Der Super-G von Kvitfjell am 09. März 2025 ist ein ganz besonderes Rennen. Es war das einzige Speedrennen der Männer in diesem Winter, ohne einen Schweizer auf dem Podest. Die Schweizer Speedtruppe unter der Leitung von Reto Nydegger lieferte einen sensationellen Winter. Wir versuchen, möglichst detailliert Bilanz zu ziehen.
27 von 48 Podestplätzen im Weltcup gingen in den Speeddisziplinen an das Swiss-Ski-Team. In der Abfahrt waren es gar 17 von 24 Podestplatzierungen. Der beschriebene Super-G von Kvitfjell war das einzige Rennen ohne einen Schweizer auf dem Podest, dafür folgte das Schweizer Kreuz im Klassement auf den Rängen vier, sechs und sieben. Auch an der WM räumten die Schweizer ab: Franjo von Allmen ist neuer Abfahrtsweltmeister, für Alexis Monney hat es im selben Rennen Bronze gegeben. Marco Odermatt krönte sich im Super-G zum Weltmeister. Und natürlich hatte das Speedteam auch einen Anteil am Schweizer Dreifachsieg in der neuen Team-Kombination. Im Weltcup feierten die Schweizer Speedherren gleich fünf Doppelsiege und zweimal gar einen Dreifachsieg.
Fünf Schweizer teilten die 27 Podestplätze unter sich auf. Natürlich ist zuerst Marco Odermatt zu erwähnen, der wie schon im Vorwinter beide kleine Kristallkugel gewonnen hat. Zehn Podestplätze in 16 Speedrennen im Weltcup ist aufs neue eine beeindruckende Konstanz. Mit dem Weltmeistertitel im Super-G hat der Nidwaldner eine weitere Lücke in seinem Palmarès geschlossen. Franjo von Allmen schaffte in seiner erst zweiten kompletten Weltcupsaison in beiden Disziplinen den Aufstieg zu einem Fahrer der Top-Startgruppe. Sowohl in der Abfahrt als auch im Super-G fuhr er seine bisherigen drei Weltcupsiege ein. Die Weltmeistertitel in der Abfahrt und der Team-Kombination sind wohl nur die Lancierung einer grossartigen Karriere. Die Erfahrung im Speedbereich wird immer wieder hoch eingeschätzt, der 23-Jährige von Allmen ist der Gegenbeweis.
Als Dritter sorgte Alexis Monney hinter Odermatt und von Allmen für ein reines Schweizer Podest in der Abfahrtswertung. In beiden Speeddisziplinen fuhr er aufs Podest, gehört nun auch im Super-G zu den Top Ten, in den Winter startete er noch als Nummer 42 der Weltcupstartliste. Gekrönt hat er seine Saison natürlich mit Bronze in der WM-Abfahrt und Silber in der Team-Kombination. Ein weiterer Schritt nach oben ist auch Stefan Rogentin gelungen. Im Super-G schloss er als Dritter der Disziplinenwertung ab, in der Abfahrt gehört er derweil als Neunter der WCSL auch zur ersten Startgruppe. Die beiden dritten Plätze in Kvitfjell waren seine ersten Fahrten aufs Abfahrtspodest. Für Rogentin gab es in der Team-Kombination Bronze.
Dann wäre da noch der erste Schweizer Abfahrtssieger der Saison. In Beaver Creek stand Justin Murisier erstmals zuoberst auf dem Podest. Danach folgten noch vier weitere Klassierungen in den Top Ten. Der 33-Jährige hatte mit Knieproblemen zu kämpfen. Dennoch schaffte er in der Abfahrt den Schritt in die Top-Startgruppe, im Super-G hält er sich derweil in der zweiten Gruppe.
Acht Quotenstartplätze stehen im Schweizer Team in der Abfahrt und im Super-G zur Verfügung. Umso wichtiger war es, dass mit Livio Hiltbrand und Lars Rösti zwei Schweizer mit Fixstartplätze in der Abfahrt an den Start gehen konnte. Der 27-jährige Rösti sollte dadurch endlich den Durchbruch schaffen. Die beiden achten Ränge im Super-G von Val Gardena und in der Abfahrt von Wengen sind seine neuen Bestresultate aus dem Weltcup. In der Abfahrt klopft er als 21. der Weltcupstartlistenwertung gar an die zweite Startgruppe an. Im Super-G fehlt als 35. derweil nicht mehr viel, um den Schritt in die Top-30 zu schaffen. Rösti hat sich in diesem Winter als fester Bestandteil des Schweizer Speedteams etabliert.
Der Abfahrtsjuniorenweltmeister von 2024 hingegen punktete erstmals bei seinem dritten Weltcupstart, in der Abfahrt auf der Saslong wurde er 17. In Crans-Montana liess Livio Hiltbrand als 23. abermals anschreiben. Gleichzeitig gelang ihm das Kunststück, den Sieg in der Europacup-Disziplinenwertung in der Abfahrt zu wiederholen. Dadurch wird Hiltbrand auch im kommenden Winter mit einem Fixstartplatz zu den Abfahrten antreten können.
In der Abfahrt gehört noch ein weiterer Schweizer zu den Top-30. Marco Kohler ist der Comebackwinter geglückt, vor allem Rang neun in der Abfahrt in Bormio war ein dickes Ausrufezeichen. Erstmals überhaupt ist es dem Jahrgangskollegen von Marco Odermatt gelungen, einen Winter in den Top-30 einer Disziplinenwertung abzuschliessen. Damit muss Kohler zu Beginn des nächsten Winters nicht um seinen Abfahrtsstartplatz kämpfen. Rückläufig war die Entwicklung von Loïc Meillard in seiner dritten Disziplin, dem Super-G. Noch im Vorjahr hatte er zu den Top Ten gehört, reichte es ihm in diesem Winter nur auf den 35. Rang der Weltcupstartlistenwertung. Der Spagat vom Speedbereich bis in den Slalom scheint auch immer grösser zu werden.
Mit Alessio Miggiano und Gael Zulauf debütierten zwei Schweizer Abfahrer im Weltcup in diesem Winter. Bei drei Starts war Miggianos bestes Ergebnis der 43. Rang in Kvitfjell. Seinen Namen muss man sich dennoch merken, im kommenden Winter wird der 22-Jährige in der Abfahrt mit einem Fixstartplatz an den Weltcuprennen teilnehmen. Zulauf, der sein bestes Ergebnis als 37. ebenfalls in Kvitfjell einfuhr, verpasste einen Fixstartplatz in der Abfahrt nur um einen Punkt. Er war der Leidtragende der Absage der letzten Europacup-Abfahrt des Winters. Schon 2023/24 ging Christophe Torrent in Kitzbühel erstmals im Weltcup an den Start. Diesen Winter erhielt er drei Startmöglichkeiten, in Crans-Montana fehlte nur eine Zehntelsekunde zum ersten Punktgewinn im Weltcup.
Das Schweizer Speedteam hat in diesem Winter absolut brilliert und das, obschon der zweitbeste Schweizer Abfahrer des Winter 2023/24 komplett ausgefallen ist. Der grösste Erfolg geht aber auf sein Konto, Niels Hintermann hat den Krebs besiegt. Im kommenden Winter wird er dann womöglich in den Weltcup zurückkehren, schon vorgängig hat er die Erwartungen gedrosselt. Eine erneute Fahrt in die Top-30 bezeichnete Hintermann kürzlich als grösste Leistung seiner Karriere.
Zurückgefallen sind in der Disziplinenwertung aufgrund von Verletzungen auch Gino Caviezel, Josua Mettler und Arnaud Boisset. Caviezel startete vielversprechend mit dem siebten Rang im Super-G von Beaver Creek. Doch schon im Dezember kam der verhängnisvolle Sturz in der Abfahrt von Bormio. An beiden Knien verletzte sich Josua Mettler bei seinem Sturz auf der Stelvio. Der 26-Jährige wird sich nach dem langen Weg zurück via dem Europacup wieder für die höchste Stufe aufdrängen müssen. Dem Europacup-Gesamtsieger aus dem Winter 2022/23 ist der Durchbruch auf höchster Stufe nicht gelungen. Gleich mehrmals gestürzt ist Arnaud Boisset. Beim Saisonfinale 2023/24 fuhr er erstmals aufs Weltcuppodest, doch diesen Schwung konnte er nicht mitnehmen. Eine Gehirnerschütterung bremste den 26-Jährigen stark aus. Im nächsten Winter muss er dann wohl gar um eine Startchance kämpfen.
Im Vergleich zur Vorsaison fehlte natürlich auch noch der zurückgetretene Gilles Roulin in den Disziplinenwertungen.
Nachfolgend eine Übersicht über die Entwicklung der Schweizer Speedfahrer. Speziell in der Abfahrt dürften die Startplätze knapp werden. Neben den sieben Fahrern in den Top-30 und den beiden Fixstartplätzen für Hiltbrand und Miggiano bleibt nur noch ein offener Startplatz. Mehr Spielraum besitzen die Schweizer Trainer im Super-G. Dort werden nur fünf der acht Startplätze durch die Athleten in den Top-30 belegt.
| Name | WCSL - Abfahrt | WCSL - Super-G | ||||
| 2023/24 | 2024/25 | 2023/24 | 2024/25 | |||
| Marco Odermatt | 1 | ➡️ | 1 | 1 | ➡️ | 1 |
| Franjo von Allmen | 17 | ⬆️ | 2 | 14 | ⬆️ | 4 |
| Alexis Monney | 20 | ⬆️ | 3 | 42 | ⬆️ | 10 |
| Justin Murisier | 14 | ↗️ | 6 | 17 | ↘️ | 19 |
| Stefan Rogentin | 16 | ↗️ | 9 | 4 | ↗️ | 3 |
| Lars Rösti | 52 | ⬆️ | 21 | 58 | ⬆️ | 35 |
| Marco Kohler | 32 | ↗️ | 26 | 37 | ⬇️ | 52 |
| Livio Hiltbrand | -- | 🆕 | 42 | |||
| Josua Mettler | 37 | ⬇️ | 54 | |||
| Gino Caviezel | 22 | ⬇️ | 34 | |||
| Loïc Meillard | 8 | ⬇️ | 35 | |||
| Arnaud Boisset | 33 | ❌ | -- | 11 | ⬇️ | 57 |
| Niels Hintermann | 6 | ❌ | -- | 32 | ❌ | -- |
| Gilles Roulin | 54 | ❌ | -- | 42 | ❌ | -- |
Alessio Miggiano Alexis Monney Arnaud Boisset Christophe Torrent Franjo von Allmen Gael Zulauf Gino Caviezel Herren Abfahrt Herren Super-G Josua Mettler Justin Murisier Lars Rösti Livio Hiltbrand Loïc Meillard Marco Kohler Marco Odermatt Niels Hintermann Raphael Dort Ski Ski Alpin Stefan Rogentin Swiss-Ski welovesnow.ch