Während sich die Sportchefs derzeit um die Transfers der Winterpause kümmern, blicken wir zurück auf die Verpflichtungen aus dem letzten Sommer. Nach den Top-Transfers führen wir pro Team jenen Neuzugang auf, der aus unterschiedlichen Gründen die Erwartungen nicht hat erfüllen können.
Nach dem Aufstieg hat der FC Sion wieder einmal mit einem grossen Namen für Schlagzeilen gesorgt. Der 29-jährige Russe Anton Miranchuk hatte einmal 16 Millionen Euro Marktwert. In diesem Sommer war er allerdings ablösefrei zu haben und da hat der FC Sion zugeschlagen. Im September stiess Miranchuk zu den Wallisern. Sofort erhielt der Kreativspieler einen Platz in der Startelf. Für die auffälligen Momente waren allerdings andere Akteure im Sittener Spiel verantwortlich. Von Miranchuk ging in dieser Hinrunde kaum Gefahr aus. Die letzten vier Meisterschaftsrunden verpasste er dann gar noch verletzt. Möchte er den Vorschusslorbeeren gerecht werden, muss Miranchuk mehrere Gänge zulegen.
Beim Grasshopper Club Zürich waren die Erwartungen natürlich grundsätzlich höher, als die Resultate in dieser ersten Saisonhälfte. So hatte man sich von mehreren Neuzugängen mehr versprochen, beispielsweise von den routinierten Sonny Kittel oder Saulo Decarli. Aufgrund der Ablösesumme haben wir uns aber für den Kanadier Mathieu Choinière entschieden. Der 25-jährige Mittelfeldspieler kostete die Hoppers gemäss Transfermarkt 900'000 Euro. Der Neuzugang aus Montréal muss allerdings auf eine bescheidene Hinrunde zurückblicken. Der Tiefpunkt für den Choinière: Unter Trainer Tomas Oral stand er gleich bei vier Spielen dann gar nicht mehr im Aufgebot.
In der Offensive des FC Lausanne-Sport haben sowohl Teddy Okou als auch Albian Ajdini sofort eingeschlagen. Verlierer dieser Situation ist der 23-jährige US-Amerikaner Konrad de la Fuente. Dem Linksaussen ist im Cupspiel in der ersten Runde gegen den FC Champel der bislang einzige Treffer für die Waadtländer gelungen. De la Fuente kommt zwar regelmässig zum Spielen, über die Jokerrolle hat er es aber nicht hinaus geschafft. Von einem Neuzugang, ausgebildet in der weltweit geschätzten Jugendakademie des FC Barcelona und zuletzt bei Olympique Marseille unter Vertrag, durfte man mehr erwarten. Eins ist aber klar, de la Fuente bringt noch ein gewaltiges Potenzial mit sich. Blüht er auf, kann er definitiv zum Gamechanger werden.
Der stärkste Aufsteiger der Vorsaison sah sich mit der Challenge konfrontiert, den zum FC Basel abgewanderten Knipser Kevin Carlos zu ersetzen. Ein Teil der Ablöse für den verkauften Stürmer wurde in den 23-jährigen Angreifer Mitchy Ntelo von Loko Plovdiv reinvestiert. Auch in diesem Fall stimmt Ablösesumme und die Leistungsdaten noch nicht überein. Für 700'000 Euro ins Waadtland gekommen, konnte sich Ntelo noch nicht als Yverdons Sturmspitze etablieren. In der Meisterschaft sind ihm in zwölf Teileinsätzen nur zwei Tore gelungen. Ntelo ist bislang nur Joker für die Schlussphasen des Spiels, an Hugo Komano kommt er nicht vorbei. Das Toreschiessen ist aber definitiv die Sorgenstelle, Yverdon muss sich gar als die schwächste Offensive der Liga bezeichnen lassen. Vielleicht kann Ntelo unter einem neuen Einfluss, sprich unter Paolo Tramezzani, aufblühen.
Der FC Basel hat ein sehr erfolgreiches Sommertransferfenster hinter sich, was sich auch in den Resultaten niederschlägt. So mussten wir uns schlussendlich für Kevin Rüegg entscheiden, denn von seiner Verpflichtung durfte deutlich mehr erwartet werden. Es war aber nicht Eigenverschulden, dass der 26-Jährige bislang nicht in Schwung gekommen ist. Erst fehlte er wegen einer Prellung am Knie, dann wegen weiteren Blessuren und so stand Rüegg schliesslich nach zwei Einsätzen zum Saisonbeginn nie mehr im Spieltagskader des FCB. Der rechte Aussenverteidiger wird es schwer haben, sich in der Rückrunde durchzusetzen. Denn mit seinem Offensivdrive hat sich Joe Mendes auf der Aussenposition in der Abwehr etabliert. Zudem wäre da mit Mohamed Dräger ein weiterer Konkurrent um Spielzeit.
Den 27-jährigen Schweden an dieser Position zu finden, dürfte überraschen. Im Frühjahr spielte Jesper Löfgren per Leihe vom Djurgårdens IF in der Zentralschweiz. Als unumstrittene Stammkraft drängte sich Löfgren für ein längerfristiges Engagement auf, deutete in dieser Zeit auch mehrfach an, das Zeug zum absoluten Abwehrchef zu besitzen. Der FC Luzern übernahm ihn definitiv. Nahtlos an die vergangene Saison anzuknüpfen, ist dem grossgewachsenen Innenverteidiger allerdings nicht gelungen. 558 Einsatzminuten sind deutlich weniger als erwartet. Oft sass er nur auf der Bank. Am Duo Luca Jaquez und Stefan Knezevic gab es für Löfgren kein Vorbeikommen. Zum Ende der Hinrunde fehlte der Schwede zweimal sogar ganz im Aufgebot der Leuchtenstädter.
Der Schritt aus der Challenge League in die Super League ist gross, das hat aufs Neue der senegalesische Mittelstürmer Christian Gomis bewiesen. Mit sieben Toren für den FC Stade Nyonnais schoss sich Gomis in der vergangenen Saison auf den Zettel des FC Winterthur. In der Eulachstadt erhielt der 24-Jährige zum Saisonbeginn mehrere Einsatzchancen, er wusste aber weder als Joker noch als Startspieler zu überzeugen. Zuletzt musste Gomis gar in der 1. Liga, sprich Winterthurs U21-Mannschaft, Spielpraxis sammeln. Seit dem achten Spieltag stand er beim FCW nie mehr im Aufgebot. Vielleicht ist der Trainerwechsel hin zu Uli Forte für den Stürmer eine neue Chance. Der Konkurrenzkampf in der Offensive des Tabellenschlusslichts bleibt aber eine Herausforderung.
Beim FC St.Gallen muss an dieser Stelle ein Leihspieler aufgeführt werden und das obschon Moustapha Cissé bislang vier Tore für die Espen hat erzielen können. Die Erwartungen an Leihspieler sind hoch, sie sollen eine deutliche Verstärkung gegenüber den sonstigen Spielern im Kader darstellen. Immer wieder hatten die Espen in der Vergangenheit ein glückliches Händchen mit solchen Verstärkungen. Da auch Cissé von Atalanta Bergamo ausgeliehen ist, liegt der Vergleich zu Emmanuel Latte Lath nahe. Cissé kam in der Hierarchie nicht an den anderen Stürmern vorbei. Vor allem während des Ausfalls von Willem Geubbels gelang es ihm nicht, den Franzosen nahtlos zu ersetzen. Mit der wegfallenden Mehrfachbelastung könnten für den 21-Jährigen in der Rückrunde massiv weniger Spielzeit abfallen, vor allem, sobald alle Offensivkräfte wieder fit sind.

Vom 27-jährigen Serben Nemaja Tosic hatten sich die Verantwortlichen beim FC Zürich wohl auch mehr sofortige Hilfe versprochen. Bis zur Winterpause sind zwar elf Einsätze zusammengekommen, die Spielzeit blieb aber bei 360 Minuten stehen, nur deren fünfmal war Tosic in der Zürcher Startelf anzutreffen. Auf den Aussenpositionen entscheidet sich Trainer Ricardo Moniz oft für offensivere Optionen, so hat der erst 19-jährige Junior Ligue oft die Nase gegenüber Tosic vorne. Womöglich ist das Spielsystem des FCZ auch nicht ideal auf den Neuzugang zugeschnitten. Tosic ist ein Defensivspezialist, spielen die Zürcher nur mit einer Dreierabwehrkette, passt er nicht ins System, denn noch geht zu wenig Offensivdrang von ihm aus.
Noch keinen einzigen Einsatz durfte Sofyane Bozamoucha für die Profis des Servette FC bestreiten. Der 24-jährige Innenverteidiger stiess aus der dritten französischen Liga zu den Grenats und benötigt offenbar viel Angewöhnungszeit. 630 Einsatzminuten an Spielpraxis kamen in der 1. Liga Classic zusammen. Dass es Bouzamoucha in den Cupspielen nicht einmal in den Kader gereicht hat, setzt doch ein Fragezeichen hinter den Sommerneuzugang. Zum Ende der Hinrunde sass der vom FC Rouen verpflichtete Verteidiger in der Super League immerhin fünfmal auf der Bank.
Es ist im Falle des FC Lugano definitiv nicht fair, dass wir für jeden Club einen "Flop-Transfer" erküren. Daniel Dos Santos ist beim FC Lugano nämlich alles andere als gefloppt, aber die Auswahl an Sommerneuzugängen bei den Tessinern ist nicht wirklich gross. Aufgrund der hervorragenden Vorsaison mit 19 Torbeteiligung in der Challenge League beim FC Thun und der doch stolzen Ablösesumme von kolportierten 850'000 Euro für einen Kreativspieler aus der zweithöchsten Spielklasse, dürften die Erwartungen an den 22-Jährigen noch höher gewesen sein. Dos Santos benötigt noch Zeit, um auch in der Super League seine Genialität spielentscheidend auf den Rasen zu bringen. Von bislang sechs Scorerpunkten sind Dos Santos ein Tor und drei Assists gegen unterklassige Teams im Cup gelungen. In der Super League wartet er auch nach 742 Spielminuten noch auf seinen ersten Treffer.
Beim BSC Young Boys sind es vielmehr die ganzen Umstände, die Patric Pfeiffer in diese Auflistung gebracht haben. Der Leihspieler aus Augsburg sollte das Verletzungspech in der Abwehr überbrücken und so die Berner Hintermannschaft stabilisieren. Vielmehr reihte sich Pfeiffer aber in die ohnehin schon ausreichend lange Verletztenliste des Meisters ein. Erst eine Oberschenkelverletzung, dann war eine Innenbandverletzung Schuld, dass der in Deutschland geborene Ghanaer nicht zur Verfügung gestanden hat. Pfeiffer ist nicht der einzige YB-Neuzugang, der Verletzungspech zu beklagen hatte, aber womöglich jener, den die Young Boys am dringendsten fit gebraucht hätten. Vor allem, da eine Leihe mit Kaufoption nur einer sofortigen Verstärkung dienen soll. 177 Einsatzminuten sind bislang doch noch zusammengekommen.
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