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Schon ein schlechter Saisonstart dürfte einige Trainerstühle zu Schleudersitzen machen

Entlassungswahrscheinlichkeit der BSL-Trainer

Nur vier Trainer der Super League sind schon mit jenem Team in die letzte Saison gestartet, mit dem sie in die neue Spielzeit gehen. Auch 2026/27 dürften einige Trainerstühle wieder ordentlich wackeln. Wir haben euch die Entlassungswahrscheinlichkeit der zwölf BSL-Trainer zusammengetragen.

Enrico Maassen (FC St.Gallen 1879): 2%

In der Ostschweiz setzt man nicht nur bei der Kaderplanung, sondern auch auf dem Trainerposten auf Konstanz. Nachdem Enrico Maassen mit seinen Schützlingen mit dem Cupsieg die St.Galler Titelsehnsüchte stillen konnten, ist der 42-Jährige ohnehin unter die ganz grossen Erfolgstrainer der grün-weissen Vereinsgeschichte aufgestiegen. Die Espen konnten ihre Mannschaft bis auf wenige Ausnahmen zusammenhalten, was für eine erneut erfolgreiche Saison spricht. An eine Entlassung Maassens ist definitiv nicht zu denken. Vielmehr ist dem 42-Jährigen zuzutrauen, dass er dereinst den Schritt in die Bundesliga machen wird.

Mattia Croci-Torti (FC Lugano): 15%

Der dienstälteste Trainer der Super League ist demnächst fünf Jahre im Amt. In der vergangenen Saison sprach nach einem verpatzten Saisonstart einiges dafür, dass in Lugano durch einen Trainerwechsel eine Veränderung herbeigeführt werden könnte. Schliesslich kratzten die Bianconeri mit Mattia Croci-Torti an der Seitenlinie die Kurve und so ist der 44-Jährige weiterhin im Amt. Der Cupsieger-Trainer von 2022 geniesst weiterhin ein grosses Ansehen. Gleichwohl ist der Leistungsdruck im Tessin da. An eine Entlassung des Trainers wird man in Lugano kaum denken, deshalb geben wir Croci-Torti eine 85-prozentige Jobgarantie.

Didier Tholot (FC Sion): 20%

Beim FC Sion, der seit Jahren für seine vielen Trainerwechsel bekannt ist, startet Didier Tholot in seine vierte Saison als Cheftrainer. Es ist das dritte Engagement Tholots als Trainer im Wallis, zudem fand er sich in der Saison 2003/04 für eine kurze Phase in der Rolle des Spielertrainers der Sittener wieder. Tholot hat den FC Sion zurück in die Super League und in der abgelaufenen Spielzeit auf einen Europacup-Rang geführt. Der 62-Jährige geniesst ein hohes Ansehen. Einzig im Falle, dass Sion im Vergleich zur Vorsaison deutlich abstürzen würde, könnte es ihn den Job kosten. Das führt zu einer Entlassungswahrscheinlichkeit von 20 Prozent.

Gerardo Seoane (BSC Young Boys): 25%

Mit drei Meistertiteln und einem Cupsieg auf dem Konto ist Gerardo Seoane von seinen Errungenschaften in Bern eigentlich unentlassbar. Gleichzeitig spricht auch sein langer Vertrag für den 47-Jährigen. Der sportliche Druck in der Bundesstadt ist allerdings nicht von der Hand zu weisen. Die Young Boys haben auf dem Transfermarkt ordentlich investiert, das Ziel ist klar: die Rückkehr auf den Schweizer Fussballthron. Kritisch wird es dann, wenn der Saisonstart nicht gelingt und die Berner bis zum Herbst oder gar zur Winterpause im selben Fahrwasser treiben wie in der Vorsaison. Eine Entlassung von Gerardo Seoane wäre aber gleichzusetzen mit einer grossen Niederlage für die aktuelle sportliche Führung.

Gerardo Seoane geniesst ein ausgesprochen hohes Ansehen in Bern, gleichwohl sind nun neue Erfolge gefordert.

Gian-Luca Privitelli (FC Thun): 35%

Mit 35 Prozent haben wir den ersten der vier Neo-Trainern eingestuft. Vom Schweizer Nachwuchsnationaltrainer wurde Gian-Luca Privitelli zum Nachfolger von Meistertrainer Mauro Lustrinelli befördert. Damit bringt der schweizerisch-italienische Chefcoach eine grosse Parallele zu seinem Vorgänger mit. Bei seiner Feuertaufe, einem 1:1 in der Champions-League-Qualifikation gegen Dinamo Zagreb, fieberte Lustrinelli auf der Tribüne mit. Natürlich wird man in Thun so vernünftig sein und die Resultate dieser Saison nicht mit der Meistersaison vergleichen. Dass die Berner Oberländer aufgrund der namhaften Abgänge in der Tabelle abstürzen, wäre möglich. Wenn dann noch die Mehrfachbelastung durch die internationalen Einsätze negativ auf die Resultate einwirkt, könnte auch im ruhigen Thun Privitellis Trainerstuhl zu wackeln beginnen.

Marc Schneider (FC Vaduz): 40%

Seit Februar 2024 ist der Vaduzer Aufstiegstrainer Marc Schneider im Amt. Diesbezüglich wird er nur durch Mattia Croci-Torti und Didier Tholot übertroffen. Ähnlich wie das Berner Oberland hat auch das Fürstentum Liechtenstein nicht den Ruf eines Durchlauferhitzers für Trainer. Schneider wird mit viel Kredit mit seiner Mannschaft in die Saison starten, wohl wissend, dass es von Beginn an in jedem Spiel um wichtige Punkte im Rennen um den Klassenerhalt gehen wird. Grundsätzlich hätten wir Schneiders Entlassungswahrscheinlichkeit tiefer ansetzen wollen. Doch ein Szenario erscheint äusserst plausibel: Sollte Vaduz wirklich gegen Ende der Saison in Abstiegsgefahr stecken, könnte trotz des grossen Vertrauens in Schneider mit einem Trainerwechsel nochmals eine Reaktion der Mannschaft herbeigeführt werden.

Jocelyn Gourvennec (Servette FC): 40%

In der Vorsaison sorgte der Servette FC mit der schnellsten Trainerentlassung für Schlagzeilen. Nach zwei Niederlagen zum Meisterschaftsauftakt und dem Aus in der zweiten Qualifikationsrunde der UEFA Champions League musste Thomas Häberli seinen Spind räumen. Unter Jocely Gourvennec verpassten die Genfer zwar die angestrebte internationale Ligaphase und später auch den Einzug in die Championship Group, zumindest die zweite Saisonhälfte war aber ansprechend. In der Jahrestabelle 2026 stehen die Grenats an vierter Stelle. Nun folgt für den 54-Jährigen die Bewährungsprobe. Das Ziel ist klar: Servette möchte wieder zu den besten sechs Teams des Landes gehören. Gelingt das nicht, ist der nächste Trainerwechsel aufgegleist.

Udo Portmann (FC Luzern): 40%

Das Trio, das wir mit je 40-prozentiger Entlassungswahrscheinlichkeit eingeteilt haben, wird durch Udo Portmann komplettiert. Auf dem neuen Trainer des FC Luzern werden viele Augenpaare ruhen, schliesslich ist es Portmanns erste Station als Trainer einer Profimannschaft. Dank seiner guten Arbeit im Nachwuchsbereich geniesst der 49-Jährige grosses Vertrauen in der Leuchtenstadt. Gleichwohl ist es nochmals was anderes, ob man eine Mannschaft trainiert, bei der die Entwicklung der Spieler im Fokus steht und weniger die täglichen Resultate. Gleichzeitig ist es keine einfache Aufgabe, die Nachfolge eines langjährigen Trainers, wie Mario Frick es war, anzutreten. Vielleicht sind aber auch die neuen Impulse genau das, was die Luzerner gebraucht haben.

Marcel Koller (FC Zürich): 45%

Ein ganz grosser Name steht neu beim FC Zürich an der Seitenlinie. Unter Marcel Koller soll die von Wechseln geprägte Zeit ein Ende finden und Ruhe rund um die junge Mannschaft einkehren. Gleichwohl sind vom zweifachen Schweizer Meistertrainer Resultate gefordert. Der FCZ-Kader ist bislang in diesem Sommer allerdings nur zusammengewachsen und noch nicht wirklich verstärkt worden. Kevin Spadanuda und Ersatztorhüter Heinz Lindner sind die neuen Gesichter im Team, demgegenüber wiegt der Abgang vom Mittelfeldjuwel Cheveyo Tsawa schwer. Wir haben an anderer Stelle dem FCZ eine ausgesprochen schwierige Saison prognostiziert. Die 45-prozentige Entlassungswahrscheinlichkeit ist die Folge davon, auch wenn man sich beim FCZ hüten wird, sich vom grossen Namen Koller durch eine Kurzschlussreaktion zu verabschieden.

Marcel Koller ist der neue grosse Name beim FC Zürich.

Luka Elsner (FC Lausanne-Sport): 50%

Ein hierzulande bislang unbekannter Name hat auf dem Trainerstuhl des FC Lausanne-Sport Platz genommen. Der Slowene Luka Elsner bringt mit 43 Jahren schon viel Trainererfahrung mit. Das Waadtland ist seine elfte Trainerstation in den vergangenen 13 Jahren. Das bedeutet aber auch, dass Elsner sich kaum an einem Ort lange im Amt halten konnte. Vor allem begann seine Trainerlaufbahn mit einem dreijährigen Engagement in Domzale, danach wurde es schnelllebig. Wie hoch die Lausanner Ansprüche sind, hat die abgelaufene Saison gezeigt. Nicht einmal die K.-o.-Runde der Conference League konnte Peter Zeidler das Amt retten. Elsners Entlassung während der Saison ist eine 50:50-Angelegenheit.

Stephan Lichtsteiner (FC Basel 1893): 65%

Beim FC Basel erwarten einige einen baldigen Knall. Den ehemaligen Nati-Captain Stephan Lichtsteiner aus der vierthöchsten Spielklasse zu holen und zum Cheftrainer zu machen, war ein äusserst mutiger Schritt. Die Resultatentwicklung in der Vorsaison sprach nicht für ihn. Die besten Auftritte zeigten die Bebbi früh unter dem neuen Übungsleiter. In der Championship Group bezwangen die Basler nur noch den späteren Meister aus Thun. Am Rheinknie sind Resultate gefragt, von einer Mannschaft, die auf einigen Positionen wieder umgestellt wurde. Die Chancen sind gross, dass die eingespielte Konkurrenz besser aus den Startblöcken kommt. Dann könnte die Trainerposition schon anfangs Herbst zur Diskussion stehen.

Peter Zeidler (Grasshopper Club Zürich): 75%

Dass Peter Zeidler in der Super League erfolgreichen Fussball spielen lassen kann, hat er andernorts bereits bewiesen. Die Herausforderungen beim Grasshopper Club Zürich sind in dieser Saison ungemein schwer. In den vergangenen drei Saisons landeten die Hoppers auf dem Relegationsrang, nun erschwert ein grosser Substanzverlust auf dem Transfermarkt die Mission Klassenerhalt. Auch wenn die neue Vereinsführung dem Deutschen das Vertrauen ausgesprochen hat, wurde Zeidler noch unter der Führung von LAFC und durch Sportchef Alain Sutter eingestellt. Beide treibenden Kräfte sind inzwischen weg. Dieser Umstand, gepaart mit dem drohenden Kampf um jeden einzelnen Punkt, bringt Zeidler die deutlich höchste Entlassungswahrscheinlichkeit ein.

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2026-07-23 07:47:13