Wisst ihr, was der Super-G von Beaver Creek und jener von Kvitfjell gemeinsam haben? Es waren die einzigen beiden Speed-Rennen in dieser Saison, in denen kein Schweizer auf dem Podest gestanden hat. Eigentlich reicht dieser Fakt bereits, um sagen zu können, dass die Schweizer Speed-Männer einmal mehr abgeliefert haben. Wir wollen allerdings noch etwas mehr in die Tiefe gehen.
16 Rennen gab es in dieser Saison für die Speed-Athleten. Neun Abfahrten und sieben Super-Gs wurden ausgetragen, in acht Rennen stand ein Schweizer am Schluss zuoberst. Anders als noch in der vergangenen Saison wurden die Siege allerdings auf zwei Athleten aufgeteilt: Marco Odermatt und Franjo von Allmen.
Allgemein fällt auf, dass die Schweizer in dieser Saison nicht mehr ganz so breit aufgestellt waren. Während die letzte Saison Justin Murisier mit seinem ersten Weltcupsieg noch brillieren konnte, waren es in der abgelaufenen Saison einzig noch Alexis Monney und Stefan Rogentin, die erneut aufs Podest fahren konnten. Allerdings war dies bei Monney nur noch zweimal der Fall, bei Rogentin gar nur einmal.
In der Saison 2024/25 stand 27-mal ein Schweizer auf dem Podest. Bei 48 möglichen Podestplätzen war dies eine Quote von über 50 Prozent. In diesem Jahr kam Swiss-Ski mit 20 Podestplätzen nicht mehr ganz an diese Quote heran, von einer schlechten Saison sollte jedoch aufgrund von 15 Platzierungen von Rang 4 bis 6 auf keinen Fall gesprochen werden.
20 Podestplätze sind aufs Neue sehr beeindruckend. Vor allem wenn man bedenkt, dass nur vier Fahrer diese 20 Podestplätze herausfahren konnten, ist die Marke mehr als gut. Zehnmal stand Marco Odermatt in den 16 Speed-Rennen auf dem Podest, konnte sich sechsmal gar über den Sieg freuen. Die einzigen Wermutstropfen, die beim Nidwaldner bleiben: der verpasste Kitzbühel- und der verpasste Olympia-Sieg.
Immerhin siebenmal auf dem Podest stand Franjo von Allmen, zweimal als Sieger. Nach seiner Durchbruchssaison im vergangenen Jahr konnte sich der Boltiger endgültig in der Weltspitze etablieren und kann vor allem dank seiner drei Olympia-Goldmedaillen auf eine mehr als gelungene Saison zurückblicken.
Nicht ganz bestätigen konnte Alexis Monney seine beeindruckende Vorsaison. Der Freiburger blieb in dieser Saison ohne Sieg und wollte gemäss Reto Nydegger, Speed-Cheftrainer der Schweizer, häufig zu viel. Dass es trotzdem zu zwei zweiten Plätzen gereicht hat, ist aber stark. Bei Stefan Rogentin ging nach den Olympischen Spielen der Knopf wieder auf: Beim Schweizer Dreifachsieg von Garmisch-Partenkirchen konnte der Bündner mit Rang 3 glänzen.

Die Entdeckung der Saison war aus Schweizer Sicht sicherlich Alessio Miggiano. Der Zürcher war durch starke Leistungen im Europacup mit einem Fixstartplatz ausgestattet und startete so in allen neun Abfahrten, durfte zudem bei vier Super-Gs mittun. Während man bei Platz 5 in Gröden noch von Startnummernglück sprach, überzeugte er in Crans-Montana mit Rang 8 erneut und könnte der nächste Schweizer Speed-Star werden.
Miggiano war aber nicht alleine. In der vergangenen Saison war im Europacup nämlich Junioren-Weltmeister Livio Hiltbrand gar noch besser. Der erhoffte Befreiungsschlag kam allerdings lange nicht. Nur drei Pünktchen sammelte er im Dezember und Januar, ehe er in Crans-Montana mit dem 13. Rang endlich das erstrebte Top-15-Resultat einfahren konnte.
Mit Spannung erwartet wurde das Comeback von Niels Hintermann, der nach seiner Krebserkrankung zurück im Weltcup war. Der Zürcher lieferte einmal mehr ab, fuhr starke Resultate heraus und erfüllte eigentlich gar die Olympia-Norm. Zur Überraschung fast aller entschied er sich aber noch vor dem Saisonfinale, seine Karriere zu beenden.
Ebenfalls wieder einen Schritt nach vorne konnte Marco Kohler machen, der sich endgültig von seinem Kreuzbandriss erholt hatte. In Kitzbühel dann aber der Schock: Kohler hielt sich das geschwollene Knie und musste für Abklärungen zurück in die Schweiz. Die niederschmetternde Diagnose: Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie.
"Knapp verpasst" ist ein Begriff, der relativ gut zu Lars Röstis Saison passt. Der Berner Oberländer, der in der vergangenen Saison doch das ein oder andere sehr überraschende Ergebnis herausgefahren hat, musste in dieser Saison zwei knappe Niederlagen einstecken. Einerseits verpasste er in der Abfahrt das Weltcupfinale als 26. knapp, im Europacup den Fixstartplatz im Super-G als Vierter ebenfalls. Nach anfänglichen Schwierigkeiten konnte er sich aber mit dem sechsten Rang im Wallis etablieren und zeigte auch in Garmisch eine starke Leistung.
Starke Leistungen kannte man vor zwei Jahren eigentlich auch von Arnaud Boisset. Der Walliser war damals ebenfalls mit einem Fixstartplatz ausgestattet und schaffte es beim Saisonfinale gar erstmals aufs Podest. Nach dem schweren Sturz und dem Saisonabbruch in der vergangenen Saison, scheint Boisset den Tritt so langsam wiederzufinden. Die Verletzung von Kohler war wohl sein Glück, dass er trotz zwischenzeitlichem Verlust des Weltcup-Startplatzes wieder auf oberster Stufe antreten durfte, mit Platz 13 in Courchevel zeigte er aber, dass man ihn noch nicht abschreiben darf.
Auch immer spannend zu sehen, sind die Auftritte von Loïc Meillard im Super-G. Jeden bestreitet der gebürtige Neuenburger nicht und trotzdem zeigt er immer wieder starke Leistungen. Durch das dichte Technik-Programm hat Meillard in dieser Saison vier Super-Gs bestritten und überzeugte in Livigno mit Rang 7.
Nicht im Weltcup gesehen hat man in dieser Saison Gino Caviezel und Josua Mettler. Gino Caviezel ist nach seinem Sturz in Bormio kurz vor dem Jahreswechsel 2024/25 nur in einem Riesenslalom gestartet, Mettler versuchte sich im Europacup wieder heranzutasten. Schlecht waren seine Leistungen nicht, allerdings noch weit weg von seinem eigentlichen Leistungsniveau.
Ein Blick auf die Weltcupstartliste dürfte hauptsächlich für drei Fahrer besorgniserregend sein. Acht Fahrer - ohne Fixstartplätze - dürfen für Swiss-Ski in der Abfahrt an den Start gehen. Zurzeit befinden sich in der Weltcupstartliste genau acht Athleten in den Top 30, die eigentlich immer zu einem Start berechtigen. Da Niels Hintermann zurückgetreten ist, wird immerhin ein Platz frei, den drei Fahrer wohl nur zu gerne nehmen würden.
Marco Kohler fiel durch die Verletzungen aus diesen Top 30 heraus, hat bei einem rechtzeitigen Comeback aber wohl die besten Chancen. Andererseits spricht das Alter für Livio Hiltbrand. Es ist nur schwer vorstellbar, dass Swiss-Ski einen derart talentierten Athleten fallen lässt. Kann Arnaud Boisset seine ansteigende Form aber in die neue Saison mitnehmen, dürfte auch er nicht chancenlos sein.
Etwas entspannter ist die Lage im Super-G. Dort befinden sich derzeit fünf Athleten in den Top 30 und deren acht in den Top 50. So dürften wohl alle acht Top-50-Fahrer auch in der kommenden Saison fahren, hinzu kommt der Fixstartplatz von Lenz Hächler, der ja bekanntlich dank des Siegs in der Gesamtwertung auch in der Abfahrt einen zusätzlichen Startplatz hat. Weil Loïc Meillard aber wohl auch in der kommenden Saison nicht alle Super-Gs fahren wird und Marco Kohlers Datum der Rückkehr unbekannt ist, kann Swiss-Ski immer wieder jungen Athleten die Chance geben.
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