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Vom millionenschweren NHL-Zocker zum neuen Hoffnungsträger der Lakers

Der neue SCRJ-Import Kevin Labanc unter der Lupe

Die SC Rapperswil-Jona Lakers haben auf dem Transfermarkt ein echtes Ausrufezeichen gesetzt. Nach der überraschenden Absage von Mike Sgarbossa schlagen die Ostschweizer eiskalt zu und verpflichten Kevin Labanc. Ein Mann mit der Erfahrung von 542 NHL-Spielen, einer in Nordamerika legendären Vertragsposse und dem wohl verrücktesten Drittel der Playoff-Geschichte. Ein Porträt über einen Neuzugang am Obersee.

Eigentlich war bei den Lakers für die anstehende National-League-Saison alles angerichtet für den Kanadier Mike Sgarbossa. Doch als dieser aus familiären Gründen kurzfristig absagte, um in Nordamerika zu bleiben, mussten die Ostschweizer schnell reagieren. Sportchef Claudio Cadonau bewies Verhandlungsgeschick und präsentierte einen Namen, der Eishockey-Feinschmecker aufhorchen lässt: Kevin Labanc. Der 30-jährige Flügelstürmer unterschreibt für ein Jahr bei den St.Gallern.

Der Durchbruch in Nordamerika und Slowakische Wurzeln im Big Apple

Kevin Labanc wurde am 12. Dezember 1995 im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren, ehe er auf Staten Island aufwuchs und dort seine ersten schlittschuhläuferischen Gehversuche machte. Seine Eltern, Milan und Anika Labanc, waren erst ein Jahr vor seiner Geburt aus der slowakischen Stadt Spisska Nova Ves nach Amerika ausgewandert. Sein Vater war selbst professioneller Eishockeyspieler in der Slowakei und gab die Leidenschaft sowie das Talent direkt an den Sohn weiter. Diese Wurzeln sind Labanc bis heute prägend: Er spricht fliessend Slowakisch und besitzt neben dem US-amerikanischen auch den slowakischen Pass.

Nach seinen ersten Schritten durchlief er das hochklassige Nachwuchsprogramm von USA Hockey (USNTDP), ehe er in der kanadischen Juniorenliga OHL bei den Barrie Colts vollends aufblühte. In der Saison 2015/16 dominierte er die OHL nach Belieben: Mit überragenden 127 Scorerpunkten (39 Tore, 88 Assists) in nur 65 Spielen sicherte er sich nicht nur den Titel des Liga-Topscorers, sondern auch die renommierte Eddie Powers Memorial Trophy.

Diese herausragenden Offensivleistungen blieben den NHL-Scouts nicht verborgen. Bereits im NHL Entry Draft 2014 hatten sich die San Jose Sharks in der sechsten Runde an 171. Stelle die Rechte an dem rechtsschiessenden Stürmer gesichert - ein wahrer Glücksgriff für die Franchise aus Kalifornien.

Die Nacht, in der er NHL-Geschichte schrieb

Wer verstehen will, warum Labanc in Nordamerika einen so klangvollen Namen besitzt, muss den Kalender auf den 23. April 2019 zurückdrehen. Es läuft Spiel 7 der ersten Playoff-Runde im SAP Center zu San Jose. Die San Jose Sharks empfangen die Vegas Golden Knights zum ultimativen Showdown. Gut zehn Minuten vor dem Ende liegen die Hausherren scheinbar aussichtslos mit 0:3 hinten, das Saisonaus droht.

Dann die Wende: Nach einem harten Foul an Sharks-Kapitän Joe Pavelski verhängen die Schiedsrichter eine fünfminütige Major-Strafe gegen den Vegas-Stürmer Cody Eakin. Da diese Strafe im Eishockey auch bei Gegentreffern nicht verfällt, rollt eine historische Überzahl-Lawine los. Der Dirigent dieses historischen Sturms: Kevin Labanc.

Innerhalb von nur 4 Minuten und 1 Sekunde drehen die Sharks die Partie mit vier Überzahltoren in eine 4:3-Führung. Und Labanc schafft das Unmögliche: Er ist an jedem einzelnen Treffer direkt beteiligt. Erst bereitet er die Tore zum 1:3, 2:3 und 3:3 meisterhaft vor, ehe er mit einem präzisen Handgelenkschuss den viel umjubelten 4:3-Führungstreffer selbst erzielt. Die Sharks gewinnen das Spiel schliesslich in der Verlängerung.

In San Jose verbrachte Labanc den grössten Teil seiner Karriere.

Labanc avancierte in jener Nacht zum ersten Spieler der NHL-Playoff-Geschichte, dem in einem einzigen Drittel eines siebten Spiels vier Scorerpunkte gelangen. Bis heute konnte einzig Superstar Mikko Rantanen diese Marke egalisieren.

Der millionenschwere Vertragspoker

Doch nicht nur sportlich, auch abseits des Eises sorgte der Rechtsschütze für Schlagzeilen, die noch heute in der NHL-Sportökonomie als Paradebeispiel dienen. Nach seiner statistisch überragenden Saison 2018/19 mit 56 Scorerpunkten war Labanc als Restricted Free Agent heiss begehrt. Doch die Sharks litten unter enormer Gehaltsdeckel-Not.

Labanc tat etwas, was Berater und Spielergewerkschaft fassungslos zurückliess: Er unterzeichnete am 8. Juli 2019 einen Einjahresvertrag für nur eine Million US-Dollar - ein massiver Gehaltsverzicht, um seinem Club Luft im Salary Cap zu verschaffen. Das Risiko schien sich zunächst nicht auszuzahlen. In der Folgesaison geriet er in ein Formtief und verbuchte lediglich 33 Punkte bei einer unglücklichen Plus/Minus-Bilanz von -33.

Am 10. Oktober 2020 statteten die Kalifornier Labanc trotz der mässigen Vorsaison mit einem hoch dotierten Vierjahresvertrag über insgesamt 18,9 Millionen Dollar aus (AAV von 4,725 Millionen). Während die Sharks finanziell unter dem Deal litten, hatte Labanc ausgesorgt und bewiesen, dass sich Loyalität im richtigen Moment im Profisport auszahlen kann.

Im ersten Europa-Jahr zum KHL-All-Star

Nach acht Jahren in San Jose und einer durch eine Schulteroperation überschatteten Saison bei den Columbus Blue Jackets (34 Spiele, 12 Punkte) wagte er 2025 den Schritt nach Europa. Mit seinen 30 Jahren befindet sich der Flügelstürmer weiterhin im idealen Eishockeyalter.

Zuletzt stand der US-Amerikaner, der auch den slowakischen Pass besitzt, in der eurasischen KHL bei den Shanghai Dragons unter Vertrag. In dieser Mannschaft avancierte Labanc schnell zum Leistungsträger. Mit 15 Toren und 19 Vorlagen in 55 Partien war er drittbester Scorer seines Teams und wurde folgerichtig für das KHL All-Star-Game nominiert.

Was können die Lakers von Labanc erwarten?

Lakers-Sportchef Claudio Cadonau blickt voller Vorfreude auf den Zuzug: "Kevin hat seine Qualitäten über viele Jahre in der NHL gezeigt. Er ist ein Scorer, verfügt über einen ausgezeichneten Schuss und wird uns als Rechtsschütze im Powerplay enorm helfen. Mit 30 ist er zudem im besten Alter für einen Eishockey-Spieler",

Tatsächlich könnte die spielerische Philosophie der National League dem eleganten Techniker perfekt liegen. Seine Kritiker warfen ihm in der NHL oft Defizite im Defensivverhalten vor. Auf dem grösseren europäischen Eis, wo Taktik, Tempowechsel und spielerische Finesse schwerer wiegen als die pure physische Härte Nordamerikas, kann Labanc seine kreativen Stärken und seine brandgefährliche Schusstechnik ideal ausspielen.

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2026-07-27 13:01:41