Swiss-Ski wird im kommenden Winter von sieben Fixstartplätzen profitieren, verteilt auf drei Männer und vier Frauen. Wir stellen euch die im Weltcup durchaus bereits bekannten Namen doch noch etwas genauer vor.
Dem Juniorenweltmeister in der Abfahrt aus dem Jahr 2024 ist etwas Aussergewöhnliches gelungen: Livio Hiltbrand konnte seinen Sieg in der Disziplinenwertung im Europacup wiederholen. Das ist so besonders, weil in der Regel der Fokus der Disziplinensieger mit einem Fixstartplatz in der Tasche auf dem Weltcup liegt. In Val Gardena punktete Hiltbrand auf höchster Stufe mit Rang 17 ein erstes Mal, in Crans-Montana liess er als 23. erneut anschreiben. Dafür verzichtete er auf die Heimrennen in Wengen, um bei wichtigen Europacuprennen dabeizusein. Der 21-Jährige ist der nächste Berner Oberländer, der auf höchster Stufe einen Angriff wagt.
Schon in jungen Jahren versteht er es zu taktieren. Ungeachtet eines emotionalen Heimauftritts zog er den Europacup vor, wohl wissend, dass er ohne Fixstartplatz im kommenden Winter kaum Starts auf höchster Stufe erhalten hätte. Dennoch wird er auf sechs Abfahrtspisten ein zweites Mal an den Start gehen, eine wichtige Erfahrung, um im Weltcup die Top-30 anzuvisieren. Dass er ein Versprechen für die Zukunft ist, hat er an den Junioren-WMs 2023 und 2024 gezeigt, er gewann jeweils Gold und Bronze in beiden Speeddisziplinen.
In der Abfahrt der Männer profitiert das Schweizer Team erneut gleich von zwei Fixstartplätzen. Auf der anspruchsvollen Saslong debütierte Alessio Miggiano im vergangenen Dezember im Weltcup. Intern musste sich der B-Kader-Athlet jeweils für einen Start aufdrängen, diese Last entfällt im bevorstehenden Winter. Auch in Kitzbühel und in Kvitfjell erhielt er je eine Einsatzchance, schlussendlich war Rang 43 im hohen Norden sein bestes bisheriges Weltcupresultat. Im Europacup feierte er im Januar in Pass Thurn seinen Premieresieg.
Nun wird der 23-Jährige ebenfalls einen Winter im Weltcup voll angreifen können. Der Head-Athlet bringt allerdings weniger Erfahrung als sein Mitstreiter Livio Hiltbrand mit, entsprechend schwieriger wird die Aufgabe für den Zürcher. Es wird ein richtungsweisender Winter für den aufstrebenden Athleten, der für den Skirennsport einst im Alter von 13 Jahren seine zweite Leidenschaft, den Fussball, aufgab. Zu jenem Zeitpunkt spielte Miggiano im Nachwuchs des FC Zürich. Seither kämpft er um seinen Traum, die Schweiz an Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften zu vertreten und dort um Medaillen zu kämpfen.
Anders als im Vorwinter profitiert der Schweizer Skiverband bei den Männern noch von einem dritten Fixstartplatz. Für Lenz Hächler ist es ein schwacher Trost, schliesslich kämpfte er bis zum Schluss um den Gesamtsieg in der Europacupwertung. Am Ende wurde es Rang zwei hinter dem Norweger Oscar Andreas Sandvik und statt des Fixstartplatzes in allen Disziplinen wird sich Hächler vorerst auf den Riesenslalom konzentrieren müssen. 2024 sicherte er sich an der Junioren-WM im Slalom Gold, das Jahr davor war er schon mit Silber im Super-G heimgereist. Hächler punktete im vergangenen Winter in allen vier Disziplinen im Europacup, der 21-Jährige vom Skiclub Oberwil-Zug bringt ein weit gefächertes Skillset in den Weltcup mit.
Acht Podestplätze fuhr Hächler im letzten Winter im Europacup heraus. Bei den Heimrennen in Zinal gewann er an zwei aufeinanderfolgenden Tagen sogar gleich beide Riesenslaloms. Im Weltcup steht er bislang bei fünf Starts, vier im Riesenslalom und einer im Slalom. Im Riesenslalom von Kranjska Gora stand er im März vor einem Meilenstein, als 23. des ersten Durchgangs winkten ihm Punkte. Hächler schied allerdings aus und so stehen die ersten Weltcuppunkte wohl ganz oben auf der To-do-Liste für den kommenden Winter.
Anders als im vergangenen Winter wird das Schweizer Frauenteam nicht mehr von einer Europacup-Gesamtsiegerin profitieren, die wie Janine Schmitt theoretisch in allen Weltcupdisziplinen an den Start gehen dürfte. Dafür haben vier Athletinnen in einer Einzeldisziplin einen Fixstartplatz herausgefahren. Stefanie Grob gelang dies im Super-G. Mit sechs Medaillen an den Juniorenweltmeisterschaften machte die Ostschweizerin schon früh auf sich aufmerksam. Erst im Februar fuhr sie in Tarvisio zu Gold in der Abfahrt und Silber im Riesenslalom.
Weniger erfolgreich ist die aus dem Kanton Appenzell Innerrhoden stammende Grob bislang im Weltcup unterwegs, in 18 Anläufen reichte es noch nicht in die Punkte. Bislang lag der Fokus vor allem auf dem Riesenslalom, das wird sich nun etwas ändern. Mit einem Fixstartplatz im Super-G wird sie ihre Qualitäten im Speedbereich demonstrieren dürfen. Dass sie vor wenigen Wochen noch an der Junioren-WM am Start gestanden hat, unterstreicht, dass sie den Schritt auf die höchste Bühne schon ziemlich früh gewagt hat. Für Grob wird der kommende Winter wohl zu einem Balanceakt, gerne würde sie wohl in unterschiedlichen Disziplinen im Weltcup angreifen, gleichwohl geht es im Europacup darum, wichtige FIS-Punkte für die Startposition auf höchster Stufe zu sammeln.
Schon früh in ihrer Weltcupkarriere musste Vanessa Kasper lernen, mit schmerzhaften Rückschlägen umzugehen, so beispielsweise bei ihrem Sturz im Riesenslalom in Lenzerheide, als sie sich im Januar 2018 einen Unterschenkelbruch zuzog. Vor ziemlich genau einem Jahr erhielt Kasper eine emotional schmerzhafte Nachricht, die heute 28-Jährige verlor zu jenem Zeitpunkt ihren Kaderstatus bei Swiss-Ski.
Im Riesenslalom, auf den sie sich seit einigen Jahren fokussiert, profitierte sie davon, dass Swiss-Ski ausreichend Startplätze zur Verfügung stehen. So konnte Kasper auch ohne Kaderstatus im abgelaufenen Winter in sieben Weltcuprennen an den Start gehen, dreimal punktete sie. Rang 18 in Sestriere war gar ihr bestes Ergebnis überhaupt in einem Weltcup-Riesenslalom. Anfang April krönte sich Kasper noch zur Schweizermeisterin im Riesenslalom. Ihr grösster Erfolg des vergangenen Winters ist aber definitiv der zweite Rang in der Disziplinenwertung des Europacups. So wird die Bündnerin im kommenden Winter im Weltcup unbesorgt einen Anlauf nehmen, um sich doch noch in den Top-30 der Riesenslalom-Weltspitze zu etablieren.
Zwei Cousinen haben sich im Slalom je einen Fixstartplatz herausgefahren. Ohnehin so richtig durchgestartet ist Eliane Christen im vergangenen Winter. Zehn Operationen waren notwendig, um die Unterschenkelverletzungen 2018 und 2020 zu beheben. Im Winter 2024/25 sollten sich diese Mühen endlich ausbezahlt machen. In Semmering jubelte sie erstmals über Weltcuppunkte und wie, Christen wurde in ihrem dritten Weltcupeinsatz starke Zwölfte. Eine Woche später bestätigte sie dieses Resultat mit Rang 15 in Kranjksa Gora. Unter dem Strich schaffte sie als 28. in der Disziplinenwertung knapp den Sprung in die Top-30.
Im Winter, in dem für sie selbst die Weiterführung der Karriere auf dem Spiel stand, blühte Christen so richtig auf. Neben den ersten Weltcuppunkten fuhr sie in Zell am See als Erste und Zweite in den beiden Slalomrennen erstmals aufs Europacuppodest. Der Fixstartplatz im Weltcup ist ein zusätzlicher Lohn für die fortlaufende Steigerung innerhalb des Winters. Die Agrarwissenschaften-Studentin an der ETH verdiente sich durch ihre Leistungen einen ganz grossen Lohn, sie war Teil des Schweizer WM-Aufgebots. In Saalbach stand sie in der Team-Kombination und im Slalom am Start. Ein starker Winter, auf dem Christen in der Olympia-Saison nur zu gerne aufbauen wird.
Mit Aline Danioth sicherte sich eine zweite Urnerin einen Fixstartplatz im Weltcup. Ihre Verletzungshistorie würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, sechs gravierende Verletzungen zog sie sich in ihrer Karriere bereits zu. So war der Winter 2024/25 wieder einmal ein Comeback-Winter. Anders als bei ihrem letzten Comeback im Winter 2021/22 stellten sich die positiven Resultate nicht automatisch ein. Damals fuhr sie gleich in den ersten Rennen im Weltcup in die Punkte und reihte danach im Europacup drei Siege aneinander. In Windeseile fuhr sich Danioth so 2022 ins Schweizer Olympia-Aufgebot.
In dieser Saison dauerte es bis zum Rennen in Sestriere als sie mit Rang 27 die ersten Weltcuppunkte anschreiben konnte. Ausgerechnet in Sestriere, auf der Piste, auf der sie sich gleich zweimal eine Knieverletzung zugezogen hatte. Auch die Europacupsaison war ein Steigerungslauf, bis sie dann als Siegerin des letzten Slaloms sich den Fixstartplatz für den kommenden Weltcupwinter sichern konnte. Das Wichtigste war aber sicherlich, wieder einmal einen kompletten Winter verletzungsfrei auf den Ski zu stehen. Damit hat sich die 27-Jährige eine gute Basis geschaffen, um im Doppelpack mit ihrer Cousine im kommenden Winter im Weltcup voll anzugreifen.
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