sport.ch

Die 'Kellerteams' bieten plötzlich dem Meister Paroli – das hat die National League gebraucht

Die Highlights der National League im September

Die ZSC Lions marschieren mit sieben Siegen aus sieben Spielen vorneweg, während Ambri und Ajoie plötzlich zu den Top-Teams gehören. Dazu verzücken zahlreiche Finnen die National League - und einer sorgt dabei besonders für Aufsehen. Wir blicken zurück auf die Highlights des Septembers.

Siegesserie der ZSC Lions

Sieben Spiele, sieben Siege: Die ZSC Lions können aktuell nur sich selbst schlagen. Mit 21 Punkten und damit dem Punktemaximum stehen sie nach dem Saisonstart an der Spitze. Den Einfluss des langjährigen NHL-Trainers Claude Julien merkt man bei der Spielweise der Zürcher. Kein Team spielt so abgeklärt wie die Lions. Die Konstanz und die defensive Reife machen es jedem Gegner schwer. Was bei den Zürchern ebenfalls auffällt, ist das starke Special Teams. Gegen Ambri entschieden sie die Partie mit vier Treffern im Powerplay.

Anders als viele andere Teams der Liga hatten die Zürcher nur wenige, dafür gezielte Verstärkungen. Sie holten Verteidiger Tim Berni sowie Stürmer Simon Knak zurück und verpflichteten Malte Strömwall von den Rapperswil-Jona Lakers. Vor allem Knak hat besonders eingeschlagen und spielt nun mit Denis Malgin und Sven Andrighetto in der ersten Linie. Claude Julien hat es geschafft, aus dem letztjährigen Team wieder einen Meisterkandidaten zu formen.

Claude Julien hat hinter der ZSC-Bande alles im Griff. (IMAGO/dieBildmanufaktur)

Die Lions können nicht nur wieder Meister werden, sondern auch einen Rekord knacken. Den offiziellen Ligarekord mit den meisten Siegen zum Saisonbeginn teilen sich aktuell Genève-Servette HC und der HC Davos mit jeweils neun Siegen in Serie. Den ZSC Lions fehlen noch drei Siege, um die neuen Rekordhalter zu werden. Mit diesem Kader und dem erfahrenen Trainer an der Bande scheint vieles möglich.

Letztjährige Playout-Finalisten sind in der Top-5

Noch Ende März standen sich der HC Ambri-Piotta und der HC Ajoie im Playout-Final gegenüber. Beide blickten auf eine schlechte Saison zurück. Die Jurassier sind in den vergangenen Jahren das gesetzte Schlusslicht und bei den Leventinern verliessen Trainer Luca Cereda und Sportchef Paolo Duca den Verein nach einem Umbruch. In Ambri übernahmen zuerst die Assistenztrainer Eric Landry und René Matte, in der entscheidenden Phase kam Jussi Tapola und rettete die Biancoblù vor dem Abstieg.

Im Tessin hat der finnische Trainer erst im Sommer so richtig sein Tempo-Eishockey durchbringen können. Während die Vorbereitung noch enttäuschend war, schlugen die Leventiner nach den ersten Spielen voll ein. Und das, obwohl sich wohl so mancher Fan gefragt hat, wer denn die Tore schiessen würde. Die Antwort ist: Top-Transfer Roby Järventie und die vielen hungrigen Jungen. Mittlerweile liegt Ambri nach acht Spielen in den Top Fünf.

Auch Ajoie hat mit Ville Peltonen einen neuen finnischen Trainer erhalten. Er und Tapola waren übrigens als Assistenztrainer am WM-Erfolg der Finnen beteiligt. Bei den Jurassiern überzeugen auch die Finnen auf dem Eis. Das Quartett mit dem letztjährigen Topscorer Anttoni Honka und dem Sturmtrio um Kristian Tanus, Jerry Turkulainen und Julius Nättinen sorgt für die meisten Ajoie-Treffer. Ende September lagen die Jurassier verdient in den Top Fünf.

Vier Tore gegen Davos von Tatar

Es war der perfekte Abend für Tomas Tatar im Auswärtsspiel gegen den HC Davos. Nach nur acht Minuten traf der Slowake im Dress des EV Zug bereits doppelt gegen die Bündner. Dass er noch lange nicht genug hatte, zeigte sich auch danach. Der ehemalige NHL-Stürmer stand immer wieder am richtigen Ort und sorgte für Gefahr.

In der 23. Minute machte Tatar seinen Hattrick perfekt. Erneut profitierte der EVZ von einer Überzahlsituation, nachdem HCD-Verteidiger Sven Jung nach einem Check gegen das Knie von Loris Wey mit einer grossen Strafe unter die Dusche musste. Der Slowake war hungrig auf seinen dritten Treffer des Abends. Doch selbst nach drei Treffern war Tatar noch nicht satt. Am Schluss schob er den Puck ins leere Tor. Nach einer eher durchzogenen letzten Saison beim EVZ waren diese Tore mehr als nur Genugtuung.

Tomas Tatar hatte mit dem HC Davos keine Gnade. (IMAGO/Mediafab.ch)

In der letzten Regular Season kam der 35-jährige Stürmer auf acht Treffer. Gegen Davos hat er schon die Hälfte seiner Bilanz vom letzten Jahr eingeholt. Aktuell ist er mit sieben Punkten in fünf Spielen der drittbeste Scorer. Damit er den Topscorerhelm wieder tragen darf, fehlt ihm nur noch ein Punkt. Dann wäre er gleichauf mit Vinzenz Rohrer und Jan Kovar. Letzterer ist aktuell der Zuger Topscorer, da er ein Tor mehr als Rohrer hat. Mit vier Toren - und damit den meisten im Zuger Dress - wäre Tatar damit wieder Topscorer, doch dafür muss er zuerst wieder punkten.

Die Finnen verzücken die Liga

Die Finnen in der National League verzücken aktuell die Liga: Ob Roby Järventie, der aktuell den HCAP wieder zum Scheinen bringt, oder das finnische Quartett in Ajoie, das die Jurassier in die Top 5 bringt, oder Jesse Puljujärvi, der in Genf zeigt, dass er eigentlich viel zu gut für diese Liga ist. Auch Markus Granlund zeigte letzte Saison, dass er mit 33 Jahren in seiner Bestform ist. Er ist wie guter Wein: Je älter er wird, desto besser wird er. Doch aktuell ist Granlund noch verletzt und fehlt dem GSHC.

Von den aktuell zehn besten Scorern der Liga sind vier aus Finnland. Besonders überraschend ist dabei aber die Nummer eins. Diese spielt nicht bei den grossen Klubs wie ZSC, Lausanne, Bern oder Genf, sondern in Ajoie. Mit Kristian Tanus gelang den Jurassiern ein Top-Transfer, der nach sieben Spielen bereits bei zwölf Scorerpunkten steht und fast zwei Punkte pro Spiel sammelt.

Dass Finnland bei dieser Qualität von Spielern in diesem Jahr Weltmeister wurde, ist nicht verwunderlich. Wir wollen da auch gar nicht nochmals in den Wunden vom Mai wühlen, doch die Finnen in der Schweiz sind eine grosse Bereicherung für unsere Liga, von der auch viele junge Schweizer profitieren können.

Eishockey EV Zug HC Ajoie HC Ambri-Piotta Jesse Puljujärvi Kristian Tanus Markus Granlund National League Roby Järventie Soraya Sägesser Tomas Tatar ZSC Lions

2026-10-04 07:50:11