Am Kilchberger Schwinget gab es einige tolle Geschichten: Samuel Giger feierte ein triumphales Comeback oder Marcel Bieri stand nach den Flitterwochen direkt im Schlussgang. Auf der anderen Seite der Medaille mussten aber auch einige Schwinger Enttäuschungen verarbeiten. Wir wollen am Tag nach dem Fest auf diese Schwinger blicken.
Eine optimale Vorbereitung genoss Matthias Aeschbacher vor dem Kilchberger Schwinget sicherlich nicht. Erst beim Kemmeriboden-Schwinget, eine Woche vor dem Saisonhöhepunkt, konnte der Berner sein Comeback nach einer Verletzungspause feiern. Mit seinem Auftritt am Kilchberger konnte der Berner Routinier aber nicht überzeugen. Er ist sicherlich nicht in Topform über dem Zürichsee angetreten.
Im Anschwingen kam es zum viel diskutierten Aufeinandertreffen zwischen Samuel Giger und Matthias Aeschbacher. Der spätere Sieger machte mit dem Berner kurzen Prozess und siegte nach nicht einmal zwei Minuten. Im Verlaufe des Vormittags verlor Aeschbacher noch zwei weitere Gänge. Am Mittag gab der Eidgenosse mit dreimal einer 8.50 auf dem Notenblatt das Fest vorzeitig auf. Es war ein Auftritt, den sich Aeschbacher wohl anders gewünscht hätte.
Zusammen mit Lukas Bissig war Marc Lustenberger wohl der grösste Innerschweizer Trumpf beim Saisonhöhepunkt. Auf dem Schwingplatz war davon aber nur wenig zu sehen. Im Anschwingen stellte der ISV-Schwinger noch mit Brünig-Sieger Matthieu Burger. Bitter aus Lustenbergers Perspektive: Es war das Highlight seines Morgens. Auch gegen Teilverbandskranzer Silvan Trittibach kam Lustenberger nur zu einem Gestellten und dann verlor der Innerschweizer im dritten Gang gegen den Nordostschweizer Eidgenossen Christian Biäsch.
Am Nachmittag konnte Lustenberger gegen Paul Tornare den einzigen Sieg des Tages feiern. Nach einem weiteren Gestellten im fünften Gang war das Fest für den 23-Jährigen dann aber vorbei. Den Grund für den enttäuschenden Tagesverlauf lieferte der Innerschweizer am Montag nach: Aufgrund eines rund zweiwöchigen Magen-Darm-Infekts trat Lustenberger mit leeren Energiereserven an und war entsprechend chancenlos. So bleibt von seiner Saison zweifelsohne der Sieg am Innerschweizer Teilverbandsfest als grösstes Highlight.
Im Vorfeld des Kilchberger Schwingets machte Sinisha Lüscher aus seinen Ambitionen keinen Hehl: "Es macht ja auch keinen Spass, zu verlieren. Darum gehe ich hin, um zu gewinnen." Zum Auftakt des Tages konnte der junge Nordwestschweizer seinen Ambitionen noch gerecht werden. Nach einem harten Kampf setzte sich Lüscher gegen Michael Gwerder durch.
Im Verlaufe des Tages wechselten sich dann Sieg und Niederlage beim 20-Jährigen munter ab. Sobald Lüscher gegen einen absoluten Spitzenschwinger antreten musste, lag er auf dem Rücken. Samuel Giger, Michael Moser und im letzten Gang auch Lars Zaugg konnten sich gegen Sinisha Lüscher durchsetzen. Das hat sich der Solothurner sicherlich anders vorgestellt. Mit seinem jungen Alter kann der Schwinger aber in sechs Jahren einen nächsten Anlauf nehmen.
Bei keinem anderen Schwinger würde man bei einem vierten Rang von einer Enttäuschung schreiben. Das zeigt eindrücklich auf, wie bärenstark Fabian Staudenmann in den letzten Wochen und Monaten aufgetreten ist. Am Saisonhöhepunkt hat der beste Schwinger des Jahres aber in gleich drei Gängen keine Lösung gegen den Kontrahenten gefunden. Sowohl gegen Armon Orlik als auch gegen Damian Ott und Michael Gwerder musste Staudenmann mit einem Gestellten vorliebnehmen.
Schwingexperte Stefan Burkhalter hat etwas die letzte Vehemenz in diesen drei Kämpfen vermisst: "Bei so einem Schwingfest, wenn danach Saisonende ist, dann musst du einfach mehr drauf. Im ersten Gang einen Gestellten mag es leiden, danach musst du einfach alle umwerfen. Und das hat man jetzt halt gesehen, sonst kommt man nicht in den Schlussgang." Sicherlich wird der Kilchberg-Sieger von 2021 beim nächsten Eidgenössischen Anlass zurückschlagen wollen.
Auch der letzte Name in der Liste der Enttäuschungen gehört einem Eidgenossen. Andreas Döbeli schaffte es nicht in den Ausstich und musste nach vier Gängen ohne Sieg das Fest beenden. Zum Auftakt konnte er noch gegen die beiden Nordostschweizer Domenic Schneider und This Kolb stellen. Danach folgten zwei Niederlagen gegen Dominik Gasser und Roland Reichmuth.
Für Döbeli ist es das Ende einer komplizierten Saison. Nach einer Kreuzbandverletzung kehrte Andreas Döbeli im Sommer zurück. Sogleich gewann Döbeli bei einem Regionalschwingfest und dann holte er sich den Kranz auf dem Weissenstein. Diesen Erfolg konnte er nur bedingt bestätigen. Nach einem zweiten Kranzgewinn wurde er in die achtköpfige NWSV-Delegation für Kilchberg aufgenommen. Allerdings konnte er diese Nominierung nicht rechtfertigen.
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