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Der neue ZSC-Headcoach lässt Bayer trotz seines Doubles wie einen Anfänger aussehen

Die beeindruckende Karriere von Claude Julien

In den letzten Wochen gab es viele Transfers in der National League, auch viele neue Import-Spieler haben den Weg in die Schweiz gefunden. Dabei ging fast ein wenig unter, dass zwei Clubs auch zwei komplett neue Gesichter auf der Trainerposition präsentiert haben. Einer davon ist Claude Julien.

Die Meldung, dass Marco Bayer bei den ZSC Lions nicht weiter engagiert wird, kam doch einigermassen überraschend. Trotz Meistertitel in seiner ersten halben Saison war das Ausscheiden im Playoff-Halbfinale von diesem Jahr verheerend für den 53-Jährigen. Doch wie ersetzt man einen Erfolgscoach?

Die Antwort lieferten die Zürcher relativ schnell. Rund einen Monat nach der Entlassung Bayers präsentierten die Zürcher Claude Julien als neuen Headcoach. Ein tatsächlicher Erfolgscoach, gegen den Bayer leider wie ein Schulknabe aussieht, der sich über seinen ersten 6er im Englisch-Vokabeln-Test freut.

2025 holte Bayer mit den ZSC Lions den Meistertitel.

Mit seinen 66 Jahren bringt der Kanadier extrem viel Erfahrung mit. Julien wollte einst selbst Profi werden, war auch auf dem besten Weg dazu. Richtig hingehauen hat es aber trotzdem nicht. In den kanadischen Junioren-Ligen noch stark, konnte er sich über die AHL einzig für 14 NHL-Spiele für die Québec Nordics aufdrängen.

Kaum Pause nach der Aktiv-Karriere

1992 beendete er dann seine Karriere und stieg nur ein Jahr später ins Trainerbusiness ein. Bei den Ottawa Jr. Senators machte er sich erst in der CJHL einen Namen. 1994 wurde er Assistenztrainer in der QMJHL, wo er bei den Hull Olympiques in seiner ersten Saison Champion wurde und nach nur zwei Jahren zum Head Coach beordert wurde und diese Rolle anschliessend vier Jahre lang ausfüllte, inklusive des Siegs des CHL Memorial Cups 1997.

Julien war damals aber nicht nur Trainer der Olympiques, sondern auch verschiedener U-Nationalmannschaften Kanadas. 1999 führte er die U 20 zum Gewinn der WM-Silbermedaille, ein Jahr später gab es dann immerhin noch die Bronzemedaille.

Die AHL als Sprungbrett

Im Jahr 2000 ging es für ihn dann auf Clubebene eine Stufe nach oben. Bei den Hamilton Bulldogs übernahm er das AHL-Team, welches er zwei ganze Saisons coachte. Dies tat er anscheinend so gut, dass er mitten in seiner dritten Saison von seinem ersten NHL-Team verpflichtet wurde und gar noch zum AHL-Trainer des Jahres ausgezeichnet wurde.

Mitten in der Saison 2002/03 übernahm der heute 66-Jährige die Montreal Canadiens und blieb dort bis in der Saison 2005/06, als er mitten in der Saison gefeuert wurde. Trotzdem durfte er einige Monate später als Assistenztrainer der kanadischen Nationalmannschaft zur WM, wo es für einmal aber keine Medaille gab.

Ein missratenes Abenteuer in New Jersey ebnete den Weg zum Erfolg

Langweilig wurde dem Kanadier während seiner ganzen Karriere mit Sicherheit nie. Im Sommer 2006 heuerte er bei den New Jersey Devils an, wo er allerdings keinen Erfolg hatte. Es schien fast so, als würde die Karriere plötzlich am seidenen Faden hängen – Erfolg war gefragt.

Was aber folgte, war ein erneutes Engagement in der NHL und seine erfolgreichste Trainerstation. Spätestens in der Saison 2008/09 zweifelte gar niemand mehr an seinen Qualitäten. Julien wurde mit dem "Jack Adams Award" zum besten Trainer des Jahres ausgezeichnet und war gar Head Coach im All-Star Game.

Der grosse Triumph

Im Sommer 2011 feierte Julien dann seinen vorerst grössten Erfolg seiner Karriere. Mit den Boston Bruins, mit denen er mittlerweile schon seine vierte Saison hinter sich gebracht hat, feierte der damals 51-Jährige den Triumph des Stanley Cups. Besonders beeindruckend daran: Nach einem 0:2-Serienrückstand antwortete seine Mannschaft mit einem 8:1 gegen die Vancouver Canucks und sicherte sich den Titel anschliessend auswärts in Vancouver in Spiel 7.

Bei den Bruins lief es Julien fast zehn Jahre lang wie geschmiert.

Die Bruins hielten natürlich bis zur Saison 2016/17 am Erfolgscoach fest, als er mitten in der Saison entlassen wurde. Seit dem Stanley Cup ist Julien allerdings auch noch ein weiterer grosser Coup gelungen – wenn auch nicht mit den Bruins. 2014 amtete er als Assistenzcoach der kanadischen Olympia-Auswahl, die überlegen die Goldmedaille gewinnen konnte.

Julien gewann, was es zu gewinnen gibt

Nach seiner Entlassung bei den Bruins fand der Kanadier schnell wieder in die Spur, beendete die Saison als Head Coach der Montreal Canadiens und hielt sich bei den Kanadiern über vier Jahre lang. Wieder war der grösste Erfolg allerdings nicht mit dem Club, sondern mit dem Nationalteam. Wieder als Assistent gab es 2017 den Weltmeistertitel, womit er in den "Triple Gold Club" der Trainer aufsteigen konnte.

Julien 2011 mit dem Stanley Cup.

Dem Nationalteam blieb er weiterhin eng verbunden, sodass er sich während der Saison 2021/22 gar nur auf den Nationaltrainerposten konzentrierte. Bei den Olympischen Spielen gab es aber mit dem Viertelfinal-Out gegen Schweden eine grosse Enttäuschung. Wenige Monate später konnte Julien die Schmach mit der WM-Silbermedaille immerhin ein bisschen gutmachen, einen Verbleib gab es allerdings nicht.

Ein erstes Abenteuer in der Schweiz

In der Saison 2022/23 war Julien dann ein erstes Mal bei einem National-League-Team im Einsatz. Beim HC Ambri-Piotta war er erst im September für zwei Wochen, dann im Dezember und erneut im Februar als "Senior Advisor" tätig, nebenbei aber auch noch als Scout bei den St. Louis Blues.

Dies war er auch eine Saison später noch, doch die Rolle schien ihm nicht zu genügen. Ab der Saison 2024/25 war er als Assistent von Jim Montgomery aktiv – eine Rolle, welche er bis zu seinem Wechsel zu den ZSC Lions ausgeführt hat. Durchaus möglich, dass ihm sein ehemaliger Spieler Pius Suter die Stadt Zürich und den Schweizer Meister von 2024 und 2025 schmackhaft gemacht hat.

Gegen den alten Freund um den Titel kämpfen

Ein spezielles Treffen wird es in seiner Zeit in der Schweiz ganz bestimmt geben – jenes mit Geoff Ward vom Lausanne HC. Die Wege der beiden kreuzten sich immer mal wieder und so waren sie in zehn verschiedenen Saisons Arbeitskollegen. Erst bei der U 18 Kanadas, später bei den Hamilton Bulldogs in der AHL, und dann auch bei den Boston Bruins, wo Ward Julien zum Stanley-Cup-Sieg assistiert hat.

Nachdem beide Teams in der vergangenen Saison hinter den Erwartungen geblieben sind, dürften sich die beiden Freunde nun aber bekämpfen – womöglich ja gar im Playoff-Finale, wo Julien natürlich nur zu gerne sein bereits jetzt eindrückliches Palmares ausbauen würde.

Julien mit Ward als Assistenten.

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2026-07-23 18:27:30