Bis zum Kilchberger Schwinget dauert es noch gut eine Woche. Mit grosser Spannung warten die Schwingfans bereits auf die Paarungen im Anschwingen. Wir haben unsere persönlichen Spitzenpaarungen zusammengestellt. Herausgekommen wären zehn absolut packende Kämpfe zum Auftakt in den Saisonhöhepunkt.
Im Schwingsport gibt es viele ungeschriebene Gesetze. Eines davon lautet, dass der Schwingerkönig in der Regel bei den ganz grossen Festen auf den Saisonbesten trifft. Für den Kilchberger Schwinget würde das ein Duell zwischen König Armon Orlik und Fabian Staudenmann bedeuten.
Es ist etwas schade, dass es diese Begegnung in diesem Jahr bereits dreimal gegeben hat. Alle drei Gänge endeten gestellt, wobei in den letzten zwei Aufeinandertreffen auf dem Brünig zumindest Armon Orlik jeweils nicht in der Situation war, wirklich gewinnen zu müssen. Beim Anschwingen am Kilchberger Schwinget würde diese Paarung daher wohl offensiver ausgetragen werden und dementsprechend attraktiver werden.
2022, 2024 und 2025 sind die beiden hochtalentierten Schwinger bereits je einmal aufeinandergetroffen. Einen Gang konnte Michael Moser für sich entscheiden, die beiden anderen Duelle endeten mit einem Unentschieden. Im laufenden Jahr ist es noch nicht zu einem Kampf zwischen dem Berner und dem Nordwestschweizer gekommen. Beide haben an mehreren Festen in diesem Jahr ihren Stempel aufdrücken können. Unterhaltung wäre wohl garantiert.
Kommen wir zur ersten grossen Unbekannten am Kilchberger Schwinget: Samuel Giger. Der Thurgauer fehlte in dieser Saison mehrfach wegen Verletzungen. Beim grossen Saisonhöhepunkt möchte der Spitzenschwinger sein Comeback feiern. Das ganze Jahr richtete Giger auf dieses Fest aus. Wenn Samuel Giger antritt, wird er auch bereit sein und sich in der Lage fühlen, um den Sieg mitzuschwingen.
Daher braucht er einen starken Gegner und diesen würde er in Nick Alpiger bekommen. Der Nordwestschweizer Eidgenosse hat in diesem Jahr einen Berg- und einen Teilverbandssieg feiern können. Der Vielschwinger befindet sich in Hochform und wäre mehr als nur ein würdiger Gegner für Samuel Giger. Es wäre wohl ein offener Schlagabtausch zwischen zwei Schwingern, die beweisen wollen, um den Festsieg kämpfen zu können.
Die zweite grosse Unbekannte aus der Nordostschweiz heisst Werner Schlegel. Jüngst musste der Toggenburger auf der Schwägalp sein Fest abbrechen. Es machte ihm mutmasslich die Verletzung zu schaffen, die ihn schon zuvor zu einer Pause gezwungen hatte. Mit Romain Collaud würde Schlegel gegen den derzeit wohl stärksten Südwestschweizer kämpfen. Dreimal gab es das Duell schon, dreimal gewann Schlegel. In diesem Jahr hat Romain Collaud aber schon mehrfach bewiesen, dass er auch starke Gegner aus dem Weg räumen kann. Damian Ott und Michael Moser landeten im Zweikampf mit Collaud bereits auf dem Rücken. Sowohl Schlegel als auch Collaud schwingen zudem angriffig. Diese Paarung wäre ein Spektakel mit Ansage.
Damian Ott ist einer der drei Schwinger, die vor fünf Jahren den Kilchberger Schwinget für sich entscheiden konnten. Mit Lukas Bissig würden wir ihm eine knifflige Aufgabe aus der Innerschweiz als erste Hürde in den Weg stellen. Bissig war in den letzten Wochen in einer guten Verfassung. Zu einer Schlussgang-Teilnahme reichte es zwar zuletzt nicht, doch gleich mehrere Feste konnte der Urner auf dem zweiten Schlussrang beenden.
Es ist ein ungleiches Duell, das wir hier gerne sehen würden. Auf der einen Seite stünde der grossgewachsene Berner Adrian Walther und auf der anderen Seite der rund 20 cm kleinere Domenic Schneider. Aufgrund der aktuellen Form wäre der grossgewachsene Berner wohl zu favorisieren, doch der Thurgauer hat schon mehrfach bewiesen, dass er an Grossanlässen auf den Punkt bereit sein kann. Viermal haben die beiden Schwinger bislang zusammengegriffen. Dreimal ging Walther als Sieger aus dem Sägemehlring. Das letzte Duell fand aber 2023 statt, damit ist die Aussagekraft etwas geringer.
2017 trafen Matthias Aeschbacher und Lario Kramer ein erstes Mal aufeinander. Der damalige Teenager aus der Südwestschweizer verlor das Duell gegen den Berner Eidgenossen. Noch fehlt Kramer in fünf Kämpfen mit Aeschbacher ein erster Sieg über den Routinier. Dieser könnte unserer Einteilung nach am Kilchberger Schwinget folgen. Kramer ist ein unermüdlicher Kämpfer, dem der Erfolg über Aeschbacher durchaus zuzutrauen ist. Der Ausgang eines sechsten möglichen Aufeinandertreffens wäre höchst ungewiss.
Defensive trifft auf Offensive. Michael Gwerder ist bekannt dafür, voll draufzugehen. Das hat er in der laufenden Saison mehrfach gezeigt und damit unter anderem auch auf der Rigi Nick Alpiger im Anschwingen überrumpelt. Michael Ledermann gilt als extrem schwer zu bezwingen und könnte für die Berner am Kilchberger Schwinget eine entscheidende Rolle als Edelhelfer einnehmen. Wenn man Ledermann aber nur auf die Abwehrkünste beschränkt, tut man ihm Unrecht. Der Berner Eidgenosse ist brandgefährlich, seine Gegner müssen stets auf der Hut sein.
Wir sähen gerne den Brünig-Sieger Matthieu Burger auf den grossgewachsenen Nordwestschweizer Marius Frank treffen. Beide Schwinger glänzten in der laufenden Saison mit einer tollen Konstanz. Den Kranz holen der Berner und der Solothurner eigentlich bei jedem Schwingfest. Es wäre daher spannend, zu sehen, wer sich dann im direkten Vergleich durchsetzt. Ein kleines Fragezeichen muss aber noch hinter den Gesundheitszustand von Matthieu Burger gesetzt werden. Das letzte Fest vor dem Kilchberger Schwinget musste der Eidgenosse im Berner Jura abbrechen.
Lars Zaugg ist der einzige Nicht-Eidgenosse in unseren Spitzenpaarungen. Ein Viertelpunkt fehlte dem Berner in Mollis, um sich den Kranz zu holen. In dieser Saison zeigte Zaugg aber gleich mehrfach, dass mit ihm zu rechnen ist. Auf der Schwägalp stellte er gegen Werner Schlegel und siegte gegen Damian Ott und Domenic Schneider. Erst im Schlussgang konnte Zaugg von Fabian Staudenmann gestoppt werden. Der 24-Jährige ist ganz heiss und dürfte sich nach unserem Geschmack daher mit einem anderen vielversprechenden jungen Schwinger duellieren. Marc Lustenberger hat das Innerschweizer Teilverbandsfest gewonnen und ist einer der stärksten ISV‑Trümpfe. Ein Duell mit Lars Zaugg könnte auf beide Seiten kippen.
Quelle Titelbild: Instagram Fabian Staudenmann
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