Ganz haben wir es noch nicht realisiert, doch nun ist es definitiv. Wir müssen uns damit abfinden, dass in den nächsten 211 Tagen keine Weltcuprennen im Fernseher zu sehen sind. Es gibt uns aber auch noch einmal Zeit, die Skisaison von A-Z aufzurollen.
Es gibt Länder, die hätte man vor wenigen Jahren niemals auf einem Weltcuppodest erwartet. Darunter ist auch Albanien, das nun aber endlich eine Topfahrerin hat. Erst 18-jährig ist die gebürtige Italienerin Lara Colturi, die mit Privatteam für Albanien startet. Nur acht Tage nach ihrem 18. Geburtstag beschenkte sie sich in Gurgl mit ihrem ersten Podestplatz und liess zwei weitere folgen.
Gross angepriesen wurde es, das Comeback von Marcel Hirscher. Über fünf Jahre nach seinem Rücktritt kam wollte es der achtfache Gesamtweltcupsieger noch einmal wissen und startete in Sölden unter niederländischer Flagge mit einem 23. Rang solide. Nach zwei Nullern in den darauffolgenden Slaloms riss sich Hirscher dann im Training das Kreuzband, wodurch das Comeback auch schnell wieder zu Ende war. Allgemein war die Saison erneut von Verletzungen geprägt, auch Gino Caviezel erlitt eine schwere Knieverletzung.
Wir kommen gleich zum nächsten Comebacker, der allerdings nicht ganz so lange weg war. Lucas Braathen, neu als Lucas Pinheiro Braathen am Start, startete nicht nur für Brasilien, er lebte das brasilianische Leben auch vor. Caipirinha für die Journalisten, Samba nach seinen Rennen. Im Gegensatz zu Marcel Hirscher hatte er auch richtig Erfolg und fuhr fünfmal aufs Podest. Auf einen Sieg wartet ganz Brasilien allerdings weiterhin.
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Als Einstimmung zur WM 2027 fanden dieses Jahr nicht nur zwei Rennen in der Schweiz statt, sondern mit Crans-Montana auch gleich ein drittes. Die Kritik an der Piste war gross, diese sei nämlich zu einfach und nicht Weltcup-tauglich. Aus Schweizer Sicht völlig egal, wie einfach es sein soll, denn auf einen Dreifachsieg durch Franjo von Allmen, Marco Odermatt und Franjo von Allmen in der Abfahrt, liessen Odermatt und Monney im Super-G einen Doppelsieg folgen.
Jahre lang hat sie gekämpft, hat immer wieder tolle Resultate herausfahren können. Nachdem sie in dieser Saison noch 13 Punkte geholt hat, trat sie in Åre zurück. Mit ihr verliert Swiss-Ski nicht nur eine gute Slalomfahrerin, sondern vor allem einen tollen Menschen, der allseits beliebt war. Dies zeigte sich auch nach ihrem letzten Rennen, als Athletinnen aus aller Welt zu ihrer Karriere gratulierten.
Letztes Jahr spuckte die Italienerin noch böse Töne in Richtung Mikaela Shiffrin, die scheinbar zu wenig um den Gesamtweltcup gekämpft haben soll. Dieses Jahr übernahm sie dies gleich selbst und luchste Lara Gut-Behrami die grosse Kugel ab. Es war die fast perfekte Saison der 34-Jährigen, die neben dem Gesamtweltcup auch gleich die Abfahrts- und die Riesenslalomkugel gewinnen konnte. Und natürlich WM-Gold in eindrücklichster Manier.
Schon lange zeichnete es sich ab, nach den Rennen in Hafjell war es dann auch offiziell bestätigt. Zum vierten Mal in Folge holte sich Marco Odermatt die grosse Kugel für den besten Fahrer der Welt. Zudem wiederholte er, was er bereits letzte Saison geschafft hatte und konnte sich gleich drei kleine Kugeln holen. Die Super-G-Kugel gar mit einem Vorsprung von über 200 Punkten auf Teamkollege Stefan Rogentin.
Alles war angerichtet für Mikaela Shiffrin, in Killington ihren hundertsten Weltcupsieg zu feiern. Was zu einer grossen Party hätte werden sollen, endete allerdings im Drama. Shiffrin stürzte, verletzte sich und musste anschliessend fast zwei Monate lang pausieren. WM-Gold holte sie sich in der Team-Kombi trotzdem und in Sestriere dann doch noch ihren 100. Weltcupsieg. Beim Saisonfinale in Sun Valley gab es dann gar noch Sieg Nummer 101 und eine Versöhnung mit Heimrennen.
Lucas Pinheiro Braathen für Brasilien, Lara Colturi für Albanien. Die beiden Superstars sind aber bei weitem nicht die einzigen Fahrer aus eher ungewöhnlichen Ländern, die zu brillieren wussten. Gleich zwölf Nationen sind in den Top-30 der Slalomwertung bei den Männern vertreten, darunter Länder wie Belgien, Bulgarien oder Grossbritannien. Bei den Frauen sind neun Länder vertreten, Schweden hat mit vier Fahrerinnen am meisten in den Top-30.
19 Jahre lang dauerte die Durststrecke der kroatischen Frauen an. Doch nach Janica Kostelic hat Kroatien nun eine weitere Kugelgewinnerin. Zrinka Ljutic dominierte zeitweise die Slalomsaison, einzig Camille Rast konnte ihr lange das Wasser reichen. Zum Schluss der Saison musste die 21-Jährige aber noch einmal zittern, denn plötzlich kam auch Katharina Liensberger noch einmal auf. Der Sieg der Kroatin ist aber hochverdient.

Das der Norweger Skifahren kann, zeigt sich Mal für Mal, der 30-Jährige sicherte sich schliesslich seine vierte Slalomkugel. Allerdings ist er bei den wenigsten Fans beliebt, da er eben auch immer wieder mit Wutreden auf sich aufmerksam macht. Unter anderem mit Daniel Yule scheint er sich in dieser Saison gestritten zu haben.
80'000 Menschen pilgerten dieses Jahr nach Wengen, um sich das Spektakel am Lauberhorn anzusehen. Der Weg mit der Wengeneralpbahn hoch hat sich zumindest für die Schweizer Fans definitiv gelohnt. Franjo von Allmen und Marco Odermatt waren die grossen Sieger in Super-G und Abfahrt, im Slalom musste Swiss-Ski aber den Norwegern den Vortritt lassen, die dank Atle Lie McGrath, Timon Haugan und Henrik Kristoffersen einen Dreifachsieg feierten.
1950 war es, als Georges Schneider die Goldmedaille im Slalom gewann. Seither holte Jacques Lüthi und Michael von Grüningen Bronze, Silvan Zurbriggen Silber, aber eben niemand mehr Gold. Dies änderte Loïc Meillard in diesem Jahr und sicherte sich vor Atle Lie McGrath und Linus Strasser die Goldmedaille. Es war allerdings nicht das einzige Slalom-Gold für Swiss-Ski.
Zum dritten Mal in Folge und zum fünften Mal in den letzten sechs Jahren gewinnt Swiss-Ski die Nationenwertung. 10'823 Punkte fuhren die Schweizer Athletinnen und Athleten ein, wobei vor allem Zweitere für diese hohe Punktzahl verantwortlich waren. 6'695 Punkte gingen dabei auf das Konto der Männer, welche logischerweise auf Männerseite die Nummer 1 waren. Die Frauen hingegen mussten knapp (128 Punkte) den Italienerinnen den Vortritt lassen.
35 Rennen lang mussten die österreichischen Männer warten, bis sie im Weltcup endlich ihre Nationalhymne gehört haben. Zuvor haben es tatsächlich weder Vincent Kriechmayr noch Manuel Feller geschafft, ein Rennen zu gewinnen. Immerhin konnte Raphael Haaser mit seinem WM-Gold die österreichische Skiseele beruhigen. Lukas Feurstein erlöste die Skination Nr.2 dann auch im Weltcup, in Sun Valley gab es gar einen Doppelsieg.
Allgemein gab es in dieser Saison eine Menge Premierensiege, neun bei den Männern und fünf bei den Frauen, aus Schweizer Sicht gab es allerdings gleich mehrere, die Freude bereiteten. Camille Rast, Justin Murisier, Thomas Tumler, Alexis Monney und Franjo von Allmen - sie alle durften ein erstes Mal von ganz oben jubeln. Bei Alexis Monney war es gar das erste Weltcuppodest überhaupt.
Viel wurde über die Regel diskutiert, dass pro Land nur vier Fahrer in einer Disziplin starten dürfen an einer WM. Da Marco Odermatt der Titelverteidiger war, gab es noch einen zusätzlichen Startplatz. Immer noch zu wenig für das starke Schweizer Abfahrtsteam. So musste das Training nach dem Super-G entscheiden, was Stefan Rogentin ziemlich auf die Palme brachte. Er setzte sich schlussendlich trotzdem gegen Lars Rösti und Marco Kohler durch, konnte im Rennen aber nicht reüssieren. Seinen später in Kvitfjell herausgefahrenen Podestplatz hätte es wohl bereits vor der WM gebraucht, trotzdem dürfte er mehr als zufrieden sein mit seiner Saison.
Dreimal Vierte, zweimal Fünfte ist Camille Rast vor dem Slalom von Gurgl geworden. Wo andere wohl längst die Hoffnung verloren hätten, kämpfte Rast weiter und holte dann innert neun Tagen in beiden Disziplinen Podestplätze und konnte in Killington den Slalom gar gewinnen. Ihre sackstarke Saison krönte sie in Saalbach-Hinterglemm mit der Goldmedaille im Slalom, vor Landsfrau Wendy Holdener.
Vor der Saison hätte wohl niemand gedacht, dass der Schweizer Skiausrüster plötzlich neben Marco Odermatt zwei weitere Siegfahrer hat. Dies änderte sich allerdings noch im Dezember durch die beiden Premierensiege von Thomas Tumler und Alexis Monney. Damit nicht genug, denn im Super-G von Crans-Montana gab es gar einen Stöckli-Doppelsieg, in Hafjell konnten Odermatt und Tumler nach langem Warten endlich wie gewünscht zusammen aufs Podest fahren.
Diese Disziplin fand an der WM in Saalbach-Hinterglemm zum ersten Mal statt und die Gegner der Schweizer dürften sich wünschen, diese Disziplin wird nie mehr durchgeführt. Loïc Meillard und Franjo von Allmen gewannen vor dem Duo bestehend aus Tanguy Nef und Alexis Monney. Während es für von Allmen und Monney die zweite Medaille war, dürfte die Kombination Stefan Rogentin als Erlösung gedient haben. Nach enttäuschenden Resultaten in den Speed-Bewerben, holte Marc Rochat mit einem fulminanten Lauf die Kohlen aus dem Feuer und bescherte der Schweiz den Dreifachsieg. Auch bei den Frauen gab es viel zu jubeln. Wendy Holdener und Lara Gut-Behrami sicherten sich hinter den Amerikanerinnen die Silbermedaille.

Viele junge Fahrerinnen und Fahrer schafften in dieser Saison den Durchbruch. Einer, der ebenfalls den endgültigen Durchbruch geschafft hat, allerdings erst im Alter von 35 Jahren, ist Thomas Tumler. Allgemein zeigten die älteren Fahrerinnen und Fahrer um Federica Brignone, Lara Gut-Behrami und Dominik Paris, dass das Alter nur eine Zahl ist. Und da gab es ja noch eine Comebackerin, doch zu ihr kommen wir später.
Cyprien Sarrazins schwerer Sturz überschattete die Rennen in Bormio. Zwar ist der Franzose nach einem Subduralhämatom auf dem Weg zur Besserung, in den Weltcup konnte er aber logischerweise nicht mehr einsteigen. So schien der Weg frei für Marco Odermatt, sich ohne grosse Gegenwehr die Abfahrtskugel zu sichern. Allerdings musste er bis zum letzten Rennwochenende warten, bis er endlich jubeln durfte. Dies lag hauptsächlich an Franjo von Allmen, der plötzlich begann, Abfahrten zu gewinnen. Den wichtigsten Sieg feierte der Mann aus Boltigen allerdings in der WM-Abfahrt.
Die Ski-WM in Saalbach-Hinterglemm war ein Skifest - Hut ab vor den Österreichern für die Organisation. Was den Organisatoren in punkto Stimmung natürlich in die Karten spielte, ist, dass der bayrische Sänger Oimara nur kurze Zeit vor der WM den Song Wackelkontakt veröffentlichte. Der Hit lief hoch und runter, unvergessen bleibt, wie Alexis Monney beim Interview nach Team-Kombi-Silber beim SRF mitgesungen hat.
Zehn Siege im Weltcup würden sehr viele Athleten bereits mit Handkuss nehmen und von einer mehr als erfolgreichen Karriere sprechen. Lara Gut-Behrami hat diese zehn Siege aber nicht nur in einer Disziplin erreicht, auch nicht in zwei, sondern als erste Frau überhaupt gleich in drei Disziplinen. Nach dem überragenden Sieg im Super-G hätte sich die Tessinerin im Riesenslalom wohl kein schöneres Saisonende vorstellen können, als mit dieser Marke und gleichzeitig dem 100. Podestplatz der Karriere abzuschliessen.
Über Lara Colturi, Zrinka Ljutic und Franjo von Allmen haben wir weiter oben bereits gesprochen, doch es gab vor allem auf Frauenseite auch weitere Athleten mit Jahrgang 2000. Da ist auf der einen Seite Malorie Blanc, die in ihrem erst zweiten Weltcuprennen in St. Anton bereits auf den sensationellen zweiten Platz fahren konnte. Auf der anderen Seite ist da die deutsche Emma Aicher, die 35 von 37 möglichen Rennen bestritt und mit nahendem Saisonende gar noch zwei Rennen gewinnen konnte.
So viele Tage liegen zwischen ihrem Podestplatz an der WM in Åre und dem zweiten Rang im Super-G beim Weltcupfinale. Gar 2565 Tage lag übrigens ihr letzter Podestplatz im Weltcup, ebenfalls in Åre, zurück. Die Rede ist natürlich von Lindsey Vonn, die im Dezember sensationell ihr Comeback gab. Sie konnte aber nicht etwa auf den einfachen Pisten brillieren, sondern holte ihren ersten Podestplatz auf der wohl schwierigsten Super-G-Strecke der Saison. Zuvor verpasste sie das Podest bereits in St. Anton, ebenfalls keine einfache Piste, als Vierte nur knapp.
Gesamtweltcupsieger, historische Marken, WM-Gold - dies alles braucht dieser Mann nicht, um von dem grössten aller Siege zu sprechen. Niels Hintermann konnte nach der Schockdiagnose Lymphdrüsenkrebs im Oktober kurz vor den Rennen in Crans-Montana bekanntgeben, dass er offiziell krebsfrei ist und damit den wichtigsten Kampf seines Lebens gewonnen hat.
Alexis Monney Camille Rast Deutscher Skiverband Dominic Hodel Dominik Paris Elena Stoffel Emma Aicher Federazione Italiana Sport Invernali Federica Brignone Franjo von Allmen Gino Caviezel Henrik Kristoffersen Janica Kostelic Lara Colturi Lara Gut-Behrami Lindsey Vonn Loïc Meillard Lucas Pinheiro Braathen Lukas Feurstein Malorie Blanc Marc Rochat Marcel Hirscher Marco Odermatt Mikaela Shiffrin Niels Hintermann Norges Skiforbund Raphael Haaser Ski Alpin Ski Austria Ski-WM Crans Montana 2027 Stefan Rogentin Svenska Skidförbundet Swiss-Ski Tanguy Nef Thomas Tumler US Ski Team welovesnow.ch Weltcup Wengen Wendy Holdener Zrinka Ljutic