Nach einer nicht ganz einfachen Weltcup-Saison meldet sich Lenz Hächler im Sommertraining in Stans angriffslustig zurück. Mit einem prall gefüllten Europacup-Rucksack und neuem Selbstvertrauen im Gepäck peilt der Youngster für den kommenden Winter den permanenten Durchbruch im Weltcup an.
Unter der Leitung von Athletiktrainer Alejo Hervas schuften die Schweizer Skirennfahrer seit Anfang Mai im nidwaldnerischen Stans für die physischen Grundlagen. Trotz der enormen Intensität zeigt sich der Youngster beim SRF äusserst zufrieden mit den Fortschritten: "Es ist eine coole Woche gewesen, eine strenge Woche. Wir sind jetzt ja seit Mitte, Anfang Mai am Vollgasgeben".
Einzig das Knie wirft noch kleine Schatten. Nach einem Verdreher mitten in der vergangenen Saison schleppt der Schweizer eine Knochenprellung mit sich herum. Während das Krafttraining komplett beschwerdefrei absolviert werden kann, zwickt es in extremen Positionen noch leicht: "Aus dem tiefen Winkel ist es noch nicht so geschmeidig, beziehungsweise spüre ich es noch, da kann ich noch nicht richtig reingehen". Im Kreis der Trainingsgruppe um Gesamtweltcupsieger Marco Odermatt stimme die Chemie dennoch perfekt – man pushe sich tagtäglich gegenseitig.
Der Blick zurück auf den vergangenen Winter löst beim Nachwuchsfahrer gemischte Gefühle aus. Vor allem im Riesenslalom kam er im Weltcup nicht wie gewünscht auf Touren, was auch an einer komplett verpassten Sommervorbereitung im Vorjahr lag. Dadurch fehlten wichtige Erfahrungswerte mit dem neuen Material.
"Für mich ist es schwierig gewesen, in diesem Wirrwarr meine Linie zu finden und nicht zu viel dazuzunehmen", gesteht er offen und gibt Einblick in seine damalige Gefühlswelt. Wenn erst einmal der Wurm drin sei, beginne das Grübeln. Die Erlösung brachte schliesslich einen bewussten Schritt zurück: "Ich glaube einfach, wenn mal der Wurm drin ist, dann muss man irgendwann einfach ein Reset machen, nach vorne schauen und sich neue Ziele setzen".
Dieser Reset gelang im Europacup eindrücklich. Nach einem Schuhwechsel kehrte die Sicherheit zurück, was sich sofort in starken Ergebnissen niederschlug. Belohnt wurde die Trendwende mit einem Fixplatz im Weltcup für alle Disziplinen.
Für den kommenden Winter hat der Youngster ein klares Ziel vor Augen: Konstanz statt permanentes Pendeln. "In der neuen Saison würde ich mir wünschen, dass ich eine ganze Weltcup-Saison fahren kann. Die letzten drei Jahre bin ich immer hin und her geswitcht", erklärt er. Die Sehnsucht nach einem festen Umfeld und Ruhe im Team ist gross, auch wenn er sich der brutalen mannschaftsinternen Konkurrenz bei Swiss-Ski bewusst ist.
Gerade auf den Speed-Strecken, die er teilweise noch nie befahren ist, fordert er von sich selbst Geduld, will aber keineswegs in Ehrfurcht erstarren: "Es ist noch niemand mit dem ersten Anlauf gerade hineingestochen. Darum muss man sich auch seine Zeit nehmen, aber ich versuche, dort mit Selbstvertrauen aufzutreten".
Dominic Hodel Lenz Hächler Ski Alpin Swiss-Ski welovesnow.ch