Die Schweizer Speedfrauen erlebten einen schwierigen Winter, was hauptsächlich mit grossem Verletzungspech begründet werden kann. Die Ausfälle von Lara Gut-Behrami, Michelle Gisin und Corinne Suter wogen letztlich zu schwer, um mit den besten Speed-Nationen der Frauen mithalten zu können.
17 Speedrennen haben die Frauen im abgelaufenen Winter bestritten und Swiss-Ski durfte sich über insgesamt fünf Podestplätze (darunter zwei Siege) freuen. Im vergangenen Winter eroberten die Schweizer Speedfahrerinnen doppelt so viele Podestplätze (ebenfalls zwei Siege), wobei sich Lara Gut-Behrami für sieben davon verantwortlich zeigte. Die restlichen drei gingen auf das Konto von Corinne Suter (2x) und Malorie Blanc (1x).
Wenn man also einen positiven Ansatz sehen will, dann die Tatsache, dass Corinne Suter ihre Anzahl Podestplätze in diesem Winter (im Vergleich zur letzten Saison) auf vier verdoppeln konnte, während Malorie Blanc ihren ersten Weltcupsieg einfahren konnte.
Nach der schweren Verletzung von Lara Gut-Behrami, die bereits Ende November ihre Saison beenden musste, lagen die Hoffnungen auf den Schultern von Corinne Suter. Die Schwyzerin erlebte eine starke Vorbereitung und wäre für den Olympia-Winter so richtig heiss gewesen, doch ein Trainingssturz Anfang Dezember hat sie arg zurückgeworfen. Sie fiel rund einen Monat aus und konnte ihre Topform erst nach den Olympischen Winterspielen wiederfinden. Ihre vier Podestplätze (ein Sieg) liessen nur erahnen, was für sie möglich gewesen wäre, wenn sie im Training nicht gestürzt wäre.
Malorie Blanc zeigte in erster Linie im Super-G sehr gute Ansätze. Ausgerechnet in ihrem Heimrennen in Crans-Montana sorgte sie mit ihrem ersten Weltcupsieg für den emotionalen Höhepunkt bei den Schweizer Frauen. Auch sonst überzeugte sie in dieser Disziplin mit konstanten Leistungen und gehört nun zu den Top 10 der weltweit besten Super-G-Fahrerinnen. In der Abfahrt ging es jedoch nicht wie erhofft vorwärts, waren doch zwei 13. Plätze ihre besten Rangierungen.

Für vereinzelte Lichtblicke sorgten dann auch noch Janine Schmitt und Jasmine Flury. Schmitt eroberte in der Abfahrt von Zauchensee mit dem 5. Rang ihr bestes Weltcupresultat und gleichzeitig auch ihr Olympiaticket. Es darf ausserdem als Erfolg gewertet werden, dass sich die 25-Jährige in der Königsdisziplin ein Finalticket ergattern konnte.
Flury feierte nach einer langen Verletzungspause ihre Comeback-Saison, und in einzelnen Rennen konnte sie nachweisen, dass die einstige Abfahrtsweltmeisterin nach wie vor die Klasse besitzt, um vorn mitmischen zu können. In der Abfahrt verpasste sie die Top 10 zweimal als Elfte und Zwölfte nur knapp. Es war aber offensichtlich, dass ihr noch das nötige Selbstvertrauen abgeht, um mit der absoluten Weltspitze mithalten zu können.
Die Schweizer Frauen haben im abgelaufenen Winter insgesamt 1'235 Zähler in Abfahrt (585 Punkte) und Super-G (650 Punkte) gesammelt. Damit hat man nicht einmal halb so viele Punkte erobert wie Italien, die Nummer 1 bei den Speed-Damen. Die Italienerinnen um die Kugelgewinnerinnen Sofia Goggia und Laura Pirovano häuften insgesamt 2'706 Zähler an.
Österreich liegt mit insgesamt 2'004 Punkten auf dem 2. Platz, gefolgt von den USA mit 1'880 Zählern. Ebenfalls noch vor der Schweiz ist Deutschland platziert, eroberte unser Nachbar in den Speed-Disziplinen 1'447 Punkte. Besonders bitter ist dabei der Fakt, dass bei Deutschland mit Emma Aicher und Kira Weidle-Winkelmann nur zwei Frauen punkten konnten und diese zusammengezählt mehr Zähler erobert haben als das ganze Schweizer Speedteam zusammen.
Im letzten Winter waren es noch 1'893 Punkte gewesen, die die Speedfrauen zum Schweizer Gewinn am Nationencup beisteuerten. Fast die Hälfte dieser Zähler, nämlich 894, gingen auf das Konto von Lara Gut-Behrami. Michelle Gisin steuerte noch 162 Punkte bei. Hätten die beiden nicht aufgrund schwerer Verletzungen keine Speedrennen bestritten, hätte die Schweiz in diesem Winter womöglich die 2'000-Punkte-Marke geknackt. An Italien wäre man aber selbst mit Gut-Behrami und Gisin bei weitem nicht herangekommen.
Die Gegenwart der Schweizer Speeddamen hat im abgelaufenen Winter nicht allzu gut ausgesehen, und ob diese zeitnah so viel besser wird, darf zumindest bezweifelt werden. Mit Joana Hählen hat eine der routinierten Schweizerinnen ihre Karriere beendet, und selbiges könnte im Sommer auch noch bei Lara Gut-Behrami und/oder Michelle Gisin passieren. Beide haben noch keine öffentliche Entscheidung getroffen, ob sie nach ihren Verletzungen nochmals ein Comeback feiern.
Jasmine Flury (32), Corinne Suter (31), Jasmina Suter (30) und Priska Ming-Nufer (34) sind alle mindestens 30 Jahre alt und dürften nicht mehr ewig im Weltcup mit dabei bleiben. Bei letztgenannter könnte der Rücktritt sogar noch in diesem Sommer erfolgen, besteht doch bei ihr aufgrund ihrer schwachen Leistungen in diesem Winter die reale Gefahr, aus den Swiss-Ski-Kadern zu fallen.
Es gibt die ein oder andere Athletin, die das Potenzial besitzt, für künftige Schweizer Erfolge sorgen zu können. Lange Zeit galt Delia Durrer als künftige Siegfahrerin im Speed, doch die Entwicklung der 23-Jährigen hat in den vergangenen Jahren (auch aufgrund von Rückenbeschwerden) stark stagniert. Auch in diesem Winter war sie von der Weltspitze weit entfernt, ein 18. Rang in der Abfahrt von Val d'Isère war noch ihr bestes Resultat.
Die bereits erwähnte Malorie Blanc ist erst 22 Jahre jung und sicherlich die Schweizerin, die eines Tages in die Fussstapfen von Gut-Behrami und Suter treten kann. Im Super-G ist sie bereits auf einem sehr guten Weg, während in der Abfahrt schon noch einige Entwicklungssprünge folgen müssen.
Endlich ist bei Stefanie Grob der Knoten aufgegangen. Die extrem talentierte 21-Jährige kämpfte sehr lange damit, im Weltcup Fuss zu fassen, was ihr nach den Olympischen Winterspielen gelungen ist. In den letzten sechs Weltcuprennen des Winters fuhr sie immer in die Punkte, wobei sie im Super-G von Val di Fassa als Zehnte sogar erstmals in die Top 10 stürmte. Ausserdem eroberte sie im Europacup dank des Gewinns der Abfahrtswertung einen Fixstartplatz für den Weltcup. Grob muss man also im kommenden Winter ganz genau im Auge haben.

Selbiges gilt auch für Jasmin Mathis. Die ebenfalls 21-Jährige eroberte gleich bei ihrer Weltcuppremiere in Soldeu als 23. die ersten Punkte. Danach schaffte sie es zwar nicht mehr in die Top 30, trotzdem besitzt sie die Klasse, in Zukunft zu den besten Schweizer Speedfahrerinnen zu gehören.
Eine, die im nächsten Winter auf ihre Feuertaufe im Weltcup hoffen darf, ist Elena Sanna Stucki. Die 21-Jährige belegte in der Abfahrtswertung im Europacup Rang 7 und lag damit noch zwei Plätze vor Jasmin Mathis.
Die Schweiz besitzt das ein oder andere Speedtalent in den eigenen Reihen, doch diese können nicht ab sofort in die Bresche springen, sondern benötigen noch Zeit. Zeit, die ihnen auch zwingend gewährt werden muss, wenn man sie nicht vorzeitig verheizen will.
Zumindest bei Corinne Suter müssen die Swiss-Ski-Verantwortlichen deswegen unbedingt dafür sorgen, dass sie noch zwei, drei Jahre an Bord bleibt. In ihrem Sog könnte sich die junge Garde ohne den ganz grossen Erfolgsdruck weiterentwickeln, um dann spätestens nach dem Rücktritt der Schwyzerin ins Rampenlicht zu treten.
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