Zwei Bergfeste wurden in der laufenden Saison bereits absolviert. Dabei haben fünf Schwinger ihren zweiten Stern hinter dem Namen sichern können. Zwei davon standen gar im Schlussgang. Wir wollen diese fünf jungen Athleten etwas genauer unter die Lupe nehmen.
Völlig überraschend schwang sich Elias Lüscher auf dem Stoos in den Schlussgang. Nur die beiden Eidgenossen Marius Frank und Werner Schlegel erwiesen sich für den 20-Jährigen als zu stark. Mit einer Schlussgangteilnahme rechnete Lüscher im Vorfeld des Festes gar nicht, wie er im SRF-Interview nach dem Duell mit Schlegel erzählte: "Gestern im Training wurde ich gefragt, was mein Ziel sei. Ich habe dann ein bisschen verunsichert gesagt, dass ich um den Kranz schwingen will."
Diesen Kranz hat sich der nun achtfache Kranzgewinner eindrücklich geholt. Für den Innerschweizer wird es mit dem zweiten gewonnenen Stern erfahrungsgemäss etwas komplizierter. Die Erwartungen dürften ansteigen und auch die Paarungen werden komplizierter. Es ist davon auszugehen, dass Lüscher und auch die folgenden vier Schwinger bei den Einteilungsrichtern etwas härter angefasst werden.
Am Schwarzsee-Schwinget schrieb Tschumi die Geschichte, die Lüscher eine Woche zuvor geschrieben hatte. Der verletzungsgeplagte Tschumi hatte vor dieser Saison erst einen Kranz auf dem Konto. Jetzt sind es deren fünf. Vor allem beim Schwarzsee-Schwinget überzeugte der Berner mit der Schlussgang-Teilnahme, der schon zwei Regionalschwingfeste gewann. Den wohl stärksten Innerschweizer Schwinger, Lukas Bissig, legte Tschumi auf den Rücken. Dazu stellte er den Südwestschweizer Eidgenossen Lario Kramer. Erst Adrian Walther war für Tschumi einen Tick zu stark.
Grossen Respekt zollt Stefan Burkhalter gegenüber Daniel Tschumi, der sich am Schwarzsee-Schwinget den zweiten Kranz gesichert hat: "Nach der komplizierten letzten Saison mit den zahlreichen Verletzungen und wenigen Schwingfesten gefällt mir der Start von Tschumi in diese Saison sehr gut. Diesen zweiten Stern hat er sich mehr als nur verdient. In einem Schlussgang an einem Bergfest zu stehen, ist eine hervorragende Leistung." Dazu sei er ein sehr athletischer Schwinger, und auch die offensive Gangart Tschumis gefalle dem sport.ch Schwingexperten: "Das bringt Tschumi weiter"
Das herausragende Resultat von Joel Suter auf dem Stoos hatte sich nicht wirklich angekündigt. Bei mehreren Kantonalschwingfesten verpasste er die Kranzplätze zuvor relativ deutlich, doch auf dem Stoos wuchs der junge Zuger über sich hinaus. Zwar verlor er die beiden Gänge gegen Gegner mit eidgenössischem Status, aber Gian Maria Odermatt und Lukas Heinzer, die beide bereits zwei Sterne hinter dem Namen trugen, legte Suter auf den Rücken.
Eine Woche nach seinem Exploit auf dem Stoos konnte Suter seine Leistung der Vorwoche nicht bestätigen. Am Schwarzsee-Schwinget verlor der 21-Jährige gleich vier Gänge. Es braucht also noch etwas, bis Suter konstanter um die Ehrenplätze mitschwingen kann.
Einer der fünf Schwinger, die neu einen zweiten Kranz haben, ist Martin Schönbächler. Stefan Burkhalter berichtet von einem grossen Fleiss im Sägemehl: "Was ich gehört habe, trainiert Schönbächler sehr fleissig im Schwingkeller." Das hat sich nun offensichtlich ausbezahlt. Nachdem der junge Innerschweizer auf dem Stoos die Kranzränge noch knapp verpasste, konnte der 18-Jährige beim Schwarzsee-Schwinget zuschlagen.
Schönbächler fällt mit seiner Grösse auf dem Schwingplatz sofort auf. Darin sieht Burkhalter neben den offensichtlichen Vorteilen im Kampf auch gewisse Gefahren: "Ich hoffe, dass er mit seiner Grösse keine Probleme bekommt. Das hat auch Adrian Walther in einem Interview einst erklärt: Die Hebelwirkungen sind ganz anders. Vor allem das untere Kreuz muss gut trainiert sein." Daher hofft Burkhalter, dass Schönbächler auch im Gym fleissig die Gewichte stemmt: "Wichtig wird bei ihm sein, bei der Fitness gut zu arbeiten, damit er im Schwingen noch weiterkommt. Das ist unumgänglich." Zumindest die Arbeit auf dem Bauernhof dürfte dem Innerschweizer diesbezüglich ebenfalls helfen.
Der zweite Stern hinter dem Namen war eines der Saisonziele von Luc Bissig, wie er auf Instagram nach dem geglückten Auftritt auf dem Stoos verriet: "Ich kann diesen Tag kaum in Worte fassen. Mein grosses Saisonziel, den ersten Bergkranz zu gewinnen und damit künftig zwei Sterne hinter meinem Namen tragen zu dürfen, ist Wirklichkeit geworden." Diesen Erfolg durfte Bissig wegen vierer Siege feiern. Auf seinem Notenblatt standen am Ende zwei Teilverbandskranzer sowie zwei Eidgenossen. Den Kranz auf dem Stoos hat sich Bissig also redlich verdient.
Wie bei Suter blieb der neuerliche Exploit von Bissig aus. Am Schwarzsee-Schwinget verpasste der Innerschweizer den Kranz deutlich. Es hätte einen Sieg im letzten Gang gegen Etienne Burger gebraucht, um erneut Eichenlaub zu gewinnen. Der sechste Kampf des Tages endete aber gestellt. Trotzdem dürfte der 19-Jährige auch wichtige positive Punkte vom Wettkampftag am zweiten Bergfest der Saison nach Hause nehmen.
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