Die Trainer fliegen in der Super League in aller Regelmässigkeit aus ihrem Amt. Der FC Lugano hat jüngst dafür gesorgt, dass beim FC Basel Stephan Lichtsteiner entlassen worden ist. Wir liefern die Übersicht, welche Vereine die meisten Trainer aus ihrem Amt kegeln.
Seit der Saison 2016/17 und damit in den letzten zehn Jahren wurden in der Super League 61 Trainer im laufenden Spielbetrieb entlassen. Nachfolgend wird aufgelistet, gegen welche Teams sie jeweils ihr letztes Mal an der Seitenlinie gestanden haben. Nicht berücksichtigt wurden alle in diesem Zeitraum eingesetzten Interimstrainer. Ebenfalls nicht in diesem Artikel aufgeführt wird Bo Henriksen, der den FC Zürich nach einem 1:0-Sieg im Stadtderby im Februar 2024 in Richtung Bundesliga zum 1. FSV Mainz 05 verlassen hat.
Drei Teams wurden genau einmal zum Stolperstein für einen Trainer. Zuletzt wurde der Yverdon Sport FC in diese Liste aufgenommen. Bruno Berner musste 2023/24 im Abstiegskampf bei den Hoppers nach einer Niederlage im Waadtland gehen.
Aufstiegstrainer Marco Schällibaum musste in derselben Saison wie Berner schon nach zwölf Runden und einem Remis beim FC Winterthur gehen. Die neue Vereinsführung schenkte dem 63-Jährigen nur wenig Vertrauen.
Im Sommer 2023 musste der FC Sion den Gang in die Zweitklassigkeit antreten. David Bettoni war nicht der erhoffte Feuerwehrmann, drei Runden vor Saisonende musste er nach einer 0:5-Klatsche gegen die Grenats wieder gehen. Doch auch der letzte Pfeil im Köcher von Präsident Christian Constantin, es war Paolo Tramezzani, traf nicht ins Schwarze.
Giorgio Contini musste kurz vor Saisonende beim FC St.Gallen seinen Posten freigeben. Es war kein Match: die Kombination aus der neuen sportlichen Führung unter Sportchef Alain Suter und dem Meisterspieler auf der Trainerbank. Dazu hat Thun in der Meistersaison noch einen Skalp geholt. Gerald Scheiblehner wurde nach einer Klatsche gegen die Berner Oberländer entlassen. Erst unter Peter Zeidler konnte der Rekordmeister schliesslich die Klasse halten.
Neben der gerade eben angebrochenen Spielzeit wurden zehn Saisons für dieses Ranking berücksichtigt. Obschon die Vaduzer nur selten in der Super League anzutreffen waren, kosteten sie zwei Trainern den Job. Niederlagen gegen den FC Vaduz bedeuten angesichts der Stärke der Liechtensteiner eine herbe Enttäuschung. Daher überrascht es nicht, dass es zwei Trainer erwischt hat. Darunter ist auch Jeff Saibene beim FC St.Gallen, nach beinahe viereinhalb Jahren endete damit eine erfolgreiche Ära.
Während der Walliser Trainerstuhl früher besonders wacklig war, versetzen die Sittener kaum einmal einem Trainer den letzten Stoss. In den letzten fünf Jahren haben die Walliser aber die Aufholjagd begonnen. Abel Braga, Alessandro Mangiaratti und im Schlussspurt der letzten Saison auch Peter Zeidler mussten nach NIederlagen gegen Sion ihren Posten räumen.
Als einziges Team in diesem Artikel ist es dem FC Lausanne-Sport gelungen, einen Trainer als Unterklassigen aus dem Amt zu kegeln. Franco Foda hatte den FC Zürich und damit den Meister erst zwei Monate davor übernommen. Sein Engagement war ein Flop, nach dem Cup-Aus in Lausanne war für Foda bereits wieder Schluss. Besonders ist auch der Fall von Patrick Rahmen: Er hat beim FC Basel trotz eines 3:0-Sieges gegen die Waadtländer das Feld räumen müssen. Auch dem späteren Lausanne-Coach Peter Zeidler kostete der FCLS ironischerweise einst den Job.
Gleich zweimal musste ein GC-Trainer nach einem Derby gegen den FC Zürich den Hut nehmen. Der FCZ musste dafür die Duelle mit dem Stadtrivalen nicht einmal gewinnen, zweimal reichte ein 1:1. 2019 kam die Entlassung aber zu spät, Tomislav Stipic musste nach drei Punkten aus fünf Spielen gehen, nur wenige Wochen später ging es für den Rekordmeister in die Challenge League. Seither stellte der FC Zürich auch noch Marco Walker und Raphael Wicky ein Bein.
Kurios mutet die Entlassung von Ludovic Magnin an. Der Romand gewann sein letztes Spiel mit dem FC Basel. Ein wilder Klassiker endete dank eines Hattricks von Xherdan Shaqiri mit einem 4:3 für den FC Basel. Trotzdem musste Magnin in der Folge seinen Posten räumen.
Die Hoppers kosteten fünf Trainern den Job. Besonders bitter war es wohl für Anthony Braizat, hatte er doch nur wenige Monate zuvor den FC Stade-Lausanne-Ouchy überraschend ins Oberhaus geführt. Ebenfalls im Jahr 2023 stolperte Alex Frei über den Grasshopper Club Zürich. Tage davor bezwang der FCB unter der Führung des ehemaligen Stürmers die Hoppers im Cup-Achtelfinale. Die Pleite in der Meisterschaft drei Tage später war dann eine zu viel.
Mit Giorgio Contini flog in der letzten Saison auch ein Trainer, der immerhin einen Punkt gegen GC holen konnte. Nach Andrea Manzo ist er bereits der zweite Übungsleiter, dem ein Punkt gegen die Grasshoppers nicht ausreichte.
Der FC Basel und der BSC Young Boys sind in diesem Ranking gleichauf. Besonders in der Saison 2018/19 trieben die Berner ihr Unwesen. Mit Maurizio Jacobacci, Michel Decastel und Murat Yakin bissen sich gleich drei Trainer an den Young Boys die Zähne aus. Besonders ist dabei, dass es gleich zwei Trainer des FC Sion erwischt hat. Am Ende haben die Walliser als Achter direkt die Klasse gehalten. Es ist überraschend, dass eine Pleite gegen YB seit über sieben Jahren keinem Trainer mehr den Job kostete. Das hat wahrscheinlich auch mit dem Status der Mannschaft zu tun. Eine Niederlage gegen die Berner ist bei einigen Teams eingepreist.
In oder zumindest gegen den FC Basel nicht als Sieger vom Rasen zu gehen, ist sicherlich keine Schande. Für sieben Trainer war das Duell gegen den FCB dennoch die letzte Chance. Besonders bitter dürfte der Fall für Thomas Häberli gewesen sein, zum Abschluss der Hinrunde rang der FC Luzern unter seiner Führung den FCB nieder. Zum Rückrundenstart stand dann aber Fabio Celestini in der Zentralschweiz an der Seitenlinie.
In der letzten Saison hat es Uli Forte getroffen. Nachdem er die Eulachstädter zuvor sensationell zum Klassenerhalt geführt hatte, wurde ihm ein schlechter Saisonstart zum Verhängnis. Für den FCW ging es dann aber trotzdem in die Challenge League.
Auf dem Podest ist es ein richtig enges Rennen geworden. Es ist wohl kein Zufall, dass es sich um Teams handelt, die oft im Mittelfeld der Liga anzutreffen sind. Gegen einen solchen Gegner erwarten die Verantwortlichen in schwierigen Situationen einen Sieg. Nicht gelungen ist das im Falle vom FC Luzern für prominente Namen. Für ein sehr schnelles Ende eines Engagements sorgte der FCL mit dem Remis gegen den von Timo Schultz trainierten FC Basel. Bereits nach acht Runden und dem 1:1 zogen die Bebbi die Reissleine. Nach dem Punkteschnitt war er in der jüngeren Vergangenheit aber nur der zweitschlechteste FCB-Trainer. Stephan Lichtsteiner wies einen noch schlechteren Schnitt auf.
Die Entlassung von Thomas Häberli hat den FC St.Gallen zwischenzeitlich an die Spitze der Trainerschrecks geführt. Mittlerweile sind die Espen aber wieder überholt worden. Zuletzt waren es deutliche Niederlagen, mit denen die Ostschweizer andere Trainer in die Arbeitslosigkeit schicken konnten. Gleich mit einem 2:7 verabschiedete sich Paolo Tramezzani von seinem Trainerposten im Wallis.
Emotional war aber wohl vor allem jenes 2:2 am 19. März 2017, das ausgerechnet dem eigenen Ex-Trainer Jeff Saibene den Posten gekostet hat. Bis heute war dieses Unentschieden der letzte Auftritt des Luxemburgers an der Seitenlinie eines Super-League-Teams.
Der FC Lugano verdankt vor allem einem Verein die Platzierung auf Rang eins. Gleich vier Trainer des FC Sion mussten nach einem Spiel gegen die Bianconeri gehen. Dazu entliess der FC Luzern zwei Trainer nach einem Duell gegen den FC Lugano und auch Zürich zog zweimal die Reissleine. Mit Stephan Lichtsteiner wurde jüngst noch ein Trainer eines vierten Vereins Opfer des FC Lugano. Mit neun erzwungenen Entlassungen sind die Bianconeri die Nummer eins.
Es ist auffällig, dass fast vier Jahre lang kein Trainer mehr über den FC Lugano stolperte. Dann mussten gleich Mitchell van der Gaag und auch sein Nachfolger Dennis Hediger ihren Posten nach knappen Niederlagen räumen. Damit haben die Zürcher in der letzten Spielzeit nur Trainer entlassen, wenn sie gegen die Bianconeri patzten.
Ein Trainer wurden in den letzten zehn Jahren nach einem internationalen Spiel entlassen. Raphael Wicky flog beim FC Basel nach einer Ligapartie und einer europäischen Partie raus. Eine 1:2-Niederlage zu Hause gegen St.Gallen und eine Pleite gegen PAOK Thessaloniki kosteten ihm den Kopf. Die internationale Affiche konnte dann auch Interimstrainer Alex Frei nicht retten.
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