Bis Ende August ist das internationale Transferfenster in den europäischen Top-Ligen noch geöffnet. Bis dahin haben die grossen Absprungkandidaten der Super League Zeit, den nächsten Karriereschritt zu wagen. Wir rücken die Situation von zwölf dieser Absprungkandidaten in den Fokus.
Der derzeit wertvollste Spieler der Super League darf in dieser Auflistung selbstverständlich nicht fehlen. Ausgerechnet bei seinem Länderspieldebüt im März zog sich Alvyn Sanches einen Kreuzbandriss zu. Die gravierende Knieverletzung erschwert einen Transfer in diesem Sommer natürlich erheblich und bringt den FC Lausanne-Sport damit in eine Zwickmühle. Das Mittelfeldjuwel besitzt nur noch einen Vertrag bis 2026. Im Mai wurde einmal Benfica Lissabon als möglicher Interessent gehandelt, ansonsten ist es ruhig um Sanches. Sein grosser Karriereschritt dürfte sich ins Wintertransferfenster verschieben. Mit nur noch einem halben Jahr Restvertrag wäre die Verhandlungsposition der Waadtländer allerdings arg geschwächt.
Nach der 0:5-Klatsche im Hinspiel gegen den NK Celje steht eigentlich schon fest, dass der FC Lugano in dieser Saison an keiner internationalen Ligaphase teilnehmen wird. Daher ist davon auszugehen, dass bei den Bianconeri der Kader noch etwas umgekrempelt wird. Gleichwohl würden sich die Tessiner gerne punktuell verstärken. Sportchef Sebastian Pelzer liess gegenüber dem Blick durchblicken, dass er aufgrund des Financial Fairplays etwas eingeschränkt sei. Lukrative Verkäufe von Spielern könnten diese Situation natürlich ändern. Mattia Zanotti ist ein heisser Transferkandidat. Für den 22-jährigen Rechtsverteidiger mit eingebautem Offensivdrang dürfte eine zweistellige Ablösesumme fällig werden. Fortgeschrittene Gespräche mit dem Premier-League-Aufsteiger Leeds United sind allerdings vorerst gestoppt worden.
Der FC Lugano hat aber gleich noch ein zweiter hochkarätiger Absprungkandidat in den eigenen Reihen. Auch der Schweizer Innenverteidiger Albian Hajdari dürfte reif für den Schritt ins Ausland sein. Ende Juli war bereits zu vernehmen, dass sich der Spieler mit West Ham United auf einen Wechsel nach England geeinigt haben soll, seither ist es allerdings ruhig geworden um den 22-jährigen Abwehrspieler. Nachdem er zum Saisonbeginn jeweils nicht im Spieltagskader gestanden hatte, wurde er unter der Woche gegen Celje erstmals in dieser Spielzeit eingewechselt. Auch der Abgang von Hajdari, vor allem wenn er zu einem finanzstarken englischen Club wechseln sollte, dürfte dem FC Lugano ordentlich Spielraum auf dem Transfermarkt ermöglichen.
Die Zeit für den nächsten Schritt in seiner Karriere ist reif. Mit starken Auftritten zum Saisonstart macht Willem Geubbels zudem fleissig Werbung in eigener Sache. Zwar hat er nach drei Toren in den ersten beiden Spielen gegen den FC Winterthur nicht getroffen, das 3:0 bereitete er aber gewissermassen mit fehlendem Abschlussglück durch einen Lattentreffer vor. Dass die Espen derzeit von der Tabellenspitze grüssen, dürfte dem Franzosen zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffen. Die Liste der Interessenten soll lang sein, von Italien bis nach England sind diverse Clubs mit dabei. Zuletzt soll auch Stade Rennais in den Geubbels-Poker eingestiegen sein. Den Espen schwebt eine Ablösesumme im Bereich des Marktwerts vor, dank eines Vertrags bis 2027 ist die St.Galler Verhandlungsposition gestärkt.
Unbestritten, beim Schweizer Meister gäbe es den einen oder anderen Transferkandidaten, der die Kasse so richtig klingeln lassen könnte. So haben wir beispielsweise Bénie Traoré in diesem Artikel nicht aufgeführt, der Flügelstürmer dürfte noch zumindest ein halbes Jahr am Rheinknie weiterwirbeln. Durchaus für realistisch halten wir aber, dass Jonas Adjetey in der Schlussphase des Sommertransferfensters noch den Schritt in eine Top-Liga wagen wird. Der ghanaische Nationalspieler wird unter anderem mit Real Betis und den beiden Premier-League-Clubs Manchester United und dem FC Brentford in Verbindung gebracht. Adjetey besitzt beim FC Basel noch einen Vertrag bis 2028, das dürfte den Preis weiter in die Höhe treiben.
Erst im Juni hat Zachary Athekame seinen Vertrag bei den Young Boys langfristig bis 2029 verlängert. Zwei Monate später hat sich die Situation drastisch verändert. Die YB-Entdeckung der vergangenen Saison soll seinen Wunsch nach einem Wechsel zur AC Milan bei der sportlichen Führung deponiert haben. Nach knapp über 30 Einsätzen in der höchsten Schweizer Liga könnte der 20-Jährige also den Schritt in die Serie A wagen. Offenbar nutzen die Berner die lange Vertragslaufzeit als Pluspunkt und pokern bei der geforderten Ablösesumme. Der Blick berichtet von einem aufgerufenen Verkaufspreis von 13 Millionen Euro. Kaum anzunehmen, dass die Mailänder so tief für den jungen Schweizer in die Taschen greifen werden. Die Situation um Athekame bleibt interessant.
Während wir bei Bénie Traoré zu einem Verbleib in Basel tendieren, scheint die Situation bei Philip Otele offener zu sein. Beim 26-Jährigen drängt die Zeit zu einem möglicherweise ganz grossen Karriereschritt natürlich auch mehr, als bei seinem ivorischen Teamkollegen. Nach einer halbjährigen Leihe haben die Bebbi Otele mittels Option für drei Millionen Euro in diesem Sommer definitiv übernommen. Mit bislang zwei Toren betreibt er Werbung in eigener Sache, womit er einen weiteren Wechsel in diesem Transferfenster ermöglichen könnte. Eine ganze Reihe an englischen Clubs haben Otele auf dem Radar, konkret genannt wurden bislang Fulham, Burnley, Brentford und Sheffield United. Der FCB könnte sich ein Abgang des feinen Technikers erlauben, auf den Flügelposition sind die Basler gut aufgestellt.
Nach der 1:3-Heimniederlage droht der Servette FC in die Playoffs der Conference League zu fallen. Weiterhin hätten die Genfer eine Teilnahme an einer europäischen Ligaphase nicht auf sicher. Sollte der SFC nicht international vertreten sein, dürfte das, ähnlich wie in Lugano, noch zu Veränderungen am Kader führen. Ohnehin müsste in den nächsten drei Wochen eine Entscheidung betreffend der Zukunft von Timothé Cognat gefällt werden. Der Vertrag des 27-jährigen Mittelfeldspielers läuft im kommenden Sommer aus. Nach sechs Jahren bei den Grenats wäre es zum einen die Möglichkeit, nochmals eine Luftveränderung vorzunehmen, gleichzeitig könnten die Genfer jetzt noch eine Ablösesumme einstreichen. Gleichwohl ist auch Gegenteiliges möglich und die beiden Parteien einigen sich auf eine Vertragsverlängerung.
Aufgrund einer Zerrung kam Junior Ligue in der neuen Saison noch nicht zum Einsatz. Da es sich dabei beim 20-Jährigen allerdings um keine gravierende Verletzung handelt, sollte sie einen möglichen Transfer ins Ausland nicht verhindern. Der einstige Offensivspieler wurde beim FCZ in der vergangenen Saison zum Abwehrspieler umfunktioniert. Sowohl als Teil einer Dreierkette als auch auf der linken Abwehrposition in einer Viererkette vermag der Schweizer U21-Internationale zu überzeugen, vor allem auch weil er durch seine einstige offensive Orientierung viel Zug nach vorne in die Spielauslösung bringt. Das Championship-Team aus Southampton liess Ligue in der Schlussphase der letzten Saison genau beobachten. Ein Transfer zum ambitionierten Team in der zweithöchsten englischen Spielklasse könnte durchaus ein interessanter Schritt sein.
Die eben beschrieben Situation von Timothé Cognat trifft auch auf Alexis Antunes zu. Das 25-jährige Genfer Eigengewächs besitzt einen auslaufenden Vertrag. Ablösefrei möchten die Servettiens Antunes sicherlich nicht ziehen lassen, so könnte es in den kommenden Wochen doch noch zu einem Verkauf kommen. Der offensive Mittelfeldspieler durfte sich im Rückspiel gegen Viktoria Plzen in der Qualifikation zur Champions League noch als Torschütze feiern lassen. Zuletzt fehlte der Kreativspieler dann aber angeschlagen. Ein weiterer starker Auftritt auf der internationalen Bühne hätte sicherlich geholfen, um sich noch mehr in den Fokus anderer Clubs zu spielen. Das Mittelfeld der Grenats könnte also noch ordentlich umgebaut werden.
Ablösefrei hat der FC Sion im vergangenen September Anton Miranchuk unter Vertrag genommen und das könnte sich finanziell als absolut lohnenswert herausstellen. Mit nur zwei Toren und drei Assists in 25 Einsätzen für die Walliser ist der 29-jährige Russe zwar unter den Erwartungen geblieben, Interesse hat er trotzdem geweckt. Für den offensiven Spielmacher soll der Aufenthalt in Sion als Sprungbrett dienen, Trainer Didier Tholot bestätigte vor wenigen Wochen die Abschiedsgedanken bei Miranchuk. Der FC Sion hofft offenbar auf eine Ablösesumme im mittleren einstelligen Millionenbereich. Gelingt dies, wäre die Verpflichtung des Russen trotz der sportlich durchzogenen Bilanz ein Erfolg gewesen. Im kommenden Sommer läuft Miranchuks Vertrag aus.
Der letzte Absprungkandidat ist Loïc Lüthi beim FC Winterthur. Der 21-jährige Innenverteidiger entwickelte sich in der letzten Saison zur zuverlässigen Stammkraft und das unter dem grossen Druck des drohenden Abstiegs. Zum Saisonbeginn fehlt Lüthi dem FC Winterthur allerdings, zurzeit plagt ihn eine Entzündung des Oberschenkelknochens. In seinem Fall wäre ohnehin ein ligainterner Wechsel wohl realistischer, der FC Basel soll ziemlich interessiert sein. Sollte die Entzündung bald abklingen, könnte der junge Verteidiger beispielsweise zum Ersatz werden, sollte der oben aufgeführte Jonas Adjetey ins Ausland abspringen. Sicherlich würde es Lüthi aber auch nicht schaden, noch weiter Erfahrung beim FC Winterthur zu sammeln.
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