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'Diese Wand kann einschüchternd sein'

Berns neue Hoffnung im Tor

Connor Hughes soll beim SC Bern für langfristige Stabilität im Tor sorgen. Im Interview spricht der 29-Jährige über den Druck vor der grössten Kulisse der Liga, seinen Fünfjahresvertrag, den ungewöhnlichen Tausch mit Romain Loeffel, seine Zeit in der Organisation der Montreal Canadiens und darüber, weshalb Ruhe für ihn zu einem zentralen Teil seines Torhüterspiels geworden ist.

Der SC Bern verpflichtete Hughes Ende Juni 2026 vom Lausanne HC und stattete den schweizerisch-kanadischen Doppelbürger mit einem Fünfjahresvertrag aus. Im Gegenzug wechselte Verteidiger Romain Loeffel nach Lausanne. Für Hughes besteht in Bern damit die Chance, nach mehreren Stationen erstmals über längere Zeit an einem Ort etwas aufzubauen. Die Erwartungen sind entsprechend gross und der neue SCB-Goalie weiss, dass seine Position in Bern besonders stark im Fokus steht.

Du bist nun beim SC Bern angekommen. Wie sind deine ersten Eindrücke?

Connor Hughes: "Ich bin sehr zufrieden mit dem Staff, den Spielern und dem gesamten Umfeld. So habe ich mir das ungefähr vorgestellt, als ich hierherkam. Insgesamt bin ich wirklich sehr glücklich hier zu sein."

Du hast mit Lausanne bereits in Bern gespielt. Wie anders fühlt es sich an, die mehr als 17'000 Zuschauer nun auf deiner Seite zu haben?

"Das ist natürlich sehr cool. Wir haben die grösste Zuschauerkapazität der Liga, und wenn die Arena voll ist, ist das ein unglaubliches Gefühl. Darauf freue ich mich sehr. Bisher habe ich diese Atmosphäre nur als Gegner erlebt. Diese grosse Wand auf der Tribüne kann ziemlich einschüchternd sein. Jetzt habe ich diese Fans auf meiner Seite. Das ist schon ziemlich grossartig."

Spürst du dadurch auch mehr Druck?

"Natürlich bringt das etwas Druck mit sich. Damit muss ich in dieser Saison umgehen und lernen, ihn zu kontrollieren. Der Druck ist da, weil etwas mehr auf dem Spiel steht, wenn so viele Menschen zuschauen. Aber ich bin bereit für diese Herausforderung."

Als Torhüter stehst du in Bern besonders im Rampenlicht. Wird diese Position hier anders wahrgenommen als bei anderen Clubs?

"Ja, ich denke schon. Das hat auch mit der Geschichte des SC Bern zu tun. Der Club hatte in der Vergangenheit sehr gute Torhüter. Insofern kann man sagen, dass die Position hier eine besondere Bedeutung hat. Ich versuche aber einfach, meinen Job zu machen. Für mich geht es darum, in der Gegenwart zu bleiben, nicht zu viel über die Vergangenheit nachzudenken und meine Aufgabe so gut wie möglich zu erfüllen."

Du hast einen Fünfjahresvertrag unterschrieben. Erzeugt das zusätzlichen Druck oder gibt dir das vor allem Sicherheit?

"Es gibt mir definitiv Sicherheit. In dieser Phase meiner Karriere und in meinem Alter ist es schön, eine gewisse Sicherheit und Konstanz zu haben. Ich glaube, genau das sucht man als Spieler. Es gibt dir die Möglichkeit, mit einem Team etwas aufzubauen, anstatt ständig von einem Ort zum nächsten zu wechseln. Ich hatte in meiner Karriere bisher eigentlich nie ein Team, bei dem ich über längere Zeit bleiben konnte. Ich bin ziemlich oft herumgekommen. Deshalb habe ich nach einer Situation gesucht, in der ich Stabilität aufbauen und gemeinsam mit einem Club etwas entwickeln kann. Mit zusätzlichem Druck hat der Vertrag für mich eigentlich nichts zu tun."

Gleichzeitig zeigt ein solcher Vertrag auch, dass der Club an dich glaubt.

"Genau. Das hoffe ich zumindest. Normalerweise verpflichtet ein Manager einen Spieler über eine so lange Zeit, weil er an ihn glaubt und überzeugt ist, dass dieser Spieler dem Team über fünf Jahre oder länger helfen kann zu gewinnen. Insofern zeigt dieser Vertrag schon, dass der Club Vertrauen in mich hat."

Dein Wechsel nach Bern war Teil eines Tauschs, bei dem Romain Loeffel nach Lausanne ging. Wie hast du das wahrgenommen?

In einem Tauschgeschäft wechselte der Torhüter von Lausanne nach Bern. (Laurent Daspres/Freshfocus)

"So etwas ist in dieser Liga eher selten. In Nordamerika passiert es dagegen häufig. Es gehört zum Geschäft im Eishockey. Beide Spieler mussten dem Wechsel zustimmen, und ich denke, dass beide diesen Schritt machen wollten. Weil solche Wechsel hier nicht oft vorkommen, war es vielleicht für einige etwas überraschend. Für mich persönlich war es keine grosse Überraschung, weil ich das aus Nordamerika kenne und dort solche Dinge regelmässig passieren."

In Nordamerika warst du Teil der Organisation der Montreal Canadiens. Was hast du aus dieser Zeit mitgenommen?

"Sehr viel. Es war wirklich interessant, diese Organisation kennenzulernen. Die Canadiens sind eine erstklassige Organisation und haben uns sehr gut behandelt, auch auf AHL-Level. Die Zeit in Laval war grossartig, genauso wie die Stadt. Ich habe dort gemerkt, dass Eishockey in diesem Umfeld noch einmal eine ganz andere Welt ist. Es geht nicht immer nur darum, wer gerade gut spielt. Es ist auch ein mentaler Kampf. Diese Erfahrung hat mir am Ende sehr geholfen. Ich habe dort Dinge erlebt und gesehen, die ich ohne diesen Schritt wahrscheinlich nicht erlebt hätte. Deshalb bin ich sehr froh, dass sie mir diese Möglichkeit gegeben haben."

Was hast du in den vergangenen drei bis fünf Jahren am stärksten an deinem Torhüterspiel verändert?

"Ich würde sagen, dass ich meine Grösse besser nutze und insgesamt ruhiger geworden bin. Ich spiele nicht mehr ganz so aktiv wie früher und versuche, entspannter zu sein. Das sind wahrscheinlich die grössten Veränderungen in meinem Spiel während der vergangenen Jahre. Die Gewohnheiten, die ich mir in dieser Zeit erarbeitet habe, helfen mir heute sehr."

Wenn du ein Gegentor kassierst, musst du es als Goalie schnell abhaken. Wie gelingt dir dieser mentale Wechsel?

"Das ist auch heute noch eine Herausforderung. Ich kämpfe immer noch damit. Aber es gehört einfach zum Job. Als Torhüter musst du in sehr kurzen Zeitabschnitten denken. Du musst sofort wieder nach vorne schauen und ein Gegentor extrem schnell vergessen. Das ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Position. Wenn du darin nicht gut bist, wirst du als Torhüter nicht weit kommen."

Was sieht ein Torhüter während eines Spiels, was die Zuschauer auf der Tribüne vielleicht nicht sehen?

"Ich glaube, der grosse Unterschied ist, dass wir eigentlich ständig mitdenken. Selbst wenn sich das Spiel auf der anderen Seite des Eises befindet, überlegen wir bereits, was als Nächstes passieren könnte. Wenn der Puck in der offensiven Zone ist, schauen natürlich alle dorthin. Als Torhüter versuchst du aber gleichzeitig schon vorauszusehen, wie sich die nächste Situation entwickeln könnte. Ich glaube, viele Fans wären überrascht, wie hoch unser Puls auch dann noch ist, wenn das Spiel weit weg vom eigenen Tor stattfindet. Mit zunehmender Erfahrung wird das etwas besser. Aber wir denken permanent mit und versuchen ständig zu antizipieren, was als Nächstes passiert und was wir dann tun müssen. Von aussen sieht es manchmal vielleicht so aus, als würden wir hinten einfach nur herumstehen. Tatsächlich denken wir die ganze Zeit voraus."

Es ist also fast ein bisschen wie ein Blick in die Zukunft?

"Genau. Wir versuchen immer, einen Schritt voraus zu sein. Wir schauen beispielsweise, welche Spieler gerade auf dem Eis stehen, welche Gewohnheiten und Tendenzen sie haben und welche Spieler bei uns auf dem Eis sind. All diese Dinge spielen eine Rolle."

Zum Abschluss: Was müssen die SCB-Fans über Connor Hughes als Menschen wissen? Abseits von Statistiken und Eishockey?

"Ich liebe gutes Essen und guten Kaffee. Ausserdem reise ich sehr gerne. Ich entdecke gerne neue und auch ungewöhnliche Orte, an die typische Touristen vielleicht nicht unbedingt reisen würden. Ich gehe gerne raus, entdecke etwas Neues und erlebe solche Dinge."

Connor Hughes Dennis Rogge Eishockey EXKLUSIV MyHockey League National League SC Bern

2026-09-10 10:13:03