Die Schweizer Spitzenschiedsrichter arbeiten seit diesem Sommer erstmals unter professionellen Bedingungen. Lukas Fähndrich erklärt im Gespräch mit der NZZ, warum dieser Schritt aus seiner Sicht überfällig war, wie stark ihn die frühere Doppelbelastung forderte und weshalb er sich von den neuen Strukturen bessere Leistungen verspricht.
Seit dem 1. Juli sind Fähndrich und sieben weitere Schweizer FIFA-Schiedsrichter zu 80 Prozent beim Schweizerischen Fussballverband angestellt. Damit gibt es im Schweizer Fussball erstmals Profischiedsrichter. Für den 42-jährigen Luzerner ist das mehr als nur eine finanzielle Aufwertung. Die neue Struktur ermögliche es den Unparteiischen, deutlich mehr Zeit in Training, Analyse und Spielvorbereitung zu investieren.
Fähndrich weiss aus eigener Erfahrung, wie schwierig die bisherige Doppelbelastung war. Bis Anfang 2024 arbeitete er neben seiner Tätigkeit als Spitzenschiedsrichter noch zu 50 Prozent als Berufsschullehrer. Irgendwann sei die Grenze erreicht gewesen. "Mein Energielevel war am Anschlag", sagt er im Interview gegenüber der Neuen Zürcher Zeitung. Leistungen in Schule, Fussball und Privatleben hätten darunter gelitten. Schliesslich gab er seinen Lehrerberuf auf.
Von der Professionalisierung erwartet Fähndrich einen spürbaren Qualitätsschub. Bisher hätten vielen Schiedsrichtern schlicht die zeitlichen Ressourcen gefehlt, um ihrem eigenen Anspruch gerecht zu werden. "Ich bin überzeugt, die Qualität der Schiedsrichter wird durch die Professionalisierung steigen", sagt er. Gleichzeitig warnt er vor überzogenen Erwartungen. Auch Profischiedsrichter würden weiterhin Fehler machen.
Konkret wird die Arbeit stärker strukturiert. Am Montag analysieren die Profischiedsrichter gemeinsam Szenen des vergangenen Wochenendes, vor den Spielen erhalten sie detailliertere Informationen zu Teams und Spielern. Hinzu kommen individuelle Trainingspläne, GPS-Tracker, Unterstützung durch Spielanalysten und ein eigener Fitnesscoach. Auch die Präsenz in der Super League soll steigen. Im neuen Konzept ist vorgesehen, dass die Profischiedsrichter künftig zwischen 20 und 25 Partien pro Saison in der höchsten Schweizer Liga leiten.
Mit dem neuen Modell verändert sich auch die Entlöhnung. Fähndrich nennt für sein 80-Prozent-Pensum einen möglichen Jahresverdienst von rund 130'000 Franken. Dabei handelt es sich allerdings um den Optimalfall inklusive variabler Spielentschädigungen. Für ihn sei das angesichts der Verantwortung und des langen Weges bis auf FIFA-Niveau ein gerechter Lohn.
Die höheren Erwartungen nimmt Fähndrich bewusst in Kauf. Entscheidend sei für ihn, dass die Schweizer Unparteiischen nun erstmals Bedingungen erhalten, die dem professionellen Umfeld auf dem Platz entsprechen. Zuvor seien die Schiedsrichter praktisch die einzigen Beteiligten gewesen, die ihre Tätigkeit nur halbprofessionell ausüben konnten.
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