ihr grosses Jahr, denn bei den Youth Olympic Games konnte sie sich gleich zweimal Gold sichern, durfte sich zudem in der Kombi Bronze umhängen lassen. Ein Blick auf ihre Europacupresultate erstaunt doch ein wenig, denn sie startete in der vergangenen Saison fast ausschliesslich im Slalom, obwohl dies an den Jugendspielen ihre schwächste Disziplin war. Nur zu acht Punkten reichte es ihr in der Slalom-Wertung, sie muss sich wohl noch steigern, um zu weiteren Chancen zu kommen.
Zum Schluss dieses Artikels kommen wir zu einer Fahrerin, über die wir am wenigsten wissen von allen. Eigentlich ist sie ja zurückgetreten, entschied sich allerdings im letzten Winter dazu, es noch einmal wissen zu wollen. Wenn wir ehrlich sind, wissen wir noch gar nicht, ob Bösch überhaupt im Slalom antreten wird, denn ihre ersten beiden Rennen nach dem Comeback waren zwei Super-Gs an den Schweizer Meisterschaften. Im Sommer fuhr sie in Neuseeland eher in den technischen Disziplinen, vor ihrem Rücktritt hatte sie allerdings im Super-G und im Riesenslalom bessere Resultate. Wo auch immer Bösch schlussendlich startet, man darf gespannt sein, ob sie ihr grosses Potenzial ein zweites Mal abrufen kann.