Die Schwing-Saison befindet sich mitten in der Phase der grossen Kranzfeste. An Teilverbandsfesten und den Bergkranzfesten treffen die grossen Tenöre aufeinander. Es ist ein Vorgeschmack auf das Saisonhighlight, das Kilchberger Schwinget am 5. September. Allerdings gibt es an diesem Traditionsanlass nur 60 Startplätze, diese sind entsprechend umkämpft. Wir blicken in einer zweiteiligen Serie auf ein mögliches Aufgebot für den Höhepunkt im Herbst voraus.
In diesem ersten Artikel thematisieren wir die mögliche Besetzung dreier Teilverbände für das Kilchberger Schwinget. Knapp die Hälfte der Startplätze gehen an die Nordostschweizer, Nordwestschweizer und Südwestschweizer.
Dem Nordostschweizer Schwingverband stehen faktisch 16 Startplätze in Kilchberg zur Verfügung, zwei davon gehören eigentlich dem Veranstalterverband. Das Kontingent des Zürcher Schwingverbandes stockt das NOSV-Kontingent entsprechend auf.
Die Nordostschweizer plagen Verletzungssorgen, trotzdem werden sie als ganz heisse Mitfavoriten auf den Sieg antreten. Der Fokus von Schwingerkönig Armon Orlik liegt klar auf diesem eidgenössischen Anlass. Mit Werner Schlegel wissen sie im Osten des Landes den derzeit formstärksten Schwinger in ihren Reihen. Mit Damian Ott und Samuel Giger gehören zudem zwei Sieger der letzten Austragung 2021 der NOSV-Delegation an. Im Falle des Thurgauers ist anzunehmen, dass er rechtzeitig für den Saisonhöhepunkt wieder fit sein wird.
Doch nicht nur Giger laboriert derzeit an einer Verletzung. Für die beiden Eidgenossen Jeremy Vollenweider und Marcel Räbsamen ist die Saison vorzeitig aufgrund einer Knieverletzung beendet. Fabian Kindlimann und Samir Leuppi dürften im Saisonverlauf ihr Comeback geben. Wir haben den beiden Vertretern des Zürcher Schwingverbandes einen Platz im Aufgebot reserviert.
Weil aus der Nordostschweiz einige aufstrebende Schwinger auf sich aufmerksam gemacht haben, könnten gar andere Eidgenossen ins Wanken kommen. Speziell Roger Rychen hat mit dem Verpassen des Kranzes am Nordostschweizer Schwingfest eine bittere Niederlage zu verkraften. Aktuell würden wir ihm Verbandskollegen mit stärkeren Leistungen in diesem Jahr den Vorzug geben. Im Rennen um einen Platz im Aufgebot werden die Bergfeste auf dem Brünig und der Schwägalp nochmals enorm wichtig.
Durch die ausgeführten Entscheidungen hat es Platz für sechs Nicht-Eidgenossen. Mit dem Kranz auf dem Weissenstein hat sich Janos Bachmann, ein Schwinger aus dem Kanton Zürich, aufgedrängt. Der 20-jährige Josias Müller ist so etwas wie der Shootingstar des NOSV. Deutlich mehr Erfahrung bringt Mario Schneider mit, auch auf ihn dürfte nicht verzichtet werden. This Kolb hat, obschon er keinen Kranz gewinnen konnte, beim Stoos-Schwinget und beim Weissenstein-Schwinget einen starken Eindruck hinterlassen.
Ganz schwierig zu bezwingen ist Andrin Habegger. Damian Ott, Domenic Schneider, Werner Schlegel, Armon Orlik, abermals Domenic Schneider und Adrian Odermatt – so die prominent besetzte Liste der Eidgenossen, die Habegger in dieser Saison bereits stellen konnte. Eine ähnlich schwierige Aufgabe ist bekanntlich der wendige Andy Signer, welcher unser NOSV-Aufgebot komplettiert.
Wie beim Nordostschweizer Schwingverband hat sich auch beim Südwestschweizer Schwingverband im Vergleich zur letzten Kilchberger-Austragung nichts an der Grösse verändert. Auch im Südwesten des Landes hat die Verletzungshexe ihr Unwesen getrieben. Steve Duplan und Benjamin Gapany fallen aufgrund eines Kreuzbandrisses aus und entsprechend werden zwei von vier SWSV-Eidgenossen fehlen.
Der grösste Hoffnungsträger aus der Südwestschweiz ist ohne Zweifel Romain Collaud. Mit dem Kranzgewinn am Schwarzsee und dem Weissenstein hat er diese Rolle abermals unterstrichen. Sein grosser Widersacher in dieser Saison bei den Kantonalverbandsfesten in der Westschweiz ist Lario Kramer. Auch er ist auf dem Fünferticket gesetzt.
Dahinter steht ein heisser Kampf um die verbleibenden drei Plätze auf der Teilnehmerliste für das Kilchberg-Schwinget an. Vorentscheidend wird das Südwestschweizer Schwingfest am Sonntag in einer Woche in Fribourg sein. Die Südwestschweizer werden zudem im August mit einem 20-köpfigen Team auf die Schwägalp reisen. Mit dem vierten Schlussrang am Schwarzsee hat sich Hugo Schläfli in die Poleposition für das Saisonhighlight gebracht. Mit der Konstanz von fünf Kantonalkränzen hat Christoph Baeriswyl einen grossen Pluspunkt in seinen Resultaten. Von den übrigen Anwärtern erschwang sich Laurent Tornare die besseren Platzierungen an den Bergfesten am Schwarzsee und am Weissenstein. Er müsste nächste Woche aber definitiv Dorian Kramer und Johann Borcard hinter sich lassen, die ebenfalls heisse Anwärter auf ein Aufgebot sind.
Im Vergleich zu vor fünf Jahren hat der aufstrebende Nordwestschweizer Schwingverband zwei zusätzliche Startplätze auf Kosten des BKSV und des ISV erhalten. Gleichwohl reicht es nicht einmal aus, um allen Eidgenossen die Möglichkeit einer Teilnahme in Kilchberg zu ermöglichen. Auch das Nordwestschweizer Teilverbandsfest steht noch aus und wird Aufschluss im Kampf um die acht Startplätze geben. Mit dem Rigi-Schwinget steht für die NWSV-Schwinger schon sehr früh das letzte Bergkranzfest ihrer Saison an. Angeführt von Vielschwinger Nick Alpiger und Sinisha Lüscher hegt der NWSV nicht nur auf der Königin der Berge Ambitionen auf den Sieg.
Mit zwei vierten Rängen auf dem Stoos und dem Weissenstein hat auch Marius Frank sich seinen Platz im Aufgebot für den Saisonhöhepunkt verdient. Joel Strebel feierte derweil ein eindrucksvolles Comeback und verpasste einen möglichen Schlussgang auf dem Stoos nur um einen Viertelpunkt; am Ende wurde er Zweiter. Zwar haben Tim Roth und Lars Voggensberger auf dem Weissenstein den angestrebten Kranzgewinn verpasst, aber auch sie liefern eine überzeugende Saison. Voggensberger hat als Kranzgewinner am Berner Kantonalschwingfest bewiesen, dass er selbst gegen die starke BKSV-Konkurrenz bestehen kann. Roth glänzte an den Kantonalschwingfesten mit Konstanz und teilte sich auf dem Weissenstein den vierten Rang.
Damit bleiben dem NWSV nur noch zwei Startplätze. Wobei eigentlich keine Diskussion darüber sein dürfte, dass sich Andreas Döbeli die Kilchberger-Teilnahme verdient hat. An jedem Kranzfest, an dem er angetreten ist, ging der 28-Jährige mit einem Kopfschmuck heim. Im Rennen um den letzten Startplatz kommt Adrian Odermatt nicht zugute, dass er auf dem Stoos und dem Weissenstein den Kranz verpasst hat. Nicht-Eidgenosse Valentin Scherz hat sich derweil an den vier Kantonalfesten mit starken Platzierungen in den Kränzen empfehlen können. Derzeitig tendieren wir allerdings zu Lukas Döbeli als achtem Nordwestschweizer im Bunde. Der jüngere der Döbeli-Brüder überzeugte vor allem als Vierter auf dem Weissenstein, als er im Anschwingen Domenic Schneider per Plattwurf besiegte.
Eins ist schon jetzt sicher: Die Nordwestschweizer reisen mit einem kleinen, aber definitiv konkurrenzfähigen Team nach Kilchberg.
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