Seit Sommer 2024 ist Alejo Hervas als Konditionstrainer der Schweizer Riesenslalom-Männer im Amt, zuvor betreute er Lara Gut-Behrami. Im Interview mit dem SRF spricht der Spanier über die Zusammenarbeit mit Superstar Marco Odermatt, seine Arbeitsphilosophie und verrät, warum der Austausch mit den Top-Athleten für ihn Gold wert ist.
Alejo Hervas ist im alpinen Skizirkus längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Ursprünglich aus dem Süden Spaniens stammend, wo er nahe der Sierra Nevada aufwuchs, verschrieb er sich schon früh dem Skisport. Nach dem Studium der Sportwissenschaften fand er schnell den Weg in den Leistungssport und betreut nun die Schweizer Riesenslalom-Cracks um Ausnahmekönner Marco Odermatt.
Auf die Frage, wie es sei, mit dem wohl besten Skifahrer der Gegenwart zusammenzuarbeiten, zeigt sich Hervas bescheiden und beeindruckt zugleich. "Zu Beginn habe ich natürlich den Skifahrer gesehen, den Star, wie man so schön sagt. Aber es hat nur ein paar Wochen gedauert, bis ich einfach einen Menschen sah, der jeden Tag besser werden möchte", erklärt der Spanier.
Für ihn persönlich sei diese Aufgabe eine riesige Chance, für die er extrem dankbar ist. Die Zusammenarbeit gestaltet sich dabei keineswegs als Einbahnstrasse – im Gegenteil: "Das Feedback, das die Athleten mir geben, ist wie Gold für mich. Sie liefern mir wertvolle Informationen, durch die auch ich mich verbessern kann. Manchmal lerne ich ehrlich gesagt mehr von Odermatt als er von mir!"
Die Dynamik innerhalb des Schweizer Riesenslalom-Teams beschreibt Hervas als extrem unkompliziert und harmonisch. "Es ist eine sehr angenehme Gruppe. Erstens sind die Athleten untereinander Freunde, zweitens wissen sie ganz genau, was sie wollen."
Seine Aufgabe sieht der Konditionstrainer vor allem darin, die Feinjustierung vorzunehmen: "Ich versuche einfach, das Beste bereitzustellen und an den kleinen Stellschrauben zu drehen, um sie glücklich zu machen. Und glücklich bedeutet für sie: Rennen gewinnen oder ihr Level weiter steigern."
Seinen Wohnsitz hat Hervas weiterhin in Spanien behalten. Die Trainingssteuerung läuft daher über regelmässige Besuche in der Schweiz. "Normalerweise komme ich alle zwei Wochen in die Schweiz geflogen. Da die Athleten gerne auch mal zu Hause sind, fahre ich zu ihnen oder wir legen kleine gemeinsame Trainingscamps ein."
Diese Blöcke nutzt er intensiv, um neue Reize zu setzen, die Ausführung der Übungen zu analysieren und das Programm für die Folgewochen anzupassen. "Sobald ich sehe, wie sie performen, entstehen neue Ideen und Updates für die nächste Trainingsphase."
Obwohl Hervas die Sommermonate im Juli für die physische Grundlage nutzt, vermisst er die weisse Pracht bereits wieder. "Ich stehe selbst extrem gerne auf den Skiern und bin eigentlich auch Skitrainer – auch wenn ich im Schweizer Team bei all den fantastischen Trainern eher als Assistent auf dem Schnee helfe. Ich vermisse den Schnee in jedem Sommer, auch wenn ich Spanier bin!"
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