Die Schweizer Speed-Männer überzeugen zurzeit auf ganzer Linie. Etwas anders sieht es auf Frauenseite aus, denn da muss man aus Schweizer Sicht weiterhin auf die Erfolge von Lara Gut-Behrami und Corinne Suter zählen. Exploits wie jener von Malorie Blanc in St. Anton blieben zuletzt eine Seltenheit. Doch woran liegt es?
Franjo von Allmen, Arnaud Boisset, Lars Rösti... Sie alle kamen aus dem Europacup und konnten sich mittlerweile mit tollen Resultaten in der Weltspitze, oder zumindest in der erweiterten, etablieren. Sie alle nutzten die Gunst der Stunde, belohnten Swiss-Ski für das entbehrte Vertrauen.
Bei den Frauen sieht dies etwas anders aus. Janine Schmitt ist in dieser Saison mit einem Fixstartplatz ausgestattet. Mit Rang 17 ist ihr im Super-G von Garmisch-Partenkirchen ihr neues persönliche Bestergebnis im Weltcup gelungen, mehr als Hoffnung für die Zukunft weckt dies bisher allerdings noch nicht. Gar um Punkte kämpfen mussten zuletzt Stephanie Jenal oder Jasmina Suter, auch die Entwicklung der grossen Zukunftshoffnung Delia Durrer stagnierte zuletzt etwas.

Dass diese drei Athletinnen Skifahren können, ist unbestritten. Zu gut waren die früheren Leistungen, bei Durrer darf man sagen, sie hat noch einige Jahre Zeit. Gerade bei Jasmina Suter allerdings, wäre vor ihrer Verletzung wohl der endgültige Durchbruch fällig gewesen.
Ihre Leistungen in den vergangenen drei Jahren waren keinesfalls schlecht. Schliesslich konnte sie sich in den Disziplinenwertungen im Super-G alle drei Saisons in den Top-30 klassieren, in der Abfahrt gelang ihr dies ebenfalls einmal. Doch eben jener nächste Schritt blieb bisher aus. Fraglich, ob sie dieses Niveau nach der Genesung noch einmal erreicht, schliesslich ist auch sie "schon" 29-jährig. Suter hat sich in Cortina d'Ampezzo eine Meniskusverletzung zugezogen.
Die 26-jährige Stephanie Jenal hat da noch etwas weniger Erfahrung im Weltcup. Sie hatte zwar immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen, doch auch nach 52 Rennen auf höchster Stufe ist bei ihr das Bestergebnis noch immer ein zehnter Rang aus dem Super-G von Kvitfjell im März 2023.
Kämpfen wird sie auch im Sommer müssen, denn im Training von Garmisch-Partenkirchen riss sich Jenal die Patellasehne und wird dadurch einen beschwerlichen Sommer haben. Die Genesungsdauer kann bei dieser Verletzung stark variieren, ob es bis zur nächsten Saison reicht, scheint ungewiss.
In etwa gleich viel Erfahrung im Weltcup, obwohl sie rund vier Jahre jünger ist, hat Delia Durrer. Sie konnte sich eigentlich in der erweiterten Weltspitze etablieren, schloss letzte Saison sowohl in der Abfahrt als auch im Super-G in den Top-30 ab, vor der Saison erhoffte man sich von ihr allerdings den nächsten Schritt. Dieser lässt bisher noch auf sich warten.
Nur ein Punkt aus zwei Rennen in Beaver Creek, immerhin zehn im Super-G von St. Moritz, doch dann der Tiefpunkt am Wochenende in St. Anton. Als 35. und 31. ging die Nidwaldnerin zweimal leer aus und fiel im Super-G sogar aus den ersten 30 der Startliste heraus. Diese konnte sie durch einen Beinahe-Sturz in Cortina d'Ampezzo nicht wieder verbessern, immerhin setzte sie mit dem 19. Rang in der Abfahrt ein Ausrufezeichen. In Garmisch-Partenkirchen musste sie sich dann mit drei Punkten aus der Abfahrt begnügen.
Die drei oben genannten sind nur drei Beispiele aus dieser Saison, doch auch eine Noémie Kolly konnte vor und nach schweren Verletzungen nur (zu) selten überzeugen. Mit 26 Jahren ist sie im gleichen Alter wie Jenal und dürfte nach ihrer Verletzung auch etwas Druck verspüren.
Positiv ist, dass wir sie trotz der Verletzungen immer wieder auf der Piste sehen durften, denn bei dieser zweiten Garde vermiesten Verletzungen schon der ein oder anderen Athletin eine glorreiche Karriere. Katja Grossmann, Juliana Suter, Nathalie Gröbli, Rahel Kopp und Luana Flütsch sind nur einige Beispiele von Athletinnen, welche bereits früh ihre Karriere beenden mussten.
Aber auch für die Freiburgerin sieht es nicht sonderlich gut aus. Mit Malorie Blanc gibt es eine neue Konkurrentin um Startplätze und diese ist sehr ernst zu nehmen, wie sie mit dem Überraschungspodest in St. Anton zeigen konnte. Kommt hinzu, dass noch einige zuletzt leidgeplagte junge Fahrerinnen bald wieder in den Startlöchern stehen dürften und man bei der ersten Garde noch auf Jasmine Flury wartet.
Genau jene Tatsache könnte den Schweizerinnen jedoch auch guttun. Zuletzt hatte man das Gefühl, die acht oder neun Fahrerinnen sind festgelegt, dürfen starten, egal wo sie denn klassiert sind. Mit mehr Konkurrenz müssten sich die Fahrerinnen wieder mehr auf zweiter Stufe beweisen. Weder Suter noch Jenal oder Durrer sind in dieser Saison bei einem Europacuprennen angetreten, um die FIS-Punkte wieder etwas nach unten zu treiben und Werbung in eigener Sache zu betreiben.
Diese könnte durchaus betrieben werden, denn wie gesagt, vom Können her sind diese drei hoch einzuschätzen. Dies zeigt sich auch in den Weltcuprennen, denn schaut man sich die Sektorzeiten der Fahrerinnen jeweils etwas genauer an, so gab es da immer wieder vielversprechende Abschnitte, die Puzzleteile konnten aber eben noch nicht wie gewünscht zusammengesetzt werden.
Es schien teilweise so, als hätten die Schweizerinnen neben den technisch schwierigen Abschnitten auch in den eher einfachen Abschnitten Mühe, als hätten sie zu viel Zeit, um nachzudenken. Selten ein gutes Zeichen. Da sind natürlich die Leute um die Gruppentrainer der "Mastery" und der "Elite" gefordert, ein toller Teamspirit soll erstellt werden, sodass sich die Fahrerinnen gegenseitig zum Erfolg pushen können.
Genau dies geschah zuletzt beispielsweise bei den Amerikanerinnen. Natürlich gibt es da Lindsey Vonn und Breezy Johnson, die nach längerer (Zwangs-)Pause zurückkamen, aber eben auch die jungen Fahrerinnen wie Lauren Macuga konnten brillieren. Diese ist wie Durrer erst 22-jährig und war vor noch nicht allzu langer Zeit auf dem ungefähr gleichen Niveau.
Es ist eine schwierige Aufgabe, vor der die Schweizer Trainer nun stehen, denn der Grat zwischen geduldig sein und die Geduld verlieren, ist häufig schmaler als man denkt. Man darf gerade bei Durrer trotz all den (noch) nicht erfüllten Vorschusslorbeeren nicht vergessen, dass sie erst 22 Jahre alt ist.
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