Der Nordwestschweizer Schwingerverband hat dem Weissenstein-Schwinget seinen Stempel aufgedrückt. Nick Alpiger gewann den Schlussgang gegen Sinisha Lüscher und holte sich den Festsieg. Insgesamt durften sich gleich acht Nordwestschweizer den begehrten Bergkranz aufsetzen.
Der Weissenstein gehörte am Samstag den Nordwestschweizern. Auf der Landkarte ist das unbestritten, im Schwingsport hatten es die Schwinger aus der Region auf ihrem Hausberg in den letzten Jahren aber nicht immer so leicht. Seit zwölf Jahren warteten sie auf einen Festsieg. Zuletzt feiern konnte Christoph Bieri, der 2014 gemeinsam mit Matthias Sempach und Kilian Wenger den Festsieg geteilt hatte.
Die Durststrecke war lang. Doch mit Nick Alpiger können die Nordwestschweizer endlich wieder jubeln. Er bezwang im Schlussgang seinen Verbandskollegen Sinisha Lüscher. Obwohl zwei Nordwestschweizer im letzten Gang aufeinandertrafen, hätte am Ende auch ein Gast aus der Nordostschweiz feiern können. Denn hätten die beiden gestellt, hätte wohl Schwingerkönig Armon Orlik gejubelt.
Doch "Hätte, hätte, Fahrradkette" gibt es beim diesjährigen Weissenstein-Schwinget nicht. Den Grundstein für den Triumph legte Alpiger bereits im Anschwingen. Gegen Schwingerkönig Armon Orlik rang der Aargauer ein Gestelltes heraus und zeigte damit früh, dass mit ihm an diesem Tag zu rechnen sein würde. Im weiteren Verlauf blieb Alpiger ungeschlagen und kämpfte sich souverän in den Schlussgang.
Dort wartete mit Sinisha Lüscher jener Schwinger, der das Fest bis dahin dominiert hatte. Der Solothurner hatte vier seiner fünf Gänge gewonnen. Einzig gegen den Ostschweizer Damian Ott stellte er. Dennoch qualifizierte er sich nach seinem Sieg im fünften Gang verdient für den Schlussgang.
Doch im entscheidenden Duell behielt Alpiger das bessere Ende für sich und sicherte sich den Festsieg. Es ist sein erster Sieg an einem Bergfest. Besonders schön: Anstatt sofort zu jubeln, nahm der Aargauer seinen unterlegenen Gegner nach dem entscheidenden Wurf zuerst in die Arme. Auch im Siegerinterview beim SRF lobte Alpiger zuerst seinen Gegner, ehe er über seinen Triumph sprach. "Sinisha, du bist top trainiert, mach weiter so, es macht richtig Freude", sagte er.
Für Lüscher bleibt trotz der Niederlage ein äusserst gelungener Auftritt. Der Solothurner bestätigte einmal mehr seine starke Saison und zeigte vor Heimpublikum, dass er längst zu den konstantesten Spitzenschwingern des Landes gehört. Der Kranz war für ihn nie in Gefahr, auch wenn der ganz grosse Triumph im Schlussgang ausblieb.
Einen emotionalen Erfolg feierte auch Andreas Döbeli. Ausgerechnet auf dem Weissenstein, wo er sich 2022 das Kreuzband gerissen hatte und danach eine lange Leidenszeit mit weiteren Knieproblemen durchstehen musste, sicherte sich der Aargauer den Bergkranz. Erst sein zweites Schwingfest der Saison endete damit gleich mit einem Erfolgserlebnis. Auch sein Bruder Lukas überzeugte. Er sorgte bereits im ersten Gang mit dem Sieg gegen Domenic Schneider für eines der ersten Ausrufezeichen des Tages und durfte sich am Abend ebenfalls über Eichenlaub freuen.
Mit Joel Strebel, Lars Voggensperger, Marius Frank und Tim Roth reihten sich vier weitere Nordwestschweizer in die Kranzgewinner ein. Vor allem Frank wusste vor Heimpublikum zu überzeugen und bestätigte seine starke Form. Zusammen mit Alpiger, Lüscher sowie den Brüdern Döbeli brachte der Nordwestschweizer Schwingerverband damit insgesamt acht Kranzgewinner hervor – eine Ausbeute, die sich mehr als sehen lassen kann.
Den Erfolg möchte Festsieger Alpiger aber nicht zu hoch werten. "Wir sind die kleine Nordwestschweiz, ich habe gerne, wenn wir noch ein bisschen ruhig bleiben und gute Leistungen bringen", sagte er gegenüber dem SRF. Statt zu feiern, reiste er nach der Siegerehrung nach Hause. Schliesslich steht mit dem Rigi-Schwinget nächste Woche bereits das nächste Highlight an.
Auch Armon Orlik darf den Weissenstein mit einem besseren Gefühl verlassen als noch das Berner Kantonalschwingfest vor einer Woche. Nachdem der Bündner dort den Kranz überraschend verpasst hatte, meldete er sich mit mehreren überzeugenden Gängen zurück und mischte bis zum Schluss im Kampf um den Festsieg mit.
Die Nordostschweizer nahmen sechs Kränze mit. Einer davon ist ganz besonders: Domenic Schneider sicherte sich im sechsten Gang zum 100. Mal das begehrte Eichenlaub. Die Südwestschweizer durften sich über zwei Kränze freuen. Besonders überzeugten die Brüder Laurent und Paul Tornare, die es den Eidgenossen auf dem Weissenstein alles andere als leicht machten.
Acht Kränze, ein Festsieg und das Ende einer zwölfjährigen Durststrecke: Für den Nordwestschweizer Schwingerverband dürfte der Weissenstein 2026 noch lange in bester Erinnerung bleiben.
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