Eine Woche nach dem internationalen Transferfenster hat die Sommerwechselperiode auch in der Schweiz geendet. Wie nach jeder Transferphase stellen wir den Sportchefs der Super League ein Zeugnis aus.
Die Bewertung der Sportchefs der Super League stützt sich auf das Schweizer Notensystem. Entsprechend ist die beste Note eine 6, die tiefste Note eine 1.
Die komplette Notenskala: 6.0 = sehr gut; 5.0 = gut; 4.0 = genügend; 3.0 = ungenügend; 2.0 = schwach; 1.0 = sehr schwach.
Nach wechselreichen vorangegangenen Transferfenstern hat der FC Zürich in diesem Sommer auf Beständigkeit gesetzt. Gegen dieses Vorgehen gibt es grundsätzlich nichts einzuwenden. Mit dem grossen Verkauf von Cheveyo Tsawa ist allerdings im Mittelfeld gehörig an Substanz verloren gegangen. Neben Ersatztorhüter Heinz Lindner ist der in Luzern aussortierte Kevin Spadanuda der einzige externe Neuzugang. Lücken nach Abgängen sollen derweil die eigenen Nachwuchsspieler auffüllen.
Zuletzt platzten die Transfers von Betim Fazliji und Lars Villiger, was ein klarer Hinweis darauf ist, dass sich der FCZ gerne im Mittelfeld und im Sturm noch verstärkt hätte. Ohne weitere Neuzugänge ist der Kader schwächer als jener der Vorsaison. Für das gibt es für den technischen Direktor Alessandro Mangiarratti und den externen Berater Dino Lamberti eine ungenügende Note.
Beim Servette FC wurde vor allem die Offensive neu aufgestellt. Die Neuzugänge von David Datro Fofana und Mathis Lambourde sind kostspielige Verpflichtungen. Mit der definitiven Übernahme von Junior Kadile und dem mit dem RC Lens geschlossenen Deal mit einer Leihe mit Kaufpflicht haben die Genfer ein finanziell lukratives Geschäft eingefädelt. Zudem hat auch Youngster Loun Srdanovic einen Transfer nach Lille für eine Ablösesumme von drei Millionen Euro vollzogen. Ansonsten wurde der Kader zwar verkleinert, im Vergleich zur ansprechenden Rückrunde der Vorsaison aber nicht verstärkt.
In Genf hat man sich wohl etwas von den starken Resultaten der ersten Jahreshälfte blenden lassen. Dass derzeit die rote Laterne in Genf flackert, stimmt nachdenklich. Für eine genügende Note von Sportchef John Williams reicht das nicht aus.
Beim Grasshopper Club Zürich war das Sommertransferfenster geprägt durch die Übernahme des Vereins durch die Bridge Football Group. Neu ist eine Transferkommission ins Leben gerufen worden. Innerhalb des Netzwerks ist Dries Boussatta für die sportlichen Entscheidungen verantwortlich.
Es dauerte, bis die langersehnten Neuzugänge bei den Hoppers eingetroffen sind. Mit der Rückkehr von Giotto Morandi ist es gelungen, eine Identifikationsfigur zurückzuholen. Daneben wurde bis zuletzt nach Verstärkungen gesucht. John Hilton in der Abwehr und Kenzo Goudmijn im Mittelfeld stiessen zuletzt dazu. Es fliesst sicherlich in die Bewertung mit ein, dass der Kader zum Saisonstart alles andere als bereit war. Eine Basis für eine neue Zukunft ist gelegt. Darauf muss aber wohl schon im Winter weiter aufgebaut werden.
Der FC Lausanne-Sport ist mit einem neuen Trainer in die Saison gestartet. Das Team hat sich derweil im Vergleich zu einigen Ligakonkurrenten nur wenig verändert. Im Tor setzen die Waadtländer auf den lange aufgebauten Melvin Mastil. Einige neue, vielversprechende Talente haben den Weg nach Lausanne gefunden. Die Neuzugänge kommen von PSG, Manchester United oder Olympique Lyon. Mit Kévin Mouanga oder Sékou Fofana hat man auch zwei Millionenverkäufe eingefädelt. Das war ein solides Transferfenster. Für ein Team, das in der Vorsaison noch in der Conference League in der K.-o.-Phase stand, war das auch im ligaweiten Vergleich aber kein grosser Angriff.
Beim Schweizer Meister ist in diesem Sommer kein Stein auf dem anderen geblieben. Auch auf dem Posten des Sportchefs gab es einen Wechsel: Simone Rapp hat Dominik Albrecht, den Baumeister der Meistermannschaft, beerbt. Der FC Thun hat das einzig Richtige gemacht: Er hat den Meistertitel in viele Millionen verwandelt, in Form diverser lukrativer Transfers. Mit Franz-Ethan Meichtry, Elmin Rastoder und Michael Heule haben die Berner Oberländer in diesem Sommer die drei teuersten Verkäufe der Clubgeschichte getätigt.
In der Offensive hat der FC Thun mit den Verpflichtungen von Noah Christoffersson und Riccardo Baraschi einen Teil des eingenommenen Geldes reinvestiert. Ansonsten setzt man in Thun auf die Entwicklung junger Spieler. Im Mittelfeld ermöglicht man mit Nassim Zoukit, Fabio Saiz und Dorian Derbaci drei Spielern aus der Challenge League den Schritt ins Oberhaus. Für ein "Gut" im Zeugnis fehlt die Verpflichtung eines Routiniers als Nachfolger von Teamstütze Leonardo Bertone.
Mit der Verpflichtung von Leonardo Bertone von Meister Thun ist dem FC Luzern ein Coup gelungen. Er wird mit seiner Routine eine Schlüsselrolle einnehmen. Leihspieler Daniel Mikolajewski hat seine technischen Fertigkeiten bereits angedeutet. Die definitive Übernahme von Oscar Kabwit dürfte derweil einen satten Gewinn einbringen. Gleichzeitig haben die Luzerner mit den Verkäufen von Andrej Vasovic, Adrian Bajrami und Pascal Loretz die Marke von zehn Millionen Euro an Transfereinnahmen geknackt.
Grundsätzlich spräche vieles dafür, dass der FC Luzern eine 5.0 oder gar eine 5.5 erhalten würde. Dann ist da allerdings noch die Torhüter-Thematik aufzuführen. Die Luzerner wirkten schlicht überrascht über den Abgang von Stammkeeper Loretz. Weil man den Vertrag von Vaso Vasic auslaufen liess, war der FCL unter Zugzwang. Der mit der Rückennummer 1 ausgestattete Simon Simoni patzte in den ersten Spielen mehrfach und kostete den FC Luzern wertvolle Punkte. Mit Karlo Letica wurde dann doch abermals ein neuer Torhüter verpflichtet. Wahrscheinlich hat man schliesslich das Wunschtrio zusammen. Der Weg dahin war aber definitiv alles andere als ideal.
Der Aufsteiger hat sich vorwiegend in der Offensive neu aufgestellt. Dem FC Vaduz ist es dabei gelungen, eine interessante Mischung aus Erfahrung und Zukunftsversprechen zusammenzustellen. Ein absoluter Glücksfall ist die Leihe von Lutfi Dalipi. Der offensive Mittelfeldspieler des BSC Young Boys glänzte bereits mit zehn Scorerpunkten in der noch jungen Meisterschaftssaison. Die Defensive der Mannschaft aus dem Fürstentum Liechtenstein blieb derweil praktisch unberührt. Im Bereich seiner Möglichkeiten hat der FC Vaduz gut gearbeitet auf dem Transfermarkt. Vor allem war der Kader schon früh zusammen und das Team scheint sich so bereits gefunden zu haben.
Beim FC Basel hat man nach der enttäuschenden vergangenen Saison einmal mehr auf einen Umbruch gesetzt. Vor allem in der Offensive sind viele neue Gesichter zum Team gestossen. Mit dem Verkauf von Andrin Hunziker fühlten sich viele FCB-Fans vor den Kopf gestossen, denn die Forderung nach mehr rot-blauer DNA im Team wurde durch den wechselreichen Sommer einmal mehr nicht erfüllt. Mit Dominik Schmid und Albian Ajeti haben weitere Spieler aus dieser Kategorie den Verein verlassen. Eher unerwartet ist mit Metinho einer der heissesten Absprungkandidaten im Verein verblieben.
Grundsätzlich darf hinterfragt werden, ob die Masse an Transfers in diesem Rahmen notwendig war. Gleichwohl ist es dem FCB gelungen, den Kader ohne bevorstehende internationale Belastung etwas schmaler aufzustellen. Der eine oder andere Neuzugang hat sein Können bereits angedeutet und gleichzeitig steht unter dem Strich trotz der bescheidenen letzten Spielzeit ein satter Überschuss. In Summe verteilen wir dafür eine 5.0.
Nach dem grossen Umbruch ein Jahr nach dem Aufstieg, sprich im Sommer 2025, hat der FC Sion in diesem Sommer auf Kontinuität gesetzt. Die Basis zum ganz grossen Transfer haben die Walliser mit der ausgehandelten Kaufoption für Leihspieler Winsley Boteli bereits vor einem Jahr gelegt. Der junge Schweizer Stürmer entwickelt sich innerhalb weniger Wochen zum grossen Shootingstar. Es wird bereits von einem ersten Angebot in Höhe von 30 Millionen Euro gesprochen. Trifft der 20-Jährige so weiter, muss das nicht die Spitze des Eisbergs sein.
Ansonsten ist beim FC Sion in diesem Sommer kaum etwas passiert. Mit Fodé Sylla wurde ein weiterer junger Spieler fürs Mittelfeld verpflichtet. Negativ in der Bewertung macht sich bemerkbar, dass es Sportchef Barthélémy Constantin bislang nicht gelungen ist, für mehrere Streichkandidaten eine Lösung zu finden. So ist die ehemalige Nummer 1 Timothy Fayulu nach einer Leihe wieder zurückgekehrt und belastet somit das Gehaltsbudget.
Es folgen die drei Teams mit den besten Bewertungen und somit gewissermassen die Transfersieger dieses Sommers. Den Anfang macht der amtierende Cupsieger. Die Erfolgsmannschaft des FCSG ist mit wenigen Ausnahmen zusammengeblieben. Den zur TSG Hoffenheim abgewanderten Alessandro Vogt haben die Espen mit Andrin Hunziker ersetzt. Der FCB-Stürmer ist aus mehreren Aspekten ein absoluter Glücksfall. Zum einen ist es ein Stürmer mit Potenzial, der dereinst einen lukrativen Transfer vollziehen könnte. Gleichzeitig ist es ein Schweizer Spieler. Das hat den Espen zusätzlichen Spielraum auf der Kontingentsliste ermöglicht.
Mit der definitiven Übernahme von Aliou Baldé haben die St.Galler einen neuen Rekordeinkauf getätigt. Werden die Espen das lästige Verletzungspech noch los, ist das eine wirklich kompetitive Truppe. Einzig für Streichkandidat Kevin Csoboth sollte noch eine Lösung gefunden werden.

Der BSC Young Boys hat seinen durch jahrelange Doppelbelastung aufgeblähten Kader konsequent zusammengestrichen. Gleichzeitig haben Christoph Spycher und Mathieu Beda die Mannschaft mit viel Qualität verstärkt. Die Rückkehr von Cedric Zesiger beschert den Young Boys wohl langfristig einen neuen Abwehrchef. Auch Isaac Schmidt und Kaly Sene sind Neuzugänge, die sich in der Super League schon mehrfach bewiesen haben. Trotzdem resultierte ein grosses Transferplus. Da war es schlichtweg auch ein Glücksfall, dass mit Brighton & Hove Albion ein Premier-League-Verein bei Jaouen Hadjam angeklopft hatte.
Die Kaderplaner haben eine Mannschaft zusammengestellt, die berechtigte Titelambitionen hegen darf. Nun liegt es an Trainer Gerardo Seoane und den Spielern, diese Hoffnungen zu erfüllen.
Zum Ende fehlt noch der makellos gestartete Tabellenleader aus Lugano. Mit Beckham Castro und Dereck Moncada haben die Bianconeri zwei Flügelspieler aus der kolumbianischen Liga verpflichtet und sich das auch etwas kosten lassen. Daneben haben die Tessiner auch an der Kadertiefe an der einen oder anderen Schraube gedreht. Dass die Mannschaft von Mattia Croci-Torti definitiv konkurrenzfähig ist, dürfte nach 13 Spielen ohne Niederlage allen offensichtlich sein. Gerade im Vergleich zur Konkurrenz aus Bern werden die Luganesi die Herausforderung meistern müssen, auf drei Hochzeiten zu tanzen. Der Kader sollte für diese Aufgaben gerüstet sein.
Alessandro Mangiarratti Andreas Herrmann Barthélémy Constantin Brack Super League BSC Young Boys Christoph Spycher Dino Lamberti Dominik Albrecht Dries Boussatta FC Basel 1893 FC Lausanne-Sport FC Lugano FC Luzern FC Sion FC St.Gallen 1879 FC Thun Berner Oberland FC Vaduz FC Zürich Franz Burgmeier Fussball Grasshopper Club Zürich John Williams Mathieu Beda Raphael Dort Remo Meyer Roger Stilz Sebastian Pelzer Servette FC Simone Rapp Stéphane Henchoz Valentin Stocker