Es ist endlich wieder so weit. Am Wochenende schnallen sich die Athletinnen wieder die langen Latten an die Füsse, der Speedauftakt steht bevor. Ein Blick auf das Schweizer Abfahtsteam zeigt: Mit einem Erfolg ist kaum zu rechnen. Besonders schmerzt dabei die Absenz der beiden besten Fahrerinnen.
Die Tessinerin wäre der grösste Schweizer Trumpf. Durch ihre komplizierte Knieverletzung ist die Saison allerdings bereits gelaufen, womöglich gar schon die Karriere. Siebte wäre die 34-Jährige in der Weltcupstartliste, sie wird aber definitiv zurückfallen. Der achte Rang aus Kvitfjell könnte so das letzte Abfahrtsresultat der zweifachen Gesamtweltcupsiegerin werden. Es wäre ein unwürdiges Ende für die Frau, die in ihrer Karriere zwölf von 17-mal einen Winter in den Top-10 abgeschlossen hat.
Die Speedsaison beginnt bei den Frauen ohnehin schon sehr spät. Für Corinne Suter, die in der Weltcupstartliste auf Rang 10 klassiert ist, zögert sich dieser aufgrund mehrere Verletzungen an beiden Beinen nun noch heraus. Suter kam vergangenen Winter aus einer Verletzung zurück und konnte gleich wieder mit starken Resultaten glänzen. In Garmisch-Partenkirchen fuhr sie gar auf den dritten Rang.
Die Bündnerin verpasste die gesamte letzte Saison durch einen Knorpelschaden, noch immer ist unklar, wie fit die 32-Jährige wirklich ist. Die Weltmeisterin von 2023 zeigte im Dezember 2023 in Val d'Isère, dass sie auch im Weltcup Abfahrten gewinnen kann. Später fuhr sie in Crans-Montana auch noch auf den zweiten Rang. Durch diese starken Resultate und den geschützten Verletzungsstatus ist Flury noch immer die Nummer 12 der Weltcupstartliste.
2024 holte sich die Walliserin an der Junioren-WM Gold im Super-G und Silber in der Abfahrt. Dass sie nicht einmal ein Jahr später aber bereits auf dem Weltcuppodest stehen wird, war definitiv eine Überraschung. In ihrer allerersten Weltcup-Abfahrt - dem zweiten Weltcuprennen überhaupt - fuhr Blanc in St. Anton auf den zweiten Rang. Anschliessend konnte sie nicht ganz an diese Form anknüpfen, bewies aber, dass mit ihr in Zukunft zu rechnen ist.
Noch zu Beginn der letzten Saison fuhr die Engelbergerin alle Disziplinen. Bereits seit längerer Zeit konzentriert sie sich auf den Speed-Bereich, nun wird sie aber nur noch in der Abfahrt und dem Super-G an den Start gehen. Die Resultate in der letzten Saison liessen allerdings zu wünschen übrig. Nach dem guten achten Rang in Beaver Creek zum Auftakt gab es in der Abfahrt anschliessend kein Top-15-Resultat mehr, in Cortina d'Ampezzo gab es als 39. sogar gar keine Punkte.
Seit 2012 startet Ming-Nufer regelmässig im Weltcup und kann auch regelmässig punkten. 2022 überraschte sie alle mit Sieg in Crans-Montana und dem siebten Rang in der Abfahrtswertung, die Bestätigung blieb allerdings aus. In der vergangenen Saison startete sie mit Rang 14 stark in die Saison, konnte dann allerdings lange nicht ihr volles Potenzial abrufen. Mit Rang 15 in Kvitfjell löste sich der Knoten vor dem Saisonfinale, zu welchem es aber aufgrund der schwachen Saison nicht reichte.
Bereits seit etwas längerer Zeit traut man der Nidwaldnerin den nächsten Schritt im Weltcup zu, lange galt sie als die einzig grosse Speed-Hoffnung bei Swiss-Ski. Womöglich kann sie davon profitieren, dass der Druck durch die guten Leistungen von Malorie Blanc nun etwas kleiner wird. Die vergangene Abfahrtssaison startete mit Rang 30 nicht wirklich gut, Rang 35 in St. Anton war dann der Tiefpunkt. Mit den Rängen 19, 28, 20 und 22 konnte Durrer wieder etwas besser performen, musste die Saison dann aber aufgrund von Rückenproblemen vorzeitig abbrechen.
Mit 25 Jahren ist Janine Schmitt nicht mehr unbedingt als Talent zu bezeichnen. Dass viel Potenzial in ihr steckt, bewies sie allerdings schon mehrfach. In der Saison 2023/24 gewann sie in der Gesamtwertung des Europacups und sicherte sich so einen Fixstartplatz für alle Disziplinen. In der Abfahrt war sie in St. Anton erstmals dabei und zeigte mit Rang 19 gleich eine starke Leistung. Diese starken Leistungen konnte sie anschliessend einzig in Kvitfjell noch einmal zeigen - in Norwegen wurde Schmitt 23.
Jasmina Suter startet hauptsächlich in den beiden Speed-Disziplinen. Im Super-G war sie in der Vergangenheit etwas besser und qualifizierte sich dort zweimal für das Weltcupfinale. In der Abfahrt war dies nur 2021 der Fall. Eigentlich sind ihre Leistungen konstant, Ausreisser wie beim 16. Platz zum Saisonbeginn der letzten Saison kommen allerdings noch zu selten vor. Nach einer Meniskusverletzung musste sie die letzte Saison früh abbrechen. Zum Riesenauftakt in Sölden war Suter aber bereits wieder am Start.
Eigentlich hätte die Berner Oberländerin ja die Qualitäten, die Nummer 3 im Schweizer Abfahrtsteam zu sein, was sie nach den Verletzungen von Gut-Behrami und Suter nun zur Teamleaderin machen würde. Die Saison 2021/22 schloss sie als Neunte der Weltcupstartliste ab, stieg gar zweimal aufs Weltcuppodest. Nach einer wiederholten Knieverletzung hatte man in der vergangenen Saison allerdings das Gefühl, die 33-Jährige fährt mit angezogener Handbremse. Diese konnte sie zumindest in La Thuile beim Super-G dann mit den Rängen 15 und 10 lösen.
Gar nicht auf Touren kam in der letzten Saison Stephanie Jenal. 32. wurde sie in Beaver Creek, 36. in St. Anton und 43. in Cortina d'Ampezzo. Im Training zur Abfahrt von Garmisch-Partenkirchen verletzte sich die 27-Jährige dann am Knie. Ein Riss der Patellasehne beendete ihre Saison vorzeitig, jetzt steht sie in St. Moritz wieder im Aufgebot.
2023 wurde Stefanie Grob Junioren-Weltmeisterin und durfte anschliessend beim Weltcupfinale an den Start gehen. Bis heute blieb es allerdings ihr letztes Weltcuprennen in dieser Disziplin. In der vergangenen Saison wiederholte sie den Junioren-Weltmeistertitel und sicherte sich im Super-G einen Fixstartplatz. Ob die 21-Jährige auch in der Abfahrt angreifen wird, ist ungewiss.
Eigentlich sollte Jasmin Mathis an der Junioren-WM gar nicht starten. Durch den Ausfall von Janine Mächler kam sie doch noch zum Handkuss und packte die Chance beim Schopf. Silber gab es in der Abfahrt - nur eine Hundertstelsekunde hinter Grob -, gar Gold im Super-G. Man darf gespannt sein, wann die 21-Jährige zu ihrem Weltcupdebüt kommt. Womöglich Mitte Januar, wenn in Tarvisio Weltcuprennen stattfinden. Es ist jene Strecke, auf der Mathis ihren bisher grössten Erfolg feiern durfte.
Der Europacup wurde in der vergangenen Saison von den Österreicherinnen dominiert, die sich in der Abfahrt gleich alle drei Fixstartplätze sicherten. Mit Janine Schmitt als Sechste und Alina Willi als Zehnte gab es aber auch Schweizer Lichtblicke. Alina Willi war bereits bei der Junioren-WM und hat mit ihren 19 Jahren sicherlich noch Zeit.
Direkt hinter ihr war Livia Rossi klassiert. Die 23-Jährige durfte bisher fünfmal im Weltcup starten, wartet aber noch auf ihre ersten Punkte. Gut möglich, dass sie auch in dieser Saison die ein oder andere Chance bekommt. Weiter in den Top 30 des Europacups fuhren Nora Guggisberg, Stefanie Grob, Sina Fausch, Elena Sanna Stucki und Zoé Mannhart.
Alina Willi Corinne Suter Delia Durrer Dominic Hodel Elena Sanna Stucki Janine Schmitt Jasmin Mathis Jasmina Suter Jasmine Flury Joana Hählen Lara Gut-Behrami Livia Rossi Malorie Blanc Michelle Gisin Nora Guggisberg Priska Ming-Nufer Sina Fausch Ski Alpin Stefanie Grob Stephanie Jenal Swiss-Ski Zoe Mannhart