Mit dem Ende der Weltcup-Saison bleibt den Skifans viel Wehmut. Die kommenden Monate werden hart, doch immerhin kann man auf eine von A bis Z mehrheitlich gelungene Saison zurückblicken. An ein A bis Z haben auch wir uns gesetzt.
Den Januar konnte Marco Odermatt perfekt lancieren. Am "Chuenisbärgli" war der Nidwaldner einmal mehr nicht zu schlagen und gewann den Riesenslalom bereits zum fünften Mal in Folge. Dies gelang vor ihm noch keinem Athleten. Völlig zurecht schrie der 28-Jährige nach dem Rennen in die Kamera: "This is my House!"
Im Frühjahr 2025 schienen die Träume von Olympia-Medaillen zu Hause bei der Italienerin jäh geplatzt zu sein. Die 35-Jährige stürzte bei den italienischen Meisterschaften schwer und verletzte sich dabei so schwer, dass kaum jemand mehr mit einem Comeback rechnete. Brignones innerer Tiger erwachte aber rechtzeitig und brachte sie zu zwei Olympia-Goldmedaillen.
Nicht nur die Skiwelt stand nach dem Silvesternacht-Inferno mit Dutzenden Todesopfern unter Schock. Besonders nah war die Ski-Szene aber, da nur einen Monat dort die Weltcup-Rennen stattfinden sollten. Mit Einschränkungen gingen die Rennen trotzdem über die Bühne und durch den Sieg von Lokalmatadorin Malorie Blanc wurde die ganze Trauer für einen Moment in den Hintergrund gedrängt. Dass am nächsten Tag auch noch Franjo von Allmen gewinnen konnte, war die Sahne auf dem Dessert.
Bei den Olympischen Spielen ist klar definiert, dass pro Disziplin nur vier Athletinnen pro Nation antreten dürfen, die zudem meist Qualifikationsnormen erfüllen müssen. Diese wurden allerdings nicht von vier Athletinnen erfüllt, weswegen Delia Durrer aufgrund der Perspektive für Olympia 2030 selektioniert wurde. Diese Entscheidung stiess bei vielen auf Unverständnis, allen voran bei den daheimgelassenen Jasmina Suter und Joana Hählen.
Die Olympischen Spiele schrieben ihre eigenen Geschichten. In Erinnerung bleibt sicherlich auch jene des Männer-Slaloms. Atle Lie McGrath verlor am Tag der Eröffnungsfeier seinen Opa und wollte für diesen die Goldmedaille holen. Als Führender fädelte er jedoch im zweiten Lauf ein und schmiss damit eine Medaille weg. Mit der Slalom-Kugel gab es rund sechs Wochen später eine mehr als gute Entschädigung.
In Wengen hielten sich die Zuschauenden und Journalisten die Ohren zu, nachdem Franjo von Allmens Name in allen Oktaven zu hören war. Dass "Franjooo" mehr kann, als nur Frauenherzen erobern, zeigte er eindrücklich mit mehreren Siegen und vor allem dreifachem Olympia-Gold.
Lara Gut-Behrami hiess auch zu Beginn der neuen Saison der grosse Schweizer Trumpf auf Frauenseite. Mit Platz 3 in Sölden zeigte die Tessinerin auch, dass sie in ihrer letzten Karriere-Saison richtig gut in Form ist. Im November kam dann aber der Schock: Die 34-Jährige riss sich das Kreuzband, die Saison damit zu Ende. Noch ist offen, ob wir Gut-Behrami doch noch einmal im Weltcup sehen werden.
Swiss-Ski verliert nach dieser Saison zwei Gesichter, die mehr waren als nur Sportler. Niels Hintermann kämpfte sich nach seiner Krebsdiagnose stark zurück, entschied sich dann aber dagegen, das Risiko des Abfahrtssports weiterhin einzugehen. Joana Hählen kam nach ihrer Knieverletzung im Winter 2024 nie mehr richtig zurück und wandte nun dem Skisport den Rücken zu.
Für lange Zeit schien dieses Szenario undenkbar. Die Schweiz wurde bei den Speedfahrern von Italien überholt. Während die Schweiz 4651 Punkte einfahren konnte - über 3400 Punkte davon von den Männern - steht Italien bei 5125 Punkten. Die Gründe dafür sind schnell gefunden: Giovanni Franzoni und Laura Pirovano hatten richtig starke Saisons. Klar kann man sagen, dass der Schweiz Gut-Behrami gefehlt hat, den Italienerinnen allerdings auch eine Federica Brignone.
Das Schweizer Slalom-Team musste vor allem zu Beginn der Saison untendurch. Loïc Meillard und Tanguy Nef retteten dann aber die Schweizer Slalom-Ehre. Erfreulich ist für die Zukunft auch, dass Giuliano Fux in dieser Disziplin Junioren-Weltmeister wurde und bei seinem Weltcup-Debüt bis zum Einfädler relativ gut mithalten konnte.
Im Januar 2024 stürzte Aleksander Aamodt Kilde in Wengen schwer und musste anschliessend aufgrund von Schulterproblemen die ganze Saison 2024/25 auslassen. Umso grösser waren die Erwartungen an den Norweger zu Beginn der Saison, doch wirklich überzeugen konnte Kilde noch nicht. Kurz vor den Olympischen Spielen entschied er sich dazu, seinem Körper noch etwas mehr Zeit zu geben und die Saison abzubrechen.
Es war die zweite Saison in der Lucas Pinheiro Braathen für Brasilien startete. In dieser konnte sich der 25-Jährige gleich mehrfach in die Geschichtsbücher eintragen: Er sorgte für den ersten brasilianischen Weltcupsieg, sicherte sich Olympia-Gold im Riesenslalom und holte beim Saisonfinale in der gleichen Disziplin auch noch die kleine Kristallkugel.
Seit dem Riesenslalom bei der WM 2023 in Courchevel hat Loïc Meillard acht Rennen bei Grossevents absolviert und stand dabei nur einmal nicht auf dem Podest. Bei den Olympischen Spielen stand er zuerst als Zweiter in der Team-Kombination und dann als Dritter im Riesenslalom auf dem Podest, bevor er sich nach dem Weltmeistertitel vom Vorjahr auch noch zum Slalom-Olympiasieger krönte.
Es war die pure Dominanz, die Mikaela Shiffrin im Slalom aufbaute. Die Amerikanerin gewann neun von zehn Slaloms, hatte meist über eine Sekunde Vorsprung auf die Konkurrenz und stand in Kranjska Gora zudem auf dem zweiten Platz. Geschlagen wurde sie damals nur von Camille Rast, obwohl Shiffrin nach eigenen Aussagen eigentlich nicht besser fahren konnte.
Bereits früh in der Saison legte Marco Odermatt den Grundstein für seinen fünften Gesamtweltcupsieg. Der Nidwaldner konnte in drei Disziplinen jeweils das erste Saisonrennen gewinnen - das gelang zuvor noch nie einem Athleten. Gegen den Schluss liess "Odi" zwar etwas Federn, sicherte sich die grosse Kugel schlussendlich aber trotzdem souverän.
Man hatte schon Mitleid mit Laura Pirovano. Die Italienerin startete in über 100 Weltcuprennen, verpasste das Podest aber jedes Mal. Viele vierte Plätze hatte sie, dann warf sie in Crans-Montana beim zweitletzten Tor den eigentlich sicheren Sieg weg. In Val di Fassa klappte es dann endlich mit den ersten zwei Weltcupsiegen. Pirovano liess beim Weltcupfinale den Dritten folgen und sicherte sich gar die Abfahrtskristallkugel.
Wie stark Shiffrin in dieser Saison war, hatten wir bereits. Trotz hartem Kampf war die grosse Kristallkugel schlussendlich mehr als logisch. Die 31-Jährige ist aber längst nicht mehr alleine im US Ski Team. Tatsächlich war die USA gar die Nummer 1 auf Frauenseite. Paula Moltzan, Lindsey Vonn und Breezy Johnson trugen alle über 500 Punkte zum Erfolg bei.
"Juniorenrennen" - So die Bezeichnung des Olympia-Slalomhangs von Camille Rast. Die Walliserin, die technisch anspruchsvolle, steile Pisten liebt, nahm vor dem Olympia-Slalom kein Blatt vor den Mund und schimpfte über die zu einfache Piste. Zwei Tage später zeigte die 26-Jährige mit der Silbermedaille eindrücklich, dass sie auch auf einfacheren Pisten bestens zurechtkommt.
Zum vierten Mal in Folge sichert sich Swiss-Ski den Spitzenplatz in der Nationenwertung. Odermatt, Rast und Co. konnten Österreich schlussendlich um 706 Punkte hinter sich lassen. Die Gesamtpunktzahl und der Vorsprung waren auch schon grösser, das interessiert am Ende allerdings niemanden mehr.
Der Genfer hat sich bereits seit längerer Zeit in der Weltspitze etabliert, wartet jedoch weiterhin auf seinen ersten Weltcup-Podestplatz. Wenn es ihn im Team benötigt, ist er aber da. Dies zeigte er bereits im Vorjahr bei der WM und nun noch besser bei Olympia. Sein Traumlauf sicherte ihm im Duo mit Franjo von Allmen die Goldmedaille, die nach der Abfahrt bereits wegschien.
Lange Zeit waren Podestplätze vor allem Ländern wie der Schweiz, Österreich, Norwegen oder Frankreich vorenthalten. Die Diversität ist aber urplötzlich gestiegen und gleich 16 Nationen konnten in diesem Winter einen Podestplatz bejubeln. Jan Zabystran schockte beispielsweise mit seinem Gröden-Sieg alle mit dem tschechischen Sieg, Armand Marchant brachte Belgien mit dem zweiten Rang in Gurgl auf die Ski-Landkarte. Nicht mehr ganz so überraschend und trotzdem schön zu sehen sind Länder wie Neuseeland oder Albanien.
Die zweite Saison nach Lindsey Vonns Comeback sollte mit den Olympischen Spielen zum grossen Highlight werden. In Form war die 41-Jährige auf alle Fälle, führte gar den Abfahrtsweltcup an. In Crans-Montana riss sie sich dann jedoch das Kreuzband, startete bei Olympia trotzdem. Nach nur wenigen Fahrsekunden endete dann aber auch diese Fahrt im Krankenhaus.
Es braucht schon vier Disziplinen, um Mikaela Shiffrin im Gesamtweltcup gefährlich werden zu können. Genau diese vier Disziplinen fährt Emma Aicher - und dies richtig gut. Einzig im Riesenslalom verpasste sie das Podest in dieser Saison knapp, meldete ihre Ambitionen für die kommenden Jahre aber ohne Zweifel an.
Die römische Ziffer X mal X mal X - Das ergibt genau 1000. So viele Punkte waren es, die Lenz Hächler im Europacup herausfahren konnte und sich somit überlegen den Gesamtsieg und den damit verbundenen Fixstartplatz sicherte. Noch vor Olympia schien der Rückstand auf Hans Grahl Madsen uneinholbar zu sein, doch dann legte der Zuger richtig los.
Natürlich, Emma Aicher darf auch bei den Youngstern nicht fehlen. Neben ihr gab es aber noch viele junge Athletinnen und Athleten, die zu überzeugen wussten, etwa die 17-jährige Anna Trocker beim Weltcupfinale oder Lara Colturi hauptsächlich zu Beginn der Saison. Auf Männerseite waren Eduard Hallberg oder Alban Elezi Cannaferina plötzlich auf dem Podest.
Eva-Maria Brem war es, die 2016 die vorerst letzte Riesenslalom-Kugel der österreichischen Frauen gewann. In dieser Saison war nun Julia Scheib eine Klasse für sich und liess die Kritiker verstummen. Mit ihrer kleinen Kugel beendete sie eine zehnjährige Durststrecke in dieser Disziplin für Ski Austria.
Alban Elezi Cannaferina Aleksander Aamodt Kilde Anna Trocker Armand Marchant Atle Lie McGrath Breezy Johnson Camille Rast Delia Durrer Dominic Hodel Eduard Hallberg Emma Aicher Federazione Italiana Sport Invernali Federica Brignone Franjo von Allmen Giovanni Franzoni Giuliano Fux Jan Zabystran Joana Hählen Julia Scheib Lara Colturi Lara Gut-Behrami Laura Pirovano Lenz Hächler Lindsey Vonn Loïc Meillard Lucas Pinheiro Braathen Marco Odermatt Mikaela Shiffrin Niels Hintermann Paula Moltzan Ski Alpin Ski Austria Swiss-Ski Tanguy Nef US Ski Team welovesnow.ch Weltcup Adelboden Weltcup Crans-Montana