sport.ch

Der grosse Favoritencheck vor dem ESAF

Schwinger aus zwei Regionen stechen heraus

Das ganze Schwingjahr 2025 hat sich auf das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest in Mollis ausgerichtet. Am kommenden Wochenende ist es so weit. Wir machen nach der Ansetzung der Spitzenpaarungen fürs Anschwingen den grossen Favoritencheck.

Der König

Nach dem Rücktritt von Kilian Wenger ist Joel Wicki der letzte noch verbliebene aktive Schwingerkönig. Bereits in Zug vor sechs Jahren zeigte der Innerschweizer ein herausragendes Fest, als Erstgekrönter musste er aber Christian Stucki den Vortritt lassen. In Pratteln schlug die Stunde des Sörenbergers aber endgültig. Mit sechs Siegen und zwei Gestellten, gegen die Berner Adrian Walther und Fabian Staudenmann, gewann Wicki das letzte ESAF.

In der laufenden Saison hat Joel Wicki die gesamte Planung aufs Eidgenössische ausgerichtet. So hat der 28-Jährige beispielsweise nur an einem Bergkranzfest teilgenommen - dem Brünig-Schwingfest. Dort triumphierte der Innerschweizer prompt und zog es nach einer perfekten Leistung in Sörenberg mit 60 Punkten vor, bis zum Eidgenössischen kein Schwingfest mehr zu bestreiten. Die nötige Wettkampfpraxis habe er, sagte sein Trainer zum Blick. Als König wird Wicki natürlich der Gejagte sein, herausgefordert wird er im ersten Gang durch den Berner Youngster Michael Moser. Die Schwingfans dürfen sich freuen.

Die Topfavoriten

Bereits in Zug und auch in Pratteln gehörte Samuel Giger zu den Topfavoriten. In diesem Jahr soll es endlich mit dem Königstitel klappen. Das Kilchberg- und auch das Unspunnen-Schwinget hat Giger bereits gewonnen. Einmal mehr scheint es so, als könnte der Ostschweizer sich nur selbst im Weg stehen. In Pratteln war er nach zwei Rückschlägen bereits nach dem ersten Tag aus der Verlosung gefallen. Ein solches Szenario will der Modellathlet in diesem Jahr natürlich verhindern. Der Formaufbau für das ESAF stimmt auf alle Fälle. Mit den Festsiegen auf der Rigi und der Schwägalp hat Giger zuletzt überzeugen können.

Samuel Giger teilte sich auf der Schwägalp den Festsieg mit seinem Verbandskollegen Marcel Räbsamen.

Fabian Staudenmann ist wohl der beste Schwinger der letzten beiden Jahre. Der Berner, beim letzten ESAF noch auf Rang zwei, ist daher das heisseste Eisen seines Verbandes. Wie Samuel Giger hat auch Staudenmann auf dem Stoos und dem Weissenstein zwei Bergkranzfeste gewinnen können. Was bei ihm in dieser Saison auffällt, ist, dass der 25-Jährige einige Gänge mehr als noch im Vorjahr verliert. Dafür stellt Staudenmann weniger Gänge. Unter dem Strich holt der Topfavorit damit mehr Punkte, was ihm in Mollis nur zugutekommen kann. Giger und Staudenmann greifen am Samstag gleich am Morgen zusammen. 

Der erweiterte Favoritenkreis

Der erweiterte Favoritenkreis ist vor allem von jungen Schwingern geprägt. Aus der Nordostschweiz schicken sich Werner Schlegel und Damian Ott an, den Königstitel nach 18 Jahren zurück in den NOSV zu holen. Ende März verletzte sich Schlegel noch an den Bändern im Fussgelenk und fiel knapp drei Monate aus. Seither ist er beeindruckend zurückgekehrt: Nach dem Sieg am Nordostschweizer verpasste er auf dem Weissenstein einen möglichen Schlussgang um einen halben Punkt. Die ESAF-Hauptprobe auf der Schwägalp ist Schlegel dann ebenfalls herausragend gelungen. Der Zimmermann kam in den Schlussgang, stellte dort gegen Samuel Giger jedoch und verpasste so den Sieg nur knapp.

Auch Damian Ott hatte während dieser Saison zwischenzeitlich mit einer Verletzung zu kämpfen. Eine leichte Knieverletzung, die er sich am Thurgauer Kantonalen zuzog, setzte Ott rund einen Monat ausser Gefecht. Der Kilchberg-Sieger von 2021 kehrte aber stark zurück und holte sich die Kranzfestsiege am Nordostschweizer und Nordwestschweizer. Fürs Eidgenössische muss man also sowohl Ott als auch Schlegel auf der Rechnung haben. 

Der nächste Junge mit Königsambitionen stammt aus dem Berner Lager. Michael Moser ist der Aufsteiger der Saison. Alleine im 2025 holte er sich den Sieg am Berner Kantonalfest und den geteilten Sieg am Nordostschweizer. Dazu stand er auf dem Schwarzsee und dem Weissenstein im Schlussgang. Fabian Staudenmann hat er bereits bezwungen und Joel Wicki sowie Samuel Giger konnten den 20-Jährigen bei den Duellen nicht auf den Rücken bringen. Das sind alles beste Voraussetzungen für den grossen Wurf in Mollis.

Der Letzte im Quartett aus dem erweiterten Favoritenkreis ist ein routinierter Schwinger. In Pratteln war der Berner mehrfach kurz davor, Joel Wicki im Schlussgang auf den Rücken zu legen, doch am Ende krönte sich der Innerschweizer. Im Glarnerland könnte der 33-Jährige seiner Karriere nun das i-Pünktchen aufsetzen. Bei den Bergkranzfesten war Aeschbacher in diesem Jahr mehr als nur bereit. Das Schwarzsee-Schwinget gewann er, auf dem Brünig war er im Schlussgang und auf dem Stoos klassierte er sich im dritten Rang. Aeschbacher kann am Tag X über sich hinauswachsen. 

Aussenseiterchancen

Pirmin Reichmuth hat in der gesamten Saison keine Gastauftritte absolviert. Die Bergkranzfeste auf dem Stoos und Brünig seien Prüfstein genug für das ESAF, meinte der Innerschweizer im Vorfeld der Saison. Gewonnen hat Reichmuth lediglich das Luzerner Kantonale. Mit nur sieben bestrittenen Festen dürfte es dem grossgewachsenen Schwinger, Reichmuth misst beinahe zwei Meter, in Mollis nicht an der notwendigen Frische fehlen. Der Innerschweizer kann jeden besiegen, trotzdem ist sein Ziel vor allem das Erreichen des vierten eidgenössischen Kranzes. 

Adrian Walther kann, sofern er ein herausragendes Wochenende erwischt, um den Königstitel ein Wörtchen mitreden. Das hat er mit der Schlussgangteilnahme am Unspunnen-Schwinget vor zwei Jahren unter Beweis gestellt. In der laufenden Saison hat der 24-Jährige immerhin beim Emmentalischen den Festsieg holen können. Dazu klassierte er sich auf dem Stoos auf dem zweiten Rang. Unter dem Strich hat er nicht Wochenende für Wochenende Spitzenklassierungen erreicht, auf der Rechnung sollte man Walther trotzdem haben. 

Diskutabel ist die Einteilung von Armon Orlik in diese Kategorie. Vor der Saison hätte der Nordostschweizer wohl noch in einen engeren Favoritenkreis gehört, doch der 30-Jährige ist trotz des zweiten Rangs auf der Rigi etwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben. So attestierte ihm auch Nöldi Forrer im Blick zuletzt eine etwas eher eindimensionale Art zu schwingen. Orlik versuche alles über den Kurz zu lösen. Gegen die Top-Schwinger am ESAF könnte das nicht ausreichend sein. Immerhin wird Armon Orlik gut ausgeruht in Mollis erscheinen, er hat nach dem Nordwestschweizer die Schwägalp ausgelassen und alles auf das Eidgenössische ausgerichtet. 

Marcel Räbsamen ist einer der Aufsteiger der Saison. Mit einer unglaublichen Konstanz hat der Nordostschweizer in diesem Jahr geschwungen. Bei zehn Kranzfesten in Serie ist er jedes Mal mit dem Kranz nach Hause gegangen. In den Kreis der möglichen Könige ist er aber erst auf der Schwägalp aufgestiegen. Überraschend hat er zusammen mit Samuel Giger das Heim-Bergfest gewonnen. Neben fünf Siegen musste er nur gegen den Verbandskollegen Domenic Schneider eine Niederlage einstecken. Am Eidgenössischen wird Räbsamen vor allem auch fürs Nordostschweizer Team wertvoll werden können. Falls es ihm nicht selbst zum Königstitel reicht, kann er womöglich einem anderen Nordostschweizer dazu verhelfen. 

Adrian Walther Armon Orlik Damian Ott Fabian Staudenmann Joel Wicki Marcel Räbsamen Matthias Aeschbacher Mehr Sport Michael Moser Michel Schuler Pirmin Reichmuth Samuel Giger Schwingen Werner Schlegel

2025-08-27 19:00:42