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Zwischen Alltag und Ambitionen ist das Ziel klar, doch der Weg steinig

Die Zürcherin hat das grosse Ziel Weltcup

Der Weg von Allegra Frei in die Kader von Swiss-Ski war steinig - durchgekämpft hat sie sich trotzdem. In ihrer Karriere hätte auch einiges anders kommen können, schliesslich war die heute 19-Jährige nicht nur im Skifahren äusserst talentiert. In der kommenden Saison wolle sie einen weiteren Schritt nach vorne machen und sich endlich voll auf den Skisport konzentrieren, wie Frei uns in einem Interview erklärt hat.

Wie bist du überhaupt zum Skifahren gekommen?

Allegra Frei: "Meine Familie ist Wintersport-affin. Sie haben mich mit drei Jahren in die Skischule geschickt, da war ich zweimal im Jahr und sonst an den Wochenenden im Hoch-Ybrig mit ihnen auf der Skipiste. Ich war dann ziemlich schnell in der Black League (die höchste Stufe in der Skischule, Anm.d.Red.) und sie sagten mir dann, ich sollte vielleicht in einen Skiclub gehen, wenn mir das Spass macht. Ich bin dann mit acht Jahren von der Skischule in den Skiclub gewechselt und bin seither angefixt."

Auch im Engadin im Skiclub oder direkt nach Hoch Ybrig?

"Direkt bei ZüriLeu. Das Skigebiet Hoch Ybrig hat eigentlich recht viele Skiclubs und da war ZüriLeu gerade in der Nähe. Zwei Jahre war ich in diesem Skiclub. Allerdings hatte es nicht so viele in meinem Alter und so bin ich dann in den Skiclub Feusisberg gewechselt, der auch in Hoch Ybrig trainiert."

Neben dem Skifahren hast du auch viele verschiedene Hobbys, wie zum Beispiel Judo. War das nie eine Option, dort weiterzumachen?

"Doch, ich war da auch im RLZ und habe das eigentlich auch auf Leistungsniveau gemacht. Ich war auch in der Kunst- und Sportschule bei beidem noch drin. Für mich hatte aber schon immer das Skifahren Priorität."

Wann musstest du dich denn entscheiden?

"Ich glaube, das war in der zweiten Sek. Als dann auch die Trainingslager mehr geworden sind, habe ich mich entschieden."

Judo ist aber immer noch ein Thema? Von deinen Geschwistern macht es auch jemand, oder?

"Ja, durch meinen Bruder ist es ein Thema, er macht es als Leistungssport. Ich mache es höchstens zwischendurch mit ihm mal, aber sonst eigentlich nicht. Da fehlt mir auch die Zeit."

Auf Instagram hast du eben ein Bild beim Judo, bei dem du geschrieben hast: ‘it’s all about balance’. Wie hast du es geschafft, das Gleichgewicht zwischen Sport und Berufslehre zu finden?

"Sicher auch, weil mich meine Familie so unterstützt hat, dass ich die Lehre so machen konnte und auch mal dort hinfahren konnte. Aber ich glaube, dass ich den Sport und den Ausgleich auch gebraucht habe. Du bist halt kaputt am Abend, aber dafür hast du den Sport."

Und wie war die Aufteilung zwischen Sport und Lehre?

"Ich habe eigentlich immer dann gearbeitet, wenn ich hier gewesen bin. In einer vollen Saison wie im letzten Winter war es vielleicht auch mal nur ein Tag pro Woche, höchstens zwei. Dann ist es nicht so viel. Als ich verletzt war, bin ich dafür fünf Tage pro Woche am Arbeiten gewesen und ging dann am Abend trainieren."

Bei Frei Metallbau hast du deine Lehre absolviert. Ist es der Betrieb deiner Familie?

"Ja, das ist der Familienbetrieb. Mein Vater ist der Chef in der vierten Generation und dank ihm war das auch so gut machbar."

In deiner Abschlussarbeit der Berufsschule hast du mit Livia Rossi und Aline Danioth gesprochen. Hast du sie schon vorher gekannt und konnten sie dir auch helfen? Wie ist der Kontakt zu ihnen?

"Livia Rossi kenne ich vom Hoch Ybrig und vom RLZ. Dadurch habe ich sie schon gekannt und konnte es so machen. Von Aline Danioth habe ich über eine ehemalige Trainerin Mirena Küng, die jetzt ihre Trainerin ist, den Kontakt bekommen. So konnte ich mit ihr das Interview machen und das ist sehr cool gewesen."

Hast du mit ihr auch nach der Abschlussarbeit noch Kontakt?

"Nein, aber ich habe sie im Frühling bei der Sunrise-Night gesehen. Ich habe sie angesprochen und mich bedankt. Danach sind wir ein bisschen ins Gespräch gekommen, aber es ist nicht so, dass ich noch Kontakt hätte."

Wie findest du heute dein Gleichgewicht zwischen Sport und Alltag, damit es nicht zu viel Sport ist und du auch mal herunterfahren kannst?

"Sicherlich dadurch, Zeit mit der Familie und dem Freund zu verbringen. Wenn ich mal da bin, will ich sie wieder sehen, wenn sie Zeit haben. Mal aus der Skiwelt hinauszukommen, tut auch gut."

Du kommst dann zwar aus der Skiwelt, bei deinen Hobbys ist es aber wahrscheinlich schwierig, vom Sport wegzukommen?

"Das stimmt schon, aber Sport gibt mir so viel, deswegen ist es auch ein bisschen ein Abschalten."

Was sind deine langfristigen Ziele?

"Sicher im Weltcup zu starten, das ist seit ewig ein Ziel von mir. Auch eine Olympia-Teilnahme wäre cool."

Und kurzfristig, sich im Europacup zu etablieren?

"Genau, Europacup und Junioren-WM."

Hast du ein Vorbild?

"Ja, das grosse Vorbild ist Mikaela Shiffrin, schon lange. Sonst sind auch Aline Danioth oder Michelle Gisin Vorbilder."

Welche Schlagzeile würdest du in der nächsten Saison gerne über dich lesen?

"Allegra Frei überrascht alle im Europacup."

Ich habe dir noch drei Thesen, bei denen du kommentieren kannst, ob das realistisch ist und ob es ein Ziel ist.
Erste These: Du darfst im Januar in Crans-Montana zum ersten Mal im Weltcup starten.

"Das wäre auf jeden Fall wieder einmal eine völlige Überraschung, aber ich glaube, das ist jetzt sicher noch nicht ein Ziel oder wirklich realistisch."

Trotz des eher kleinen Speedteams?

"Ja, auf alle Fälle. Da gibt es viele, die gegenüber mir mehr Erfahrung haben und dann auch als Erstes den Platz bekommen würden."

Zweite These: Du holst bei der Junioren-WM zwei Medaillen.

"Ich würde sagen, das ist nicht ganz so unrealistisch wie die erste These. Auf alle Fälle ist es ein Traum, aber je nachdem wie die Saison und die Trainings verlaufen, kann ich das dann auch ein bisschen besser einschätzen. Es wäre sicher sehr cool und auch nicht so unrealistisch."

Dritte These: Du fährst in deiner ersten Europacup-Saison mindestens einmal aufs Podest.

"Wäre auch sehr cool und wohl, wenn die Vorbereitung gut läuft und ich dort anknüpfen kann, wo ich aufgehört habe, auch möglich."

Im ersten Teil des Interviews sprach die 19-jährige Zürcherin über die ersten Rennen nach zwei Kreuzbandrissen, ihre Lieblingsdisziplin und ihre Rolle im B-Kader.

Bildquellen: Alle Bilder wurden von Allegra Frei zur Verfügung gestellt

Allegra Frei Dominic Hodel Ski Alpin Swiss-Ski welovesnow.ch

2025-09-27 14:00:39