Die Monatsmitte ist wieder erreicht und das ist für uns der Zeitpunkt, um auf den Formstand der Schwinger zu blicken. Erneut kam es auf der Spitzenposition zu einer Wachablösung.
Die einfachsten Wochen hatte Marc Lustenberger nicht hinter sich. Eine Entzündung am Rücken zwang den Eidgenossen zu einer Pause. Von diesem Rückschlag liess sich der Innerschweizer aber nicht langfristig aufhalten, wie er am Innerschweizer Teilverbandsfest deutlich zeigte. Mit fünf Siegen, unter anderem gegen den Eidgenossen Michael Gwerder, qualifizierte sich der Luzerner souverän für den Schlussgang. In diesem reichte ihm ein Gestellter, um mit seinem Freund Samuel Schwyzer den Festsieg zu teilen. Da Lustenberger zuvor am Schwarzsee-Schwinget den Kranz verpasste, reicht es ihm hier trotz des Teilverband-Festsiegs nur knapp ins Ranking.

Der grosse Nordostschweizer zeigt eine starke Saison. Es fehlte allerdings in der letzten Zeit nur ganz wenig und Damian Ott hätte sich gleich mehrfach noch mehr belohnt. Nachdem er bereits Ende Mai am St.Galler Kantonalen den Festsieg im Schlussgang gegen Werner Schlegel verpasste, wiederholte sich am Nordostschweizer das Szenario erneut. Umso bitterer ist es für Ott, dass ihm in beiden Fällen bereits ein Gestellter zum Festsieg gereicht hätte.
Der sport.ch Schwingexperte Stefan Burkhalter kann dem Eidgenossen auch keinen entscheidenden Tipp geben, damit es reicht, um gegen Schlegel zu bestehen: "Was soll Ott machen? Das ist schwierig zu sagen. Er soll genau gleich weitermachen. Ab und zu verliert man einige Male gegen den gleichen Gegner, dann stellst du wieder oder gewinnst sogar. Das war schon immer so und das wird es auch immer geben." Der nächste Auftritt von Damian Ott wird beim Südwestschweizer Schwingfest sein. Dort kann der St.Galler eine weitere Lücke in seiner Vita schliessen. Der Kranz in der Romandie ist der einzige Teilverbandskranz, der ihm noch fehlt.
Noch vor einem Monat thronte Michael Moser an der Spitze. Kurz davor hatte der Berner am Berner Oberländer eine herausragende Leistung abgerufen und mit sechs Siegen das Fest dominiert. Seither wartet der 20-Jährige auf den nächsten Festsieg. Das hat ihn im Powerranking etwas nach hinten gespült.
Trotzdem gehört Moser noch immer zu den zehn formstärksten Schwingern des Landes. Sowohl am stark besetzten Berner Kantonalen als auch am Schwarzsee-Schwinget sicherte sich Michael Moser den Kranz. Die Feste beendete er auf den Rängen vier und drei. Das grosse Highlight aus Sicht des jungen Berners war wohl der Auftakt ins Fest im Wankdorf. Am frühen Morgen bodigte er den König und leitete damit einen schwachen Tag von Armon Orlik ein.
Wie bereits angetönt, gehört auch Samuel Schwyzer neu in die Riege der Teilverbandsfestsieger. Der Erfolg Schwyzers am Innerschweizer hat auch den sport.ch Schwingexperten Stefan Burkhalter überrascht: "Das hätte ich nicht erwartet. Er profitierte natürlich etwas von einem schwächer besetzten Innerschweizer, da die starken Berner und Nordostschweizer im Wankdorf waren. Das gibt es aber. Bei meinem zweiten Schwägalp-Sieg war Jörg Abderhalden ebenfalls abwesend und Nöldi Forrer musste nach dem ersten Gang aufgeben. Das muss man dann auch erst noch ausnutzen."
Vor seinem ersten Kranzfestsieg der Karriere fiel Schwyzer in dieser Saison als herausragender Defensivschwinger gegen klare Favoriten auf. So stellte der Luzerner bereits gegen Samuel Giger oder Michael Moser. Ein Schwyzer in Hochform wird für den ISV in den kommenden Wochen also sehr wichtig werden. Nur wenn der 24-Jährige einige Kontrahenten aus anderen Verbänden ausbremsen kann, werden die grossen Siege für die Innerschweizer wieder zu einem Thema.
Vor vier Wochen trug Daniel Tschumi noch einen Stern hinter seinem Namen, nun gehört er zu den formstärksten Schwingern des Landes. Sechs Kränze hat der Berner in seiner Karriere gewonnen, fünf davon in den letzten fünf Schwingfesten. Am Schwarzsee-Schwinget stand der 21-Jährige im Schlussgang. Mit starken Leistungen hatte der Normalkranzer schon zuvor sein Potenzial angedeutet, dass er seinen zweiten Stern aber mit einem solchen Auftritt holen würde, war dann doch überraschend. Auf dem Weg in den Schlussgang stellte er gegen den Südwestschweizer Eidgenossen Lario Kramer und bezwang mit Lukas Bissig einen der stärksten Innerschweizer.
Mit seiner offensiven Schwingtechnik hat Tschumi auch Stefan Burkhalter begeistert: "Nach der komplizierten letzten Saison mit den zahlreichen Verletzungen und wenigen Schwingfesten gefällt mir der Start von Tschumi in diese Saison sehr gut. Diesen zweiten Stern hat er sich mehr als nur verdient. In einem Schlussgang an einem Bergfest zu stehen, ist eine hervorragende Leistung."
Die Südwestschweizer erhalten am kommenden Wochenende endlich ihre langersehnte Pause. Seit dem ersten Kranzfest der Saison standen die Spitzenathleten Woche für Woche im Einsatz – so auch Romain Collaud. Im letzten Monat holte sich der Südwestschweizer die Bergkränze beim Weissenstein- und Schwarzsee-Schwinget. Das Verpassen des Kranzes am Berner Kantonalen ist angesichts des strengen Programms nachvollziehbar.
Neben den drei Auftritten an den Teilverbands- und Bergfesten standen für Collaud auch zwei Feste im SWSV an. Am Waadtländer Kantonalen unterstrich er die Rolle als stärkster Südwestschweizer mit dem dritten Kranzfestsieg der Saison. Dazu bestritt Romain Collaud einen Tag nach dem Weissenstein noch ein Regionalschwingfest. Da war der 24-Jährige ebenfalls siegreich.
Der 24-Jährige musste noch Mitte Juni aufgrund von Rückenbeschwerden das Oberländische Schwingfest in Gstaad aufgeben. Eine Woche später war der Eidgenosse der strahlende Sieger am Schwarzsee-Schwinget. Auf dem Weg zum Bergfestsieg besiegte der Berner mit Marc Lustenberger, Romain Collaud und Sven Lang gleich drei Eidgenossen. Seine Spitzenplatzierung in diesem Ranking rechtfertigte der Berg-Festsieger auch mit dem Kranzgewinn am stark besetzten Berner Kantonalen im Wankdorf. Mit vier Siegen und einem Gestellten holte sich Adrian Walther auf dem fünften Rang komfortabel das begehrte Eichenlaub.
Das erste grosse Saisonziel erreichte Fabian Staudenmann. Der Eidgenosse verhehlte nicht, dass er das Berner Kantonale im Wankdorf gewinnen möchte. Mit fünf Siegen und einem Gestellten holte sich Staudenmann den Sieg beim bisher bestbesetzten Fest der Saison. Das dürfte dem 26-Jährigen ordentlich Mut für den Rest der Saison machen. Eine Woche vor dem Heimsieg musste sich der Berner mit einem vierten Rang am Nordostschweizer begnügen. Die Einteilung packte Staudenmann hart an, trotzdem zeigte der Top-Schwinger seine Qualitäten auch in Güttingen.
Auf die Nachfrage, ob der BKSV angesichts der vier Schwinger in diesem Powerranking derzeit der beste Verband ist, verweist Stefan Burkhalter vor allem auf eine Personalie aus der Nordostschweiz: "Meiner Meinung nach hat der NOSV noch ganz knapp die Nase vorne. Werner Schlegel hat als Gast auf dem Stoos gewonnen und auch im Wankdorf brilliert."
Mit Nick Alpiger findet sich nur ein Vertreter der Nordwestschweizer in diesem Ranking wieder. Seine Position unter den ersten drei hat der 30-Jährige auf dem Weissenstein verteidigt. Erstmals in seiner Karriere konnte Alpiger ein Bergfest für sich entscheiden. Zum Auftakt stellte er noch gegen Armon Orlik, doch dann rollte der Express. Im Schlussgang kam es zum Duell zwischen zwei Nordwestschweizern. Seit 2021 standen zuvor gerade einmal zwei Nordwestschweizer überhaupt in einem Berg-Schlussgang und jetzt kam es sogar zum direkten Duell.
Nach viereinhalb Minuten konnte Alpiger seinen Widersacher, Sinisha Lüscher, bezwingen, und den Bergfestsieg feiern. Im Siegerinterview machte der Schwinger unmissverständlich klar, dass sein Hunger noch nicht gestillt ist. Am nächsten Morgen stand bereits das nächste Training an. Zeit zum Feiern blieb nach dem grössten Erfolg der Karriere keine, schliesslich steht am kommenden Wochenende der Rigi-Schwinget auf dem Programm.
Auf der Nummer eins kann nur Werner Schlegel stehen. Der Nordostschweizer schwingt derzeit unwiderstehlich und konnte am Berner Kantonalen nur von einer extrem harten Einteilung gebremst werden. Der Reihe nach bezwang der ESAF-Schlussgangteilnehmer Adrian Walther, Matthieu Burger, Fabian Aebersold, Michael Moser und Matthias Aeschbacher. Erst in einem hochattraktiven Schlussgang konnte der Nordostschweizer von Staudenmann mit einem Gestellten gestoppt werden.
Am Nordostschweizer gab es eine Einteilung nach dem Geschmack von Werner Schlegel und da reichte es am Ende zum Festsieg. Es war bereits der sechste Festsieg des 23-Jährigen bei acht Auftritten im Jahr 2026. Viel formstärker geht es wahrlich nicht mehr.
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