Beim Nations-League-Heimspiel gegen Slowenien führt die Schweizer Nati erstmals seit 25 Jahren wieder Stehplätze ein. Möglich macht das eine neue UEFA-Regelung. Der SFV will damit nicht nur die Atmosphäre verbessern, sondern auch die Dauerdebatten um stehende Fans in der Kurve beenden. Die neuen Blöcke in Luzern sind bereits ausverkauft.
Beim Nations-League-Heimspiel gegen Slowenien am Samstag wird es in der Schweizer Fankurve erstmals seit mehr als 25 Jahren wieder Stehplätze geben. Der SFV nutzt damit eine neue Regelung der UEFA und kommt gleichzeitig einem Wunsch vieler Fans entgegen. Neben einer besseren Stimmung soll die Änderung auch alte Konflikte in der Kurve entschärfen. Wie der Blick berichtet, sind die Stehplätze für die Partie gegen Slowenien bereits ausverkauft.
Am 1. September 2001 bestritt die Schweiz letztmals ein Heimspiel mit klassischen Stehplätzen. Damals verlor die Nati in Basel mit 1:2 gegen Jugoslawien. Nun endet die lange Pause. Möglich macht das eine Änderung auf UEFA-Ebene. Nach einer mehrjährigen Testphase sind Stehplätze seit dem 1. September 2026 wieder in allen UEFA-Wettbewerben zugelassen.
Der SFV war nicht Teil des ursprünglichen Pilotprojekts, darf die Möglichkeit aber ebenfalls nutzen, weil entsprechende Stehplatzbereiche in den Stadien der Swiss Football League bereits seit mindestens drei Jahren bestehen. Für die beiden Nations-League-Partien gegen Slowenien am 3. Oktober und Nordmazedonien am 6. Oktober werden die Sektoren B2 und B3 in Luzern deshalb als Stehplatzbereiche geführt.
Bei den Fans kommt die Neuerung gut an. Nati-Dauergast Marcel Rohner, der bereits mehr als 150 Länderspiele besucht hat, sieht vor allem einen praktischen Vorteil. In der Vergangenheit habe es immer wieder Diskussionen zwischen Fans gegeben, die während des Spiels stehen wollten, und Zuschauern, die auf ihrem nummerierten Sitzplatz bestanden. Obwohl innerhalb der Fankurve faktisch häufig freie Platzwahl herrschte, sorgte genau das immer wieder für Reibungen.
Mit dem neuen Stehplatzsektor sei diese Frage nun geklärt. Gleichzeitig grenzt Rohner die Nati-Kurve ausdrücklich von gewissen Entwicklungen im Klubfussball ab. Pyrotechnik und Krawall hätten dort nichts zu suchen, vielmehr solle die Kurve für alle offenbleiben.
Auch der Verband begrüsst die Änderung. "Stehplätze gehören für uns zum Fussball", erklärt der SFV gegenüber Blick. Erfahrungsgemäss werde die Atmosphäre in einem Stadion häufig von den stehenden Fans in der Kurve geprägt.
Ein finanzieller Coup ist die Umstellung dagegen nicht. Zwar können durch die Stehplätze mehr Tickets verkauft werden, gleichzeitig sind diese günstiger als die bisherigen billigsten Sitzplätze. Für die Nations League kostet ein Stehplatzticket für Erwachsene 31.30 Franken. Bei einem ausverkauften Stadion dürften sich zusätzliche Kapazität und tiefere Preise laut SFV ungefähr ausgleichen. Mehr Einnahmen seien bei der Entscheidung ohnehin nicht ausschlaggebend gewesen.
Die Nachfrage ist trotzdem gross. Für das Spiel gegen Slowenien waren zum Zeitpunkt der Blick-Anfrage bereits 15'457 Tickets verkauft, die Schweizer Stehplatzkurve war komplett ausverkauft. Freie Plätze soll es nur noch im Gästesektor geben. Für die Partie gegen Nordmazedonien waren bereits rund 14'000 Karten abgesetzt, etwa die Hälfte der verfügbaren Stehplatztickets war verkauft. Damit erlebt die Schweizer Nati am Samstag nicht nur ihr erstes Heimspiel seit der WM, sondern auch eine kleine Rückkehr zu früheren Fussballzeiten.
Dennis Rogge Fussball Fussball A-Nationalmannschaft SFV UEFA UEFA Nations League