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Rosige Zukunftsaussichten bei den Schweizer Technikerinnen - jedoch nicht bei allen

Rast ist die grosse Teamleaderin

Die Schweiz konnte sich auch im Winter 2025/26 die Nationenwertung sichern und sich damit zur Skination Nummer 1 krönen lassen. Grossen Anteil daran hatten definitiv die Technikerinnen von Swiss-Ski, wobei eine sogar den schwerwiegenden Ausfall von Lara Gut-Behrami vergessen machen konnte.

Im Vergleich zur Vorsaison jubelten die Schweizer Technikerinnen über zwei Podesplätze mehr. In der Saison 2024/25 eroberten Gut-Behrami und Co. in Riesenslalom und Slalom insgesamt zehn Top-3-Ränge (darunter drei Siege), während in diesem Winter das Dutzend voll gemacht werden konnte (darunter zwei Siege). Für den ersten Podestplatz sorgte sogar noch Gut-Behrami, die beim Saisonauftakt in Sölden auf Rang 3 fuhr, in der Folge wegen eines Kreuzbandrisses ihre Saison bereits Ende November beenden musste.

Rast konnte sogleich in die Fussstapfen von Gut-Behrami treten

Camille Rast hat sich zur absoluten Teamleaderin bei den Schweizer Technikerinnen aufgeschwungen. Sowohl im Slalom als auch im Riesenslalom agiert sie auf einem Level, das sie zur legitimen Podest-Aspirantin bei jedem Rennen macht. Ihre technische Brillanz gepaart mit einer neuen, mentalen Abgeklärtheit macht sie zur unbestrittenen Teamleaderin.

Besonders beeindruckend ist, dass sie nach dem schwerwiegenden Ausfall von Gut-Behrami sogleich in deren Fussstapfen im Riesenslalom treten konnte. Sie fuhr in drei Riesenslaloms aufs Podest und feierte in Kranjska Gora sogar ihre Siegpremiere in dieser Disziplin. Zum Vergleich: Im Vorwinter wies Gut-Behrami die genau gleiche Bilanz im Riesenslalom auf (drei Podestplätze, darunter ein Sieg).

Im Slalom kamen sogar fünf Podestplätze plus die Olympische Silbermedaille dazu. Höhepunkt war jedoch ihre Leistung in Kranjska Gora, wo sie sich mit Slalom-Königin Mikaela Shiffrin ein fast schon ausserirdisches Duell lieferte und sogar die Oberhand behielt. Shiffrin gab nach dem Rennen sogar zu, dass sie selbst nicht besser hätte fahren können, was die Leistung von Rast noch wertvoller macht. Man stelle sich nur vor, was für die 26-Jährige alles möglich sein wird, wenn sie ihre Hüftschmerzen in den Griff bekommt. Bei ihrem Potenzial ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie sich ihre ersten Kristallkugeln schnappt. In Slalom (Platz 2), Riesenslalom (Platz 2) und Gesamtweltcup (Platz 3) war sie schon sehr nahe dran.

Holdener und die Frage, ob ihr Fokus voll dem Slalom gelten soll

Die Schwyzerin bleibt ein Phänomen im Slalom. Wendy Holdener gehört zwischen den engen Toren nach wie vor zur absoluten Weltspitze und ist die einzige, die Rast mannschaftsintern Paroli bieten kann. An ihrer Klasse gibt es keine Zweifel, konnte sie wie im vorletzten Winter drei Podestplätze herausfahren. Ausserdem beendete sie die Slalomwertung auf dem 3. Platz, was ihre Konstanz in dieser Disziplin unterstreicht.

Doch die Kehrseite der Medaille: Im Riesenslalom zeigt die Formkurve steil nach unten. Der Anschluss an die Elite ist hier verloren gegangen - ein Trend, der sich wohl kaum mehr umkehren lässt. Ein 15. Rang war ihr bestes Resultat in ihrer zweiten Disziplin. Aus diesem Grund sollte sich die 32-Jährige schon die Frage stellen, ob sie sich künftig nur noch auf den Slalom konzentrieren soll.

Es gibt auch Schweizer Sorgenkinder

Wo viel Licht ist, ist bei Swiss-Ski aktuell auch Schatten. Es gibt derzeit vier Fahrerinnen, die mit ihren Saisons nicht zufrieden sein können.

Mélanie Meillard: Nach einem starken Vorwinter hofften viele auf das endgültige Comeback an die Weltspitze. Doch die Ernüchterung folgte prompt: Meillard zeigt deutliche Rückschritte, die Leichtigkeit ist weg. Die 27-Jährige fuhr kein einziges Mal in die Top 10, was ihr 2024/25 noch in acht von zehn Rennen gelungen ist. Immerhin konnte sie ihren Startplatz in der zweiten Startgruppe gerade noch so verteidigen. Die Zweifel, ob sie jemals wieder ganz vorn mitmischen kann, sind nach ihrem enttäuschenden Winter aber deutlich gewachsen.

Nicole Good: Hinter ihr liegt ein "Horror-Winter". Die 28-Jährige fuhr nur einmal in Copper Mountain als 21. in die Punkte. Auch im Europacup lief es nicht wie gewünscht, war ein 8. Rang noch ihr bestes Resultat. Ohne nennenswerte Ergebnisse stehen nicht nur ihr Selbstvertrauen, sondern auch ihr Kaderstatus bei Swiss-Ski auf dem Spiel. Die Gefahr besteht, dass sie ihre Karriere ab Sommer selbst finanzieren muss.

Simone Wild: Es riecht bei ihr ein wenig nach Abschied. Die 32-Jährige wird voraussichtlich ihren Platz in den Kadern verlieren, da ihr einfach die Ergebnisse fehlen. Die Frage ist: Findet sie die Energie für einen Alleingang oder war es das für ihre Karriere? Ihre Zukunft lässt sie für den Moment auf jeden Fall offen.

Aline Danioth: Dank Rang 15 in der Slalomwertung im Europacup bleibt sie im Swiss-Ski-Kader und muss keinen Rauswurf fürchten. Doch nach ihren unzähligen Verletzungen bleibt ein grosses Fragezeichen: Kann ihr Körper noch einmal das Top-Niveau erreichen, das es im Weltcup benötigt? Die Zweifel sind aufgrund des eher schwachen Winters grösser geworden. Danioth fuhr nur zweimal in die Punkte, wobei der 16. Rang in Copper Mountain schon gezeigt hat, dass sie es noch kann. Die 28-jährige Kämpfernatur dürfte im anstehenden WM-Winter noch einmal richtig angreifen wollen, doch sollten dann die Ergebnisse erneut ausbleiben, dürfte sie sich schon ihre Gedanken machen.

Der "Mittelbau" mit Ambitionen

Dass die Schweiz in der Breite dennoch gut dasteht, verdanken wir zwei Fahrerinnen, die ihre Hausaufgaben erledigt haben:

Vanessa Kasper: Sie ist definitiv ein grosser Lichtblick im Schweizer Riesenslalom-Team. Zurück in den Swiss-Ski-Kadern, hat sie sich stabil in den Top 30 etabliert. Ihr Potenzial scheint noch nicht ausgeschöpft. Beim Weltcupfinale sorgte die 29-Jährige mit Rang 10 für ihr bestes Resultat im Weltcup. Das dürfte natürlich ein riesiger Motivationsschub hinsichtlich der nächsten Saison gewesen sein, in welcher sie ihren Aufstieg weiterführen will. Der Blick geht Richtung Top 15 und sie hat bewiesen, dass sie dafür die nötige Qualität besitzt.

Eliane Christen: Der Durchbruch-Winter 2024/25 war kein Zufall. Die Slalomfahrerin hat ihre Leistungen in dieser Saison bestätigt und ist konstant in die Top 20 gefahren. Zweimal landete sie als Neunte sogar in den Top 10 und feierte damit ihre mit Abstand besten Weltcupresultate. Damit die 27-Jährige den nächsten Entwicklungsschritt gehen kann, braucht es aber nochmals eine Steigerung. Das Potenzial, regelmässig in die Top 15 zu fahren, ist definitiv vorhanden.

Die Zukunft ist jetzt: Das Mega-Trio und die Slalom-Jägerinnen

Wer sich um die Zukunft des Schweizer Skisports sorgt, sollte einen Blick in den Europacup werfen. Mit Sue Piller, Dania Allenbach und Stefanie Grob verfügt Swiss-Ski über drei absolute Megatalente. Alle drei konnten ihr Potenzial bereits unter Beweis stellen. Sue Piller etwa qualifizierte sich dank eines fulminanten 6. Rang im Riesenslalom von Spindlermühle für die Olympischen Winterspiele. Die 20-Jährige findet sich bereits in den Top 30 der Startliste wieder und ist ein riesiges Versprechen für die Zukunft.

Selbiges gilt definitiv auch für Dania Allenbach, gewann die 19-Jährige doch die Riesenslalom-Wertung im Europacup und eroberte sich somit einen Fixstartplatz. Im Weltcup fuhr sie in ihren ersten vier Rennen dreimal in die Punkte, was gar nicht hoch genug eingeschätzt werden darf. Sie könnte bereits im nächsten Winter eine der ganz grossen Aufsteigerinnen im Riesenslalom werden.

Zu guter Letzt gibt es mit Stefanie Grob noch eine dritte Kandidatin, die als riesige Zukunftshoffnung betitelt wird. Im Weltcup ist ihr endlich der Knoten aufgegangen und sie konnte ihre ersten Punkte einfahren. Auch im Riesenslalom gelang ihr dies mit einem 17. Rang in Are. Die 22-Jährige hat definitiv Lunte gerochen, weswegen man sie für die neue Saison ganz besonders im Auge haben sollte.

Ebenfalls im Aufwind: Aline Höpli und Anuk Brändli. Beide zeigten im Slalom punktuelle Glanzlichter. Was nun fehlt, ist die Konstanz, um den Sprung in die Top 30 der Weltcup-Startliste zu erzwingen. Diesen Schritt hat Janine Mächler bereits vorbereitet: Sie hat sich im Europacup einen Fixstartplatz im Slalom gesichert. Der nächste Winter könnte ihr grosser Durchbruch im Weltcup werden. Shaienne Zehnder sollte man ebenfalls nicht ausser Acht lassen, gehört die 20-Jährige doch ebenfalls in die Riege der grossen Zukunftshoffnungen.

Der Schweizer Technik-Wald wird jünger und Camille Rast ist die unangefochtene Försterin. Während einige arrivierte Kräfte um ihren Verbleib kämpfen, steht die nächste Generation bereit, das Zepter zu übernehmen. Es wird spannend zu sehen sein, wer es von den jungen Zukunftshoffnungen tatsächlich bis an die Spitze schaffen wird.

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2026-04-03 18:00:39