Die Schweizer Fussballsaison ist vorbei. Es ist an der Zeit, ein Fazit zu ziehen. Dafür haben wir allen zwölf Teams der Super League eine Note für die Leistungen im letzten Jahr gegeben. Ein Grossteil der Liga dürfte mit dem Abschneiden in der abgelaufenen Saison nicht zufrieden sein, womöglich müssen die eigenen Zielsetzungen überdacht werden.
Für Unterhaltung hat der FC Zürich in der letzten Saison gesorgt. Leider fand diese Unterhaltung meist neben dem Feld statt. Die Verpflichtungen von Steven Zuber und Benjamin Mendy sorgten in Fankreisen für viel Unmut. Auf dem Feld war dann auch nur Zuber ein Gewinn für die Zürcher. Trainer Ricardo Moniz musste den Verein am Ende der Saison verlassen, obschon Ancillo Canepa seinen FCZ auf einem "sehr guten Weg" wähnt. Die sportlichen Ziele sind dabei krachend verfehlt worden. Die Teilnahme an der Championship Group verspielten die Zürcher am 33. Spieltag in Bern. Von vorne bis hinten hat beim FC Zürich nichts zusammengepasst. Da müssen die Verantwortlichen rund um Milos Malenovic im Sommer über die Bücher gehen, ansonsten endet auch die nächste Spielzeit in einem Debakel.

Ein besseres Zeugnis können wir auch dem Stadtrivalen nicht ausstellen. Immerhin hat der Rekordmeister die Klasse halten können. Notlösung Tomas Oral hat die Mannschaft stabilisiert, obschon wirkliche Verstärkungen im Wintertransferfenster ausgeblieben sind. Mit einer grossen Kraftanstrengung haben sich die Hoppers am Ende über die Barrage gerettet. Verbessert sich die Transferpolitik mit dem neuen Sportchef Alain Sutter aber weiterhin nicht, ist der Abstieg des GCZ nur eine Frage der Zeit. Aber die Personalie Sutter darf Hoffnung für die Zukunft machen, denn auch beim FC St.Gallen konnte der ehemalige SRF-Nati-Experte aus beschränkten Mitteln eine schlagkräftige Truppe basteln.
Mit 39 Punkten abzusteigen ist bitter. Dennoch kann Yverdon kein genügendes Zeugnis ausgestellt werden. Wer absteigt, hat seine Ziele verfehlt. Für Yverdon gilt das besonders, denn die Amerikaner wollten mit den Westschweizern gross angreifen. Nun muss Yverdon sich eine Liga tiefer wieder sammeln. Die Rückkehr in die Super League soll gemäss dem Präsidenten umgehend angestrebt werden. Nur wenn Yverdon schliesslich in der höchsten Liga der Schweiz spielt, können die Investoren mit dem Verein eventuell Geld verdienen.
Ein Saisonziel haben die Young Boys erreicht - die Teilnahme an der Champions League. Ansonsten haben die Berner vor allem in den ersten Monaten der Saison alle Ambitionen in den Sand gesetzt. Erst unter Giorgio Contini kam im Frühjahr die Wende zur Besserung. Am Ende kann der letztjährige Meister immerhin auf Platz drei ins Ziel einlaufen. Das alleine reicht nicht zu einer genügenden Note, zumal die Champions-League-Kampagne historisch schlecht war und der Einzug ins Cupfinale gegen den Unterklassigen aus Biel verspielt worden ist. Erste Veränderungen haben die Berner für die neue Saison bereits vorgenommen. Das Goalie-Trio von YB steht, sofern Marvin Keller nicht plötzlich noch ein lukratives Angebot aus dem Ausland erhalten sollte.
Die nationalen Auftritte und die internationalen Auftritte des FCSG divergierten stark. Während die Espen national ungenügend aufgetreten sind, Platz acht und das Cup-Out gegen Bellinzona sind schlichtweg zu wenig, haben die St.Galler sich durch drei Qualifikationsrunden durchgetankt und für die Conference League qualifizieren können. Unter dem Strich gibt das eine genügende Note. Dennoch dürfte intern die Saison in der Ostschweiz kritisch aufgearbeitet werden. Die neue sportliche Führung mit Roger Stilz und Trainer Enrico Maassen wird in der nächsten Spielzeit eine bessere Platzierung abliefern müssen, ansonsten wird auch in der ruhigen Ostschweiz das Klima stürmischer.
Auch beim FC Lugano ist nur der Europacup für die genügende Note verantwortlich. Die Tessiner müssten aufgrund der Leistungen in den letzten Jahren um den Meistertitel mitspielen. Dieses Ziel haben die Tessiner durch eine wirklich schwache Rückrunde deutlich verfehlt. Zudem sind die Bianconeri wie auch YB gegen den FC Biel im Cup ausgeschieden. Das ist zu wenig für die Ansprüche des FC Lugano. In der Conference League haben sich die Luganesi dank einer tollen Ligaphase direkt fürs Achtelfinale qualifiziert. Schade aus Schweizer Sicht, dass Lugano dort gegen NK Celje aus Slowenien, ein Gegner, der in Reichweite liegen müsste, ausgeschieden ist.
Der FC Sion hat eine zwiegespaltene Saison erlebt. Nach einer souveränen Hinrunde mussten die Walliser am Ende doch noch kurz um den Klassenerhalt zittern. Lobenswert gilt es hier Christian Constantin zu erwähnen, der an Trainer Didier Tholot festgehalten hat. Diese Konstanz hat Sion wohl geholfen, in der Liga zu bleiben, denn viel besser ist der Kader im Vergleich mit den Mitkonkurrenten im Kampf gegen den Abstieg nicht gewesen. Der Klassenerhalt hatte für Sion in der ersten Saison nach dem Aufstieg Priorität, nun dürfte daran gebastelt werden, den Anschluss ans Tabellenmittelfeld der Super League wiederherzustellen.
Das Ziel für den FC Winterthur ist in jeder Saison der Klassenerhalt. Dieses Ziel haben die Eulachstädter erreicht, doch der Weg dahin war keineswegs gradlinig. Ognjen Zaric, der im letzten Sommer den Trainerposten von Patrick Rahmen übernommen hatte, brachte den FCW nicht auf Touren. Erst unter Uli Forte konnte eine grosse Aufholjagd gestartet werden, die im direkten Klassenerhalt am letzten Spieltag gipfelte. Winterthur ist aber gut beraten, nicht erneut eine solch grosse Lücke aufreissen zu lassen, denn immer gehen solche spektakulären Rettungen nicht gut. Doch aktuell zählt nur eines: auch in der nächsten Saison wird auf der Schützenwiese Super League gespielt.
Lange war der FC Luzern in dieser Saison richtig stark unterwegs. Zeitweise durften sich die Leuchtenstädter gar im Meisterrennen wähnen. Doch hinten raus ist dem FCL die Puste ausgegangen. Durch schwache Ergebnisse in der Championship Group, nur ein Zähler in fünf Spielen schaute heraus, rutschte Luzern auf den sechsten Platz ab. Damit werden die Luzerner nicht auf der europäischen Bühne auflaufen können. Das schmälert die Gesamtbetrachtung der Saison. Einmal mehr hat Luzern viele Eigengewächse in die erste Mannschaft einbinden können. Das ist gut und recht, doch der nächste Schritt müsste zeitnah erfolgen, denn finanziell ist Luzern nicht auf Rosen gebettet. Daher wären Europacup-Millionen mehr als nur willkommen.

Vor der Saison hat der FC Lausanne-Sport die Teilnahme an der Championship Group als Ziel ausgegeben. Ausserhalb des Vereins haben viele dieses Ziel als äusserst ambitioniert wahrgenommen, doch Lausanne hat die Kritiker Lügen gestraft. Angeführt von einem herausragenden Alvyn Sanches kämpften sich die Westschweizer zum Ende der Hinrunde gar nahe an die Tabellenspitze heran. In der Rückrunde konnte Lausanne zwar die Pace nicht ganz so hoch halten, unter anderem auch wegen des Kreuzbandrisses von Sanches, dennoch ist das gesteckte Ziel erreicht worden. Lausanne-Sport hat die Spielzeit auf dem fünften Platz abgeschlossen und darf sogar an der Conference-League-Qualifikation teilnehmen.
Die Saison ist für Servette unglücklich losgegangen. Im Europacup war die Glücksgöttin bei der Auslosung nicht auf der Seite der Genfer. Gegen das portugiesische Schwergewicht Braga und den späteren Conference-League-Sieger Chelsea verlor Servette die Qualifikationsduelle und verpasste damit den Einzug in eine Ligaphase. Dabei haben die Grenats die Londoner zu Hause gar bezwingen können. Besser ist es Servette in der heimischen Liga gelaufen. Als Vizemeister haben die Genfer zum dritten Mal in Serie die Super League in den Top-Drei abgeschlossen. Servette hat seinen Status als Spitzenmannschaft zementiert. Den Genfern fehlt einzig die meisterliche Krönung, doch diese darf nicht zwingend erwartet werden. Daher dürfen die Verantwortlichen in Genf zufrieden auf diese Saison zurückblicken.
Der FC Basel ist zurück auf dem Thron. Nach einer achtjährigen Durststrecke hat Xherdan Shaqiri den Pokal zurück ans Rheinknie gebracht. Eine Woche nach dem Meistertitel hat Rotblau die Saison im Cupfinal gegen das unterklassige Biel gekrönt. Unter Fabio Celestini hat der FCB das siebte Double der Vereinsgeschichte feiern können. Dennoch gibt es von uns nicht die Note 6, denn auch Basel war in dieser Saison nicht perfekt unterwegs. Mit 73 Punkten in 38 Spielen wird so schnell wohl keine Mannschaft mehr Meister. Erst in der Schlussphase der Saison ist Konstanz eingekehrt. Eine solche Konstanz ist zumeist über eine viel längere Zeitperiode notwendig, wenn Titel gewonnen werden wollen. Und das wird das grosse Ziel des FCB in der nächsten Spielzeit sein.
Alain Sutter Alvyn Sanches BSC Young Boys Christian Constantin Brack Super League Didier Tholot FC Basel 1893 FC Lausanne-Sport FC Lugano FC Luzern FC Sion FC St.Gallen 1879 FC Winterthur FC Zürich Fussball Giorgio Contini Grasshopper Club Zürich Michel Schuler Milos Malenovic Mitchell van der Gaag NK Celje Ognjen Zaric Servette FC Tomas Oral Uli Forte Yverdon Sport FC