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Ein emotionaler Abschied von der wahrhaftigsten Athletin der Schweiz

Eine Würdigung für Lara Gut-Behrami

Liebe Fans, liebe Ski-Gemeinde, liebe Freunde des Schweizer Wintersports - heute verneigen wir uns vor einer Ausnahmeerscheinung: Lara Gut-Behrami. Eine Würdigung einer lebenden Schweizer Skilegende.

In ihren Händen vereinte sie nicht nur das pure Talent, sondern auch den Mut, die Konsequenz und die Leidenschaft, die aus einer sehr guten Rennläuferin eine Legende machen. Ihre Ski-Erfolge sind schlichtweg unfassbar: Mit 48 Weltcup-Siegen zählt sie zu den Grössten im Alpinen Skizirkus.

Sie gewann nicht nur die grosse Kristallkugel - einmal im Winter 2015/16, erneut in 2023/24. Ihre Dominanz erstreckte sich über mehrere Disziplinen: Super-G, Abfahrt, Riesenslalom - Lara war eine wahre Allrounderin und gehörte in drei Disziplinen zur Weltspitze. Sieben kleine Kristallkugeln, sechs davon im Super-G, sind eine Marke, von welcher die allermeisten Ski-Cracks nur träumen können.

Auf der ganz grossen Bühne glänzte sie ebenso - bei den Olympischen Spielen holte sie Gold im Super-G in Peking 2022. Und bei den Weltmeisterschaften 2021 in Cortina d’Ampezzo zeigte sie ihre Klasse in Höchstform: Gold in Super-G, Gold im Riesenslalom, dazu Bronze in der Abfahrt.

Die grössten Erfolge von Lara Gut-Behrami:

1x Olympisches Gold (Super-G Peking 2022)
2x Olympia-Bronze (Abfahrt Sotschi 2014 & Riesenslalom Peking 2022)
2x WM-Gold (Super-G und Riesenslalom Cortina d'Ampezzo 2021)
4x WM-Silber
3x WM-Bronze
2x Gesamtweltcup (2016 & 2024)
6x kleine Kristallkugeln im Super-G (2014, 2016, 2021, 2023, 2024 & 2025)
1x kleine Kristallkugeln im Riesenslalom (2024)

Eine einzigartige Persönlichkeit mit Ecken und Kanten

Aber noch bedeutender als ihre Errungenschaften auf Eis und Schnee ist ihre einzigartige Persönlichkeit. Lara hat sich nie verbiegen lassen. Trotz des ganzen Rampenlichts blieb sie immer sie selbst. Tief verwurzelt in ihren Werten, mit einem starken Selbstverständnis - sie hat sich nie zum reinen Produkt machen lassen.

Ganz besonders beeindruckend ist, dass sie über Jahre gänzlich auf Social Media verzichtete - und damit bewusst auf immense Einnahmen. Für sie zählte nicht Vermarktbarkeit, sondern Würde. Ihre Privatsphäre war ihr kostbarer als jede Follower-Zahl. In einer Zeit, in der Selbstinszenierung oft wichtiger scheint als Leistung, setzte Lara ein stilles, aber kraftvolles Zeichen: Ich bestimme, wer ich bin.

Und genau diese Konsequenz, diese Ecken und Kanten, machten sie so besonders - und so beliebt. Lara war nie stromlinienförmig, nie pflegeleicht, nie perfekt zugeschnitten für Schlagzeilen. Sie hat den Medien das Leben manchmal schwer gemacht - aber gerade das macht sie authentisch und echt.

Die Schweiz hat das gespürt. Die Fans lieben sie. Und die Anerkennung blieb nicht aus: Gleich dreimal wurde sie zur Schweizer Sportlerin des Jahres gewählt. Mehr Wertschätzung durch Medien und Publikum gibt es in diesem Land nicht. Wer das schafft, hat die Herzen erreicht - und zwar mit Wahrheit, nicht mit einer Maske.

Ein Ende, welches sie keinesfalls verdient hat

Doch trotz all ihrer Stärke war ihre Karriere nicht ohne Schatten: In Interviews sprach Lara wiederholt davon, dass sie Angst habe, dass eine Verletzung eines Tages alles beenden könnte. Diese Sorge war nicht nur leeres Gerede - tragischerweise wurde ihre Angst genau von diesem Albtraum eingeholt. Dass ihre Zeit im Ski-Zirkus so zu Ende gehen musste, ist zutiefst tragisch - sie hat so viel gegeben, gelitten, sich zurückgekämpft … und doch war die Verletzung letztlich stärker. Wir haben lange von einem letzten Hurra in Form eines Comebacks und einer Teilnahme an der Heim-WM geträumt, doch dazu kommt es, bedauerlicherweise für die Fans, nicht mehr.

Am Ende bleiben uns nicht nur die Statistiken, die Kristallkugeln, die Medaillen, sondern vor allem diese unglaublich echte, starke, warmherzige Lara, die wir geliebt haben - nicht nur als Athletin, sondern als Mensch. Wir sind ihr unendlich dankbar: für die Momente, in denen sie uns die Luft anhalten liess, für die Siege, die Tränen, das Lachen, das Gefühl, dass wir live Zeugen von etwas Grossem, Einzigartigem waren.

Wir werden Lara Gut-Behrami vor der Weltcup-Kamera enorm vermissen. (Erich Spiess/Expa/freshfocus)

Lara, du hast uns gezeigt, dass wahre Grösse nicht nur auf Podien gemessen wird - sondern auch daran, wie man Mensch bleibt, wenn man gewinnt … und wenn man verliert. Wir werden dich im Ski-Zirkus schmerzlich vermissen. Nicht nur wegen deiner Erfolge. Sondern, weil es Menschen wie dich kaum noch gibt.

Doch nun wünschen wir dir primär eines: ein Leben voller Freiheit, Freude und Frieden - ohne Druck, ohne Erwartungen, ohne das grelle Licht der Öffentlichkeit.

Mögest du die Zeit nach dem Profisport in vollen Zügen geniessen, so wie du sie dir verdient hast. Mögest du die kleinen Momente genauso lieben wie die grossen Siege. Mögest du dein Leben leben, wie du es immer getan hast: stolz, mutig, unabhängig und ganz du selbst.

So eine wie dich wird die Schweiz wohl nie mehr haben. Und vielleicht ist genau das dein grösstes Vermächtnis.

Danke, Lara. Für alles.

Damian Möschinger Lara Gut-Behrami Rücktritt Gut-Behrami Ski Alpin Swiss-Ski welovesnow.ch

2026-08-11 14:35:41