Die Vorfreude auf die neue Super-League-Saison steigt. Während die Kaderplanungen laufen, richten sich die Blicke auf jene Spieler, die ihre Mannschaften mit ihren Qualitäten zum Erfolg führen könnten.
Der FC Vaduz startet mit einem eingespielten Team in die Super League. Seit der Verpflichtung von Marc Schneider vor rund zweieinhalb Jahren ist im Ländle eine eingespielte Mannschaft zusammengewachsen. Einer der Schlüsselspieler der Liechtensteiner ist Dominik Schwizer. Der 30-Jährige blickt auf eine starke Saison zurück: Neun Tore und neun Assists sind für einen Aussenverteidiger herausragende Werte. Nach den Abgängen der Offensivkräfte Brian Beyer und Ronaldo Dantas Fernandes wird Vaduz umso mehr darauf angewiesen sein, dass Schwizer seinen Zug zum Tor auch eine Liga höher unter Beweis stellt.
Wie wichtig Amir Abrashi für den Grasshopper Club Zürich ist, zeigte sich einmal mehr im Barrage-Rückspiel gegen den FC Aarau. Der Routinier wurde eingewechselt und verlieh dem Spiel der Hoppers mit seiner Mentalität, seiner Präsenz und seinen Führungsqualitäten sofort mehr Stabilität. Der 36-Jährige überzeugt dabei weniger mit spektakulären Aktionen als vielmehr mit seinem unermüdlichen Einsatzwillen und seiner Erfahrung.
Genau diese Eigenschaften wird GC auch in der kommenden Saison dringend brauchen, wenn der Rekordmeister nicht zum vierten Mal in Folge in den Abstiegskampf geraten will. Entscheidend wird allerdings sein, dass Abrashi verletzungsfrei bleibt. In der vergangenen Super-League-Saison kam der Mittelfeldspieler wegen körperlicher Probleme lediglich auf zehn Einsätze - ein Ausfall, den die Grasshoppers kaum kompensieren konnten.
Anfang Februar kam es beim FC Zürich zur Wachablösung im Tor. Der hochtalentierte Silas Huber verdrängte Clublegende Yannick Brecher und übernahm den Stammplatz. Trotz einer äusserst turbulenten Phase beim FCZ zeigte der U-21-Nationaltorhüter, welches Potenzial in ihm steckt. Zwar konnte auch er nicht verhindern, dass die Zürcher noch beinahe in den Abstiegskampf gerieten, doch seine Leistungen machten deutlich, dass ihm die Zukunft gehört.
In die neue Saison startet Huber nun als klare Nummer eins. Trotz seines jungen Alters bringt er die nötige Persönlichkeit mit, um Verantwortung zu übernehmen. Genau das wird der FC Zürich unter Marcel Koller benötigen. Entwickelt sich Huber zu einem konstanten Rückhalt und einer Führungsfigur, könnte er zu einem der wichtigsten Bausteine für eine erfolgreiche Saison der Stadtzürcher werden.
Das Geschäftsmodell von Ineos bringt es mit sich, dass der Kader von Lausanne-Sport in nahezu jeder Sommerpause stark umgebaut wird. Vieles deutet darauf hin, dass dies auch in diesem Jahr der Fall sein wird. Umso wichtiger sind Spieler, die dem Verein seit Jahren die Treue halten. Olivier Custodio ist einer von ihnen.
Der Mittelfeldmotor bringt die Erfahrung aus 269 Super-League-Partien mit und geht in entscheidenden Momenten voran. Das stellte er im vergangenen März eindrücklich unter Beweis, als Lausanne nach einer Schwächephase kurzzeitig noch in den Abstiegskampf abzurutschen drohte. Custodio übernahm Verantwortung und führte sein Team mit insgesamt vier Scorerpunkten innerhalb von vier Tagen zu zwei wichtigen Siegen gegen den FC Zürich und den Grasshopper Club Zürich.
16 Torbeteiligungen in nur 13 Super-League-Partien - so lautet die beeindruckende Bilanz von Junior Kadile seit seinem Wechsel zu Servette im vergangenen Winter. Der Franzose zeigte auf Anhieb, welches Potenzial in ihm steckt. Mit seiner Schnelligkeit, Dynamik und Unbekümmertheit gehört er zu den spektakulärsten Offensivspielern der Liga. Kadile verlieh der zuvor oft behäbig wirkenden Offensive der Genfer neue Impulse und entwickelte sich rasch zu einem der wichtigsten Leistungsträger. Gelingt es ihm, diese Form auch in der neuen Saison zu bestätigen, ist Servette unter Jocelyn Gourvennec einiges zuzutrauen.
Dem FC Luzern ist Ende Juni ein regelrechter Coup gelungen. Mit Leonardo Bertone verpflichteten die Innerschweizer einen der besten Spieler der vergangenen Super-League-Saison. Als Taktgeber im Mittelfeld führte der 32-Jährige den FC Thun überraschend zum Meistertitel und überzeugte dabei mit seiner Übersicht, Konstanz und Führungsstärke.
Auch beim FC Luzern soll Bertone unter Trainer Udo Portmann eine zentrale Rolle übernehmen. Mit seiner Erfahrung und seiner Spielintelligenz kann er der Mannschaft die nötige Stabilität verleihen und auf dem Platz Verantwortung übernehmen. Genau diese Konstanz fehlte den Zentralschweizern in der vergangenen Saison immer wieder - Bertone könnte deshalb zu einem der entscheidenden Faktoren für eine erfolgreiche Spielzeit werden.
Die Young Boys hatten in der vergangenen Saison gleich mehrere Baustellen - die grösste befand sich jedoch in der Innenverteidigung. Gregory Wüthrich, Loris Benito und auch Sandro Lauper gelang es über weite Strecken der Spielzeit nicht, der Defensive die nötige Stabilität zu verleihen. Entsprechend war klar, dass YB auf dieser Position im Sommer nachlegen musste.
Mit der Verpflichtung von Cedric Zesiger ist den Verantwortlichen um Christoph Spycher ein Transfercoup gelungen. Der sechsfache Schweizer Nationalspieler gehörte in der vergangenen Saison beim FC Augsburg in der Bundesliga zum Stammpersonal und kehrt aus familiären Gründen früher als erwartet in die Schweiz zurück. Mit seiner Qualität, seiner Erfahrung und seiner Präsenz bringt Zesiger alles mit, um die YB-Abwehr zu organisieren und ihr die lange vermisste Stabilität zurückzugeben.
Xherdan Shaqiri bleibt beim FC Basel der unumstrittene Unterschiedsspieler. Mit 16 Toren und 13 Assists konnte er zwar nicht ganz an seine herausragenden Werte aus der Meistersaison anknüpfen, dennoch war der 34-Jährige erneut der mit Abstand wichtigste Akteur der Bebbi. Entscheidend wird nun sein, ob Trainer Stephan Lichtsteiner die ideale Rolle für Shaqiri in seinem System findet. In der Vergangenheit gab es immer wieder Berichte über ein nicht ganz unkompliziertes Verhältnis zwischen den beiden. Klar ist aber: Möchte der FC Basel erneut ganz vorne mitspielen, wird er auf einen Shaqiri in Bestform angewiesen sein.
Der FC Sion stellte in der vergangenen Saison die beste Defensive der Super League. Neben Schlussmann Antony Racioppi bildeten vor allem Kreshnik Hajrizi und Jan Kronig ein hervorragend harmonieendes Innenverteidiger-Duo und legten den Grundstein für den Erfolg der Walliser.
Zum Start der neuen Saison muss Sion allerdings auf Hajrizi verzichten. Der Innenverteidiger fällt nach einer Adduktorenoperation mehrere Monate aus. Umso wichtiger wird die Rolle von Jan Kronig. Der Walliser wird in der Defensive noch mehr Verantwortung übernehmen müssen. Aufgrund seiner konstant starken Leistungen in der vergangenen Saison ist ihm diese Führungsrolle jedoch zuzutrauen.
Anto Grgic geht in seine vierte Saison beim FC Lugano. Der zentrale Mittelfeldspieler gehört seit Jahren zu den wichtigsten Leistungsträgern der Bianconeri und hat grossen Anteil daran, dass sich der Club in der nationalen Spitze etabliert hat. Neben seiner Übersicht und seinen Passqualitäten zeichnet sich der 29-Jährige vor allem als exzellenter Standardschütze aus. Seine letzten 23 Penaltys verwandelte Grgic allesamt - eine beeindruckende Quote.
In der kommenden Saison dürfte seine Bedeutung sogar noch weiter zunehmen. Sowohl Uran Bislimi als auch Daniel Dos Santos könnten den Verein in diesem Sommer verlassen. Umso mehr wird Trainer Mattia Croci-Torti auf Grgic als Taktgeber und Führungsspieler im Mittelfeld angewiesen sein.
Kaum ein anderer Spieler verkörpert den FC St.Gallen so sehr wie Lukas Görtler. Der Deutsche wechselte vor sieben Jahren in die Ostschweiz und entwickelte sich seither zum unumstrittenen Führungsspieler und Publikumsliebling. Die vorläufige Krönung seiner Zeit bei den Espen folgte Ende Mai mit dem Gewinn des Schweizer Cups - ein lang ersehnter Erfolg für Görtler und den gesamten Verein.
Vor der neuen Saison sind die Erwartungen in St.Gallen entsprechend hoch. Nachdem kaum noch mit namhaften Abgängen zu rechnen ist, darf der FCSG erneut nach vorn blicken. Damit die Ostschweizer an die starken Leistungen der vergangenen Spielzeit anknüpfen können, wird es einmal mehr einen Lukas Görtler benötigen, der auf und neben dem Platz vorangeht.
Der Abgang von Leonardo Bertone war ein herber Rückschlag für den FC Thun. Vor der Saison hatte kaum jemand damit gerechnet, dass der 32-Jährige den Meister verlassen würde. Entsprechend schwierig wird es, die Lücke zu schliessen, die der Spielmacher im Mittelfeld hinterlässt.
Umso mehr wird Matthias Käit gefordert sein. Der Este bildete in der vergangenen Saison meist das eher unauffällige Pendant zu Bertone, war mit seiner Zweikampfstärke, Laufarbeit und Spielintelligenz aber ein entscheidender Faktor für die Balance im Thuner Mittelfeld. In der neuen Saison dürfte der 28-Jährige noch mehr Verantwortung übernehmen und als Führungsspieler vorangehen - auch weil neben ihm voraussichtlich ein weniger erfahrener Mittelfeldspieler auflaufen wird. Zudem kennt Käit die Belastung aus Meisterschaft, Cup und Europacup bereits aus seiner Zeit bei Rapid Bukarest und kann diese Erfahrung in die Mannschaft einbringen.
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