Nach der WM ist in der Schweiz unmittelbar vor dem Meisterschaftsstart. Vor der Saison haben wir uns zu jedem Team der Super League eine These ausgedacht. Bei der einen oder anderen Prognose haben wir uns ziemlich auf die Äste hinausgelassen.
Schneiders mutiger Fussball wird dem Aufsteiger defensiv um die Ohren fliegen
Eins ist schon vor dem Saisonstart sicher - gleich nochmals wird der Aufsteiger nicht Schweizer Meister. Mit dieser Bezeichnung könnte sich der FC Vaduz aus dem Fürstentum Liechtenstein auch als Champion der Super League nicht schmücken. Es wäre für den Aufsteiger ungerecht, wenn man ihn an den Leistungen des Vorgängers misst. Der FC Vaduz kann mit seiner frechen Art, Fussball zu spielen, gleichwohl eine Bereicherung für die Super League sein. Marc Schneider lässt sein Team gerne mit dem Ball spielen und bringt über die Flügel dank offensiver Aussenverteidiger viel Druck nach vorn. Das dürfte die Defensive im Oberhaus allerdings ziemlich anfällig machen. Wir glauben, dass kein Team mehr Gegentore zulässt als der FC Vaduz.
Ein massiver Fehlstart - der Rekordmeister bleibt am längsten ohne Sieg
Dreimal konnte sich der Grasshopper Club Zürich in der jüngsten Vergangenheit über die Barrage in der Liga halten. Es würde überraschen, wenn die Hoppers nicht auch 2026/27 tief in den Abstiegskampf verstrickt sein werden. Aufgrund des Besitzerwechsels hinkt man in der Kaderplanung der Konkurrenz weit hinterher. Der einzige externe Neuzugang ist bislang Torhüter Marvin Hübel. Die Liste der Abgänge ist hingegen lang. Trainer Peter Zeidler muss mit einem sehr jungen und unerfahrenen Kader in die Saison starten. Ein Fehlstart in die neue Spielzeit ist gewissermassen vorgespurt. Wir prognostizieren, dass der Grasshopper Club Zürich das letzte der zwölf Teams sein wird, das einen Sieg in der neuen Meisterschaftssaison feiern kann.
Der FC Zürich kämpft bis zum letzten Spieltag um den Klassenerhalt
Die Abstiegssorgen werden in der neuen Saison in der Stadt Zürich ungemein gross sein, denn auch der FCZ steht wohl vor einer ziemlich herausfordernden Saison. Der grosse neue Name beim Stadtclub ist jener von Marcel Koller. Mit dem 65-Jährigen an der Seitenlinie soll nach einer turbulenten Saison wieder Ruhe einkehren. Ein grosser Umbruch ist in diesem Sommer ausgeblieben, womit das junge Team sicherlich weiter zusammengewachsen ist. Gleichwohl ist die Mannschaft nach den bisherigen Transfers nicht stärker geworden. Der Abgang von Cheveyo Tsawa wurde bislang nicht abgefangen, Heinz Lindner und Kevin Spadanuda als einzige Neuzugänge sind mager. Der FCZ wird so auch 2026/27 lange um den Klassenerhalt kämpfen können. Wir glauben, dass der Verbleib in der Super League auch vor dem 38. Spieltag noch nicht sicher sein wird.

Janneh wird die Super League in der Winterpause als Leader der Torschützenliste verlassen
Auch der FC Lausanne-Sport hat sich auf dem Transfermarkt bislang vornehm zurückgehalten. Im Vergleich zum Vorjahr fällt bei den Waadtländern allerdings die Mehrfachbelastung durch internationale Einsätze weg. Einer aus dem Kollektiv, das neu von Luka Elsner trainiert wird, dürfte in den kommenden Wochen und Monaten die Schlagzeilen prägen. Omar Janneh galt schon in diesem Sommer als heisser Absprungkandidat. Derzeit deutet alles darauf hin, dass die Lausanner den 19-jährigen Spanier halten können. In der Rückrunde erzielte der Winterneuzugang in 20 Einsätzen für die Lausanner neun Tore. Wir glauben, dass der ehemalige Junior von Atletico Madrid richtig durchstarten wird. Als Leader der Torschützenliste wird er die Super League aber im Winter verlassen.
Junior Kadile bringt die Marke von Sonny Anderson als SFC-Rekordabgang ins Wanken
Bereits in der Rückrunde sorgte Junio Kadile als Leihspieler beim Servette FC für Begeisterung. Den Genfern ist es gelungen, den 23-jährigen Flügelspieler fest zu verpflichten. Macht Kadile im Stil der ersten Jahreshälfte weiter, dürfte es ein kurzer Aufenthalt beim Servette FC werden. In 13 Spielen erzielte Kadile sechs Tore und legte zehn weitere Treffer auf. Damit drängt er sich als absoluter Schlüsselspieler in der Offensive von Jocelyn Gourvennecs Team auf. Er nimmt damit über Links auch Verantwortung von den Schultern von Miroslav Stevanovic auf der anderen Aussenbahn.
Vielleicht wird schon in der Winterpause der Moment für den nächsten grossen Karriereschritt folgen. Eine satte Millionenablöse dürfte fällig werden. Ob es ganz reicht, um Sonny Anderson als Rekordabgang abzulösen, wird sich zeigen. Im Sommer 1994 verliess der spätere Barca-Stürmer die Grenats für 8.25 Millionen Euro in Richtung Monaco.
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Luzerns hausgemachtes Goalie-Problem kostet wertvolle Punkte im Rennen um Europa
Mit der unerwarteten Verpflichtung von Leonardo Bertone, dem unumstrittenen Schlüsselspieler in der Thuner Meistermannschaft, der definitiven Übernahme von Oscar Kabwit und dem Zugang von Loic Lüthi hat sich der FC Luzern als Kandidat für den Transfersieger des Sommers in Position gebracht.
Trotzdem gibt vor dem Saisonstart eine grosse Lücke im Kader zu denken. Raphael Radtke ist derzeit der einzige Torhüter im Kader. Julian Bock und Vaso Vasic liess der FCL nach Vertragsende ziehen. Youngster Lionel Huwiler hat man per Leihe in der Challenge League platziert. Der Transfer von Pascal Loretz zu Hannover 96 stellt die Luzerner nun vor ein Torhüterproblem. Der albanische Torhüter Simon Simoni könnte die neue Nummer eins der Luzerner werden. Der 22-jährige Keeper von Eintracht Frankfurt hat bereits das letzte Testspiel mit dem FCL bestritten. Simoni bringt aber kaum Erfahrung im Profibereich mit und kennt das Team zudem kaum. Die selbsteröffnete Baustelle könnte dem FC Luzern primär in der Startphase der Saison wichtige Punkte kosten, die dann im Rennen um Europa fehlen dürften.
Mit defensiver Stabilität werden die Young Boys definitiv um den Titel spielen
69 Gegentore musste der BSC Young Boys in der vergangenen Saison hinnehmen. Somit stellten die Berner die viertschwächste Defensive der Liga. Da reichte auch die gemeinsam mit Meister Thun stärkste Offensive nicht aus, um sich auf einen Europacup-Platz zu spielen. Mit den Zugängen von Cedric Zesiger und Isaac Schmidt hat YB in der Abwehr mächtig und kostspielig nachgerüstet. Mit diesem Personal muss Gerardo Seoane die Berner Hintermannschaft stabilisieren können. Glückt diese Ambition - und davon ist auszugehen -, wird der 17-fache Meister zum ganz heissen Anwärter auf den Titel. Zusätzlich wird es für YB zum Pluspunkt, dass man in dieser Saison ohne Mehrfachbelastung sich voll auf die nationalen Wettbewerbe konzentrieren kann.
Bis Ende Oktober ist entweder der Trainer oder ein Teil der sportlichen Führung weg
Ähnlich viel Leistungsdruck wie in Bern herrscht auch in Basel. Die Transferpolitik hat beim Basler Anhang gelinde gesagt keine Freudenstürme ausgelöst. Speziell der Abgang von Andrin Hunziker in Richtung St.Gallen hat für zusätzlichen Zündstoff gesorgt. Die Resultate in der Saisonvorbereitung waren zu durchzogen, um besänftigend zu wirken. Hinzu kommt, dass die Resultatentwicklung unter Stephan Lichtsteiner in der abgelaufenen Saison in die falsche Richtung tendierte. Am Rheinknie ist so viel Druck auf dem Kessel, die Explosionsgefahr ist schon jetzt riesig. Spätestens im Herbst wird es einen rot-blauen Knall geben. Ob Lichtsteiner seinen Spind räumen muss oder in der sportlichen Führung Köpfe rollen, wird sich zeigen.
Die Walliser komplettieren ein Schweizer Trio in der internationalen Ligaphase
Ein grosser Kaderumbruch im vergangenen Sommer brachte den FC Sion einen grossen Schritt weiter. Mit Rang vier in der zweiten Saison nach dem Aufstieg verdienten sich die Walliser einen Anlauf auf der internationalen Bühne. Der Weg aus der zweiten Qualifikationsrunde der Conference League in die Ligaphase ist lang. In den vergangenen beiden Jahren haben es der FC St.Gallen und der FC Lausanne-Sport dennoch auf diese Weise ins internationale Geschäft geschafft. Nach dem belarussischen Team BATE Baryssau würde Sion entweder auf den FC Zimbru Chisinau aus Moldawien oder den FC Noah aus Armenien treffen. Wir glauben, dass die europäische Reise für die Equipe von Didier Tholot noch weitergehen wird. Sion wird eines von drei Schweizer Teams in einer Ligaphase sein.
Spätestens mit dem Ende der Spielzeit findet die Ära Croci-Torti im Tessin ihr Ende
Nur vier Trainer starten auf demselben Trainerstuhl in die Saison, auf dem sie schon zum Saisonstart 2025 gesessen haben. Der dienstälteste Übungsleiter ist mittlerweile Mattia Croci-Torti beim FC Lugano. Im September 2021 übernahm er als Interimstrainer im Tessin. Schon oft rankten sich Abgangsgerüchte um den 44-Jährigen, der gleich in seiner ersten Saison den Lugenesi den Cupsieg bescherte. Im Vorjahr hätte es mehrfach sportlichen Anlass gegeben, auf dem Trainerposten eine Veränderung vorzunehmen, am Ende war es die richtige Entscheidung, an Croci-Torti festzuhalten. Nach über fünf gemeinsamen Jahren dürfte es für beide Seiten Zeit für eine Luftveränderung sein. Man wird im Tessin aber im Guten auseinandergehen.
Verpassen die Espen Europa, jubeln sie in dieser Saison erneut über einen Titel
Nach 26 Jahren hat die Mannschaft um Lukas Görtler die Titelsehnsüchte der Ostschweiz gestillt. Das Team von Enrico Maassen hat sich in St.Gallen damit für immer einen Platz in der Vereinsgeschichte gesichert. Die Cupsieger-Mannschaft ist bis auf wenige Positionen zusammengeblieben und strotzt nur so von Selbstvertrauen. Das dürfte wohl dennoch nicht ausreichen, um das grosse Benfica Lissabon aus der Europa League zu kegeln. Weil die Aufgaben danach keineswegs einfach werden, wird es dem FCSG wohl nicht für eine Ligaphase reichen. Sportlich gewissermassen ein Glücksfall. Wenn dieses Team sich nur auf die nationalen Wettbewerbe fokussiert, kann es vieles erreichen. Wird es nichts mit Europa, gibt es die nächste Ostschweizer Titelfeier - wohl abermals im neuen St.Galler Lieblingswettbewerb, dem Schweizer Cup.

Erstmals seit der Modus-Reform landet der Titelverteidiger in der Relegation Group
Es ist ein unfassbares Märchen, das der FC Thun in der vergangenen Saison geschrieben hat. Mindestens sechs internationale Auftritte sind der grosse Lohn dafür. Der Titel hat aber auch ordentlich an Substanz gekostet. Allen voran Meistertrainer Mauro Lustrinelli hat den Absprung in eine Topliga gewagt. Auch die Abgänge von Leonardo Bertone, Ethan Meichtry oder Elmin Rastoder werden sich bemerkbar machen. Mit einem funktionierenden Team wird der FC Thun den ganz grossen Absturz nach dem sensationellen Titel verhindern können. Erstmals mit dem 2023 eingeführten Modus wird der amtierende Meister allerdings in der Relegation Group landen.
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