Die Super-League-Klubs haben nach der Sommerpause die Vorbereitung auf die neue Saison aufgenommen. Auch aufgrund der laufenden WM ist auf dem Transfermarkt bislang noch vergleichsweise wenig Bewegung zu beobachten. Hinter den Kulissen laufen die Planungen jedoch bereits auf Hochtouren. Wir werfen deshalb einen Blick auf alle zwölf Super-League-Klubs und analysieren, welcher Spieler in diesem Sommer am ehesten den nächsten Karriereschritt machen könnte.
Genau wie der FC Thun in der vergangenen Saison dürfte auch der diesjährige Aufsteiger FC Vaduz nur wenige gewichtige Abgänge verkraften müssen. Die Liechtensteiner spielten mit 81 Punkten eine überragende Saison, wobei vor allem das Kollektiv den Erfolg prägte.
Das zeigt sich auch beim Blick auf die Torschützenliste: Kein Spieler von Marc Schneider erzielte mehr als zehn Treffer in der Challenge League. Topskorer der Vaduzer wurde mit Dominik Schwizer ausgerechnet ein Aussenverteidiger. Der 29-Jährige gehört zu den wenigen Akteuren im Kader, die bereits über Super-League-Erfahrung verfügen. Mit seiner Torgefahr und Routine könnte der ehemalige Spieler des FC Thun und von Lausanne-Sport für verschiedene Vereine aus der höchsten Schweizer Liga ein interessantes Transferziel sein. Ein Abgang Schwizers würde den FC Vaduz entsprechend empfindlich schwächen.
In einer erneut schwierigen und oft instabilen Saison bei GC war Justin Hammel einer der wenigen konstanten Leistungsträger. Der Torhüter hat sich mittlerweile als einer der zuverlässigsten Rückhalte der Brack Super League etabliert. Mit 25 Jahren befindet er sich in einem idealen Alter für den nächsten Karriereschritt. Sein Vertrag beim Rekordmeister läuft noch bis zum Sommer 2027.
Für die GC-Führung ist Hammel ein wertvolles Asset: Sportlich gehört er zu den wichtigsten Spielern im Kader, gleichzeitig ist er einer der wenigen Akteure, mit denen sich eine beträchtliche Ablösesumme erzielen liesse. Nach mehreren Jahren im Abstiegskampf dürfte zudem auch Hammel selbst den Anspruch haben, künftig für einen Verein zu spielen, der um Titel oder zumindest um die internationalen Plätze kämpft.
Der FCZ verfügt mit Tsawa über eines der begehrtesten Mittelfeldtalente des Landes, und dieser hat bereits öffentlich mit einem Wechsel geliebäugelt. Die Situation ist spannend, da Tsawa noch einen langfristigen Vertrag bis 2030 besitzt. Normalerweise würde dies einen Verbleib über den Sommer hinaus garantieren, doch im modernen Fussball ist ein solcher "Rentenvertrag" oft nur ein Mittel, um die Ablösesumme in die Höhe zu treiben. Tsawa fühlt sich bereit für den Schritt ins Ausland und möchte den Schwung seiner starken Leistungen nutzen, um sich in einer Top-5-Liga zu beweisen. Der FCZ sitzt dank der extrem langen Laufzeit am längeren Hebel, doch wenn ein Verein aus einer finanzkräftigen Liga anklopft, wird man das Talent kaum gegen seinen erklärten Willen halten können.
Der spanische U-Nationalspieler Omar Janneh wechselte erst im vergangenen Winter mit grossen Vorschusslorbeeren zum FC Lausanne-Sport. Die Erwartungen an den 19-Jährigen waren entsprechend hoch. Obwohl die Westschweizer seine erste Station im Ausland darstellen, wusste der Stürmer von Beginn an zu überzeugen. In 20 Partien der Rückrunde gelangen ihm neun Tore und zwei Assists.
Seine starken Leistungen sind auch Klubs aus den Top-5-Ligen nicht verborgen geblieben. So soll bereits Borussia Mönchengladbach die Fühler nach Janneh ausgestreckt haben. Ein Verbleib in Lausanne erscheint daher wenig realistisch, zumal der Verein die Qualifikation für das internationale Geschäft verpasst hat.
Genau wie Omar Janneh wurde auch Junior Kadile erst im vergangenen Winter verpflichtet. Der 23-jährige Franzose, der zuvor für den Almere City FC in der zweiten niederländischen Liga spielte, erwies sich als absoluter Glücksgriff. Mit 16 Torbeteiligungen in 13 Spielen war er massgeblich dafür verantwortlich, dass die Genfer letztlich kaum in Abstiegsgefahr gerieten.
Vor drei Wochen verpflichteten die Servettiens Kadile nun definitiv für eine Ablösesumme von rund einer Million Franken. Ein kostspieliger Transfer, der sich jedoch auszahlen dürfte. Bei einem Weiterverkauf ins Ausland könnten die Genfer wohl eine beträchtliche Ablösesumme einstreichen.
Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren ist es gut möglich, dass der FC Luzern in diesem Sommer keinen gewichtigen Abgang hinnehmen muss. Zwar verfügen die Innerschweizer erneut über vielversprechende Talente wie Andrej Vasovic oder Lucas Ferreira, für beide dürfte ein Wechsel ins Ausland jedoch noch etwas zu früh kommen.
Mit Matteo Di Giusto besitzt der FCL allerdings einen der wenigen echten Unterschiedsspieler der Liga. Dem offensiven Mittelfeldspieler gelangen in der vergangenen Super-League-Saison starke 12 Tore und 12 Assists - Zahlen, die naturgemäss das Interesse grösserer Vereine wecken. Da Di Giusto bereits 25 Jahre alt ist, dürfte ein möglicher Schritt ins Ausland in den kommenden Jahren erfolgen müssen. Sollte ein attraktives Angebot auf dem Tisch liegen, könnte daher sowohl aus Sicht des Spielers als auch des Vereins ein Transfer durchaus zum Thema werden.
Die Young Boys müssen sich womöglich auf schmerzhafte Abgänge einstellen, und Alvyn Sanches steht dabei ganz oben auf der Liste. Dass YB in der kommenden Saison keine internationalen Spiele im Wankdorf austragen wird, ist ein herber Schlag für die Ambitionen eines Spielers wie Sanches. Er ist technisch brillant, handlungsschnell und verfügt über eine Spielübersicht, die ihn eigentlich für eine der Top-Ligen Europas prädestiniert. Der Schritt ins Ausland ist für ihn nicht nur eine Option, sondern für seine persönliche Entwicklung beinahe eine Notwendigkeit.
Zwar haben sich die Chancen auf einen Verbleib aufgrund der Nichtnomination von Sanches leicht erhöht, dennoch dürfte ein Abgang für die Berner kaum zu verhindern sein.
Metinho ist der nächste Spieler beim FC Basel, der dem Verein eine schöne Ablösesumme bescheren könnte. Der Brasilianer wird nämlich massiv von ausländischen Teams umgarnt. Durch das Verpassen der Europacupplätze, wird es für die Verantwortlichen am Rheinknie nahezu unmöglich sein, ihn von einem weiteren Jahr in Basel zu überzeugen. Metinho will sich auf der grossen Bühne präsentieren. Sein Marktwert ist stabil, und für Basel wäre ein Verkauf ein wichtiges Puzzleteil, um die finanzielle Konsolidierung voranzutreiben.
Seit Sommer 2022 wirbelt Ilyas Chouaref im Wallis. Er hat den Abstieg, den direkten Wiederaufstieg und den Sprung in die Top-6 miterlebt. Mit nun 25 Jahren ist Chouaref im perfekten Fussballeralter. Er hat in der Schweiz bewiesen, dass er ein Unterschiedsspieler sein kann, der Spiele durch Einzelaktionen entscheidet. Nach vier Jahren bei den Sittenern ist die Zeit reif für eine neue Herausforderung. Chouaref wirkt bereit für eine grössere Liga, und Christian Constantin ist bekannt dafür, Spieler zum richtigen Zeitpunkt mit Gewinn zu verkaufen.
Mattia Zanotti ist aktuell der wertvollste Spieler im Kader des FC Lugano. Der italienische Aussenverteidiger ist ein Muster an Beständigkeit und Offensivdrang. Für die Luganesi ist er ein Glücksgriff, doch genau das macht ihn zum Absprungkandidaten Nummer eins. Der Klub kann es sich kaum leisten, auf die Ablösesumme zu verzichten, die Zanotti im Sommer generieren würde. Sein Weg scheint vorgezeichnet: zurück in die Serie A oder zu einem ambitionierten Klub in einer anderen Top-5-Liga. Lugano wird den Abgang schmerzlich spüren, aber finanziell enorm davon profitieren.
FC St.Gallen 1879: Lawrence Ati Zigi
Er ist der grosse Publikumsliebling im St.Gallen: Lawrence Ati Zigi. Der Stammgoalie fühlt sich in der Ostschweiz pudelwohl, doch mit 29 Jahren erreicht er langsam aber sicher den Zenit seiner Karriere. Zigi spielt bereits seit Januar 2020 für die Espen - eine Ewigkeit im modernen Fussball. Da sein Vertrag 2027 endet, ist dieser Sommer womöglich die letzte Gelegenheit für ihn, noch einmal einen grossen Vertrag bei einem ausländischen Top-Team zu unterschreiben. Für den FCSG wäre es ein emotionalerer Abschied, doch wirtschaftlich und sportlich könnte der Zeitpunkt für beide Seiten kaum besser sein, um Platz für ein neues Kapitel zu machen. Konkrete Anzeichen, dass der Ghanaer tatsächlich einen Abgang in Erwägung zieht, gibt es aber bisher nicht.
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Dass die Berner Oberländer nach ihrer Fabelsaison einige Abgänge im Sommer hinnehmen müssen, war absehbar. In der vergangenen Woche verliess mit Leonardo Bertone ein Spieler den Verein, bei dem ein Abschied nicht unbedingt zu erwarten gewesen war. Ruhiger dürfte es für Sportchef Dominik Albrecht in den kommenden Wochen allerdings kaum werden.
Die Abgangsgerüchte um Franz-Ethan Meichtry halten sich seit Wochen hartnäckig. Zuletzt brachte Transferexperte Fabrizio Romano das Thuner Eigengewächs mit dem italienischen Erstligisten Genoa in Verbindung. Ein Abgang des U21-Nationalspielers scheint daher nur noch eine Frage der Zeit zu sein.
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