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Die SCL Tigers haben gemäss Phil Baltisberger einen grossen Vorteil

Der Verteidiger im Interview

Phil Baltisberger geht mit den SCL Tigers in die dritte Saison. Der Verteidiger hat mit uns im exklusiven Interview über die Lehren aus der letzten Saison, seine offensivere Rolle und die Ziele der Langnauer gesprochen.

Wie geht es dir?

Phil Baltisberger: Ja, tiptop. Gesund, fit, von dem her kann ich mich nicht beklagen.

Es ist wieder Eishockey-Zeit.

Ja, endlich geht es los. Es war eine lange Vorbereitung. Jetzt freut man sich, dass es wieder losgeht.

Ist in der Vorbereitung alles nach Plan gelaufen?

Ja, ich würde sagen schon. Persönlich sowieso, gesund, aber auch die Mannschaft. Fast alle sind gesund, wir hatten gute Testspiele und jetzt noch der letzte Feinschliff. Am Dienstag geht es los.

Was habt ihr für Lehren aus der letzten Saison gezogen?

Es sind zwei Teile. Der Start in die Saison war oft sehr gut, aber wir haben danach doch einige Punkte liegen gelassen oder Spiele blöd verloren mit dummen Strafen im letzten Drittel. Dort haben wir Punkte verschenkt und am Schluss sind wir etwas eingebrochen. Das hat uns im Rückblick einiges gekostet. Wir müssen sicherstellen, dass wir Spiele, in denen wir führen, nach Hause bringen und gegen Ende der Saison nicht mehr so einbrechen.

Sechs Teams starten mit demselben Coach in die Saison wie im Vorjahr. Es gab also viele Wechsel. In Langnau herrscht Kontinuität. Inwiefern ist diese Konstanz ein Vorteil?

Ich finde, das ist ein Vorteil. Man muss sich nicht erst finden, sondern kann am ersten Tag direkt mit der Vorbereitung anfangen. Vieles ist bereits klar und man kann sich auf das Eishockey konzentrieren und gut arbeiten. Ein neuer Trainer bringt manchmal neue Reize, aber wir waren alle mit der letzten Saison nicht zufrieden. Daher brauchen wir diese Reize im Sinne eines Neuanfangs nicht. Wir glauben an die Strategie und daran, wie wir arbeiten. Darum sehe ich es als Vorteil, dass wir Ruhe im Verein haben und gut arbeiten können.

Ein Vorteil ist auch der Campus. Ihr konntet nun zum zweiten Mal die Vorbereitung dort absolvieren. Wie siehst du das und wie kannst du ihn persönlich nutzen?

Es ist ein enormer Vorteil, das ganze Jahr über Eis zur Verfügung zu haben. Wenn man aufs Eis wollte, konnte man sich melden und hat eigentlich immer einen Slot gefunden. Das ist absolut nicht üblich, besonders nicht im Sommer. Davon profitieren wir Profis extrem. Aber der Campus ist natürlich vor allem für den Nachwuchs ein riesiges Ding. Die Junioren profitieren fast am meisten von dieser Infrastruktur. Bei den Profis war sie schon immer gut. Das mit dem Eis im Sommer ist genial. Andere Teams mieten sich bei uns ein, während wir das direkt zu Hause haben. Unser Trainer kann jederzeit zusätzliche Eiszeiten einschieben. Für viele Vereine ist zu wenig Eiszeit ein Riesenproblem - wir haben dieses Problem nicht. Der Campus ist Gold wert.

War das auch ein Grund, weshalb du deinen Vertrag vor einem Jahr bis 2029 verlängert hast?

Ja, sicher. Aber auch die Strategie des Vereins, was man sich hier erarbeiten möchte, und die gute Arbeit, die bereits geleistet wurde. Auch die Ruhe im Klub tut gut. Man weiss, woran man ist. Das war sicher ein Hauptgrund, warum ich mich für drei weitere Jahre verpflichtet habe. Es gefällt mir sehr gut hier.

Du gehst in deine dritte Saison hier. Wie hast du die Region kennengelernt? Was fällt dir auf, was dir vorher vielleicht nicht so bewusst war?

Mein Lebensmittelpunkt ist zwar nicht direkt hier, aber man lernt die Leute kennen und versteht, wie sie ticken. Es ist keine Grossstadt, es ist ruhiger. Die Wertschätzung gegenüber dem Team ist extrem gross, vielleicht etwas grösser als in Städten. Man ist nicht so anonym wie in der Stadt, man kennt sich. Es ist sehr heimelig und das gefällt mir sehr.

Du gehörst zum Captain's Team. Wie ist es mit dem "A" auf der Brust?

Das ist nicht ganz neu, ich war letztes Jahr schon im Captain's Team, ich bin auch dieses Jahr wieder Teil der erweiterten Führungsgruppe. Viel ändert sich dadurch nicht. Du sitzt ab und zu in mehr Meetings, wenn der Coach oder der General Manager die Meinung der Mannschaft braucht. Dann redet man intern mit den Jungs. Aber am Ende zählt es auf dem Eis, dort musst du ein Leader sein. Ob du nun ein 'A' auf der Brust hast oder im Captain's Team bist, spielt auf dem Eisfeld keine entscheidende Rolle.

Ab wann darf man dich eigentlich als Routinier bezeichnen?

Nein, Routinier noch nicht! Wenn man unser Team anschaut, gehöre ich zwar zu den Älteren, aber ich bin noch nicht einmal 31 Jahre alt. Ich fühle mich noch ganz jung. Aber klar, es rücken Junge mit Jahrgängen nach, bei denen man merkt: 'Ja, die sind wirklich ein Stück jünger.' Man hat zwar gewisse Erfahrungen gesammelt, aber man lernt nie aus. Eishockey entwickelt sich extrem schnell weiter, man muss ständig dran sein.

Letzte Saison hast du in der Regular Season 15 Scorerpunkte erzielt - ein persönlicher Karriererekord.

Das hat sicher mit der Rolle zu tun, die ich hier in Langnau ausfülle. Ich spiele etwas offensiver als früher. Trotzdem liegt mein Fokus nicht primär auf persönlichen Punkten. Es ist schön, wenn es läuft, aber die Punkte auf der Tabelle sind mir deutlich wichtiger.

Wie hat sich deine Rolle im Vergleich zu deiner Zeit bei den ZSC Lions verändert?

Das hat stark mit der Eiszeit zu tun. Wenn du mehr auf dem Eis stehst, bist du zwangsläufig an mehr Aktionen beteiligt. Aber auch das Spielsystem spielt eine Rolle: Unsere Coaches fordern von uns Verteidigern, dass wir aktiv nach vorne mitspielen, uns etwas zutrauen und mutig agieren, anstatt nur auf Sicherheit zu spielen. Das musste ich zuerst lernen, denn das war eine andere Philosophie als dort, wo ich herkam. Es macht extrem viel Spass - ein bisschen wie in der Juniorenzeit. Bei den Profis sucht und findet man über die Jahre seine Rolle. Hier in Langnau habe ich auch Verantwortung in der Offensive, da bin ich gefordert und das bringt Freude.

Du hast in den letzten zwei Saisons zusammen 12 Tore erzielt - so viele wie in deiner bisherigen National-League-Karriere zusammen.

Ja genau (lacht). Ich habe schon den einen oder anderen Spruch dazu gehört. Aber es zeigt, dass man auch mit 28 Jahren (Anm. d. Red: In diesem Alter wechselte Baltisberger von Zürich ins Emmental) nicht ausgelernt hat und sich weiterentwickeln kann. Wenn man dann Resultate sieht, macht das einfach Freude.

Mit welchen Zielen startest du in die neue Saison?

Wir wollen einen sehr guten Start erwischen und von Anfang an bereit sein. Wir müssen Spiel für Spiel nehmen, denn die Liga ist enorm eng zusammengerückt. Unser Ziel ist klar: Wir wollen mit dieser Mannschaft die Playoffs erreichen. Das ist unser roter Faden und darauf arbeiten wir ab dem ersten Spieltag hin.

Eishockey EXKLUSIV Maic Frieden National League Phil Baltisberger SCL Tigers

2026-09-14 21:15:07