Mit dem Schwägalp- und dem Kilchberger-Schwinget stehen noch zwei Highlights in dieser Saison auf dem Programm, doch ein Grossteil des Schwingjahres 2026 ist bereits vorbei. In einer fünfteiligen Serie blicken wir auf die grössten Aufsteiger der Verbände zurück. Den Anfang machen die Innerschweizer, die keinerlei Kantonalschwingfeste oder Bergfeste mehr austragen. Nur noch die Gäste am Nordwestschweizer haben bis zum Kilchberger einen Auftritt an einem Kranzfest.
Mit seiner Körpergrösse von zwei Metern fällt der erst 18-jährige Martin Schönbächler sofort auf. Diese Grösse weiss der Einsiedler auch einzusetzen. Den ersten Kranz holte das Talent am Tessiner Kantonalschwingfest zum Abschluss des letzten Jahres. Nun steht Schönbächler bereits bei sechs Kränzen und auch den zweiten Stern hinter dem Namen hat er sich schon gesichert. Auf dem Stoos verpasste Martin Schönbächler die Kranzränge noch knapp, am Schwarzsee-Schwinget schlug er dann zu.
Schönbächler ist mit seinem jungen Alter natürlich noch lange nicht am Ende der Entwicklung angekommen. Der sport.ch-Schwingexperte Stefan Burkhalter hofft, dass die vorteilhafte Grösse nicht plötzlich zu einem Handicap verkommt: "Ich hoffe, dass er mit seiner Grösse keine Probleme bekommt. Das hat auch Adrian Walther in einem Interview einst erklärt: Die Hebelwirkungen sind ganz anders. Vor allem das untere Kreuz muss gut trainiert sein." Daher hofft Burkhalter, dass Schönbächler auch im Gym fleissig die Gewichte stemmt: "Wichtig wird bei ihm sein, bei der Fitness gut zu arbeiten, damit er im Schwingen noch weiterkommt. Das ist unumgänglich."
Um einen Viertelpunkt verpasste Samuel Schwyzer am Eidgenössischen in Mollis den Kranz. Diese Enttäuschung konnte der 24-Jährige vor dieser Saison gut verarbeiten, wie die Resultate zeigen. Das Beeindruckende sind hierbei nicht unbedingt die fünf Kränze, die sich Schwyzer sicherte, sondern seine Defensivqualitäten. Reihenweise Topschwinger wie Samuel Giger, Fabian Staudenmann oder auch Michael Moser brachten es nicht fertig, Schwyzer auf den Rücken zu legen.
Für den Innerschweizer selbst ist das derzeit Fluch und Segen zugleich. An einigen Schwingfesten wurde Samuel Schwyzer hart eingeteilt, um für den ISV Topschwinger aus den anderen Verbänden zurückzubinden. So musste Schwyzer beispielsweise auf der Rigi gegen Fabian Staudenmann, Michael Moser und Sinisha Lüscher kämpfen. Am Ende verpasste er den Kranz um einen Viertelpunkt. Der Turner durfte aber trotzdem ein grosses Highlight in dieser Saison bejubeln. Am Innerschweizer Teilverbandsfest holte sich Schwyzer gemeinsam mit Marc Lustenberger den Festsieg. Nach fünf Siegen reichte ein Gestellter im Schlussgang, um das prestigeträchtige Fest für sich zu entscheiden.
Mit erst 19 Jahren ist Luc Bissig einer der jüngeren Schwinger in dieser Liste. Vier Kränze sehen jetzt nicht nach einer wahnsinnigen Ausbeute aus, doch wer zuvor erst einmal Eichenlaub gewinnen konnte, hat sich natürlich massiv gesteigert.
Bissig hat sich aber nicht irgendwelche Kränze geholt, denn mit einem Berg- und einem Teilverbandskranz hat sich der talentierte Schwinger primär bei Highlights äusserst stark präsentiert. Seinen zweiten Stern hinter dem Namen sicherte sich Luc Bissig auf dem Stoos. Vier Siege, darunter gegen zwei Teilverbandskranzer, reichten dem Innerschweizer am Ende auf den vierten Rang. Bissig verlor lediglich den Kampf gegen Joel Strebel. Das Duell mit dem eidgenössischen Verbandskollegen Marcel Bieri konnte Bissig stellen. Es ist davon auszugehen, dass die Entwicklung des Teenagers auch nach der Steigerung in dieser Saison noch bei Weitem nicht abgeschlossen ist.
Zweimal war Jonas Amrhyn in der laufenden Saison vermehrt in den Medien. Das zweite Mal hatte mit einem herausragenden Kampf auf dem Brünig zu tun, als Amrhyn nach einer umstrittenen Entscheidung den grossen Favoriten Werner Schlegel besiegte und der Nordostschweizer für kurze Zeit dem Innerschweizer den Handschlag verwehrte. Es war wohl der grösste Sieg in Amrhyns bisheriger Karriere. Am Ende reichte es dem 22-Jährigen trotzdem nicht zu seinem ersten Bergkranz der Laufbahn.
Das erste Mal sorgte der mittlerweile achtfache Kranzer am Luzerner Kantonalen für Furore. Amrhyn stand als einer von drei Überraschungssiegern da, die vom gestellten Schlussgang zwischen Sven Schurtenberger und Michael Gwerder profitierten. An diesem Tag gewann Amrhyn vier Kämpfe und stellte dazu gegen den Eidgenossen Silvan Appert. Das sollte neben der Niederlage gegen Michael Gwerder reichen, um den ersten Kranzfestsieg der noch jungen Karriere feiern zu können.
Fredi Bruhin**
Mit 29 Jahren ist der Knopf bei Fredi Bruhin so richtig aufgegangen. Der Schwyzer ist damit der älteste Schwinger, der in diesem Artikel aufgelistet wird. Vor der aktuellen Saison hatte Bruhin in seiner Karriere vier Kränze gewonnen. Nun ist er bereits zehnfach kranzgeschmückt. Von Beginn an lieferte der Polizist ab. Gleich an vier Kantonalschwingfesten in Serie ging Fredi Bruhin mit einem Kranz nach Hause. Den Schwung dazu hat er sich mit dem Regionalschwingfest in Pfäffikon noch vor der Kranzfestsaison geholt.
Der Höhepunkt der Saison dürfte für Bruhin aber der Auftritt auf der Rigi gewesen sein. Mit gleich drei Eidgenossen auf dem Notenblatt sicherte sich der Schwyzer seinen ersten Bergkranz der Karriere. Zum Auftakt in den Morgen konnte der Innerschweizer gleich den Berner Gast Adrian Klossner auf den Rücken legen und auch gegen Lukas Döbeli und Matthieu Burger verlor Bruhin an diesem Tag nicht. Diesen Kranz hat sich einer der ISV-Aufsteiger mehr als nur verdient.
Kommen wir zum ersten von zwei Eidgenossen unter den Aufsteigern im ISV. Silvan Appert holte sich in Mollis den Status als Eidgenosse. Mit zuvor erst neun Kränzen, einem davon als Teilverbandskranz, war Apperts Fest im Glarnerland eine kleine Überraschung. Nun steht der Schwyzer mitten in der Saison der Bestätigung des Erfolgs, und das gelingt dem 23-Jährigen ganz gut.
Auf der Rigi musste Appert das Fest noch verletzungsbedingt nach fünf Gängen aufgeben. Das hinderte den Innerschweizer aber nicht daran, nur eine Woche später am Südwestschweizer als Gast den ersten Teilverbandskranz in der Fremde zu gewinnen. Es war bereits der fünfte Kranz der laufenden Saison. Damit kann der Eidgenosse bereits vor dem Kilchberg-Schwinget auf ein gutes Jahr zurückblicken. In der Nachbetrachtung dürfte ihn aber der Auftritt auf dem Stoos etwas ärgern. Gerade einmal ein Viertelpunkt fehlte ihm da, um auch den ersten Bergkranz der Karriere feiern zu können. Dieses Unterfangen ist also zumindest bis ins Jahr 2027 verschoben worden.
Der grösste Name auf dieser Liste ist sicherlich jener von Michael Gwerder. Der Eidgenosse hat in seiner Karriere schon 35 Kränze gewonnen, darunter auch zehn Bergkränze und in Zug 2019 auch den eidgenössischen Kranz. Da bedarf es schon einer starken Saison, um hier noch unter den Aufsteigern aufzutauchen, und die ist dem 25-Jährigen auch gelungen.
Schwere Verletzungen haben Gwerder lange ausgebremst, doch diese gehören mittlerweile schon länger der Vergangenheit an und das sieht man auch auf dem Schwingplatz. Im Jahr 2026 stand Michael Gwerder dreimal in einem Schlussgang, das tat er zuvor nur einmal in seiner Karriere. Mit dem Sieg am Ob- und Nidwaldner Kantonalschwingfest gegen Christian Zemp feierte Gwerder auch seinen ersten Kranzfestsieg der Karriere. Am Saisonhöhepunkt in Kilchberg geht Michael Gwerder als eine der grössten Innerschweizer Hoffnungen an den Start.
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