Ein Kurzurlaub in den Dolomiten: Das ist das Geschenk, das Ski-Superstar Marco Odermatt für seinen herausragenden Erfolg bei den Grödner Weltcuprennen im vergangenen Winter erhalten hat. Gemeinsam mit seiner Freundin Stella, seinen Eltern Priska und Walter sowie seiner jüngeren Schwester Alina verbringt der aktuell weltbeste Skifahrer drei entspannte Tage im Grödner Tal. SportNews.bz hat den 28-Jährigen am Sellajoch getroffen, wo er bei Sonnenschein auf der Terrasse der Berghütte Fienile Monte über Sport, Familie und Zukunftspläne sprach.
Die Dolomiten kennt Odermatt bislang vor allem aus dem Winter. Doch der Sommerurlaub zeigt ihm eine neue, faszinierende Seite des Tals: "Mir gefällt es wirklich sehr gut. Die Natur ist natürlich unglaublich schön und beeindruckend. Dieses Tal hat einfach zu jeder Jahreszeit seinen ganz besonderen Reiz."
Neben Wandern und Klettern bleibt auch Zeit für Diskussionen über den Skisport. Der Schweizer, der sich zuletzt kritisch zu Ex-FIS-Präsident Johan Eliasch äusserte, hofft nach dessen Abwahl auf ruhigere Zeiten: "Ich hoffe vor allem, dass wieder etwas mehr Ruhe einkehrt und der Fokus auf das Wesentliche gelegt wird. Natürlich gehören Sponsoren dazu und es ist wichtig, den Skisport weiterzuentwickeln. Am Ende sollte aber wieder der Sport im Mittelpunkt stehen und nicht die Politik."
Der Teamgeist im Schweizer Ski-Team ist laut Odermatt ein entscheidender Erfolgsfaktor: "Natürlich ist man nicht mit jedem Athleten gleich eng befreundet, aber mit sehr vielen schon. Genau daraus entsteht auch dieser starke Teamspirit." Dabei bleibt auch der Spass nicht auf der Strecke. Nach den letzten WM-Triumphen überraschte die Mannschaft mit auffälligen Haarschnitten. Ob es bald wieder so weit ist? "Wenn wir bei der WM im Februar zu Hause in der Schweiz wieder derartige Erfolge erleben dürfen wie damals in Saalbach, dann sind wir sicherlich wieder für besondere Frisuren zu haben."
Neben dem Sport bleibt für Odermatt auch die Familie ein zentraler Anker. "Meine Familie gibt mir Rückhalt und war von Anfang an meine wichtigste Unterstützung. Dort hat alles begonnen, deshalb ist das Verhältnis bis heute sehr eng. Während der Saison sehe ich sie leider nur selten, aber ich weiss, dass sie vor dem Fernseher mitfiebern. Auch nach all den Jahren sind sie noch ziemlich angespannt, wenn ich eine Rennstrecke hinunterfahre. Das berichten mir zumindest Freunde und Bekannte, die häufiger bei uns zu Hause vorbeischauen."

Mit Südtirol verbindet Odermatt eine besondere Beziehung - auch durch die Freundschaft zu Dominik Paris. "Vor allem mit Dominik Paris bin ich seit vielen Jahren oft gemeinsam unterwegs. Wir starten häufig in einem ähnlichen Startnummernbereich und bewegen uns leistungsmässig oft auf einem ähnlichen Niveau. Dadurch begegnet man sich ständig, und so ist über die Jahre eine gute Freundschaft entstanden." Ob Freundschaft oder Konkurrenz: "Während der zwei Minuten im Rennen sind wir ganz klar Konkurrenten. Das ist dem sportlichen Ehrgeiz geschuldet. Aber sobald das Rennen vorbei ist, sind wir wieder Freunde."
Was junge Athleten von Odermatt lernen können? "Vor allem, Spass an dem zu haben, was man macht. Man sollte die Dinge mit einer gewissen Lockerheit angehen und sich nicht zu sehr unter Druck setzen. Und wenn man etwas macht, dann mit voller Überzeugung und vollem Einsatz."
Ein Versprechen hat der Ski-Star den Grödnern bereits gegeben: "Ich habe den Grödnern ein Versprechen gegeben, nämlich dass ich bei der Weltmeisterschaft auf jeden Fall vor Ort sein werde - ob als Aktiver oder als Tourist, das werden wir noch sehen. Die Chance, dass ich dann noch Rennen fahre, ist auf jeden Fall gross." Die WM findet in fünf Jahren im Jahr 2031 statt. Nach seiner Karriere plant er jedoch, die Berge und Pisten von Südtirol als ganz gewöhnlicher Skifahrer zu geniessen und bei der Sellaronda mit seiner Familie die Landschaft auf sich wirken zu lassen.
Und was ist ihm wichtiger: Südtiroler Hüttenkost oder Schweizer Fondue? Er lacht: "Wenn ich mich dauerhaft entscheiden müsste, dann wohl für die Südtiroler Hüttenküche. Was einem hier bei euch aufgetischt wird, ist schon aussergewöhnlich. Da fällt die Entscheidung gar nicht so schwer."
Das Grödner Tal zeigt sich von seiner besten Seite, und für Marco Odermatt ist klar: Die Dolomiten bleiben ein besonderer Ort - für den Skirennfahrer genauso wie für den Menschen dahinter.
Damian Möschinger Marco Odermatt Ski Alpin Swiss-Ski welovesnow.ch