Die FIS steckt nach den turbulenten Wahlen und einem Millionenverlust vor grossen Herausforderungen. Der neue interimistische Generalsekretär Urs Lehmann spricht nun erstmals über die Spannungen im Weltverband, die finanzielle Lage und seine Pläne für die Zukunft.
Nach den turbulenten Wahlen beim Ski-Weltverband FIS äussert sich Urs Lehmann erstmals ausführlich zu seiner neuen Rolle. Der ehemalige Swiss-Ski-Präsident, der kurz vor den Wahlen als CEO der FIS zurückgetreten war, ist seit dem 1. Juli interimistischer Generalsekretär. Im Interview mit der Tribune de Genève macht der 57-Jährige klar, dass ihn nicht der Titel, sondern die Aufgabe reizt.
"Mich inspiriert die Mission mehr als die Position. Ich war schon immer so", sagt Lehmann. Der Aargauer hatte bereits vor fünf Jahren mit einer Kandidatur für das FIS-Präsidium geliebäugelt, betont aber, dass eine Bewerbung 2026 für ihn nie infrage gekommen sei.
Eine der grössten Aufgaben sieht Lehmann darin, den nach den Wahlen gespaltenen Verband wieder zu vereinen. "Vor allem müssen wir diese grosse Familie wieder zusammenbringen. Die Wahlen haben gezeigt, dass die Menschen gespalten sind", erklärt er. Zwar hätten beide Lager ihre Positionen während des Wahlkampfs teilweise übertrieben dargestellt, dennoch räumt Lehmann ein, dass viel Arbeit auf die neue Führung warte.
Auch finanziell steht die FIS unter Druck. Der Weltverband schrieb 2025 ein Defizit von 16 Millionen bei einem verbleibenden Eigenkapital von 43 Millionen. Laut Lehmann existiert bereits ein Plan, um die Situation zu verbessern. "Wir müssen die Dinge verändern. Den Plan hatten wir bereits mit Johan Eliasch, jetzt müssen wir ihn umsetzen."
Lehmann bestätigt zudem, dass das Verhältnis zwischen den grossen Skiverbänden und dem bisherigen Präsidenten zuletzt stark belastet gewesen sei. "Wir haben verstanden, dass die Beziehung zwischen den grossen Verbänden und dem Präsidenten zu schwierig geworden war." Künftig müsse der Dialog mit den Verbänden wieder intensiviert werden. Als Vorbild nennt er die Zusammenarbeit bei Swiss-Ski, bei der Athleten, Partner und Veranstalter stärker eingebunden worden seien.
Besonders wichtig seien für den Weltverband auch traditionsreiche Rennen wie Adelboden, Wengen oder Kitzbühel. Mehrere Rennveranstalter hätten ihm signalisiert, dass die Zusammenarbeit mit der bisherigen Führung nicht mehr funktioniert habe. "Die Ski-Familie muss sich gegenseitig unterstützen. Wenn du der König bist und dein Volk dich nicht unterstützt ..."
Ein weiteres zentrales Thema bleibt die Sicherheit der Athletinnen und Athleten. Zwar seien in den vergangenen zwei Jahren Fortschritte erzielt worden, dennoch gebe es laut Lehmann noch immer zu viele Verletzungen. Hoffnung setzt er unter anderem in die Entwicklung einer intelligenten Skibindung. Läuft alles nach Plan, könnte diese in rund drei Jahren zum Einsatz kommen.
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