Die neue Super-League-Saison beginnt am Samstag. Das Transferfenster ist noch bis Ende August offen und trotzdem haben die Vereine der Super League bereits schmerzhafte Abgänge hinnehmen müssen. Wir blicken auf die bittersten Abgänge der Super-Ligisten.
Für Brian Beyer persönlich ist der Abgang vom FC Vaduz ebenfalls bitter. Die Saison begann der Angreifer beim FC Winterthur. In der Super League konnte er sich nicht wirklich etablieren und so hat ihn der FCW im Winter zum FC Vaduz verliehen. Nach Anfangsschwierigkeiten drehte Beyer im Ländle so richtig auf. Am Ende war er die offensive Lebensversicherung. Mit acht Toren schoss er Vaduz ins Oberhaus. Gerne hätte man Brian Beyer nun definitiv übernommen, doch die Winterthurer wollten ihren Stürmer zurück. Der 29-Jährige muss jetzt erneut um den Aufstieg in die Super League kämpfen. Kann er an die starke Saisonendform anknüpfen, ist es denkbar, dass er die Eulachstädter ebenfalls in die höchste Spielklasse führt.
Bittere Abgänge gab es beim Grasshopper Club Zürich mehr als nur einen. Doch das Bayern-Leihduo, bestehend aus Jonathan Asp Jensen und Lovro Zvonarek, sticht heraus. Die beiden talentierten Spieler haben die Grasshoppers in der letzten Saison getragen. Nun brechen diese beiden Säulen weg und sind noch nicht ersetzt worden. Der Kader des GCZ scheint zum jetzigen Zeitpunkt so gar nicht bereit für den Saisonstart. Vor allem die kreativen Momente von Asp Jensen werden die Limmatstädter sehnlichst vermissen. Mit dem aktuellen Kader gehören sie neben Vaduz zu den grössten Anwärtern auf den Abstieg.
Noch ist es beim FC Zürich an der Transferfront relativ ruhig. Einen schmerzhaften Abgang gab es allerdings zu verzeichnen. Mit Cheveyo Tsawa verlor der FCZ sein grösstes Talent. Künftig wird der Schweizer U-21-Nationalspieler in Belgien für Brügge auflaufen. Er tritt in die Fussstapfen von Ardon Jashari und Aleksandar Stankovic. Der FC Zürich verliert mit Tsawa nicht nur ein grosses Talent, sondern auch einen absoluten Leistungsträger. In der Zentrale der Zürcher war der 19-Jährige gesetzt. Der Abgang ist in etwa mit jenem von Leon Avdullahu beim FC Basel im Vorjahr zu vergleichen. Wohin die Reise den FC Basel nach dem gewonnenen Meistertitel und dem Verkauf Avdullahus führte, war klar ersichtlich. Der FCZ täte also gut daran, Tsawa noch mit Qualität zu ersetzen.
Der Vertrag von Karlo Letica lief nach der letzten Saison aus. Der Kroate liebäugelte in der Vergangenheit bereits mehrfach mit einem Abgang aus der Westschweiz. Nun ist es endgültig so weit. Die Lausanner müssen ohne ihren zuverlässigen Rückhalt auskommen. Das könnte den ambitionierten Verein in der nächsten Saison schmerzen. Mit Melvin Mastil setzt der FC Lausanne-Sport auf einen Super-League-unerfahrenen Schlussmann. Es ist ein Poker, den die Verantwortlichen eingehen. Letica selbst hat derweil noch keinen neuen Verein gefunden. Auch aus seiner Sicht ist der Verzicht auf einen neuen Vertrag bei Lausanne bislang ein Poker, der noch nicht aufgegangen ist.
Einmal mehr hat der Servette FC ein Talent hervorgebracht. Oftmals hatten die Jugendspieler die Grenats bereits vor dem Sprung in die erste Mannschaft verlassen. Loun Srdanovic spielte hingegen mehrfach für die Profimannschaft der Genfer. 13 Super-League-Einsätze sind zusammengekommen. Servette hat mit dem Millionentransfer jetzt nicht einen Leistungsträger der ersten Mannschaft verloren, aber einen, der es hätte werden können. Lille wird sich über den Neuzugang freuen. Es spricht aber auch für die Genfer, dass hier "nur" Srdanovic aufgeführt wird. Grosse Teile der Mannschaft konnte der Servette FC zusammenhalten.
Der FC Luzern ist für die kommende Saison gut aufgestellt. Nur auf der Torhüterposition kam es kurz vor dem Saisonstart zu einem herben Verlust: Pascal Loretz verliess den FCL und schloss sich Hannover 96 an. Künftig wird der 23-Jährige das Gehäuse des Vereins aus der 2. Bundesliga hüten. Luzern reagierte schnell und nahm Simon Simoni ins Probetraining auf. In diesem konnte der Albaner überzeugen und so wurde er mit einem Vertrag ausgestattet. Simoni bringt kaum Erfahrung auf Profistufe mit, das könnte den Leuchtenstädtern noch um die Ohren fliegen. Kann der 22-Jährige sein Potenzial aber abrufen, wird schon bald niemand mehr von einem schmerzhaften Abgang bei Loretz sprechen.
Einige Abgänge hatte der BSC Young Boys bereits zu verzeichnen. Die meisten fielen aber unter die Kategorie "Ausmisten". Ein Abgang, der die Berner aber noch schmerzen könnte, ist jener von Chris Bedia. Trotz 15 Saisontoren haben sich die Young Boys dazu entschlossen, die Kaufoption beim Angreifer nicht zu ziehen. Auf der Pressekonferenz vor dem Saisonstart liessen die Verantwortlichen durchblicken, weshalb mit Samuel Essende ein anderer Stürmer verpflichtet wurde. Es ging um das Verhalten gegen den Ball. Für YB ist zu hoffen, dass diese Entscheidung aufgeht, ansonsten werden die Rufe schnell laut, dass man Bedia hätte halten sollen. Der 30-Jährige wechselte kürzlich in die Vereinigten Arabischen Emirate und wird künftig dort seine Tore schiessen.
Der FC Basel verkaufte Dominik Schmid an Salzburg. Der Abgang des Linksverteidigers und Vize-Captains war nicht geplant und verlief nicht ohne Nebengeräusche. Schmid sprach in einem Interview mit der Basler Zeitung von fehlender Wertschätzung. Man habe nicht um ihn kämpfen wollen und eine Vertragsverlängerung sei auch noch kein Thema gewesen. Nun muss der FCB mit einem gestandenen Spieler weniger auskommen. Als Ersatz wurde bislang der junge Coleen Louis verpflichtet. Jüngst deutete Andreas Herrmann im Vereinspodcast aber an, dass noch ein Spieler mit FCB-Vergangenheit auf dieser Position zum Team stossen könnte. Dabei handelt es sich höchstwahrscheinlich um Raoul Petretta, der aktuell bei Darmstadt unter Vertrag steht.
Beim FC Sion gibt es am Tag vor dem Saisonstart noch keinen wirklich schmerzhaften Abgang. Der grösste Name, der die Walliser verlassen hat, ist jener von Dejan Djokic. 2024 wechselte der Offensivspieler vom FC Vaduz zum FC Sion. In den zwei Jahren lief er 24-mal für Sion auf. Dabei gelangen Djokic gerade einmal vier Scorerpunkte. Das war zu wenig, um nicht nach einer neuen Lösung für den 25-Jährigen zu suchen. Mit der Rückkehr zum FC Vaduz wurde schliesslich eine für alle Seiten stimmige Lösung gefunden. So kann Dejan Djokic in einem vertrauten Umfeld nochmals einen Anlauf in der Super League nehmen.

Amir Saipi und Mattia Bottani waren die einzigen gewichtigen Abgänge vom FC Lugano in diesem Sommer. Saipi konnte durch die Verpflichtung von Felix Gebhardt adäquat ersetzt werden. Bei Mattia Bottani ist es vor allem die Identifikation mit dem Tessin, die innerhalb der Mannschaft verloren geht. Dazu ist es umso unschöner, wie nun in den Medien von Seiten des Spielers gegen Trainer Mattia Croci-Torti nachgetreten wurde: "Um enttäuscht zu sein, muss man Erwartungen haben, und ich hatte keine mehr. Unser Verhältnis war seit Jahren getrübt. Ich hätte mir nur eine ehrliche Gegenüberstellung gewünscht - Augen in Augen. Aber dafür brauchte es Mut und ein reines Gewissen." Am Ende bleibt ein bitterer Nachgeschmack nach einer tollen Karriere, die diesen Abgang in der Art und Weise noch schmerzhafter macht.
Die Cupsieger-Mannschaft konnte zu grossen Teilen zusammengehalten werden. Ein Abgang stand aber schon länger fest. Alessandro Vogt wechselte dank einer Ausstiegsklausel zum Schnäppchen-Tarif von 2,5 Millionen Euro zur TSG Hoffenheim in die Bundesliga. Der FC St.Gallen verlor damit seinen Senkrechtstarter, der im Sturm für enorm wichtige Tore sorgte. Immerhin konnten die Espen den Abgang noch vor dem Saisonstart ersetzen. Mit Andrin Hunziker hat der FCSG einen Stürmer geholt, der noch jung ist, der dem Spielertyp Vogt ähnelt und der ebenfalls weiss, wo in der Super League das Tor steht. Auf dem Papier hat Sportchef Roger Stilz seine Arbeit gemacht. Ob die Zahnrädchen auch auf dem Platz ineinandergreifen, werden wir in den nächsten Wochen sehen. Der Saisonauftakt in der Europa League ist mit dem 2:1-Sieg gegen Benfica auf alle Fälle geglückt.
Ethan Meichtry, Elmin Rastoder und auch Leonardo Bertone haben den FC Thun verlassen. Das waren allesamt schmerzhafte Abgänge. Während sich Meichtry und Rastoder in besseren Ligen versuchen und die Thuner Kassen bei den Transfers mit Schmerzensgeld gefüllt wurden, verhält es sich bei Leonardo Bertone anders. Sein Abgang zum FC Luzern schmerzt daher besonders. Sportlich ist die Perspektive in der Innerschweiz kaum besser - der Zahltag wird es jedoch sein. Dazu wird der FCT keinen Millionenbetrag für den 32-jährigen Leistungsträger erhalten haben. Damit ist es kompliziert, ihn adäquat ersetzen zu können. Es gingen viel Leadership und auch ein tolles Füsschen, das vor allem bei Standards zur Geltung kam, verloren. Wie die Thuner das auffangen können, ist aktuell noch unklar.
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