Die neue Super-League-Saison steht vor der Tür. Am Samstagabend geht es los. Vor dem Startschuss haben wir einen Blick auf die Torhüterduos der Liga geworfen. Wer kann sich getrost auf seine Goalies verlassen und wem droht das Schicksal der Schiessbude?
Der FC Vaduz backt in der Super League mit kleinen Brötchen. Das Budget der Liechtensteiner beträgt Medienberichten zufolge gerade einmal sechs Millionen Franken. Da kann sich der Aufsteiger keine teuren Torhüter leisten. Darunter leidet am Ende auch etwas die Qualität. Leon Schaffran stiess im letzten Sommer zum FC Vaduz und führte ihn als Aufstiegsgoalie in die Super League. Mit Benjamin Büchel ist ein Liechtensteiner Routinier die Nummer zwei. Dass ein solches Goalie-Duo funktionieren kann, bewies im Vorjahr auch der FC Thun. Auf dem Papier sind die anderen Teams dennoch besser aufgestellt.
Die Torhütersituation beim FC Luzern ist eine Blackbox. Raphael Radtke hat sich in den letzten Jahren seine Sporen in den tieferen Ligen der Schweiz abverdient und genügt den Ansprüchen als Backup in der Super League. Mit grosser Konstanz glänzte Radtke in früheren Jahren nicht, es ist für die Innerschweizer zu hoffen, dass er diesbezüglich mittlerweile gereift ist. Mit Simon Simoni haben die Leuchtenstädter einen Torhüter verpflichtet, der viel Potenzial besitzt, dieses aber im Profifussball noch nie wirklich zeigen durfte. Der Albaner wechselte vor zwei Jahren nach Deutschland und kam bislang nur auf einige Einsätze in der Regionalliga. Was die Schweiz nun vom 22-Jährigen zu sehen bekommt, ist kaum einzuschätzen. Für den FC Luzern ist zu hoffen, dass der Poker aufgeht. Dann wird das Goalie-Duo Simoni/Radtke in einem Jahr sicherlich besser eingestuft werden.
Seit 2021 gehört Melvin Mastil zum Kader des FC Lausanne-Sport. Nun geben die Waadtländer dem 26-Jährigen die Chance, sich in der ersten Mannschaft zu beweisen. Bislang konnte der 26-Jährige nur in der Challenge League auf sich aufmerksam machen. Jetzt soll Mastil die grossen Fussstapfen von Karlo Letica ausfüllen. Es ist davon auszugehen, dass die neue Nummer eins etwas Adaptionszeit in der Super League benötigt. Neben Melvin Mastil komplettiert Thomas Castella das Goalie-Team des FC Lausanne-Sport. Der 33-Jährige bringt viel Erfahrung mit und kann dem neuen Stammgoalie sicherlich einige hilfreiche Tipps geben. Unter dem Strich dürften die Torhüter aber nicht als der grosse Trumpf der Westschweizer gelten.
Auch im zweiten Jahr nach dem Aufstieg bleibt der FC Thun seiner Strategie treu. Es werden keine exorbitanten Transfers gemacht. Mit Tim Spycher haben die Berner Oberländer im letzten Winter eine spannende junge Nummer zwei verpflichten können, die sich mit Niklas Steffen im Kampf um den Posten im Tor duellieren soll. Steffen selbst hat sich im Vorjahr als solider Rückhalt in der Super League präsentiert. Einige Punkte hat auch der Schlussmann dem Meisterteam gerettet. Der 25-Jährige ist jetzt kein Übertorwart, doch man muss auch keine Angst vor ständigen Patzern haben. Der neunte Platz in diesem Ranking ist daher grundsolide und soll nicht als schlechte Arbeit der sportlichen Führung gewertet werden.
Beim FC Zürich gab es in der letzten Saison ein Hin und Her zwischen Silas Huber und Yanick Brecher. Nun ist die FCZ-Legende zurückgetreten und die Bahn für den talentierten Huber ist frei. Restlos konnte die neue Nummer eins aber nicht immer überzeugen. Daher wird es ihm guttun, eine arrivierte Nummer zwei hinter sich zu wissen, die ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen wird. Heinz Lindner hat wohl ohne Ambitionen auf den Stammplatz beim FC Zürich unterschrieben, was der Gesamtkonstellation förderlich ist. Huber wird nicht gleich beim ersten Fehler wieder auf die Bank beordert, dieses Wissen wird ihm bei der Entwicklung weiterhelfen.
Auf den Abgang von Joel Mall haben die Genfer mit der Verpflichtung von Edvinas Gertmonas reagiert. Der Litauer wechselte ablösefrei aus Rumänien in die Calvinstadt. Mit dem 30-Jährigen haben die Genfer einen erfahrenen Mann geholt, der vor Frick die Nummer eins werden soll. Einmal mehr hat der Servette FC zwei starke Torhüter in den eigenen Reihen. Abzug gibt es in der Einschätzung des Duos aufgrund der Verletzungsmisere. Gleich beide Keeper werden den Saisonstart verpassen. Damit wird Servette mit der dritten Wahl gegen den FC Basel antreten müssen. Frick wird sogar noch länger ausfallen. Es ist also kein Start nach Mass für das neue Goalie-Duo.
Der Grasshopper Club Zürich hat noch viele Baustellen, die Torhüterposition ist zumindest keine davon. Den bislang einzigen Transfer haben die Zürcher mit Marvin Hübel getätigt. Der Stammgoalie der Aarauer wurde in die Limmatstadt gelockt. Damit hat GC zwei Goalies im Kader, die sich auf Augenhöhe begegnen. Zum ersten Mal seit Jahren wird sich Justin Hammel anstrengen müssen, um den Posten als Stammtorhüter auch für sich beanspruchen zu können. Die Konkurrenzsituation dürfte auch Hammel noch besser machen. Unter dem Strich ist es eine sehr komfortable Situation, in die sich die Grasshoppers zwischen den Pfosten manövriert haben.

Im Goalie-Duo des FC Lugano hat es in diesem Sommer eine Veränderung gegeben. Felix Gebhardt ist die neue Nummer zwei im Tessin. Er ersetzt Amir Saipi, der in die zweite spanische Liga gewechselt ist. Mit David von Ballmoos wissen die Bianconeri eine äusserst starke Nummer eins in den eigenen Reihen. Allerdings ist die Verletzungsanfälligkeit des 31-Jährigen ein Problem. So fiel von Ballmoos auch in der letzten Saison einige Zeit aus. Gebhardt war zuletzt ein solider Rückhalt in der dritthöchsten deutschen Liga. Er ist daher ein wenig schwächer als Saipi einzustufen. Lugano verfügt somit über ein leicht schwächeres Goalie-Tandem als in der Vorsaison - allerdings ist das Kritik auf hohem Niveau.
Anthony Racioppi war in der abgelaufenen Saison der beste Goalie der Super League. Hinter einer starken Walliser Abwehr hielt auch der Schlussmann überragend. Es reicht im Ranking der Goalie-Duos trotzdem nicht zum Spitzenplatz. Das hängt mit Francesco Ruberto zusammen. Im Vergleich mit den anderen Vereinen hat der FC Sion keine überragende Nummer zwei in den eigenen Reihen. Ruberto hat in seiner Karriere gerade einmal 34 Super-League-Partien absolviert. Auch in der zweithöchsten Schweizer Liga kommt der 33-Jährige nur auf 65 Einsätze. In seiner Karriere konnte sich Francesco Ruberto nie nachhaltig durchsetzen und man wird im Wallis vor allem darauf bauen, dass Racioppi verletzungsfrei durch die Saison kommt.
Marwin Hitz beendete nach der abgelaufenen Saison seine Karriere. Mit Jonas Omlin hat der FC Basel einen würdigen Nachfolger präsentieren können. Der vierfache Schweizer Nationalspieler kommt aber aus einer eher komplizierten Zeit. Die Matchpraxis fehlt ihm noch. Im Testspiel gegen Juventus Turin zeigte der 32-Jährige aber, zu welchen Leistungen er fähig ist. Mit mehreren tollen Paraden hielt er in seiner Halbzeit die Null. Das Gleiche gelang dann Mirko Salvi im zweiten Durchgang. Die ewige Nummer zwei beim FCB ist solide und kann im Notfall Omlin würdig ersetzen. Damit dürften die hohen Ambitionen der Basler Vereinsführung nicht an den Qualitäten der Keeper scheitern.
Seit Jahren hat der FC St.Gallen zwei Torhüter unter Vertrag, die eigentlich auch als Nummer eins auflaufen könnten. Das ist für Lukas Watkowiak besonders bitter, da er in jeder Saison nur die Cupspiele absolvieren darf. Mit der Ausnahme der Roten Karte, ausgerechnet im Cupfinale, stellte Watkowiak seine Klasse auch in der Vorsaison unter Beweis. Die Espen können also auch einen Ausfall ihres Publikumslieblings Lawrence Ati Zigi hinnehmen, ohne gleich in Panik verfallen zu müssen. Das macht dieses Duo so besonders stark. Es ist gut möglich, dass das Goalie-Duo in die letzte gemeinsame Saison geht. Denn die Verträge der beiden Torhüter laufen nach der anstehenden Spielzeit aus.
Zumindest im Tor sind die ambitionierten Berner meisterlich aufgestellt. Marvin Keller ist einer der vielversprechendsten jungen Schweizer Torhüter. Daher durfte der 24-Jährige auch mit zur Weltmeisterschaft. Wegen der Zeit in Nordamerika muss YB zum Saisonauftakt aber auf Keller verzichten. Das wird aber keine grossen Sorgenfalten bei den gelb-schwarzen Fans hinterlassen. Mit Joel Mall hat der BSC Young Boys eine starke Nummer zwei verpflichten können. Bei Servette duellierte sich der zypriotische Nationalkeeper lange Zeit mit Jeremy Frick um den Posten als Stammtorhüter. Mall ist wohl die beste Nummer zwei der gesamten Liga, was das Duo hier auf den Spitzenplatz trägt
Anthony Racioppi Benjamin Büchel Brack Super League BSC Young Boys David von Ballmoos Edvinas Gertmonas FC Basel 1893 FC Lausanne-Sport FC Lugano FC Luzern FC Sion FC Thun Berner Oberland FC Vaduz FC Zürich Felix Gebhardt Francesco Ruberto Fussball Grasshopper Club Zürich Heinz Lindner Jérémy Frick Joël Mall Jonas Omlin Justin Hammel Lawrence Ati Zigi Leon Schaffran Lukas Watkowiak Marvin Hübel Marvin Keller Melvin Mastil Michel Schuler Mirko Salvi Niklas Steffen Raphael Radtke Servette FC Silas Huber Simon Simoni Thomas Castella Tim Spycher