Die Schwing-Saison befindet sich mitten in der Phase der grossen Kranzfeste. An Teilverbandsfesten und den Bergkranzfesten treffen die grossen Tenöre aufeinander. Es ist ein Vorgeschmack auf das Saisonhighlight, das Kilchberger Schwinget am 5. September. Allerdings gibt es an diesem Traditionsanlass nur 60 Startplätze, diese sind entsprechend umkämpft. Wir blicken in einer zweiteiligen Serie auf ein mögliches Aufgebot für den Höhepunkt im Herbst voraus.
In diesem ersten Artikel thematisieren wir die mögliche Besetzung zweier Teilverbände für das Kilchberger Schwinget. Die Berner werden mit einer 15-köpfigen Delegation anreisen, dazu wird der ISV 16 Athleten in Kilchberg an den Start schicken.
Im breiten Berner Team hat es bei 15 Startplätzen keinen Platz für alle Eidgenossen des Verbands. So muss beispielsweise Adrian Klossner, der bislang erst einen Kranz gewinnen konnte, genauso daheimbleiben wie Lukas Tschumi. Für den Neu-Eidgenossen war der Rigi-Schwinget am letzten Wochenende äusserst bitter. Mit einem guten Resultat hätte er sich nochmals aufdrängen können, doch das Fest endete für den Berner nach vier Gängen mit drei Niederlagen und einem Gestellten.
Lukas' Bruder Daniel Tschumi findet hingegen Platz in unserem Kilchberg-Kader. Nach etlichen Verletzungen (Meniskusriss und Beinbruch) kam er in diesem Jahr so richtig in Form. In fünf Auftritten holte sich der 21-Jährige fünf Kränze. Auf der Rigi stoppte dieser Lauf. Erneut musste Tschumi wegen einer Verletzung aufgeben. Noch ist unklar, wie schwer die Verletzung wiegt. Daher findet er mit seinen bisherigen Leistungen dennoch Auflistung im provisorischen Kilchberg-Aufgebot.
Genauso verhält es sich beim Schwarzsee-Sieger Adrian Walther. Der Eidgenosse verzichtete auf einen Start auf der Rigi. Bereits früher in der Saison hatte er mit Rückenbeschwerden zu kämpfen. Wahrscheinlich steuert Walther derzeit seine Belastung so, um den Auftritt beim Saisonhighlight nicht zu gefährden. Sicherlich verletzungsbedingt den Kilchberg-Schwinget verpassen wird allerdings Curdin Orlik. Seine Saison endete mit einer Schulterverletzung.
Die grössten Berner Trümpfe für den Festsieg am Kilchberger heissen aber weder Tschumi noch Walther. Michael Moser und Fabian Staudenmann, die auf der Rigi im fünften Gang aufeinandertrafen, sind die grossen Hoffnungen für den BKSV. Der 20-Jährige war bereits früher in dieser Saison in Topform und stellte dies unter anderem mit einem formidablen Auftritt am Oberländischen unter Beweis. In den vergangenen Wochen kam dann auch Spitzenschwinger Staudenmann immer besser in Fahrt. Auf den Triumph im Wankdorf am Berner Kantonalen liess er den Festsieg auf der Rigi folgen. Die Saisonplanung Staudenmanns scheint komplett aufzugehen.
Um einen Berner Triumph sicherzustellen, braucht es aber ein ganzes Team und das bringt der BKSV mit. Hinter den Teamleadern haben wir gleich neun weitere Eidgenossen aufgeboten. Im Zweifel können diese die Konkurrenz auch ausbremsen und ihre eigenen Ambitionen hinten anstellen. Ein ähnliches Szenario wie in Mollis, als kein Berner im Schlussgang stand, soll verhindert werden.
Die meisten Startplätze hat der Innerschweizer Schwingverband am Kilchberger Schwinget. Gleich 16 Athleten darf er an den Zürichsee entsenden. Trotzdem reicht der Platz für einen Kranzfestsieger nicht aus. Benno Heinzer, der sensationell am Luzerner Kantonalen gemeinsam mit Jonas Amrhyn und Roman Wandeler den Festsieg feierte, findet in unserer Kilchberg-Selektion keine Auflistung. Seine weiteren Auftritte waren bislang zu bescheiden. Auch der Eidgenosse Jonas Burch hat uns noch zu wenig überzeugt. Nur zwei Kränze konnte er bislang holen. Da braucht es noch etwas mehr, um einen anderen ISV-Schwinger zu verdrängen.
Im Vergleich zu den anderen Verbänden ist die absolute Spitze bei den Innerschweizern nach den Rücktritten von Joel Wicki und Pirmin Reichmuth sehr dünn geworden. Das zeigt sich auch bei den Berg- und Teilverbandsfesten. Nur am eigenen Teilverbandsfest, an dem kaum starke Gastschwinger teilnahmen, konnte der ISV einen Erfolg verbuchen. Die beiden Sieger, Marc Lustenberger und Samuel Schwyzer, gehören auch zu den grössten Hoffnungsträgern der Innerschweizer.
Im Fall von Schwyzer sind vor allem die Defensivkünste Gold wert. Das hat der 24-Jährige auch auf der Rigi eindrücklich gezeigt. Fabian Staudenmann, Michael Moser und Sinisha Lüscher haben sich am Luzerner allesamt die Zähne ausgebissen. Dadurch könnte er die Ausgangslage für Verbandskollegen verbessern, diese müssten das dann aber auch ausnutzen. Mit Sven Schurtenberger hätte der ISV noch einen zweiten Schwinger in den eigenen Reihen, der kaum zu bezwingen ist. Allerdings fällt der Eidgenosse für den Rest der Saison aufgrund eines Bandscheibenvorfalls aus.
Der Urner Lukas Bissig wäre einer dieser Schwinger, die an einem Top-Tag diese Schützenhilfe ausnutzen könnten. In den letzten Wochen war der Eidgenosse in den entscheidenden Momenten aber nicht stark genug, um diese Chancen auszunutzen. Womöglich passt der Formaufbau aber ideal, um dann beim Saisonhöhepunkt bereit zu sein.
Trotz der grössten Delegation wäre ein Triumph der Innerschweizer am diesjährigen Kilchberg-Schwinget eine grössere Überraschung. Es braucht wohl noch einige Jahre, damit die vielen vielversprechenden Schwinger aus dem Herzen der Schweiz an die Top-Cracks der anderen Verbände heranreichen können. In diesem Entwicklungsprozess wird auch eine Teilnahme am Fest, das am 5. September stattfindet, bereits eine wertvolle Erfahrung sein.
Adrian Walther Benno Heinzer Bernhard Kämpf Christian Bucher Christian Gerber Christian Zemp Daniel Tschumi David Scheuner Dominik Gasser Elias Lüscher Etienne Burger Fabian Staudenmann Joel Ambühl Jonas Amrhyn Kilchberg-Schwinget Lars Zaugg Leandro Nägeli Luc Bissig Lukas Bissig Marc Lustenberger Marcel Bieri Matthias Aeschbacher Matthieu Burger Michael Gwerder Michael Ledermann Michael Moser Michael Zurfluh Michel Schuler Patrick Betschart Patrick Schenk Roman Wandeler Samuel Schwyzer Schwingen Silvan Appert Sven Lang