32 schwedische Spieler laufen derzeit in der National League auf, nur die wenigsten profitieren von einer Schweizer Lizenz. Umgekehrt sind es nur gerade deren zwei Schweizer, die in der SHL, der höchsten schwedischen Liga, ihr Glück versuchen. Es sind aber zwei hervorragende Geschichten, die sich aktuell gerade entwickeln.
Schweden hatte es Dominik Egli schon immer irgendwie angetan. Schon zu Zeiten als Spieler der SC Rapperswil-Jona Lakers liebäugelte er mit der SHL, am Ende landete Egli in Davos. Er hätte sich kaum eine Ausstiegsklausel für die SHL in den Vertrag schreiben lassen, wenn er nicht jederzeit die Möglichkeit hätte haben wollen, einem Angebot aus dem hohen Norden zu folgen. Auch als er im Dezember 2023 seinen Vertrag im Landwassertal nochmals verlängerte, blieb diese Ausstiegsklausel integriert und schlussendlich wurde sie 2024 aktiviert. Der Traum Eglis sollte sich in Göteborg erfüllen. Der Verteidiger hat zum Rekordsieger der Champions Hockey League gewechselt.
Stillstand in einer gut laufenden Karriere war für den mittlerweile 26-Jährigen keine Option. Eine neue Herausforderung sollte ihn nochmals auf ein nächstes Niveau heben. Finanziell wäre ein Verbleib in der National League attraktiv gewesen. Wie er in einer Dokumentation MySports im Sommer verraten hat, möchte er sich aufs Neue beweisen und dadurch sich weiter verbessern.
Beweisen tut sich Egli bei Frölunda schon früh in der Saison. Von einer Angewöhnungszeit ist eigentlich nichts zu sehen. Gleich in seinem ersten Spiel erzielte er das erste Tor für Frölunda, zuletzt schoss er sein Team gegen Färjestad in der Overtime zum Sieg. Nur Henrik Tömmernes und Captain Max Friberg erhalten bei Frölunda mehr Eiszeit. Egli stand in den ersten neun Meisterschaftsspielen durchschnittlich 19:50 Minuten auf dem Eis.
Sein Partner in der Abwehr kennt man in der Schweiz bestens, Tömmernes avancierte in der National League gleich dreimal zum besten Abwehrspieler. Gemeinsam kann man schon nach so wenigen Spielen von einem kongenialen Duo sprechen. Egli steht bei zwei Toren und drei Assists, Tömmernes glänzt neben seinem Treffer mit neun Assists. Mit 18 beziehungsweise 17 Torabschlüssen geben die beiden im Schnitt pro Spiel gemeinsam vier Abschlüsse aufs gegnerische Tor ab. Hat Egli in der offensiven Hinsicht hauchdünn das Nachsehen, führt er defensiv mit sechs Checks und acht geblockten Schüssen gegen die fünf Checks und acht Blocks von Tömmernes. Nach zuletzt vier Siegen in Folge steht Frölunda an fünfter Stelle und befindet sich auf dem Vormarsch, auch dank Egli und Tömmernes.
3:1 gewonnen hat Frölunda in der Startphase der Saison unter anderem gegen einen ehemaligen HCD-Import gewonnen. Mattias Tedenby verpasste Egli knapp in Davos, er spielte 2019/20 für die Bündner, Egli wechselte aber erst 2021 vom Obersee ins Landwassertal. Dafür hat der 34-jährige Flügelstürmer einen anderen besonderen Bezug zu Schweizer Eishockeyspielern. 2013/14 spielte er gemeinsam mit Damien Brunner bei den New Jersey Devils. Für Tedenby war es die letzte Saison in Übersee, 2014 kehrte er nach Europa und zum HV71 zurück. Dort war er zum Saisonbeginn Linienkollege von Kevin Fiala, bevor dieser definitiv den Sprung nach Nordamerika schaffte. Fiala war zwar schon im Sommer 2014 zu den Nashville Predators gewechselt, kehrte aber nach dem Trainingscamp auf Leihbasis in die SHL zurück. Zumindest bis sie ihn nach der Junioren-WM um den Jahreswechsel herum gleich in Nordamerika behielten.
Zehn Jahre später spielt Tedenby nach Stationen in der KHL und eben auch beim HC Davos wieder für den Husqvarna Vätterstad 1971 und wieder spielt er in einer Linie mit einem verheissungsvollen Schweizer Stürmer. Jamiro Reber ist zum Saisonbeginn zum Strumpartner von Tedenby geworden. Im Mai vor einem Jahr entschied sich der Tigers-Nachwuchsspieler Reber im damaligen Alter von 16 Jahren für einen Wechsel nach Schweden. Auch Nordamerika war ein Thema, schlussendlich wurde es Jönköping. Ein gutes Jahr später kann man sagen, bis dahin hat er alles richtig gemacht.
Einsätze in der U18 musste Reber nur wenige abspulen, gleich schon in seiner ersten Saison wurde er ein Leistungsträger in der U20 des HV71. Im Sommer wusste er dann in der Saisonvorbereitung zu überzeugen. Auch aufgrund von Verletzungspech innerhalb der Mannschaft wurde er zum Saisonbeginn der SHL gleich in die Profimannschaft integriert. Und Reber kommt sogleich zum Einsatz, aber nicht so, wie man es in der Schweiz von vielen Rookies gewohnt ist, die erst einzelne Minuten sammeln. Reber steht nach neun Meisterschaftsspielen bei durchschnittlich 15:35 Minuten Eiszeit. Er ist Center in der zweiten Angriffslinie, eben jener von Mattias Tedenby. Wenn sein Trainer Anton Blomqvist über Reber spricht, gerät er ins Schwärmen, so wie gegenüber dem SRF für die Sendung Sportpanorama.
"Seine Arbeitseinstellung ist unglaublich, ich denke, das macht ihn so besonders. Dann natürlich seine Schlittschuhtechnik, seine Fähigkeit sich auf dem Eis zu bewegen und im hohen Tempo zu agieren. Er bringt unserem Team gerade wirklich viel. Und ich glaube, seine Eltern haben grossartige Arbeit bei ihm geleistet: Er ist sehr höflich, hört zu und ist eine sehr starke Persönlichkeit."
Anton Blomqvist, SRF, 13. Oktober 2024
Belohnt für seine Leistungen wurde der 18-jährige Schweizer kürzlich mit seinem ersten Profivertrag. Nach neun Spielen steht er bei einem Treffer und drei Assists, wobei der HV71 als Zwölfter in einer Liga von 14 Teams noch nicht wirklich in Schwung gekommen ist. Als Schweizer Stürmer beim HV71 liegt natürlich der Vergleich mit Kevin Fiala nahe. Liefert Reber diese Leistungen konstant über eine ganze Saison ab, dürfte er als europäischer Overager plötzlich sehr gute Karten für den nächsten Draft besitzen. Der Sohn von Jörg Reber zeigt sich angesprochen auf Fiala bescheiden: "Ich meine Fiala ist so lange in der NHL, er ist so gut, ich wäre froh, wenn ich annähernd so gut werden kann wie er. Ich durfte einmal mit ihm telefonieren, bevor ich hierhergekommen bin, er ist wirklich ein sehr cooler Typ. Er hat mir wirklich nette und ausführliche Antworten geben können."
So erobern derzeit mit Dominik Egli und Jamiro Reber zwei Schweizer die Svenska Hockeyliga und das muss längst noch nicht alles sein.
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