Acht Rennen noch, dann ist die Ski-Weltcup-Saison 2024/25 auch schon wieder Geschichte. In allen vier Disziplinen kämpfen die besten 25 Männer und Frauen ein letztes Mal um Punkte, Podestplätze und Siege. Für einige könnte das nächste Rennen allerdings gar noch mehr bedeuten.
Zwei der acht Entscheidungen sind schon gefallen und in beiden Fällen gibt es Grund zur Schweizer Freude. Marco Odermatt konnte sich sowohl die Super-G- als auch die Riesenslalomkugel schon schnappen und kämpft jetzt noch in einer letzten Disziplin um den grossen Erfolg. Wir werfen einen Blick auf die Entscheidungen bei den Männern und lassen auch die Meinungen unserer Snow-Lodge-Experten Nadja Jnglin-Kamer und Silvan Zurbriggen einfliessen.
Kämpfen ist allerdings etwas übertrieben ausgedrückt, denn für seine dritte Kugel braucht der Nidwaldner "nur" 18 Punkte, gleichbedeutend mit einem 14. Rang, was aufgrund seiner Form eigentlich nicht in Frage gestellt werden kann. Aber Achtung: Lara Gut-Behrami war in der vergangenen Saison in einer ähnlichen Lage und schaffte es beim Weltcupfinale dann tatsächlich nicht, in die Punkte zu fahren, welche nur an die besten 15 Fahrerinnen oder Fahrer vergeben werden.
Da dem 27-Jährigen mittlerweile aber praktisch alle Pisten liegen, sehen wir hier eine kleinere Wahrscheinlichkeit, dass es noch zur grossen Wende kommt. Aus Schweizer Sicht und ohne Odi-Fanbrille, wäre aber auch die Wende mehr als zu verkraften, denn der einzige, der die kleine Sensation schaffen könnte, ist Franjo von Allmen.

Der Mann aus Boltigen liegt zurzeit 83 Punkte hinter Odermatt, braucht also einen Sieg im letzten Rennen. Zu Punktgleichheit wird es bei diesen beiden nicht kommen, denn mit einem 15. Rang hätte Odermatt einen Punkt weniger als "FvA", bei einem 14. Rang einen Punkt mehr.
Spannender werden dürfte die Entscheidung in der Abfahrt, ob es gar ein reines Schweizer Disziplinenpodest geben wird. Alexis Monney hat zurzeit sieben Punkte Vorsprung auf den überraschenden Slowenen Miha Hrobat, gar 57 Punkte und mehr auf die restliche Konkurrenz. Diese liegt dann allerdings nahe zusammen, sodass gar Stefan Rogentin auf Rang 8 der Wertung mit einem Sieg noch auf den dritten Rang kommen könnte.
Ganz egal wie das Rennen am Samstag ausgehen wird, "wir können das Rennen eh nur geniessen", meint Nadja Jnglin-Kamer, es gäbe aus Schweizer Sicht ohnehin keine Enttäuschungen.
Franjo von Allmen kommt Marco Odermatt immer näher, doch von einer möglichen Wachablösung will Silvan Zurbriggen noch nicht sprechen. Schliesslich sei auch Odermatt nicht der Dominator gewesen in den letzten zwei Jahren, sondern habe mit Aleksander Aamodt Kilde und Cyprien Sarrazin zwei starke Konkurrenten gehabt, die ihm vor den Verletzungen das Wasser reichen konnten.
Das Schweizer Abfahrtsteam kann zurzeit nur gelobt werden und so lassen auch die Experten kein schlechtes Haar an den Swiss-Ski-Abfahrern. Tatsächlich hat Zurbriggen das Gefühl, dass bei Stefan Rogentin die Möglichkeiten gar noch grösser sein könnten: "Ich schätze ihn noch stärker ein für die nächsten Jahre."
Gerade weil die Schweizer zurzeit derart brillieren, dürften die Fixplätze von Livio Hiltbrand und Alessio Miggiano nächste Saison besonders wichtig werden, schliesslich kommt auch Niels Hintermann, der zuvor nominell zweitbester Abfahrer war, nach seinem Sieg über die Krebserkrankung zurück.
Bereits durch ist die Sache im Super-G. 210 Punkte hat Marco Odermatt auf seinen ersten Verfolger Vincent Kriechmayr Vorsprung, die Saison könnte also gar noch zwei Super-Gs beinhalten und auch bei zwei Nullern und zwei Siegen des Österreichers, wäre der Nidwaldner noch immer vorne.
Während es in der Abfahrt bis für Platz acht noch ein Podestplatz geben könnte, ist es im Super-G gar noch eine Position mehr. Aus Schweizer Sicht erfreulich: von acht möglichen Fahrern, die die Plätze 2 und 3 besetzen könnten, fahren drei Fahrer im Levada-Rennanzug von Swiss-Ski.
Es könnte also auch hier zu einem reinen Schweizer Podest kommen. Stefan Rogentin hat die grössten Hoffnungen, denn er liegt zurzeit auf dem dritten Rang 17, beziehungsweise 31 Punkte dahinter liegen Franjo von Allmen und Alexis Monney auf den Rängen sechs und sieben. Etwas gegen ein Schweizer Podest haben dürften noch vier Fahrer, da Mattia Casse mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht mehr starten wird.
Die Vielfältigkeit dieser vier Athleten zeigt, dass niemand auch nur annähernd ein Team wie Swiss-Ski stellt. Vincent Kriechmayr versucht den Österreichern ein Podestplatz zu bescheren, Dominik Paris zeigte zuletzt im italienischen Renndress wieder sehr gute Leistungen, Fredrik Moeller hält trotz Kilde-Absenz die norwegische Fahne hoch und mit James Crawford hat auch noch ein "Crazy Canuck" minimale Chancen auf die kristallene Medaille.
Im Super-G enteilt Marco Odermatt seiner Konkurrenz noch klarer, was auch sein Vorsprung an der Weltmeisterschaft gezeigt hat. In den Top Ten findet sich ein Schweizer weniger als in der Königsdisziplin. Ausgerechnet Justin Murisier ist es, der in dieser Disziplin nicht ganz mithalten kann, obwohl er eigentlich aus den technischen Disziplinen kommt und ihm der Super-G liegen sollte.
Silvan Zurbriggen hat dafür eine Erklärung: "Man muss sehen, dass er ganz grosse Probleme mit den Knien hat. Ich habe das in Crans-Montana auch gesehen. Das eine Bein ist normal und das andere Bein ist vielleicht halb so gross." Murisier habe durch die Verletzungen Einbussen im Krafttraining machen müssen und sei dann mit Vorsicht und ohne Krafttraining in die Abfahrtstrainings. Man habe dann auch gesehen, dass die Linkskurven für ihn speziell schwierig waren. "Für das ist die Leistung, die er bringt, eigentlich herausragend."
Henrik Kristoffersen gratulierte Marco Odermatt letzten Samstag bereits bevor dieser überhaupt im Ziel war und sich die nächsten 80 Punkte sicherte. Er sollte mit seiner Vorahnung recht behalten, denn nach dem zweiten Rang im Sandwich zwischen Loïc Meillard und Thomas Tumler stand der Sieg Odermatts in der Riesenslalomwertung fest.
Ein Schweizer Podest ist hier nicht möglich, allerdings gibt es noch immer zwei Schweizer, die eine Chance auf eine Podestplatzierung haben. Zurzeit liegt Loïc Meillard auf Rang 4, mit 60 Punkten Rückstand auf den zweitplatzierten Henrik Kristoffersen. Gewinnt Meillard und der Norweger wird höchstens Sechster, so gewinnt der Westschweizer die Bronzemedaille, da er einen Sieg mehr eingefahren hätte.
Dazwischen ist allerdings auch noch Alexander Steen Olsen zwölf Punkte vor Meillard, hat bisher einen Sieg mehr als der Mann, der für den Skiclub Heremencia startet. Den zweiten Platz machen also drei Herren untereinander aus, einen Podestplatz können allerdings noch zwei weitere Fahrer erreichen.
Nach dem Podestplatz von letztem Wochenende wird sicherlich Thomas Tumler, momentan auf Platz sechs, diesen Podestplatz ins Visier nehmen. Sein Rückstand auf Steen Olsen ist allerdings bereits bei 68 Punkten. 13 Punkte weniger Rückstand, also 55 Zähler, hat zurzeit der Neo-Brasilianer Lucas Pinheiro Braathen.
Trotz zwei Ausfällen zu Beginn der Saison hat sich der Nidwaldner diese Kugel also erneut holen können. Eine unglaubliche Leistung, ein Selbstläufer sei dies allerdings nicht, meint Jnglin-Kamer. Man habe im vergangenen Jahr einen Wandel gesehen, Odermatt müsse mittlerweile früher beginnen, zu riskieren.
Zudem habe er auch etwas von den Rückenproblemen von Loïc Meillard profitiert, der seit der Auskurierung dieser auch sehr konstant ist und davon, dass Raphael Haaser erst kurz vor der WM seine beste Form gefunden hat, meint Zurbriggen. Ein weiterer Fahrer, der bald vorne mitfahren könnte, ist seiner Meinung nach Thomas Tumler.
Henrik Kristoffersen seinerseits habe das ein oder andere Mal mit Materialproblemen zu kämpfen gehabt, hätte wohl mit Rossignol in einigen Dingen gewisse Vorteile. Bei gewissen Verhältnissen habe Van Deer noch gewisse Defizite, die sich im Riesenslalom mehr bemerkbar machen als im Slalom, wo er und Timon Haugan regelmässig zeigen, dass dieser Ski durchaus schnell sein kann.
Nicht Marco Odermatt, sondern Loïc Meillard heisst hier der grosse Schweizer Trumpf. Zurzeit allerdings ist es bei den Männern die einzige Disziplin, in welcher kein Schweizer in Führung liegt, stattdessen ziert Henrik Kristoffersen die Position des Leaders. Im Moment noch relativ klar.
Auf dem Leaderthron sitzt der Norweger dank zwei Siegen, doch vor allem dank seiner starken Konstanz in dieser Saison. Ginge es nämlich nach Siegen, so wäre der Triumphator in dieser Saison ganz klar Clément Noël, der gleich viermal als Sieger hervorging. Allerdings zeigte sich erneut, dass es beim Franzosen fast nur Top oder Flop gibt.

Allgemein waren die Siege in dieser Saison klar verteilt, denn tatsächlich war Loïc Meillard im elften Slalom der Saison in Hafjell, abgesehen vom WM-Slalom, erst der zweite Fahrer, der nicht den norwegischen Pass hat oder Clément Noël heisst, der einen Slalom gewinnen konnte.
Dementsprechend zeigt sich auch das Klassement der Slalom-Wertung, denn unter den ersten fünf Athleten sind drei Norweger, Clément Noël und Loïc Meillard. Chancen auf den Sieg haben aber nur noch drei, wobei jene des Franzosen sehr klein sind. Er müsste das Rennen gewinnen und auf einen Ausfall von Kristoffersen, sowie maximal einen dritten Rang des Westschweizers hoffen.
Für Meillard gibt es hingegen gleich mehrere Szenarien, wie er sich die Kugel noch schnappen könnte. Diese haben wir euch einmal aufgelistet:
Ist Meillard schlechter als Fünfter und Clément Noël gewinnt nicht, so ist der Kugelkampf automatisch zu Gunsten von Kristoffersen entschieden.
Den Podestplatz auf sicher hat bisher allerdings auch Meillard noch nicht, denn wie gesagt gibt es da noch einige Norweger. Timon Haugan liegt zurzeit 56 Punkte hinter dem gebürtigen Neuenburger, Atle Lie McGrath deren 91 Punkte.
Nadja Jnglin-Kamer lobt den Schwung von Loïc Meillard, der mittlerweile zwar noch immer sauber und schön, allerdings nicht "zu sauber" ist. Mit Blick auf letzte Saison, als Meillard im Frühling und bis zu den letzten Rennen liefern konnte, ist sie optimistisch: "Ich glaube schon, dass er jetzt da so im Hoch ist, dass er vor allem im Slalom noch einmal zwei perfekte Läufe runterzieht."
Silvan Zurbriggen, der einst den Schwung von Loïc Meillard als "nicht der schnellste" bezeichnete, relativiert seine Aussage. Zwar mache es ihm die Konkurrenz zurzeit etwas einfacher, Meillard habe aber nun viel den schnelleren Schwung, da er weniger breit fährt. Mit dem jetztigen Selbstvertrauen traut er Meillard auch in der nächsten Saison vieles zu, auch weil er mittlerweile bei allen Schneeverhältnissen schnell sein kann.
Wie die Ausgangslage für die Rennen der Frauen aussieht, könnt ihr hier lesen.
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