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Wickis Rücktritt hinterlässt bei den Innerschweizern eine grosse Lücke

Lustenberger bedauert den Rücktritt, zeigt sich aber zuversichtlich

Im Alter von nur 28 Jahren hat sich Joel Wicki dazu entschlossen, seine Karriere zu beenden. Wir möchten zum einen auf die Karriere des Königs zurückblicken, aber auch in die Zukunft schauen. Marc Lustenberger hat uns erklärt, was der Rücktritt von Wicki für die Innerschweizer bedeutet. 

Am Sonntagabend liess Joel Wicki die Bombe platzen: Der König tritt zurück. Im Sportpanorama begründet Wicki seinen Rücktritt mit seiner Gesundheit, die er sich auch noch lange bewahren möchte: "Ich bin jetzt gesundheitlich noch gut beisammen. Ich möchte auch noch die nächsten 30 bis 40 Jahre etwas leisten können." Die Entscheidung sei ihm aber nicht leicht gefallen, auch deshalb verkündete der Innerschweizer seinen Rücktritt erst Monate nach dem Ende der Saison.

Wicki war für seinen Verbandskollegen Marc Lustenberger ein grosses Vorbild. Der Eidgenosse streicht vordergründig seine Schwingtechnik und mentale Stärke heraus:

"Joel war in jedem Training extrem wichtig. Er brachte immer das nötige Feuer ins Schwingtraining, war stets zu 100 Prozent dabei und sein Kampfgeist sowie sein Ehrgeiz auch im Training waren extrem eindrücklich. Er ist für mich und ich denke auch allgemein im Schwingsport für viele ein grosses Vorbild. Was er mit seinem Körper und seinem Kopf alles erreicht hat, ist sehr inspirierend. Seine explosive Schwingtechnik und seine mentale Stärke waren einzigartig."

Marc Lustenberger, 26.01.2026
Im Vergleich mit anderen Spitzenschwingern wie Fabian Staudenmann oder Samuel Giger ist Joel Wicki mit seinen 1.83 Meter eher kleiner gewachsen. Daher war der Innerschweizer auf diese explosive Technik angewiesen, um zahlreiche Erfolge feiern zu können.

Die Erfolge von Joel Wicki

Im Alter von 16 Jahren kam Wicki am Luzerner Kantonalen zu seiner Kranzfestpremiere. Sogleich konnte der Entlebucher seinen ersten Kranz gewinnen. Der schnelle Aufstieg setzte sich in den kommenden Jahren fort. Zwei Jahre später sicherte er sich am Schwarzsee den ersten Festsieg. Es sollten noch 27 weitere folgen.

Das grösste Denkmal hat sich Wicki aber ohne Frage an Eidgenössischen Schwing- und Älplerfesten geschaffen. 2019 kam der Innerschweizer als 22-Jähriger dem Königstitel schon ganz nahe. Im Schlussgang hätte ihm gegen Christian Stucki ein Gestellter gereicht. Am Ende lag Wicki auf dem Rücken und musste mit dem Titel als Erstgekrönter vorliebnehmen. 

Der Schlussgang in Pratteln war ein Abnützungskampf.

Drei Jahre später holte Wicki in Pratteln das Verpasste nach. In einem epischen Schlussgang stand er Matthias Aeschbacher gegenüber. Nach 12 Minuten und 42 Sekunden konnte der Innerschweizer den Kampf für sich entscheiden, der zuvor schon mehrfach auf beide Seiten hätte kippen können. Damit krönte sich Wicki zum zweiten Innerschweizer König der Geschichte. Ein 36 Jahre langes Warten hatte für die Innerschweiz ein Ende. 

Zu den weiteren Erfolgen von Wicki zählen Siege am Innerschweizer Schwing- und Älplerfest 2018, 2022, 2023 und 2025. Dazu krallte er sich auch noch Bergkranzfestsiege auf der Rigi (2x), auf dem Stoos (4x), auf dem Brünig und am Schwarzsee. Insgesamt konnte sich der 28-Jährige 76-mal einen Kranz sichern – drei davon an einem ESAF.

Die Bedeutung des Rücktritts für die Innerschweizer

Wenn ein Schwinger mit einem solchen Palmarès im Alter von 28 Jahren zurücktritt, fehlt dem Innerschweizer Verband natürlich etwas. Lustenberger bringt trotzdem grosses Verständnis für den Entscheid seines Entlebucher Kollegen mit: 

"Sein Rücktritt ist natürlich extrem schade, und er wird auf dem Schwingplatz definitiv fehlen. Gleichzeitig ist es aber auch verständlich: Nach einer solchen Karriere werden Körper und Kopf irgendwann müde, und es ist der richtige Moment, Platz für einen neuen Lebensabschnitt zu machen."

Marc Lustenberger, 26.01.2026

Auf Seiten der Innerschweizer hat nach dem Schwingjahr 2025 aber nicht nur Joel Wicki, sondern auch Pirmin Reichmuth seine Karriere beendet. Damit fehlen dem Verband zwei absolute Top-Schwinger. Diese Lücke wird nicht so einfach in kurzer Zeit gefüllt werden können, wie Lustenberger auch bestätigt:

"Joel wird sicher eine grosse Lücke beim ISV hinterlassen. Diese Lücke zu füllen, braucht Zeit und wird nicht innerhalb einer Saison gelingen. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass wir mit den vielen guten jungen Schwingern und dem sehr starken Teamspirit, der in der Innerschweiz herrscht, diese Lücke mit der Zeit schliessen können."

Marc Lustenberger 26.01.2026
Auch Marc Lustenberger selbst gehört mit seinen 22 Jahren zu den jungen aufstrebenden Schwingern des Verbands. Auf Nachfrage, ob auf ihm persönlich jetzt mehr Druck lasten könnte, kann er der neuen Situation auch etwas Positives abgewinnen:
 
"Es lässt sich sicher nicht abstreiten, dass in gewissen Situationen etwas mehr Druck entstehen könnte. Gleichzeitig kann man am Druck auch wachsen."

Marc Lustenberger, 26.01.2026

Wie schnell die vielversprechenden Schwinger in die Bresche springen können, wird die Zukunft zeigen müssen. Am ESAF im Glarnerland haben die Innerschweizer bereits eine erste Duftmarke gesetzt. Auch wenn sie im Kampf um den Festsieg nicht mithalten konnten, so stellten die Innerschweizer immerhin am meisten neue Eidgenossen – ein Versprechen für die Zukunft. 

Joel Wicki Marc Lustenberger Michel Schuler Schwingen

2026-01-26 12:30:23