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Die Nordostschweizer verpassen den Bernern zwei Jahre vor dem ESAF in Thun eine Denkaufgabe

Die Analyse zu Gigers Triumph am Kilchberger Schwinget

Wie schon vor einem Jahr am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest jubelte am Ende des Kilchberger Schwingets ein Nordostschweizer. Vor allem die als grosse Favoriten ausgerufenen Berner blieben am eidgenössischen Anlass einiges schuldig. 

Giger schreibt Geschichte, auch dank der Teamleistung

Vier Berner standen Mitte August beim letzten Bergkranzfest der Saison auf der Schwägalp an der Ranglistenspitze. Es war hauptsächlich für die Gastgeber aus der Nordostschweiz eine bittere Pleite. Beim grossen Saisonhöhepunkt in Kilchberg schlug die grüne Welle der NOSV-Schwinger zurück. Als erst Zweiter in der Geschichte überhaupt konnte Samuel Giger den Triumph am Kilchberger Schwinget wiederholen. Der Sieg des Thurgauers, der zuletzt verletzungsbedingt seit Mai pausieren musste, ist aufgrund der Voraussetzungen überraschend. 

Auch unser Schwingexperte Stefan Burkhalter zeigte sich beeindruckt von Gigers Leistungen. "Es ist überraschend und auch noch nach dem verlorenen Gang gegen Michael Ledermann, dass er sich dann nochmals fängt. Klar, hatte er danach mit Patrick Betschart nicht die schwierigste Aufgabe, aber an einem solchen Schwingfest gilt es dennoch, jeden erstmals zu nehmen", bilanzierte Burkhalter nach dem Fest. 

Zum dritten Mal triumphierte Giger nun an einem eidgenössischen Anlass. Es fehlen nicht mehr viele Siege im Palmarès des 28‑Jährigen. Bei den Bergkranzfesten hat er einzig am Schwarzsee noch nicht triumphiert. Auf eidgenössischer Ebene verpasste er im Vorjahr im Schlussgang des Eidgenössischen Schwing- und Älplerfests die grosse Krönung. Trotzdem hat Giger an diesem Samstag ein weiteres Kapitel Schwinggeschichte geschrieben und wird künftig im selben Atemzug wie Karl Meli genannt werden. 

Es war auch ein Nordostschweizer Teamerfolg. Schon am Morgen gab es unter den Fans der grünen Fraktion viel zu jubeln. Ein Blick auf das Schlussresultat findet Burkhalter aus Nordostschweizer Sicht zwar etwas bedenklich, aber am Ende zählt nur der Sieg. Und es gibt gute Gründe dafür, dass hinter Giger nicht gleich die nächsten Verbandskollegen folgen. Im letzten Gang stellte Werner Schlegel gegen Adrian Walther und Schwingerkönig Armon Orlik stellte gegen Nick Alpiger. Die beiden Verbandskollegen nahmen damit die beiden Kandidaten aus dem Rennen, die im Falle eines gestellten Schlussgangs Giger den Tagessieg hätten streitig machen können. 

Deutliche Niederlage für den BKSV

Als grosser Favorit startete Fabian Staudenmann in den Tag. Auch er wurde von der NOSV-Fraktion ausgebremst. Beim Anschwingen stellte er mit Armon Orlik und auch zum Start in den Nachmittag konnte er Damian Ott nicht bezwingen. Gegen Michael Gwerder handelte sich der Saisondominator noch einen weiteren Gestellten ein. Doch nicht nur Staudenmann liess Federn, am Ende fuhr das gesamte bernische Team eine Niederlage ein. Sowohl vor dem Schwingfest als auch am Mittag glaubte Burkhalter an einen Berner Sieg. Mit einem Schmunzeln merkte er nach dem Fest an: "Ich bin gottenfroh aus meiner Sicht als NOSler, dass ich zweimal falschgelegen bin und zwar richtig falsch. Ich weiss auch nicht genau, wo das Problem bei ihnen gelegen ist."

Schlussendlich war es nicht nur Staudenmann, sondern auch die Mitstreiter Adrian Walther und Michael Moser, die zu wenige Siege einfahren konnten. Oder in Burkhalters Worten: "Die Spitze muss am Ende die Gänge gewinnen, um es am Ende in den Schlussgang zu schaffen, sonst geht es einfach nicht." Walther, hatte als einziger Berner im sechsten Gang noch theoretische Chancen auf den Festsieg.

Speziell bei Staudenmann fehlte dem Experten die notwendige Vehemenz: "Bei so einem Schwingfest, wenn danach Saisonende ist, dann musst du einfach mehr drauf. Im ersten Gang einen Gestellten mag es leiden, danach musst du einfach alle umwerfen. Und das hat man jetzt halt gesehen, sonst kommt man nicht in den Schlussgang."

Auch wenn in der Endrangliste Moser sich auf dem dritten Rang eingereiht hat und Staudenmann auf dem geteilten vierten Rang und Walther auf Rang sechs sich weit vorn klassieren konnten, werden die Berner ähnlich wie nach dem ESAF im Vorjahr über die Bücher müssen. Ganz offensichtlich hatte die Berner Fraktion ihren Sahnetag in diesem Jahr drei Wochen zu früh und damit auf der Schwägalp. 

Die drei weiteren Verbände halten mit

Doch das Kilchberger Schwinget 2026 war keineswegs eine Show der beiden bereits thematisierten Verbände. Auch wenn die Innerschweizer zum Mittag bereits arg im Hintertreffen lagen, stiess Marcel Bieri schlussendlich gar in den Schlussgang vor und wurde starker Zweiter. Auch Lukas Bissig zeigte als Vierter nach zwei Niederlagen am Vormittag zumindest einen starken Nachmittag. Mit Joel Strebel und Nick Alpiger schwangen auch zwei Nordwestschweizer ganz vorn mit und landeten am Ende auf dem geteilten vierten Rang. Bei 56.50 Punkten beendete auch Lario Kramer und damit der beste Südwestschweizer den Tag auf einem Spitzenplatz. 

Der Saisonhöhepunkt ist damit schon ein Versprechen für eine packende kommende Saison. Nun bleiben den drei Teilverbänden zwei Jahre Zeit, um dann am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Thun zum einen die Gastgeber zu ärgern und zum anderen die jüngste Dominanz der Nordostschweizer an eidgenössischen Anlässen zu durchbrechen. 

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2026-09-06 00:08:18