Der FC Zürich stellt mit 19 Eigengewächsen den mit Abstand grössten Nachwuchsblock der Super League und die Talente liefern auch sportlich. 566 Einsätze und 43 Tore stehen bereits zu Buche. Ganz anders sieht es beim FC Lugano aus, dessen sieben Eigengewächse zusammen erst auf drei Super-League-Minuten kommen.
Die Schweizer Clubs investieren viel Geld und Zeit in ihre Nachwuchsabteilungen. Doch wie viel davon kommt tatsächlich in der ersten Mannschaft an? Ein Blick auf die Super-League-Kader zeigt enorme Unterschiede. Während der FC Vaduz lediglich drei Eigengewächse stellt und beim FC Basel nur fünf Spieler die Kriterien erfüllen, kommt der FC Zürich auf deren 19. Die reine Anzahl erzählt allerdings nur einen Teil der Geschichte. Luganos sieben Eigengewächse bringen beispielsweise zusammen gerade einmal drei Super-League-Einsätze mit.
Berücksichtigt werden Spieler, die mindestens ab der U 17 in einer Nachwuchsmannschaft des jeweiligen Vereins aktiv waren und aktuell dessen Profikader angehören. Dadurch können auch Rückkehrer in der Statistik auftauchen. Insgesamt stehen bei den zwölf Super-League-Vereinen derzeit 113 Eigengewächse im Profikader.
Den Anfang macht der Aufsteiger. Drei Eigengewächse sind beim FC Vaduz registriert, zusammen bringen sie es auf 35 Super-League-Partien und drei Tore. Der bekannteste Name ist Dejan Djokic. Der Stürmer kehrte in diesem Sommer nach seinem Abstecher zum FC Sion nach Vaduz zurück.
Schon während seiner ersten Zeit beim FCV absolvierte er 159 Pflichtspiele und erzielte 46 Tore. Ebenfalls erwähnenswert ist Tim Öhri. Der Liechtensteiner Torhüter kommt aus den Nachwuchsstrukturen des Vereins und wurde trotz einer schweren Knieverletzung bis 2027 weitergebunden.
Deutlich überraschender ist der zweitniedrigste Wert. Nur fünf Eigengewächse stehen aktuell im Kader des FC Basel. Gerade mit Blick auf die zahlreichen Nationalspieler und internationalen Karrieren, die in der Vergangenheit auf dem FCB-Campus ihren Anfang nahmen, fällt diese Zahl auf.

Dafür steckt in der kleinen Gruppe enorm viel Qualität. Xherdan Shaqiri ist das prominenteste Beispiel. Der Captain kehrte nach seiner internationalen Karriere zu seinem Ausbildungsverein zurück. Mit Giacomo Koloto steht gleichzeitig eines der interessantesten jungen Basler Talente im Profikader. Der Angreifer ist sogar das wertvollste FCB-Eigengewächs. Beide gehören zum aktuellen Profikader. Die fünf Basler kommen zusammen auf 219 Super-League-Spiele und 52 Treffer. Kein anderer Verein weist bei seinen Eigengewächsen mehr Tore auf. Wenige Spieler bedeuten in Basel also keineswegs wenig Einfluss.
Beim FC Lugano zeigt sich das komplette Gegenstück. Sieben Eigengewächse stehen auf der Liste, gemeinsam kommen sie jedoch erst auf drei Super-League-Einsätze und kein einziges Tor. Gjan Ajdin ist der wertvollste Akteur dieser Gruppe. Der Mittelfeldspieler wurde im Sommer in den Kader von Mattia Croci-Torti integriert, kommt aber weiterhin auch für die U 21 zum Einsatz.
Ebenfalls zum Profikader gehört Torhüter Diego Mina, der in den vergangenen Monaten mehrfach zwischen erster und zweiter Mannschaft pendelte. Die sieben Namen klingen deshalb auf dem Papier deutlich besser, als es ihre tatsächliche Bedeutung für die erste Mannschaft bislang vermuten lässt.
Auch beim FC Thun sind es sieben, die Ausgangslage ist allerdings eine ganz andere. Die Thuner Eigengewächse haben gemeinsam bereits 92 Super-League-Spiele absolviert. Justin Roth gehört seit Jahren zum Bild der ersten Mannschaft und ist das wertvollste Eigengewächs des Clubs. Dazu kommt Valmir Matoshi. Der in Thun geborene Mittelfeldspieler spielte bereits in der Nachwuchsabteilung der Berner Oberländer und ist mittlerweile auch Nationalspieler des Kosovo.
Dass mit Franz-Ethan Meichtry im Sommer ein weiteres Thuner Eigengewächs den Sprung in die Serie A schaffte, unterstreicht zusätzlich den Wert der Nachwuchsarbeit, auch wenn er in der aktuellen Statistik naturgemäss nicht mehr auftaucht.
Lausanne kommt ebenfalls auf sieben Spieler. Diese bringen deutlich mehr Erfahrung mit als die gleich grosse Gruppe aus Lugano: 196 Super-League-Spiele und acht Tore stehen zu Buche. Das erfahrenste Gesicht ist Olivier Custodio. Der heutige Captain durchlief bereits in jungen Jahren die Lausanner Ausbildung, verliess den Club später und kehrte 2022 zurück.
Ähnlich verlief die Geschichte von Nicky Beloko, der ebenfalls einen Teil seiner Jugend bei Lausanne verbrachte und inzwischen wieder für die Waadtländer spielt. Er ist mit das vielversprechendste Eigengewächs des Clubs. Dahinter steht mit Dircssi Ngonzo bereits die nächste Generation bereit. Der 20-jährige Innenverteidiger durchlief die Lausanne-Academy und gehört inzwischen fest zum Profikader.
Sieben Eigengewächse sind für einen Club mit den Möglichkeiten von YB kein besonders hoher Wert. Dafür vereint diese Gruppe bereits 398 Super-League-Einsätze. Sandro Lauper kam bereits als Kind zu YB, verliess die Berner später Richtung Thun und kehrte 2018 zurück. Lewin Blum wurde ebenfalls bei den Young Boys ausgebildet und ist nach seiner Leihe zu Charleroi wieder zurück im Wankdorf.
Interessant ist vor allem die nächste Generation. Edin Etoski rückte im Sommer direkt aus dem YB-Nachwuchs in die erste Mannschaft auf. Dasselbe gelang Benjamin Kabeya, der über die U 21 den Sprung zu den Profis schaffte. Damit stehen neben den etablierten Eigengewächsen wieder zwei neue Gesichter bereit.
Beim FC Sion erfüllen acht Spieler die Kriterien. Gemeinsam kommen sie auf 221 Super-League-Partien und 25 Tore. Der wichtigste Name ist Theo Berdayes. Der Walliser wurde beim FC Sion ausgebildet und hat sich inzwischen zu einem festen Bestandteil der ersten Mannschaft entwickelt. Im Sommer verlängerte der Club seinen Vertrag sogar bis 2030 und bezeichnete ihn ausdrücklich als Beispiel für den Weg, künftig wieder verstärkt auf Spieler aus der eigenen Ausbildung zu setzen.
Auch Benjamin Kololli zählt zur Walliser Nachwuchsgruppe. Der mittlerweile 34-Jährige wurde unter anderem im Team Valais ausgebildet und kehrte Anfang 2025 zum FC Sion zurück. Gerade solche Rückkehrer sorgen dafür, dass die Eigengewächs-Statistik nicht nur aus aktuellen Nachwuchstalenten besteht.
Bei Servette wird die Liste erstmals zweistellig. Elf Eigengewächse gehören zum aktuellen Kader, zusammen haben sie 244 Super-League-Spiele bestritten. Die Identifikationsfigur dieser Gruppe ist Jeremy Frick. Der Genfer spielte bereits als Junior für Servette, verliess den Club später Richtung Lyon und kehrte schliesslich zurück. Seit 2016 steht er wieder fest bei den Grenats und ist seit Jahren Captain.
Daneben arbeitet sich eine deutlich jüngere Generation nach oben. Thomas Lopes kam in der vergangenen Saison bereits zu 14 Einsätzen und vier Toren für die erste Mannschaft. Der 19-Jährige ist aktuell das wertvollste Servette-Eigengewächs. Auch der erst 17-jährige Alonzo Vincent gehört bereits zum Profikader und besitzt einen Vertrag bis 2029. Servette verfügt damit über eine breite Basis. Ob daraus in den nächsten Jahren mehrere feste Stammspieler werden, bleibt die entscheidende Frage.
GC kommt auf zwölf Eigengewächse und damit auf den gemeinsamen dritthöchsten Wert der Liga. Die Gruppe bringt bereits 384 Super-League-Einsätze und 28 Treffer mit. Mit Simone Stroscio steht ein echtes GC-Gewächs regelmässig in der ersten Mannschaft. Der vielseitige Linksfüsser durchlief den Nachwuchs der Grasshoppers und hat sich auf Super-League-Niveau etabliert. Auch Samuel Marques zählt längst nicht mehr bloss zum erweiterten Kader, sondern kam bereits regelmässig in der ersten Mannschaft zum Einsatz.

Nach den aktuellen Zahlen ist Samuel Krasniqi das wertvollste Eigengewächs im Kader. Der 21-Jährige gehört ebenfalls zur jungen Generation im Profiteam und wurde bereits für die Schweizer U 21 aufgeboten. Aktuell spielt er mit dieser in der EM Qualifikation.
Auch St. Gallen stellt zwölf Eigengewächse. Besonders eindrücklich ist deren sportlicher und wirtschaftlicher Wert, mit 423 Super-League-Partien, 34 Toren und einem Gesamtmarktwert der über allen anderen Super-League-Vereinen liegt. Keine andere Nachwuchsgruppe der Liga wird aktuell höher bewertet. Christian Witzig ist längst ein etablierter Leistungsträger und hat seine fussballerische Ausbildung zu grossen Teilen in St. Gallen absolviert. Hinter ihm drängt mit Corsin Konietzke die nächste Generation. Der Mittelfeldspieler ist langfristig bis 2030 gebunden.
Noch jünger ist Cyrill May mit 19 Jahren. Dazu stehen mit Diego Besio und Nevio Scherrer zwei weitere junge Offensivspieler im Profikader, die aus dem Ostschweizer Nachwuchs stammen. Die zwölf Eigengewächse sind in St. Gallen deshalb weit mehr als eine statistische Randnotiz. Mehrere von ihnen gehören bereits zur sportlichen Gegenwart, andere besitzen enormes Entwicklungspotenzial.
Lange war Luzern in dieser Statistik das Mass aller Dinge. In dieser Saison reicht es mit 15 Eigengewächsen noch für Rang zwei. Bei der Erfahrung hat der FCL aber weiterhin die Nase vorne. 622 Super-League-Spiele bringen die eigenen Spieler gemeinsam mit. Bung Meng Freimann hat sich mit gerade einmal 20 Jahren bereits in der ersten Mannschaft etabliert. Auch Lars Villiger ist längst kein Perspektivspieler mehr. Der Mittelstürmer durchlief mehrere Innerschweizer Nachwuchsstationen und schaffte beim FCL den Durchbruch in den Profifussball.
Ein weiterer Name steht sinnbildlich für die aktuelle Luzerner Ausbildung: Lucas Ferreira. Der offensive Mittelfeldspieler wurde im FCL-Nachwuchs speziell gefördert und spielte sich in seiner ersten Profisaison direkt in den Vordergrund. Inzwischen trägt der 19-Jährige sogar die Nummer 10. 49 Super-League-Tore haben die 15 Luzerner Eigengewächse zusammen erzielt. Damit kombiniert der FCL weiterhin eine grosse Anzahl mit tatsächlicher sportlicher Relevanz.
Ganz oben steht in dieser Saison der FC Zürich. Gleich 19 Eigengewächse gehören zum Profikader. Keine andere Mannschaft der Super League kommt auch nur annähernd auf diese Zahl. Dabei besteht die Gruppe nicht bloss aus Nachwuchsspielern am Ende der Ersatzbank. Bledian Krasniqi spielt bereits seit 2009 für den FCZ und gehört längst zu den etablierten Kräften. Lindrit Kamberi arbeitete sich ebenfalls über den Zürcher Nachwuchs und die zweite Mannschaft bis in den Profikader hoch. Beide stehen auch 2026/27 im aktuellen Kader.
Dahinter wartet bereits die nächste Generation. Silas Huber ist das derzeit wertvollste Eigengewächs der Zürcher und Schweizer U-21-Torhüter. Auch Miguel Reichmuth sowie der 19-jährige Neil Volken gehören zum Profikader und haben längere Abschnitte ihrer Ausbildung beim FCZ verbracht. Insgesamt kommen die 19 FCZ-Eigengewächse auf 566 Super-League-Partien und 43 Tore. Damit steht Zürich nicht nur wegen der schieren Anzahl an der Spitze. Der eigene Nachwuchs ist auch sportlich sichtbar.
Die aktuelle Rangliste liefert deshalb zwei unterschiedliche Erkenntnisse. Der FC Zürich besitzt mit 19 Spielern die breiteste Eigengewächs-Fraktion, Luzern verbindet 15 Eigengewächse mit der meisten Super-League-Erfahrung und St. Gallen stellt die wertvollste Gruppe.

Auf der anderen Seite zeigt Lugano, wie wenig die reine Anzahl aussagen kann. Sieben eigene Spieler stehen im Profikader, doch gerade einmal drei Super-League-Einsätze gehen auf ihr Konto. Basel wiederum kommt lediglich auf fünf Namen, die dafür bereits 52 Tore erzielt haben. Wer tatsächlich auf den eigenen Nachwuchs setzt, lässt sich also nicht alleine an der Zahl der Profiverträge festmachen. Entscheidend bleibt, ob die Spieler den Sprung aus der Nachwuchsabteilung nicht nur auf das Mannschaftsfoto, sondern auch auf den Rasen schaffen.
Alessio Besio Brack Super League BSC Young Boys Christian Witzig Dejan Djokic Dennis Rogge FC Basel 1893 FC Lausanne-Sport FC Lugano FC Luzern FC Sion FC Thun Berner Oberland FC Vaduz FC Zürich Fussball Grasshopper Club Zürich Servette FC Xherdan Shaqiri