Die Skifahrer stecken zurzeit mitten in der Vorbereitung auf die neue Saison. Einer, der das ganze Prozedere nicht mehr durchmachen muss, ist Niels Hintermann. Von den Fans wird der charismatische Zürcher vermisst werden, natürlich auch von den Kollegen. Trotzdem gibt es bei gleich mehreren Athleten wohl ein lachendes Auge.
Niels Hintermann hatte Ecken und Kanten. Was in vielen Sportarten womöglich nicht gerne gesehen worden wäre, ist genau das, was der Skisport gebraucht hat. Einer, der seine Meinung offen kundgibt, auch mal kritisiert, aber immer im fairen und argumentierten Rahmen.
Beispielsweise bei den Olympischen Spielen 2026, als Niels Hintermann als viertbester Schweizer Abfahrer für Olympia nominiert wurde, schliesslich aber die Qualifikation gegen Stefan Rogentin – und nicht wie von den Trainern scheinbar versprochen gegen Alexis Monney und Rogentin – fahren musste.
Hintermann kritisierte das Vorgehen der Trainer, entschuldigte sich später aber für seine Worte und gab sich Stefan Rogentin gegenüber sehr fair und wünschte dem Bündner viel Erfolg bei den Rennen, für die eigentlich auch er selbst berechtigt gewesen wäre. Streit gab es zwischen den beiden wohl nie, trotzdem dürfte Rogentin mit Blick auf die anstehende WM froh sein, einen Konkurrenten weniger zu haben.
Gerade mit Blick auf die WM-Plätze, von denen die Schweiz dank des Weltmeistertitels von Franjo von Allmen in der Abfahrt fünf hat, zeigen sich zwei weitere Gewinner. Auch Alessio Miggiano hätte die Olympia-Norm eigentlich erfüllt, war allerdings nur der sechstbeste Schweizer Fahrer. Macht er so weiter, ist er nach dem Rücktritt von Hintermann wohl Kandidat Nummer 1 auf das fünfte WM-Ticket.
Dafür muss er aber zwingend besser sein als Justin Murisier, der gegen Ende der letzten Saison mit zwei zehnten Plätzen gezeigt hat, was noch immer in ihm steckt. Auch für Murisier öffnet sich die Tür zur WM durch den Rücktritt von Hintermann wieder um ein grosses Stück.
Lars Rösti hat wahrlich keine einfache Saison hinter sich. Einzig in Crans-Montana konnte der Berner Oberländer besser performen, verpasste das Weltcupfinale als 26. schlussendlich aber knapp. In der Weltcupstartliste ist der 28-Jährige derzeit 29., wird aber dank des Rücktritts von Hintermann etwas ruhiger an den Start gehen können.
Übrigens gibt es nicht nur im Schweizer Team Fahrer, die Hintermanns Abschied begrüssen dürften, sondern auch von den internationalen Fahrern. Stefan Babinsky und Luis Vogt beispielsweise teilen sich derzeit den 30. Rang in der WCSL, Felix Monsén und Bryce Bennett sind knapp dahinter.
Ebenfalls knapp hinter den ersten 30 befindet sich Marco Kohler als 34. Der Verletzungspechvogel kann allerdings auch dank Hintermanns Rücktritt etwas entspannter in seine Comebacksaison gehen, da ein Konkurrent wegfällt. Ein Rücktritt steht ja bekanntlich ohnehin ausser Frage.
Mit Hintermann wären nämlich gleich acht Schweizer in den Top 30 klassiert gewesen. Bei insgesamt nur acht Quotenplätzen wäre es für Kohler fast ein Ding der Unmöglichkeit geworden, zu Einsatzmöglichkeiten zu kommen. So hat der 28-Jährige allerdings ein kleines Polster auf Livio Hiltbrand, und dürfte immer wieder Chancen bekommen, sich zu beweisen.
Genau dieser Livio Hiltbrand wird wohl eher wenige Chancen auf der grössten Bühne bekommen und muss sich daher eher im Europacup beweisen. Er wäre wohl der erste Profiteur davon, wenn Marco Kohler nicht rechtzeitig auf die ersten Speed-Rennen im Dezember fit werden würde.
Auch er hat in diesem Falle seinen Startplatz aber alles andere als garantiert. Nachdem er immer wieder stürzte und kurzzeitig gar nicht mehr im Aufgebot stand, hat nämlich auch Arnaud Boisset im März mit dem 13. Rang wieder ein starkes Ergebnis gezeigt. Der Walliser kämpft wohl mit Hiltbrand um den Platz als erster Ersatzfahrer.
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