Die SCL Tigers verpassten die Play-Ins in der vergangenen Saison nur knapp. Nun soll ein verstärkter Sturm dafür sorgen, dass es im Emmental wieder für die entscheidenden Spiele reicht. Vor allem auf zwei Schweden ruhen dabei grosse Hoffnungen.
Letzte Saison wäre für die SCL Tigers mehr drin gelegen. Ein Blick auf die Tabelle zeigt, wie knapp es im Kampf um die Play-Ins zuging: Nur drei Punkte fehlten den Emmentalern zum Erreichen ihres Saisonziels. Insgesamt lagen zwischen fünf Teams nicht einmal zehn Punkte.
Besonders bitter: Die Tigers liessen in zahlreichen engen Partien wertvolle Punkte liegen. Gleich achtmal verloren sie nach 60 Minuten noch in der Verlängerung – nur zwei Teams kassierten in der vergangenen Saison mehr Overtime-Niederlagen.
Sportchef Pascal Müller hat die Schwachstelle erkannt und seinen Kader entsprechend angepasst. Mit Harri Pesonen musste zwar eine langjährige Identifikationsfigur gehen, dafür kamen mit Emil Pettersson und Jonathan Dahlén zwei schwedische Topscorer. Von ihnen erhoffen sich die Emmentaler künftig die nötige offensive Durchschlagskraft, um enge Spiele für sich zu entscheiden.
Neuzugänge:
-
Abgänge:
-
Während sich in der Offensive und Defensive einiges verändert hat, bleibt die Goalieposition unverändert. Robin Meyer und Luca Boltshauser bilden auch in der kommenden Saison das Torhüterduo der Emmentaler. Dahinter steht mit Martin Neckar zudem ein junger Goalie bereit, der bereits in der vergangenen Saison erste Erfahrungen in der National League sammeln durfte.
Neckar kam zu drei Einsätzen und überzeugte dabei mit einer Fangquote von 92,3 Prozent. Auch in der Swiss League beim EHC Chur wusste der Youngster zu überzeugen. Die Tigers verfügen damit über eine interessante Perspektive zwischen den Pfosten.

Meyer wusste nach seinem Wechsel nach Langnau auf Anhieb zu überzeugen und kam auf eine Fangquote von knapp 92 Prozent. Auch Boltshauser knackte die Marke von 90 Prozent. Beide feierten zudem je drei Shutouts. Vieles spricht deshalb dafür, dass die Tigers erneut auf ein stabiles Goaliegespann zählen können.
Meyer wurde für seine Leistungen entsprechend belohnt und verlängerte seinen Vertrag bis zum Ende der Saison 2027/28. Zudem wurde der 25-Jährige von Nationaltrainer Jan Cadieux ins Prospect Camp eingeladen und durfte dort erstmals Nati-Luft schnuppern.
Fazit: 5 / 6 Punkte
Die Torhüter gehörten in der vergangenen Saison zu den positiven Überraschungen der Tigers. Nach dem Abgang von Stéphane Charlin klaffte im Sommer zunächst eine Lücke, die Robin Meyer allerdings hervorragend schloss. Gemeinsam mit Boltshauser verfügt Langnau weiterhin über ein solides Duo. Dahinter drängt mit Neckar bereits das nächste Talent nach. Viel spricht dafür, dass die Tigers zwischen den Pfosten erneut gut aufgestellt sind.
Neuzugänge:
🇨🇭 Arno Nussbaumer (2002) - HC Ajoie
🇨🇭 Gian Meier (2006) - Frölunda HC/SWE
Abgänge:
🇨🇭 Claude-Curdin Paschoud (1994) - ?
In der Langnauer Verteidigung gibt es für die kommende Saison nur wenige Veränderungen. Der Vertrag mit Claude-Curdin Paschoud wurde nach zwei Jahren nicht verlängert. Der gebürtige Bündner verpasste aufgrund einer Verletzung die gesamte Vorbereitung und stieg erst im Oktober in die Saison ein. Trotz 36 Meisterschaftseinsätzen konnte er sich nicht für eine weitere Saison empfehlen.
Anstelle des erfahrenen Paschoud setzen die Tigers künftig auf zwei junge Kräfte. Gian Meier verbrachte die vergangenen beiden Saisons bei Frölunda im Nachwuchs und kam dort auch zu seinem Debüt in der SHL. In der bisherigen Vorbereitung spielte der 20-Jährige mehrheitlich an der Seite des erfahrenen Finnen Juuso Riikola.
Auch Arno Nussbaumer soll sich in Langnau etablieren. Der Verteidiger wechselte nach zwei Jahren beim Ligakonkurrenten Ajoie ins Emmental. Die Tigers setzen damit bewusst auf junge Spieler. Sieben der elf Verteidiger sind Jahrgang 2001 oder jünger. Umso wichtiger wird die Rolle der beiden Finnen Juuso Riikola und Santtu Kinnunen. Gemeinsam mit Phil Baltisberger und Samuel Erni bringen sie die nötige Erfahrung mit und sollen gleichzeitig den jüngeren Verteidigern Orientierung geben.
Fazit: 4,5 / 6 Punkte
Die Langnauer Defensive besitzt viel Potenzial, ist aufgrund des jungen Alters aber auch mit Fragezeichen versehen. Es kann eine Chance sein, ist aber mit Risiko verbunden. Die erfahrenen Riikola, Kinnunen, Baltisberger und Erni werden deshalb besonders gefordert sein. Gelingt es den jungen Verteidigern, den nächsten Schritt zu machen, könnte die Defensive stärker sein als in der vergangenen Saison.
Neuzugänge:
🇸🇪 Emil Pettersson (W/C - 1994) - Timrå IK/SWE
🇸🇪 Jonathan Dahlén (LW - 1997) - Timrå IK/SWE
🇨🇭 Nando Eggenberger (LW/RW - 1999) - EV Zug
🇨🇭 Niclas Rentsch (F – 2008)
Abgänge:
🇫🇮 Harri Pesonen (LW - 1988) - JYP/FIN
🇺🇸 Sean Malone (C - 1995) - Augsburger Panther/GER
🇨🇭 Dario Rohrbach (RW - 1998) - SC Bern
🇨🇭 Joshua Fahrni (C - 2002) - ZSC Lions
🇨🇭 Timo Jenni (W/C - 2004) - EHC Chur
🇨🇿 Jiri Felcman (C - 2005) - Chicago Blackhawks/NHL
Harri Pesonen gehörte in den vergangenen Jahren zur Offensive der SCL Tigers wie kaum ein anderer. Nach sieben Jahren im Emmental musste der 38-jährige Finne den Klub verlassen. Obwohl er mit 28 Scorerpunkten der viertbeste Punktesammler der Tigers war, erhielt der langjährige Captain keinen neuen Vertrag. Pesonen wird den Tigers nicht nur sportlich fehlen. Nach Siegen gehörte sein Ritual mit dem Flachmann eines Fans längst zum Kluballtag. Diesen Schnaps muss Pesonen nun in seiner finnischen Heimat suchen. Der Fan hat dafür in der kommenden Saison reichlich Auswahl an Skandinaviern im Tigers-Kader.
Sportchef Pascal Müller reagierte auf den Abgang mit einem spektakulären Doppeltransfer. Mit Emil Pettersson und Jonathan Dahlén holte er gleich zwei Topspieler von Timra IK. Die beiden Schweden kennen sich bestens und sollen gemeinsam für offensive Gefahr sorgen.

Doch die skandinavische Fraktion ist damit noch längst nicht komplett. André Petersson erwies sich bereits in der vergangenen Saison als Volltreffer und war mit 40 Scorerpunkten der effizienteste Tigers-Stürmer. Mit Saku Mäenalanen und Hannes Björninen stehen zudem zwei weitere Finnen unter Vertrag. Dass die beiden harmonieren, bewiesen sie bereits im Tigers-Dress. Auch an der Weltmeisterschaft bildeten sie gemeinsam mit Berns Waltteri Merelä eine gefährliche Linie und gewannen mit Finnland Gold.
Mit Dario Rohrbach verloren die Tigers gleichzeitig ihren besten Schweizer Scorer. Der 27-Jährige wechselte zum Kantonsrivalen SC Bern und dürfte nur schwer zu ersetzen sein. Nando Eggenberger bringt zwar ein ähnliches Profil mit, der endgültige Durchbruch ist dem 26-Jährigen bislang allerdings noch nicht gelungen. Seine Stationen in Davos, Rapperswil, Ambri und Zug zeigen, dass er sein Potenzial noch nicht konstant abrufen konnte. Dass ein Durchbruch in Langnau möglich ist, zeigt jedoch gerade das Beispiel Rohrbach.
Fazit: 5 / 6 Punkte
Der Sturm der Tigers ist tief und verfügt über viel Qualität. Besonders die neue schwedische Kombination aus Dahlén und Pettersson verspricht einiges. Gleichzeitig gibt es mit dem Abgang von Pesonen und Rohrbach zwei gewichtige Verluste. Entscheidend wird deshalb sein, ob die neuen Ausländer tatsächlich den erwarteten Unterschied ausmachen und die beiden Abgänge kompensieren und ob die Schweizer Spieler wie Eggenberger ihre Rolle ausfüllen können.
In der vergangenen Saison verpassten die SCL Tigers die Play-Ins nur knapp. Drei Punkte fehlten nach 52 Partien. Besonders die zahlreichen Niederlagen nach Verlängerung dürften dabei schmerzen. Achtmal mussten sich die Emmentaler nach 60 Minuten geschlagen geben.
Genau hier soll die neue offensive Qualität ansetzen. Mit Pettersson und Dahlén verfügen die Tigers über zwei Spieler, die Spiele entscheiden können. Dazu kommen mit André Petersson, Mäenalanen und Björninen drei weitere ausländische Leistungsträger.
Beim Blick auf den Kader könnte das "S" in SCL Tigers künftig tatsächlich für Skandinavier stehen. Sie sollen nicht nur für mehr Tore sorgen, sondern vor allem in den entscheidenden Momenten den Unterschied machen. Denn wenn Langnau die knappen Partien häufiger auf seine Seite zieht, liegt die Rückkehr in die Play-Ins absolut im Bereich des Möglichen.
Gesamtnote: 14,5 / 18 Punkte
Claude-Curdin Paschoud Dario Rohrbach Eishockey Emil Pettersson Gian Meier Harri Pesonen Jonathan Dahlén Luca Boltshauser Nando Eggenberger National League Pascal Müller Robin Meyer SCL Tigers Soraya Sägesser